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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Lokales
Die photokina aus dem Blickwinkel eines Besuchers
Streiflicht
Von Hans-Dieter Hey

Vielleicht ist es die größte photokina aller Zeiten, wer will das beurteilen. Für den stillen Betrachter, Liebhaber der Fotografie, Sammler von Standbildern, Freund des Festhaltens von Augenblicken und Gelegenheiten, der sich weniger für die Zahl der Besucher oder Aussteller interessiert, ist dies kaum von Belang. Und als solcher mache ich mich auf den Weg.
Ich werfe mir meine sperrige Fototasche über, hänge den Photoapparat um und quäle mich in die Straßenbahn. Jeder kann nun sehen: ich fahre zur photokina und gehöre dazu. Die Fachleute schauen mir nicht ins Gesicht. Ein Blick auf Kamera und Objektiv hilft ihnen, mich einzuordnen. Meine Ausstattung hält sich in Grenzen, führt aber gelegentlich zu erträglichen Ergebnissen. Das Berühmtwerden habe ich längst aufgegeben.

photokina - die frühen Jahre
photokina - die frühen Jahre

Haltestelle Messe. Beim Ausstieg will jeder der Erste sein und ich frage mich, warum diese Eile. Alle sind ziemlich aufgeregt und ungeduldig. Vor allem an der Ampel, die mit ziemlicher Sicherheit nur für Autos gedacht war. Hier ist Zeit für die Thermoskanne. Bei Grün rennt alles los. Manche schon vorher und ich gehöre mit dazu, weil ich keine Thermoskanne mithabe. Gut, dass die Taxis, die plötzlich aus der Messe schießen, rücksichtsvoll sind. Ein Unfall hätte mir bestimmt den Tag versaut, wo ich doch auf einen neuen Fotorucksack scharf bin, auf den ich dann hätte verzichten müssen.

Wenn man schreibt oder beruflich fotografiert, hat dies auf der photokina einen unschätzbaren Vorteil. Man kann sich akkreditieren lassen. D.h. man bekommt durch seinen Beruf Geld und kommt auch noch umsonst rein. Es soll Hartz-IV-Empfänger geben, die sich auch für Fotografie interessieren, doch die müssen 19 Euro zahlen. Die Welt ist eben ungerecht. Ich lasse mich also ungerecht akkreditieren und schließe mich als Herdentier der Masse an.

Die elektrischen Drehtüren mit Barcode-Öffnung kenne ich vom Kölner Zoo. Ihre gefährlich drohenden Stangen sind zudem unangenehm, weil ich sie in Höhe meines empfindlichen Teils aufstoßen muss, um hinein zu kommen. Im Anschluss bekomme ich dann von hinten mit der nächsten Stange eins drauf. Eine glatte Grenzüberschreitung der Kölner Messe, obwohl Frauen und Männer hier gleichbehandelt werden. Mit meiner Kameratasche wird alles gar zur akrobatischen Übung. Oh Gott, hoffentlich stehe ich das bis zum Schluss durch.

Princess for one Day - Schöne Oberfläche
Princess for one Day - Schöne Oberfläche

In der ersten Halle trifft mich gleich mehrfach der Schlag. Es empfängt mich ein akustischer Schwall von Musik und nicht entschlüsselbaren Geräuschen, deren Ortung hoffnungslos scheitert. Ich stelle mich taub, Augen auf und durch. Nichts für Menschen, die Liebhaber der Fotografie und der Beschaulichkeit sind. Ich möchte diese Halle für Technikverliebte und der Pixelorgien verlassen und weiß nicht mehr wo ich bin. Ich wechsele die Gänge, finde aber keine Hinweise. Plötzlich und überraschend mache ich einen Hallenplan aus. Der rote Punkt zeigt mir, wo ich bin. Nach dem Plan müsste hinter mir die nächste Halle kommen. Doch dort ist die Wand. Ich frage die freundliche Dame von der Messe mit dem grünen Hut und beschwere mich wegen der schlechten Beschilderung. Mit vor den Mund gehaltener Hand und unter Vertraulichkeit bedeutet sie mir die gleichen Ortungsprobleme. Und Halle eins, in die ich will, müsse ungefähr dort liegen.

Aus Verzweiflung nehme ich eine große Hand Bonbons aus dem Glas eines Ausstellers und stecke sie in die Tasche. Ich muss nämlich annehmen, noch länger in der Messe zu bleiben, denn eine Überlebensration Butterbrote habe ich nicht mit. Doch die Dame mit grünem Hut bringt mir Glück. Schließlich komme ich in Halle eins an.

Visual Gallery
Visual Gallery

Dort steht "Meet the Professionals", "Visual Gallery" und "Akademy meets photokina", damit auch jeder versteht, was gemeint ist. Es geht offensichtlich um Fotos und ich fasse nun wieder großes Vertrauen in die Messe. Vorher muss ich am Stand "Princess for one Day" vorbei. Mädels werden bei voller Musikdröhnung bis zur Unkenntlichkeit geschminkt, um ihnen jeglichen persönlichen Ausdruck zu nehmen, so dass alle schließlich gleich blöd aussehen. Diesen Triumph der Mittelmäßigkeit finden offensichtlich viele schön und bilden Trauben am Stand. Zahlreiche interessierte Herren fotografieren.

Escher - Leben Helfen
Escher - Leben Helfen
Fotos: Hans-Dieter Hey


Leider verhindert dabei die unangenehme Dröhnung der Lautsprecher, dass man sich mit den Themen des Bühnenprogramms konzentriert beschäftigten kann. Dort gibt es interessante Bild- und Filmbesprechungen und Vorträge um das Thema Fotografie und Bildjournalismus, dem wir uns in der NRHZ in den nächsten Ausgaben mit einigen interessanten Beiträgen widmen werden.

Wieder zurück muss ich am Neumarkt umsteigen. Doch da ist wieder diese furchtbare Dröhnung. Diesmal heißt sie "Rosamunde" und findet im Bierzelt statt. Ein Plakat hilft weiter: "Erstes Oktoberfest in Köln". Um Himmels willen, denke ich. Wir haben doch auf der photokina ausländische Gäste. Was sollen die denn denken! Ich will jetzt dringend nach Hause. Dort angekommen denke ich an die Bonbons in der Hosentasche. In ihr befand sich vorher eine wichtige Telefonnummer. Beide sind inzwischen unlösbar miteinander verbunden und nicht mehr zu gebrauchen. Trotz allem will ich noch mal hin zur photokina. Ich möchte endlich die Fotos von Jürgen Escher, Martin Parr, der Arbeiterfotografie oder anderen sehen.


Online-Flyer Nr. 64  vom 03.10.2006



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