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Offener Brief der MBI an WDR-Intendant Fritz Pleitgen
Wir sollten Klartext reden!
Von L. Reinhard und H.G. Hötger
Sehr geehrter Herr Pleitgen,
mit Brief vom 22. Juli hatten wir Sie angeschrieben und unser Befremden darüber zum Ausdruck gebracht, dass der WDR das Manuskript zu dem am 5. und 6. März ausgestrahlten Radiofeature von W. Rügemer über die Mülheimer Verhältnisse auf Drängen von Staatssekretär und ex-OB Baganz (CDU) sowie seiner Nachfolgerin Mühlenfeld (SPD) aus dem Netz genommen hat. Unserer Bitte, uns als Wählergemeinschaft im Rat der Stadt Mülheim das Recht auf Veröffentlichung zu erteilen, hat die WDR-Rechtsabteilung mit mail vom 27. Juli eine grundsätzliche Absage erteilt.
Damit waren unsere Fragen, Anmerkungen und Bitten an Sie allerdings nicht beantwortet. Wir erinnerten Sie deshalb mit Brief vom 12. August, in dem wir schrieben: "Auch wenn Sie die Löschung des Mülheim-Features aus dem Internet nicht rückgängig machen wollen, haben wir großes Interesse an einer Begründung, Stellungnahme oder Erwiderung Ihrerseits.
Es wäre traurig, wenn der Eindruck bestehen bliebe, der WDR hätte sich auf Intervention von Politikern, deren Fehler in dem Bericht offen gelegt wurden, zur Löschung drängen lassen. Wir wollen ferner nicht glauben, dass es einen Zusammenhang zwischen der unnötigen Löschung und Ihrer anstehenden Wiederwahl gibt, wie es u.a. in der "Welt" vermutet wurde."
Nun erhielten wir einen Brief von Frau Piel, die angab, Sie hätten sie gebeten, uns abschließend zu antworten. Sie schreibt weiter: "Sie können sicher sein, dass unsere Redaktionen unabhängig und nach journalistischen Grundsätzen arbeiten und dies auch zukünftig tun werden. Genau aus diesem Grund haben wir das Sendemanuskript aus unserem Internet-Angebot nehmen müssen, denn sowohl gegenüber der Mülheimer Oberbürgermeisterin Frau Mühlenfeld wie auch gegenüber ihrem Vorgänger Herrn Dr. Baganz mussten wir einräumen, dass hier in einzelnen Punkten journalistisch präziser hätte gearbeitet werden müssen. Dass wir uns für dieses journalistische Versäumnis bei beiden entschuldigen und dafür sorgen, dass falsche Angaben nicht mehr in unserem Internet-Angebot verbreitet werden, ist eine Frage der journalistischen Fairness, aber auch des journalistischen Selbstverständnisses. Insoweit kommt auch nicht die Wiedereinstellung einer gekürzten oder mit Anmerkungen versehenen Fassung des Sendungsmanuskripts in Betracht."
Das, sehr geehrter Herr Pleitgen, kann uns nicht zufrieden stellen, im Gegenteil:
Wir hatten Sie persönlich angeschrieben und insbesondere die Frage gestellt, ob es einen Zusammenhang zwischen der ebenso unverständlichen wie überflüssigen Löschung des Rügemer-Beitrags zu Mülheim mit Ihrer möglichen Wiederwahl gibt. Das können nur sie selbst beantworten und nicht Frau Piel.
Wir können nicht nachvollziehen, warum wegen nebensächlicher Ungenauigkeiten der gesamte Beitrag gelöscht wurde anstatt diese Ungenauigkeiten im Manuskript zu korrigieren. (So könnte erklärend ergänzt werden: Die Angabe "99.000 Euro RWE-Tantiemen" kann leicht durch "mindestens 76.000 Euro" ersetzt werden, ebenso die Angabe "einige Tage vor seinem Rücktritt" durch "einige Monate vor seinem Rücktritt") Wir können das nur so deuten, dass Frau Mühlenfeld und insbesondere Herrn Baganz der Gefallen getan wurde, einen Bericht wegzuzensieren, weil deren unsaubere Machenschaften darin erläutert wurden.
