SUCHE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Wirtschaft und Umwelt
Die grüne Ecke - alle 14 Tage - Folge 18
Neophyten - zwischen Hobbygärtnern und Umweltschützern
Von Katja Kleinert
Dabei ist der Riesenbärenklau nur der bekannteste Vertreter der sogenannten Neophyten - ursprünglich in Mitteleuropa nicht heimischer Pflanzenarten, denen es aber unabhängig von menschlicher Pflege gelungen ist, sich in freier Wildbahn auszubreiten. Was seinen Ausbreitungsdrang angeht, ist der Bärenklau dabei vergleichsweise harmlos.

Neophyten unter sich: Riesenbärenklau und Indisches Springkraut
Einige andere Pflanzen haben sich bereits als echte Problemfälle für die heimischen Ökosysteme herausgestellt. So z.B. der japanische Staudenknöterich oder das indische Springkraut, einst beliebte Gartenpflanzen, die mittlerweile an Bachläufen und in Feuchtwiesen flächendeckend auftreten. Die ursprüngliche, abwechslungsreiche Ufervegetation wird dabei zurückgedrängt. Da Springkraut und Knöterich oberirdisch im Winter komplett verschwinden, haben die Bachufer bei Hochwasser keinen Schutz mehr gegen Bodenerosion.

Staudenknöterich - Monokultur am Bachufer
Fotos: Katja Kleinert
Besonders reich an Neophyten sind Standorte mit einer hohen natürlichen Umweltdynamik, wie eben Bach- und Flussauen. Vor allem aber werden stark gestörte, menschlich beeinflusste Ökosysteme in Großstädten, Schutthalden, an Straßenrändern und Äckern bzw. Ackerränder zum großen Teil von Neophyten dominiert.
In Berlin z.B. betrachtet man ausgewilderte Straßenbäume, wie Robinie und Götterbaum als problematisch, da sie auf dem trockenen Sandboden und im milderen Stadtklima Konkurrenzvorteile gegenüber den natürlich vorkommenden Bäumen wie Birke und Kiefer haben. Robinien z.B. setzen über ihre Wurzeln Stickstoff frei, dadurch wird die Bodenzusammensetzung so stark verändert, daß eine vollkommen andere Pflanzengesellschaft entsteht.
Die Diskussion über Neophyten bekommt in den letzten Jahren Züge eines Ideologiestreits. Wollen Hobbygärtner nicht von ihren Gartenpflanzen und städtische Grünplaner nicht von ihren halbwegs unkomplizierten Straßenbäumen lassen, so laufen Naturschützer und Umweltverbände Sturm gegen die "Invasionspflanzen". Das Vokabular weckt dabei teilweise unangenehme Assoziationen: von "Immigrant killers" ist dabei die Rede oder der "Überfremdung einheimischer Lebensräume"
Dabei ist "einheimisch" ein relativer Begriff, da nach der letzten Eiszeit die meisten Pflanzen in Mitteleuropa erst wieder einwandern mussten, so auch die als "urdeutsch" geltenden Bäume wie Eiche und Buche. Weitere als "einheimisch" geltende Pflanzen wie Walnuß und Kirsche wurden von den Römern über die Alpen gebracht. Die Pflanzenwelt ist also in einer ständigen Bewegung und Wandlung. Seit etwa 200 Jahren hat sich das Tempo allerdings so verschärft, daß die Ökosysteme mit der Anpassung an Umweltzerstörung einerseits und ständig neu angesiedelten Pflanzenarten andererseits nicht mehr nachkommen.
Von den bundesweit 385 erfassten Neophyten-Arten haben sich etwa 20 (- 30) Arten als so problematisch erwiesen, dass gegen sie in größerem Umfang Bekämpfungen eingeleitet oder diskutiert worden sind.
Man sollte diese Pflanzen möglichst selten anpflanzen und keine Samen ausreifen lassen.
Wenn Problempflanzen bereits in der Nähe verwildert sind, sollten offene Flächen sich nicht selbst überlassen werden, im Zweifelsfall den Grünflächenämtern melden oder selbst abmähen.
