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Kultur und Wissen
Verdoppelung des Kölner Kulturhaushaltes?
Nach 15 Jahren Stillstand
Von Elmar Klevers
Warum ein Symposium?
Man sagt im Volksmund nicht unbegründet: "Wenn man nicht mehr weiter weiß, bildet man `nen Arbeitskreis". - Die Steigerung dieser Volksweisheit lautet: "Liegt man in der Konfusion, hilft nur noch ein Symposium". Zur Begründung desselben führte der Sprecher des Leitungsgremiums des Kölner Kulturrats Dr. Peter Bach aus, dass seit 15 Jahren in Köln ein kulturpolitischer Stillstand herrsche und dass dieser Zustand dringend beendet werden müsse. Seiner Meinung nach sei Stillstand Rückschritt. Ausgelöst worden sei dieser Zustand durch die Einsparungen bei den Haushaltsmitteln im Etat der Stadt Köln, der längeren Erkrankung der früheren Kulturdezernentin und dem zeitraubenden Rats-Hick-hack bei der Neuwahl des Nachfolgers.
Als erstes gutes Zeichen für einen Neubeginn sieht Bach die Wahl von Prof. Georg Quander zum Kulturdezernenten. Quander habe die offen ausgestreckte Hand des Kölner Kulturrats nach seiner Wahl im Rat der Stadt ergriffen, und es gebe seitdem eine produktive Zusammenarbeit. Nun solle ein Kulturentwicklungsplan für Köln erarbeitet werden.
Beim Durchdenken dieses Wortes und seines eventuellen späteren Inhalts schweifen meine Gedanken durch die Geschichte Kölns. Tatsächlich müssen die gemütlichen Kölner Klüngelbrüder von Zeit zu Zeit einen kräftigen Tritt in den A.... bekommen, damit ihre Gemeinschaftspflicht wieder ins Bewusstsein rückt und sie sich so auf die nächst höhere Kulturstufe mühsam hinaufbewegen. Napoleon hat Köln ja einen solchen Tritt verpasst. Als er nach Köln kam, stank es hier so sehr, dass er gleich nach Deutz durchritt. Die Ursache des Gestanks war, dass die Kölner überall in Gebüschen und an Stadtmauern ihren menschliche Bedürfnissen freien Lauf ließen. Toiletten und Kanalisation - wie sie schon die Römer kannten - waren in Vergessenheit geraten.
Napoleon sei Dank, denn seine Truppen halfen den Pimocken (den dreckigen Rheinländern), wieder eine römische Kulturstufe empor zu steigen. Das zweite Dankeschön gebührt ihm, weil seine Truppen die Kölner Häuser zählten und ihnen Hausnummern gaben. Dabei kamen sie auch an das Haus Nr. 4711, das von da an mit seinem Produkt "Kölnisch Wasser" half, den Gestank in Köln zu vertuschen. Der nun aktuell laut Peter Bach notwendige Kulturentwicklungsplan hat den Vorteil, dass er von den eigenen Leuten erarbeitet wird.
Wessen Interessen vertritt der Kölner Kulturrat?
Zunächst haben die Vereine, Verbände und Stiftungen der Kunst- und Kulturbeflissenen sich mit dem Kölner Kulturrat 1998 eine Dachorganisation geschaffen. Es sind nach eigenen Angaben 65 Mitgliedsorganisationen mit insgesamt 20.000 Mitgliedern. Die Web-Site lautet: www.kölnerkulturrat.de. Zu seinen selbst gesteckten Hauptaufgaben gehört die "Repräsentation des hohen privaten Engagements für Kunst und Kultur in Köln". Der Kölner Kulturrat sieht sich als "interdisziplinäres Gremium, das den Begriff dessen, was Kunststadt Köln bedeutet, sichtbar macht". Und so ließen sich noch mehrere köln-patriotische Ziele aus der Liste der Hauptaufgaben herauslesen. - Besser das, als den Bau und die Pflege von Kriegerdenkmälern, meine ich.
