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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Kultur und Wissen
Private Kunst und Kultur in Köln in der Weltspitze
Art Cologne - Art fair
Von Elmar Klevers

Während das städtische Engagement für Kunst und Kultur dank des jahrzehntelangen Sparkurses am Boden liegt und auf das Einhalten haltloser Versprechen von OB Schramma hofft, spielt die private Kunst Kölns in der Championsleague. 68 Galerien und zwei bedeutende Kunstmessen präsentieren Kunst und Kultur auf Weltniveau.

Art Cologne

Die Freiheit der Kunst

Einer der Ideengeber für die erste Kölner Kunstmesse, wie sie damals hieß, war der Galerist Rudolf Zwirner. Er erhielt in diesem Jahr den Preis der Art Cologne. Zwirner und seine Mitstreiter haben sich damals an den eigenen Haaren aus dem Sumpf eines schwächelnden Kunstmarktes herausgezogen, das Risiko getragen und dank des richtigen Konzeptes Erfolg gehabt. Aus den zwölf Erstbeteiligten des Jahres 1967 sind 2006 185 Galerien aus 28 Ländern geworden.

Art Cologne

Für den empfindsamen Besucher gestalten sich Kunsträume zu Orten der Freiheit. Es bedarf natürlich einer großen Toleranz des Kunstfreundes gegenüber den zu betrachtenden Werken von Menschen, die aus ihrem Empfinden und ihrer Perspektive Kunstwerke geschaffen haben, wobei ihr Lebensraum und die Lebensumstände mit einen Ausschlag gaben. Die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts, besonders in der ersten Hälfte, hat gezeigt, dass die "entarteten Schriftsteller und Künstler" auch durch die Ungebildetheit der Zeitgenossen nicht selten mit ihren Werken selbst untergegangen sind.

Art Cologne

Die Kunstentwicklung heute

Die Art Cologne kann mit Fug und Recht als Spiegelbild der Malerei aus mehr als zwei Jahrhunderten bezeichnet werden. Wer die "alten Meister" suchte, fand deren Bilder in den großen Galerien. Die werden dort allerdings von Jahr zu Jahr weniger. Die moderne Malerei - teils gegenständlich - teils abstrakt, versucht sich ständig in neuen Formen und Darstellungsweisen. In diesem Jahr waren "Bild in Bild"-Arbeiten sehr oft zu sehen. Dafür fehlten Bild-Skulpturen, bei denen Personen oder Gegenstände aus dem Bild hervortreten, gänzlich. Der Trend von 2005, dass die Bilder bis auf den Rahmen gemalt wurden, war dieses Jahr out. Die Malerei wurde von der biologischen Fortpflanzungsidee beflügelt. Gesellschaftskritik kam nur ganz am Rande und nur sehr sanft vor. Bei den Skulpturen überwogen moderne abstrakte Konstruktionen aus den verschiedensten Werkstoffen. Einzelne Künstler hatten gegenständliche Skulpturen von Menschen oder Tieren dargestellt. Vor allem afrikanische Künstler beeindruckten mit einer großen Zahl von Skulpturen aus Naturstoffen, wie Holz und Bronze.

Art Cologne

Auch Intoleranz gegenüber Künstlern

Während die Digitalkunst fast nicht vertreten war, spielte die Fotokunst eine bedeutende Rolle. Es war die Erfüllung des Traums vieler Foto-Künstler, einmal so umfangreich und als Kunstform anerkannt ihre Werke präsentieren zu können, obwohl im Hintergrund immer noch der Berechtigungsstreit zwischen "Knipser und Pinselquäler" tobt. Toleranz unter Künstlern? Ebenso intolerant war es, dass die KölnMesse und die in Sachen Kunst unterbelichteten Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes einem Aktionskünstler und Maler mit gesuchten formalen Gründen das Malen in der Art Cologne verboten und ihm mit einem Hausverbot trotz gültiger Eintrittskarte den Zugang verwehrten. Anstatt Freiraum der Kunst preussischer Geist - auch in Köln am Rhein. Daran ändert auch der große Erfolg der Art Cologne mit 68.000 Besuchern und einem guten Umsatz nichts.

Art Cologne

Art fair - ein modernes Kunstmärchen

Seit einigen Jahren veranstaltet die "art fair international GmbH" zur gleichen Zeit wie die Art Cologne ihre internationale Messe für aktuelle Kunst. Seit zwei Jahren findet sie in der EXPO XXI, in der Kölner Innenstadt am Gladbacher Wall 5 in einem ehemaligen historischen Postgebäude statt. Diesmal präsentierten sich 72 internationale Galerien, die 300 Künstler vertraten. Die Geburtsjahre der meisten von ihnen durften nicht vor 1960 liegen. Ergänzt wurde das Galerien-Programm durch die Sonderausstellungen "Gesellschafter Art Award" und "International Fotography Award". Das Gesamtevent wurde bereichert durch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm aus Licht- und Klangkunst, Live-Musik, Performances und Partys. Der Run auf die Art fair hat nach dem Umzug auf das EXPO XXI-Gelände stark zugenommen. Um die 72 Stände der 1600 qm großen Hallen hatten sich 200 internationale Galerien beworben.

Art Cologne

Von Seoul über Greifswald bis New York und Südafrika zieht sich der Bogen der Aussteller und der Künstler - eine junge Vielfalt an Künstlern und Kunstwerken der Malerei, der Skulptur und der Fotografie. Da die Eintrittspreise familienfreundlich gestaltet waren, fand man viele Kinder in den Ausstellungsräumen. Und die Äußerungen der Kleinen und ihre Beurteilungen von Kunstwerken waren sehr beeindruckend. Die Kinder äußern ihre Eindrücke unverblümt. Von ihnen könnte mancher Ausstellungsführer noch etwas lernen.

Art Cologne
Fotos: Elmar Klevers

Die Anordnung der Stände läßt eine große Durchgängigkeit zu, so dass sich für die Besucher eine angenehme Ungezwungenheit ergibt.

Von der Kunst her sind die Unterschiede zwischen Art fair und Art Cologne nicht gravierend. Art Cologne spiegelt den traditionellen Kunstbetrieb der alten Galerien im gediegenen Ambiente wieder. Die Preise für die Objekte sind nach oben offen. Die Preise mancher Werke liegen im siebenstelligen Bereich. Da ist man schon zufrieden, so etwas teures wenigstens mal gesehen und eventuell bei Zustimmung des Galeristen fotografiert zu haben. Art fair dagegen ist eher eine moderne, offene, kinder- und menschenfreundliche Kunstmesse. Die Preise für Spitzenkunstwerke liegen hier im fünfstelligen Bereich. Kleinere Bilder und Skulpturen sind auch für Kunstfreunde mit kleinerem Geldbeutel erwerbbar.

Kölner Kunstwoche

Um nicht ganz beiseite zu stehen, hatten die Museen der Stadt Köln zu einer "Langen Nacht der Kölner Museen" vom 4. zum 5. November eingeladen. Vierzig Museen, Kunstorte und Ausstellungshäuser konnten auf fünf Shuttel-Bus-Touren besichtigt werden. Auf diesen Bustouren konnte man mehr als 50 Sonderausstellungen und 200 Veranstaltungen im Rahmenprogramm teilnehmen. Ob der Eintrittspreis für alles mit 13 Euro günstig war, bleibt dahingestellt. Für eine Familie mit drei Kinder waren das nämlich immerhin 65 Euro.

Online-Flyer Nr. 70  vom 14.11.2006



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