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Globales
Oberschulprogramm für einen "sinnerfüllten" Militärdienst in Israel
Wehrdienstablehnung nimmt zu
Von Endy Hagen
Schon während der letzten 30 Jahre habe das Bildungsministerium an den Oberschulen des Landes systematisch Jugendliche auf den Militärdienst vorbereitet. Mit einer ganzen Reihe von Projekten, Workshops und Ausflügen soll die Motivation für den Wehrdienst vergrößert werden. Vor zwei Jahren startete ein weiteres Programm "Die nächste Generation", zunächst versuchsweise. Es soll Jugendliche zu einem "sinnerfüllten" Militärdienst motivieren, womit wohl gemeint ist, dass sie sich zu Kampfeinheiten bzw. für eine Offizierslaufbahn melden sollen. Im Zuge dieses Programms treffen sich ranghohe Offiziere mit den Jugendlichen. Sie erzählen ihnen von ihren eigenen Erfahrungen in der Armee und helfen ihnen, sich auf den Wehrdienst vorzubereiten.
Gleichwohl wird der Chef des israelischen Bildungsministeriums Schmuel Abouav mit den Worten zitiert, in den letzten Jahren sei "der Wehrdienst zu einer Frage der freien Wahl anstelle einer Verpflichtung geworden; es ist wichtig, dass wir uns mit diesem Phänomen auseinandersetzen." Brigadegeneral Ilan Harari, der die Bildungsabteilung der Armee leitet, hat ihm vor kurzem Zahlen vorgelegt, denen zufolge in manchen Gebieten Israels bis zu 20 % der Jugendlichen nicht zur Armee gehen wollen.
Folgerichtig hat, so Gilad Grosman in seinem Artikel, das Ministerium beschlossen, dieses Problem gleich mit Beginn des neuen Schuljahres anzugehen. Bereits unter den Schülern der zehnten Klassen soll künftig eruiert werden, wer nur geringe Neigung zum Wehrdienst zeige. Diesen Jugendlichen sollen dann von pädagogischen und militärischen Begleitern gesondert betreut werden.

Karikatur: Kostas Koufogiorgos
www.koufogiorgos.de
Außerdem sollen jene Schulen festgestellt werden, bei denen die Zahl der Schulabgänger, die sich zur Armee melden, wiederholt unter dem nationalen Durchschnitt liegt. "...und wir werden einen Weg finden, den Schulen diese Information zukommen zu lassen, um die Notwendigkeit des Wehrdiensts zu unterstreichen."
Wer hier insbesondere motiviert werden soll, machte Brigadegeneral Elazar Stern in einem Interview mit dem Armeesender deutlich. Ihm obliegt es, die Hinterbliebenen gefallener Soldaten zu besuchen. Auf die Frage, ob diese sich "über eine ungleiche Verteilung der Bürde (des Diensts in der Armee und der Verluste - d.A.) beklagt hätten, antwortete Stern: "Die Familien nicht, aber ich sehe, welche Häuser ich besuche. Bei all dem Schmerz und Stolz, den ich verspüre, ist mir auch bewusst, welche Häuser ich nicht besuche."
Damit spielte Stern darauf an, dass die Ablehnung des Militärdiensts in Israel in der Tat auch ein Klassenphänomen ist. Heute sind es in erster Linie die unteren Schichten der Gesellschaft, die Neueinwanderer aus Russland und dem Jemen und die Mizrahim, die Einwanderer aus den arabischen Staaten und ihre Nachkommen, die zur Armee gehen. Die aschkenasische Elite, die einmal aus Mittel- und Osteuropa eingewandert ist, hat umgesattelt, denn die Karriere in der Armee ist heute nicht mehr zwangsläufig mit Erfolg im Zivilleben verbunden. An ihrer Stelle drängen nun die unteren Schichten in die frei werdenden Positionen in der Armee und hoffen, auf diesem Wege den sozialen Aufstieg zu schaffen.
Ende Juli 2004 hat New Profile einen umfassenden Bericht über Kinderrekrutierung in Israel veröffentlicht. Die 54-seitige Broschüre erläutert den juristischen, historischen und kulturellen Hintergrund der Kinderrekrutierung in Israel, beschreibt die Vorbereitung israelischer Kinder auf ihre künftige Rolle als Soldaten und ihre Einbeziehung in militärische Funktionen.
Die Broschüre kann bestellt werden bei: New Profile, P.O.B. 3454, Ramat Ha-Sharon 47100, Israel oder per E-Mail: info@newprofile.org.
