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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Kultur und Wissen
Theaterabende im Leverkusener Kulturausbesserungswerk 
Orhan Pamuks "Schnee" auf der Bühne
Von Manfred Demmer

Seit fünf Jahren besteht - dank des Engagements vieler Aktivisten aus der alternativen Szene - das Kulturausbesserungswerk in Leverkusen. Gegen manche Widerstände hat es sich mit vielgestaltigen Aktivitäten ortsansässiger Initiativen einen Namen gemacht. Neben den Konzerten haben vor allem Theater-Aufführungen und Kulturprogramme das KAW zu einer ersten Adresse in der rheinisch-bergischen Region gemacht.

So erlebten die Besucher zum Jahrestag der Reichspogromnacht eine Aufführung der Remscheider Gruppe "Les Chabraques" zugunsten der Aktion "Stolpersteine" des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Das Stück irritierte zwar zu Beginn einige Zuschauer, die sich  fragten, was Schlager der 30er und 40er Jahre in einem Programm mit dem Titel "Wider das Vergessen" zu suchen hätten? Doch bald wurde auch dem Letzten klar: hier hatte man einen neuen - und wie am Schluss der Aufführung deutlich wurde - sehr aktivierenden Einstieg in das Thema "Faschismus und Widerstand in Deutschland 1933 bis 1945" mit Erfolg versucht. Durch den Kontrast der damaligen Schlager zu Texten und Liedern des Widerstands - verstärkt durch eine ungewöhnliche Aufführungstechnik - schafften es die Künstler, die Situation dieser Jahre den "Leuten von heute" nahe zu bringen.

Vor allem von den jugendlichen Zuschauern, die übrigens von allen Veranstaltungen im KAW besonders angesprochen werden, kamen am Schluss durchweg positive Aussagen zur Aufführung. Eigentlich ähnele die Berieselung durch die heutige "Eventkultur" durchaus der Rolle, die damals die Schlager spielten. Sie habe die Funktion, die Menschen auch heute wieder vom Nachdenken, Erkennen und Handeln abzuhalten.

Am 15. November stellte die in Leverkusen schon durch mehrere Inszenierungen bekannt gewordene Regisseurin Petra Clemens das Stück "Schneekristall" der Leverkusener Autorin Ulla Klomp vor. Das Theaterstück, das auf verschiedenen Ebenen, auch als szenische Lesung daher kam, hinterließ bei den Besuchern einen bleibenden Eindruck. PEN-Club-Mitglied Ulla Klomp, die im Stück die Rolle des Spielleiters übernahm, hatte damit den Roman "Schnee" von Friedenspreis- und Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk auf die Bühne gebracht. Die Aufführung fand im Rahmen der Aktion "Ein Buch für die Stadt" statt.

Die Geschichte handelt von dem türkischen Schriftsteller KA, der auf der Suche nach seiner verlorenen Identität ist. Er versucht, sie während einer Reise in seine Heimat wieder zu finden und wird in der nordostanatolischen Provinzstadt Kars damit konfrontiert, dass dieser Identitätsverlust nicht nur ihm widerfahren ist, sondern auch andere Menschen getroffen hat. Das Erlebnis der Aufführung wird manchen neugierig gemacht haben, nun auch Orhan Pamuks Buch zu lesen. Dieser einmalige Theaterabend, der hervorragend besucht war, macht gespannt auf weitere Arbeiten von Petra Clemens.

Online-Flyer Nr. 72  vom 28.11.2006



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