Eine Liste der problematischsten Neophyten-Arten und weitere Informationen zum Thema gibt es unter www.neophyten.de
Sie auch: Naturnahe Gartengestaltung - www.picea-ex.de
Online-Flyer Nr. 59 vom 29.08.2006
Die grüne Ecke - alle 14 Tage - Folge 18
Neophyten - zwischen Hobbygärtnern und Umweltschützern
Von Katja Kleinert
Dabei ist der Riesenbärenklau nur der bekannteste Vertreter der sogenannten Neophyten - ursprünglich in Mitteleuropa nicht heimischer Pflanzenarten, denen es aber unabhängig von menschlicher Pflege gelungen ist, sich in freier Wildbahn auszubreiten. Was seinen Ausbreitungsdrang angeht, ist der Bärenklau dabei vergleichsweise harmlos.
Neophyten unter sich: Riesenbärenklau und Indisches Springkraut
Einige andere Pflanzen haben sich bereits als echte Problemfälle für die heimischen Ökosysteme herausgestellt. So z.B. der japanische Staudenknöterich oder das indische Springkraut, einst beliebte Gartenpflanzen, die mittlerweile an Bachläufen und in Feuchtwiesen flächendeckend auftreten. Die ursprüngliche, abwechslungsreiche Ufervegetation wird dabei zurückgedrängt. Da Springkraut und Knöterich oberirdisch im Winter komplett verschwinden, haben die Bachufer bei Hochwasser keinen Schutz mehr gegen Bodenerosion.
Staudenknöterich - Monokultur am Bachufer
Fotos: Katja Kleinert
Besonders reich an Neophyten sind Standorte mit einer hohen natürlichen Umweltdynamik, wie eben Bach- und Flussauen. Vor allem aber werden stark gestörte, menschlich beeinflusste Ökosysteme in Großstädten, Schutthalden, an Straßenrändern und Äckern bzw. Ackerränder zum großen Teil von Neophyten dominiert.
In Berlin z.B. betrachtet man ausgewilderte Straßenbäume, wie Robinie und Götterbaum als problematisch, da sie auf dem trockenen Sandboden und im milderen Stadtklima Konkurrenzvorteile gegenüber den natürlich vorkommenden Bäumen wie Birke und Kiefer haben. Robinien z.B. setzen über ihre Wurzeln Stickstoff frei, dadurch wird die Bodenzusammensetzung so stark verändert, daß eine vollkommen andere Pflanzengesellschaft entsteht.
Die Diskussion über Neophyten bekommt in den letzten Jahren Züge eines Ideologiestreits. Wollen Hobbygärtner nicht von ihren Gartenpflanzen und städtische Grünplaner nicht von ihren halbwegs unkomplizierten Straßenbäumen lassen, so laufen Naturschützer und Umweltverbände Sturm gegen die "Invasionspflanzen". Das Vokabular weckt dabei teilweise unangenehme Assoziationen: von "Immigrant killers" ist dabei die Rede oder der "Überfremdung einheimischer Lebensräume"
Dabei ist "einheimisch" ein relativer Begriff, da nach der letzten Eiszeit die meisten Pflanzen in Mitteleuropa erst wieder einwandern mussten, so auch die als "urdeutsch" geltenden Bäume wie Eiche und Buche. Weitere als "einheimisch" geltende Pflanzen wie Walnuß und Kirsche wurden von den Römern über die Alpen gebracht. Die Pflanzenwelt ist also in einer ständigen Bewegung und Wandlung. Seit etwa 200 Jahren hat sich das Tempo allerdings so verschärft, daß die Ökosysteme mit der Anpassung an Umweltzerstörung einerseits und ständig neu angesiedelten Pflanzenarten andererseits nicht mehr nachkommen.
Von den bundesweit 385 erfassten Neophyten-Arten haben sich etwa 20 (- 30) Arten als so problematisch erwiesen, dass gegen sie in größerem Umfang Bekämpfungen eingeleitet oder diskutiert worden sind.
Man sollte diese Pflanzen möglichst selten anpflanzen und keine Samen ausreifen lassen.
Wenn Problempflanzen bereits in der Nähe verwildert sind, sollten offene Flächen sich nicht selbst überlassen werden, im Zweifelsfall den Grünflächenämtern melden oder selbst abmähen.
Eine Liste der problematischsten Neophyten-Arten und weitere Informationen zum Thema gibt es unter www.neophyten.de
Sie auch: Naturnahe Gartengestaltung - www.picea-ex.de
Online-Flyer Nr. 59 vom 29.08.2006