Online-Flyer Nr. 59 vom 29.08.2006
Oberschulprogramm für einen "sinnerfüllten" Militärdienst in Israel
Wehrdienstablehnung nimmt zu
Von Endy Hagen
Schon während der letzten 30 Jahre habe das Bildungsministerium an den Oberschulen des Landes systematisch Jugendliche auf den Militärdienst vorbereitet. Mit einer ganzen Reihe von Projekten, Workshops und Ausflügen soll die Motivation für den Wehrdienst vergrößert werden. Vor zwei Jahren startete ein weiteres Programm "Die nächste Generation", zunächst versuchsweise. Es soll Jugendliche zu einem "sinnerfüllten" Militärdienst motivieren, womit wohl gemeint ist, dass sie sich zu Kampfeinheiten bzw. für eine Offizierslaufbahn melden sollen. Im Zuge dieses Programms treffen sich ranghohe Offiziere mit den Jugendlichen. Sie erzählen ihnen von ihren eigenen Erfahrungen in der Armee und helfen ihnen, sich auf den Wehrdienst vorzubereiten.
Gleichwohl wird der Chef des israelischen Bildungsministeriums Schmuel Abouav mit den Worten zitiert, in den letzten Jahren sei "der Wehrdienst zu einer Frage der freien Wahl anstelle einer Verpflichtung geworden; es ist wichtig, dass wir uns mit diesem Phänomen auseinandersetzen." Brigadegeneral Ilan Harari, der die Bildungsabteilung der Armee leitet, hat ihm vor kurzem Zahlen vorgelegt, denen zufolge in manchen Gebieten Israels bis zu 20 % der Jugendlichen nicht zur Armee gehen wollen.
Folgerichtig hat, so Gilad Grosman in seinem Artikel, das Ministerium beschlossen, dieses Problem gleich mit Beginn des neuen Schuljahres anzugehen. Bereits unter den Schülern der zehnten Klassen soll künftig eruiert werden, wer nur geringe Neigung zum Wehrdienst zeige. Diesen Jugendlichen sollen dann von pädagogischen und militärischen Begleitern gesondert betreut werden.
Karikatur: Kostas Koufogiorgos
www.koufogiorgos.de
Außerdem sollen jene Schulen festgestellt werden, bei denen die Zahl der Schulabgänger, die sich zur Armee melden, wiederholt unter dem nationalen Durchschnitt liegt. "...und wir werden einen Weg finden, den Schulen diese Information zukommen zu lassen, um die Notwendigkeit des Wehrdiensts zu unterstreichen."
Wer hier insbesondere motiviert werden soll, machte Brigadegeneral Elazar Stern in einem Interview mit dem Armeesender deutlich. Ihm obliegt es, die Hinterbliebenen gefallener Soldaten zu besuchen. Auf die Frage, ob diese sich "über eine ungleiche Verteilung der Bürde (des Diensts in der Armee und der Verluste - d.A.) beklagt hätten, antwortete Stern: "Die Familien nicht, aber ich sehe, welche Häuser ich besuche. Bei all dem Schmerz und Stolz, den ich verspüre, ist mir auch bewusst, welche Häuser ich nicht besuche."
Damit spielte Stern darauf an, dass die Ablehnung des Militärdiensts in Israel in der Tat auch ein Klassenphänomen ist. Heute sind es in erster Linie die unteren Schichten der Gesellschaft, die Neueinwanderer aus Russland und dem Jemen und die Mizrahim, die Einwanderer aus den arabischen Staaten und ihre Nachkommen, die zur Armee gehen. Die aschkenasische Elite, die einmal aus Mittel- und Osteuropa eingewandert ist, hat umgesattelt, denn die Karriere in der Armee ist heute nicht mehr zwangsläufig mit Erfolg im Zivilleben verbunden. An ihrer Stelle drängen nun die unteren Schichten in die frei werdenden Positionen in der Armee und hoffen, auf diesem Wege den sozialen Aufstieg zu schaffen.
Ende Juli 2004 hat New Profile einen umfassenden Bericht über Kinderrekrutierung in Israel veröffentlicht. Die 54-seitige Broschüre erläutert den juristischen, historischen und kulturellen Hintergrund der Kinderrekrutierung in Israel, beschreibt die Vorbereitung israelischer Kinder auf ihre künftige Rolle als Soldaten und ihre Einbeziehung in militärische Funktionen.
Die Broschüre kann bestellt werden bei: New Profile, P.O.B. 3454, Ramat Ha-Sharon 47100, Israel oder per E-Mail: info@newprofile.org.
Online-Flyer Nr. 59 vom 29.08.2006














