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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Globales
Von den üblichen Medien nach den US-Wahlen verschwiegen:
Ein Sozialist wird Senator
Von Peter Kleinert

Über die eigentliche Sensation bei den US-Wahlen, durch deren Ergebnis sich wohl nicht allzu viel in der Außenpolitik der USA ändern dürfte, wurde - so weit ich es überblicke - weder in den ARD-, ZDF-, DW-Nachrichten noch in der Kölner DuMont-Presse ein Wort verloren: Mit Bernhard Sanders, der bisher für den kleinen Bundesstaat Vermont im Repräsentantenhaus saß, wurde zum ersten Mal ein erklärter Sozialist in den Senat gewählt.

Sanders wurde 1941 als Sohn polnischer Einwanderer in New York geboren. Sein Vater war Farbenverkäufer in Brooklyn. 1968 ging der Sohn mit "den Blumenkindern" ins grüne Vermont, gründete dort in den 70er Jahren zusammen mit anderen Studenten die linke "Liberty Union Party" und wurde trotzdem 1981 als Unabhängiger in dem traditionell republikanischen Vermont Bürgermeister von Burlington, der mit knapp 40.000 Einwohnern größten Stadt des "Green Mountain State" nördlich von New York an der kanadischen Grenze. 1991 wurde "Bernie", wie ihn die Menschen in Vermont nennen, von ihnen ins Repräsentantenhaus gewählt und war damit bis heute der dort am längsten amtierende parteilose Abgeordnete.

Bernard Sanders auf einem Vietnamkrieg-Veteranentreffen
Bernard Sanders auf einem Vietnamkrieg-Veteranentreffen
Foto: Sanders-website



Seit Beginn seiner politischen Arbeit war Sanders Gegner des Vietnam-Kriegs, stimmte 2003 im Repräsentantenhaus natürlich gegen die Invasion des Irak, kümmerte sich um Golfkriegsveteranen wie um die Renten von IBM-Arbeitern und Arbeitslosen und gilt als wortgewaltiger Kritiker des "Amerika der Konzerne", des "Patriot Act", der so genannten Anti-Terror-Gesetze, ebenso wie der massiven staatlichen und kommerziellen Einflussnahme in der US-Medien- und Telekommunikationsbranche. Kein Wunder, dass "unsere" Medien - mit wenigen Ausnahmen - Sanders und seinen neuen Erfolg nicht wahrnehmen wollten.

Sanders beim Betanken des ersten Hydrogen-Autos in Burlington
Sanders beim Betanken des ersten Hydrogen-Autos in Burlington
Foto: Sanders-website



Sechsmal wählten die Vermonter den heute 65jährigen mit Stimmenanteilen zwischen 50 und 70 Prozent zu ihrem Abgeordneten in Washington. Diesmal war sein Gegner bei der Kandidatur zum Senat ein republikanischer Software-Unternehmer und Millionär, den er mit Zweidrittelmehrheit deklassierte und so den Demokraten (mit einem weiteren unabhängigen Kandidaten) zur Mehrheit verhalf. Dass er die Demokraten, von denen 2003 viele für den Irak-Krieg stimmten, im Senat nicht in jedem Fall bedingungslos unterstützen wird, geht schon daraus hervor, dass er auf deren Unterstützung bei seinem jüngsten erfolgreichen Wahlkampf ausdrücklich verzichtete.

Außenseiter im Repräsentantenhaus
Außenseiter im Repräsentantenhaus
Foto: Sanders-website



Michael Moore nannte Bernard Sanders einmal "The only true voice of opposition in the Congress". Den Satz kann man auf dem Titelbild eines Buchs von Sander lesen: "Outsider in the House", mit dem er 1998 seine Arbeit als erster unabhängiger Abgeordneter im Kongreß seit 40 Jahren beschrieb. In dem Buch spricht Sanders sich eindeutig für höhere Steuern für die Reichen und die Konzerne, für eine Umverteilung des amerikanischen Reichtums von Oben nach Unten und für "free TV" - ein vom Staat und von den Konzernen unabhängiges Fernsehen aus. Ein weiterer Sanders-Buchtitel, gemeinsam mit mit dem Autor William Roth, hat den Titel "The Assault on social Policy" - "Der Angeriff auf soziale Politik".



Online-Flyer Nr. 70  vom 14.11.2006



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