Um was geht´s beim Symposium
Das 1. Kölner kulturpolitische Symposium wird sich nicht mit Kunst und Kultur nicht inhaltlich beschäftigen. Für Kunst- und Kulturliebhaber gibt´s da nichts zu sehen oder zu hören. Man wird sich sich zwei Tage lang in vier Workshops mit den Themen "Finanzen", "Publikum", "Kunsthalle" und "Film" befassen unter Beteiligung namhafter Fachleute aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Kultur, die zunächst unter sich und danach mit den Teilnehmern diskutieren sollen.
Der Raum im Historischen Rathaus sei zwar groß, hieß es nun in der Pressekonferenz, aber nicht unbegrenzt. 2.000 Einladungen habe man schon verschickt, was etwa zehn Prozent der Mitglieder entspricht, die die angeschlossenen Verbände und Organisationen haben. Aber auch "normale Bürger", die sich für Kulturpolitik - nicht für Kunst und Kultur - interessieren, können sich bis Ende September anmelden.
Wahrscheinlich Heulen und Zähneknirschen
Die kulturpolitisch Interessierten treffen beim Symposium sicher auf interessante Menschen, die gute Analysen und wahrscheinlich nicht einzuhaltende Ankündigungen machen werden. Wenn die haushaltstechnische Seite des Kölner Etats realistisch betrachtet wird, können sich die Veranstalter ihr heute angekündigtes Ziel der Verdoppelung des Kulturhaushalts von drei auf sechs Prozent des Gesamthaushalts abschminken. Wahrscheinlich wird es ein zweitägiges Heulen und Zähneknirschen geben. Jeder Ratspolitiker ist doch an der Bedienung seiner Klientel interessiert und nicht am für alle Wünschbaren.
Bleibt abschließend anzumerken, dass der Frage der Nachhaltigkeit beim Bemühen des Kölner Kulturrats um die Verbesserung der Förderung der Kultur in Köln dadurch Rechnung getragen werden soll, dass das 2. Kölner kulturpolitische Symposium für das Vorwahljahr 2008 geplant ist.
Anmeldungen zum Symposium: Kölner Kulturrat c/o KunstSalon e.V., Brühler Straße 11-13, 50968 Köln, www.kölnerkulturrat.de
Online-Flyer Nr. 59 vom 29.08.2006
Verdoppelung des Kölner Kulturhaushaltes?
Nach 15 Jahren Stillstand
Von Elmar Klevers
Warum ein Symposium?
Man sagt im Volksmund nicht unbegründet: "Wenn man nicht mehr weiter weiß, bildet man `nen Arbeitskreis". - Die Steigerung dieser Volksweisheit lautet: "Liegt man in der Konfusion, hilft nur noch ein Symposium". Zur Begründung desselben führte der Sprecher des Leitungsgremiums des Kölner Kulturrats Dr. Peter Bach aus, dass seit 15 Jahren in Köln ein kulturpolitischer Stillstand herrsche und dass dieser Zustand dringend beendet werden müsse. Seiner Meinung nach sei Stillstand Rückschritt. Ausgelöst worden sei dieser Zustand durch die Einsparungen bei den Haushaltsmitteln im Etat der Stadt Köln, der längeren Erkrankung der früheren Kulturdezernentin und dem zeitraubenden Rats-Hick-hack bei der Neuwahl des Nachfolgers.
Als erstes gutes Zeichen für einen Neubeginn sieht Bach die Wahl von Prof. Georg Quander zum Kulturdezernenten. Quander habe die offen ausgestreckte Hand des Kölner Kulturrats nach seiner Wahl im Rat der Stadt ergriffen, und es gebe seitdem eine produktive Zusammenarbeit. Nun solle ein Kulturentwicklungsplan für Köln erarbeitet werden.
Beim Durchdenken dieses Wortes und seines eventuellen späteren Inhalts schweifen meine Gedanken durch die Geschichte Kölns. Tatsächlich müssen die gemütlichen Kölner Klüngelbrüder von Zeit zu Zeit einen kräftigen Tritt in den A.... bekommen, damit ihre Gemeinschaftspflicht wieder ins Bewusstsein rückt und sie sich so auf die nächst höhere Kulturstufe mühsam hinaufbewegen. Napoleon hat Köln ja einen solchen Tritt verpasst. Als er nach Köln kam, stank es hier so sehr, dass er gleich nach Deutz durchritt. Die Ursache des Gestanks war, dass die Kölner überall in Gebüschen und an Stadtmauern ihren menschliche Bedürfnissen freien Lauf ließen. Toiletten und Kanalisation - wie sie schon die Römer kannten - waren in Vergessenheit geraten.