Überhaupt nicht verstehen können wir, dass Frau Piel sich auch noch bei den beiden entschuldigte.Wofür eigentlich? Dafür dass Frau OB Mühlenfeld bis heute ein unerlaubtes Versteckspiel um die Höhe ihrer RWE-Aufsichtsratstantiemen betreibt, um dann sagen zu können, die vermutete Höhe stimme nicht? Oder dafür, dass Herr Baganz am Wochenende vor seinem jämmerlichen Rücktritt nicht gesagt hat, RWE und WAZ stünden hinter ihm, denn das hatte er Monate davor gesagt? Wofür konnte sich hier der WDR entschuldigen?
Sehr geehrter Herr Pleitgen,
wir sind alle erwachsene Menschen und wir sollten Klartext reden. Frau Piel hat insbesondere gegenüber Herrn Staatssekretär Baganz einen völlig unnötigen Kotau gemacht.
Warum? Wollte Sie eventuell selbst Ihre Nachfolgerin werden und hoffte, so die CDU-Stimmen im Rundfunkrat sicher zu stellen?
Oder handelte sie in Ihrem Auftrag?
Es tut aber der Demokratie und der Meinungsfreiheit in unserem Lande nicht gut, wenn Berichte über Amts- und Würdenträger, die die Bevölkerung am Rande der Legalität oder gar darüber hinaus hintergangen und betrogen haben, aus nichtigen formalistischen Gründen gelöscht werden und ein Sender wie der WDR sich auch noch entschuldigt. Ein Hasardeur wie ex-OB Baganz hat einen riesigen Scherbenhaufen in unserer Stadt hinterlassen auf Kosten der Bürger, die ja auch gleichzeitig Gebührenzahler des WDR sind.
Wenn die betrogenen Bürger und Gebührenzahler den Eindruck bekommen müssten, dass der WDR über Fehler von Würdenträgern nicht mehr berichten dürfte, wäre der Eindruck einer Art Staatsfernsehen naheliegend. Das entspräche aber nicht dem Auftrag des WDR.
Wir bitten Sie hiermit noch einmal um Stellungnahme Ihrerseits, insbesondere zu der Frage, welchen Zusammenhang es zwischen der Intendantenwahl und der Löschung des Manuskripts gibt.
Wir verbleiben
mit herzlichen Grüßen
i.A. der MBI: L. Reinhard, Fraktionssprecher H.G. Hötger, Vorsitzender
Online-Flyer Nr. 60 vom 05.09.2006
Offener Brief der MBI an WDR-Intendant Fritz Pleitgen
Wir sollten Klartext reden!
Von L. Reinhard und H.G. Hötger
Sehr geehrter Herr Pleitgen,
mit Brief vom 22. Juli hatten wir Sie angeschrieben und unser Befremden darüber zum Ausdruck gebracht, dass der WDR das Manuskript zu dem am 5. und 6. März ausgestrahlten Radiofeature von W. Rügemer über die Mülheimer Verhältnisse auf Drängen von Staatssekretär und ex-OB Baganz (CDU) sowie seiner Nachfolgerin Mühlenfeld (SPD) aus dem Netz genommen hat. Unserer Bitte, uns als Wählergemeinschaft im Rat der Stadt Mülheim das Recht auf Veröffentlichung zu erteilen, hat die WDR-Rechtsabteilung mit mail vom 27. Juli eine grundsätzliche Absage erteilt.
Damit waren unsere Fragen, Anmerkungen und Bitten an Sie allerdings nicht beantwortet. Wir erinnerten Sie deshalb mit Brief vom 12. August, in dem wir schrieben: "Auch wenn Sie die Löschung des Mülheim-Features aus dem Internet nicht rückgängig machen wollen, haben wir großes Interesse an einer Begründung, Stellungnahme oder Erwiderung Ihrerseits.
Es wäre traurig, wenn der Eindruck bestehen bliebe, der WDR hätte sich auf Intervention von Politikern, deren Fehler in dem Bericht offen gelegt wurden, zur Löschung drängen lassen. Wir wollen ferner nicht glauben, dass es einen Zusammenhang zwischen der unnötigen Löschung und Ihrer anstehenden Wiederwahl gibt, wie es u.a. in der "Welt" vermutet wurde."