Napoleon sei Dank, denn seine Truppen halfen den Pimocken (den dreckigen Rheinländern), wieder eine römische Kulturstufe empor zu steigen. Das zweite Dankeschön gebührt ihm, weil seine Truppen die Kölner Häuser zählten und ihnen Hausnummern gaben. Dabei kamen sie auch an das Haus Nr. 4711, das von da an mit seinem Produkt "Kölnisch Wasser" half, den Gestank in Köln zu vertuschen. Der nun aktuell laut Peter Bach notwendige Kulturentwicklungsplan hat den Vorteil, dass er von den eigenen Leuten erarbeitet wird.
Wessen Interessen vertritt der Kölner Kulturrat?
Zunächst haben die Vereine, Verbände und Stiftungen der Kunst- und Kulturbeflissenen sich mit dem Kölner Kulturrat 1998 eine Dachorganisation geschaffen. Es sind nach eigenen Angaben 65 Mitgliedsorganisationen mit insgesamt 20.000 Mitgliedern. Die Web-Site lautet: www.kölnerkulturrat.de. Zu seinen selbst gesteckten Hauptaufgaben gehört die "Repräsentation des hohen privaten Engagements für Kunst und Kultur in Köln". Der Kölner Kulturrat sieht sich als "interdisziplinäres Gremium, das den Begriff dessen, was Kunststadt Köln bedeutet, sichtbar macht". Und so ließen sich noch mehrere köln-patriotische Ziele aus der Liste der Hauptaufgaben herauslesen. - Besser das, als den Bau und die Pflege von Kriegerdenkmälern, meine ich.
Um was geht´s beim Symposium
Das 1. Kölner kulturpolitische Symposium wird sich nicht mit Kunst und Kultur nicht inhaltlich beschäftigen. Für Kunst- und Kulturliebhaber gibt´s da nichts zu sehen oder zu hören. Man wird sich sich zwei Tage lang in vier Workshops mit den Themen "Finanzen", "Publikum", "Kunsthalle" und "Film" befassen unter Beteiligung namhafter Fachleute aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Kultur, die zunächst unter sich und danach mit den Teilnehmern diskutieren sollen.
Der Raum im Historischen Rathaus sei zwar groß, hieß es nun in der Pressekonferenz, aber nicht unbegrenzt. 2.000 Einladungen habe man schon verschickt, was etwa zehn Prozent der Mitglieder entspricht, die die angeschlossenen Verbände und Organisationen haben. Aber auch "normale Bürger", die sich für Kulturpolitik - nicht für Kunst und Kultur - interessieren, können sich bis Ende September anmelden.
Wahrscheinlich Heulen und Zähneknirschen
Die kulturpolitisch Interessierten treffen beim Symposium sicher auf interessante Menschen, die gute Analysen und wahrscheinlich nicht einzuhaltende Ankündigungen machen werden. Wenn die haushaltstechnische Seite des Kölner Etats realistisch betrachtet wird, können sich die Veranstalter ihr heute angekündigtes Ziel der Verdoppelung des Kulturhaushalts von drei auf sechs Prozent des Gesamthaushalts abschminken. Wahrscheinlich wird es ein zweitägiges Heulen und Zähneknirschen geben. Jeder Ratspolitiker ist doch an der Bedienung seiner Klientel interessiert und nicht am für alle Wünschbaren.
Bleibt abschließend anzumerken, dass der Frage der Nachhaltigkeit beim Bemühen des Kölner Kulturrats um die Verbesserung der Förderung der Kultur in Köln dadurch Rechnung getragen werden soll, dass das 2. Kölner kulturpolitische Symposium für das Vorwahljahr 2008 geplant ist.
Anmeldungen zum Symposium: Kölner Kulturrat c/o KunstSalon e.V., Brühler Straße 11-13, 50968 Köln, www.kölnerkulturrat.de
Online-Flyer Nr. 59 vom 29.08.2006