Nun erhielten wir einen Brief von Frau Piel, die angab, Sie hätten sie gebeten, uns abschließend zu antworten. Sie schreibt weiter: "Sie können sicher sein, dass unsere Redaktionen unabhängig und nach journalistischen Grundsätzen arbeiten und dies auch zukünftig tun werden. Genau aus diesem Grund haben wir das Sendemanuskript aus unserem Internet-Angebot nehmen müssen, denn sowohl gegenüber der Mülheimer Oberbürgermeisterin Frau Mühlenfeld wie auch gegenüber ihrem Vorgänger Herrn Dr. Baganz mussten wir einräumen, dass hier in einzelnen Punkten journalistisch präziser hätte gearbeitet werden müssen. Dass wir uns für dieses journalistische Versäumnis bei beiden entschuldigen und dafür sorgen, dass falsche Angaben nicht mehr in unserem Internet-Angebot verbreitet werden, ist eine Frage der journalistischen Fairness, aber auch des journalistischen Selbstverständnisses. Insoweit kommt auch nicht die Wiedereinstellung einer gekürzten oder mit Anmerkungen versehenen Fassung des Sendungsmanuskripts in Betracht."
Das, sehr geehrter Herr Pleitgen, kann uns nicht zufrieden stellen, im Gegenteil:
Wir hatten Sie persönlich angeschrieben und insbesondere die Frage gestellt, ob es einen Zusammenhang zwischen der ebenso unverständlichen wie überflüssigen Löschung des Rügemer-Beitrags zu Mülheim mit Ihrer möglichen Wiederwahl gibt. Das können nur sie selbst beantworten und nicht Frau Piel.
Wir können nicht nachvollziehen, warum wegen nebensächlicher Ungenauigkeiten der gesamte Beitrag gelöscht wurde anstatt diese Ungenauigkeiten im Manuskript zu korrigieren. (So könnte erklärend ergänzt werden: Die Angabe "99.000 Euro RWE-Tantiemen" kann leicht durch "mindestens 76.000 Euro" ersetzt werden, ebenso die Angabe "einige Tage vor seinem Rücktritt" durch "einige Monate vor seinem Rücktritt") Wir können das nur so deuten, dass Frau Mühlenfeld und insbesondere Herrn Baganz der Gefallen getan wurde, einen Bericht wegzuzensieren, weil deren unsaubere Machenschaften darin erläutert wurden.
Überhaupt nicht verstehen können wir, dass Frau Piel sich auch noch bei den beiden entschuldigte.Wofür eigentlich? Dafür dass Frau OB Mühlenfeld bis heute ein unerlaubtes Versteckspiel um die Höhe ihrer RWE-Aufsichtsratstantiemen betreibt, um dann sagen zu können, die vermutete Höhe stimme nicht? Oder dafür, dass Herr Baganz am Wochenende vor seinem jämmerlichen Rücktritt nicht gesagt hat, RWE und WAZ stünden hinter ihm, denn das hatte er Monate davor gesagt? Wofür konnte sich hier der WDR entschuldigen?
Sehr geehrter Herr Pleitgen,
wir sind alle erwachsene Menschen und wir sollten Klartext reden. Frau Piel hat insbesondere gegenüber Herrn Staatssekretär Baganz einen völlig unnötigen Kotau gemacht.
Warum? Wollte Sie eventuell selbst Ihre Nachfolgerin werden und hoffte, so die CDU-Stimmen im Rundfunkrat sicher zu stellen?
Oder handelte sie in Ihrem Auftrag?
Es tut aber der Demokratie und der Meinungsfreiheit in unserem Lande nicht gut, wenn Berichte über Amts- und Würdenträger, die die Bevölkerung am Rande der Legalität oder gar darüber hinaus hintergangen und betrogen haben, aus nichtigen formalistischen Gründen gelöscht werden und ein Sender wie der WDR sich auch noch entschuldigt. Ein Hasardeur wie ex-OB Baganz hat einen riesigen Scherbenhaufen in unserer Stadt hinterlassen auf Kosten der Bürger, die ja auch gleichzeitig Gebührenzahler des WDR sind.
Wenn die betrogenen Bürger und Gebührenzahler den Eindruck bekommen müssten, dass der WDR über Fehler von Würdenträgern nicht mehr berichten dürfte, wäre der Eindruck einer Art Staatsfernsehen naheliegend. Das entspräche aber nicht dem Auftrag des WDR.
Wir bitten Sie hiermit noch einmal um Stellungnahme Ihrerseits, insbesondere zu der Frage, welchen Zusammenhang es zwischen der Intendantenwahl und der Löschung des Manuskripts gibt.
Wir verbleiben
mit herzlichen Grüßen
i.A. der MBI: L. Reinhard, Fraktionssprecher H.G. Hötger, Vorsitzender
Online-Flyer Nr. 60 vom 05.09.2006














