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Wirtschaft und Umwelt
Die Grüne Ecke - alle 14 Tage - Folge 25
Klimawandel - Klimakatastrophe?
Von Katja Kleinert

Karikatur: Kostas Koufogiorgos
www.koufogiorgos.de
Viele Menschen denken dabei schnell an den Treibhauseffekt und die globale Erwärmung. Ein einzelner milder Herbst ist aber dafür noch kein Indiz. Wetterschwankungen und Klimawandel sind nicht zwangsläufig dasselbe. Nach Meinung vieler Meteorologen ist der Klimawandel ein Phänomen, das erst nach vielen Jahren weltweiter Wetterbeobachtung erkennbar sei. Nicht ein einzelner Witterungsverlauf, sondern die Häufung extremer Abweichungen vom Normalwetter sei ein Signal dafür.
An diesen extremen Abweichungen herrscht allerdings kein Mangel. Hier einige nach dem Zufallsprinzip zusammengetragene Fakten:
Auf der Internetseite des Deutschen Wetterdiensts findet man die absoluten Höchsttemperaturen von 53 Wetterstationen in Deutschland von 1920 bis heute. 38 dieser Temperaturrekorde stammen aus den Jahren 1990 bis heute.
Im letzten Jahrhundert stieg die Temperatur in Deutschland um knapp ein Grad Celsius an. Das reichte schon für eine Verschiebung der Klimazonen um glatte 100 Kilometer nach Norden. Zugvögel fliegen später nach Süden, kehren früher zurück oder bleiben gleich ganz da. Pflanzen treiben im Durchschnitt um sechs Tage früher aus als noch vor 100 Jahren.
Mediterrane Tier- und Pflanzenarten wandern nach Mitteleuropa, afrikanische nach Südeuropa.
Zunehmende Dürre in Teilen Afrikas. Steppen und Savannen werden zur Wüste, Wald- und Ackerland versteppt zusehends.
Das Jahr 2005 war das Jahr mit den häufigsten und stärksten Hurrikanen vor Mittel- und Nordamerika. Parallel dazu ist die Temperatur des Atlantiks um 0,9 Grad Celsius im Vergleich zu 1970 angestiegen. Dieser Anstieg beeinflusst nach Meinung von Meteorologen zwar nicht die Häufigkeit von Wirbelstürmen, aber verstärkt ihre Heftigkeit.
Das Eis in der Arktis, auf Grönland und in der Antarktis schmilzt in besorgniserregendem Tempo. Mittlerweile gibt es Berechnungen, nach denen der Nordpol bis zum Jahr 2080 im Sommer komplett eisfrei sein könnte. Die Folgen sind fatal, und zwar in mehrerer Hinsicht.
Zum einen entsteht ein Rückkopplungseffekt dadurch, daß das dunklere Meerwasser im Unterschied zum weißen Eis die Sonnenstrahlen nicht mehr reflektieren kann - die Temperaturen steigen also noch schneller an.
Zweitens wird der Meeresspiegel ansteigen. Vorsichtige Schätzungen gehen von etwa einem halben Meter bis zum Ende des 21. Jahrhunderts aus. Für viele pazifische Inselstaaten, Bangladesch, Teile von Indien, aber auch für die Niederlande heißt das: Land unter.
Drittens besteht Eis aus Süßwasser. Das ist leichter als Salzwasser, es wird also weniger kaltes Wasser im Nordatlantik und vor der Antarktis nach unten sinken. Das wird die Meeresströmungen komplett durcheinander bringen. Skurrilerweise könnte es dadurch in Nordwesteuropa kälter werden, denn nur durch den Golfstrom haben Länder wie Großbritannien, Irland und die in Skandinavien ein halbwegs ausgeglichenes Klima.
Natürlich ist das weltweite Klima noch nie eine stabile Größe gewesen. Eiszeiten und Warmzeiten haben sich in den letzten Jahrmillionen abgewechselt. Diese Wechsel gingen aber stets sehr langsam, über Jahrtausende vor sich. Heutzutage aber stehen wir am Beginn eines vergleichsweise rapiden, von Menschen gemachten Klimawandels, der innerhalb von wenigen Jahrhunderten fatale Folgen haben kann.
Aufhalten läßt sich der Klimawandel wohl nicht mehr. Selbst wenn - was sehr unwahrscheinlich ist - der Ausstoß von Treibhausgasen sofort gestoppt würde, käme es zu einer weltweiten Temperaturerhöhung. Deren Ausmaß läßt sich allerdings sehr wohl noch beeinflussen. Auch wenn das Bad schon unter Wasser steht, lohnt es sich noch, den Hahn zuzudrehen. In unserem eigenen Interesse.
Treffen sich zwei Planeten im Weltall.
Sagt der eine: Du siehst aber schlecht aus. Was ist los?
Sagt der andere: Ach, ich hab Homo sapiens.
Sagt der eine: Ist halb so schlimm, das geht von alleine weg.
Online-Flyer Nr. 75 vom 19.12.2006
Die Grüne Ecke - alle 14 Tage - Folge 25
Klimawandel - Klimakatastrophe?
Von Katja Kleinert

Karikatur: Kostas Koufogiorgos
www.koufogiorgos.de
Viele Menschen denken dabei schnell an den Treibhauseffekt und die globale Erwärmung. Ein einzelner milder Herbst ist aber dafür noch kein Indiz. Wetterschwankungen und Klimawandel sind nicht zwangsläufig dasselbe. Nach Meinung vieler Meteorologen ist der Klimawandel ein Phänomen, das erst nach vielen Jahren weltweiter Wetterbeobachtung erkennbar sei. Nicht ein einzelner Witterungsverlauf, sondern die Häufung extremer Abweichungen vom Normalwetter sei ein Signal dafür.
An diesen extremen Abweichungen herrscht allerdings kein Mangel. Hier einige nach dem Zufallsprinzip zusammengetragene Fakten:
Auf der Internetseite des Deutschen Wetterdiensts findet man die absoluten Höchsttemperaturen von 53 Wetterstationen in Deutschland von 1920 bis heute. 38 dieser Temperaturrekorde stammen aus den Jahren 1990 bis heute.
Im letzten Jahrhundert stieg die Temperatur in Deutschland um knapp ein Grad Celsius an. Das reichte schon für eine Verschiebung der Klimazonen um glatte 100 Kilometer nach Norden. Zugvögel fliegen später nach Süden, kehren früher zurück oder bleiben gleich ganz da. Pflanzen treiben im Durchschnitt um sechs Tage früher aus als noch vor 100 Jahren.
Mediterrane Tier- und Pflanzenarten wandern nach Mitteleuropa, afrikanische nach Südeuropa.
Zunehmende Dürre in Teilen Afrikas. Steppen und Savannen werden zur Wüste, Wald- und Ackerland versteppt zusehends.
Das Jahr 2005 war das Jahr mit den häufigsten und stärksten Hurrikanen vor Mittel- und Nordamerika. Parallel dazu ist die Temperatur des Atlantiks um 0,9 Grad Celsius im Vergleich zu 1970 angestiegen. Dieser Anstieg beeinflusst nach Meinung von Meteorologen zwar nicht die Häufigkeit von Wirbelstürmen, aber verstärkt ihre Heftigkeit.
Das Eis in der Arktis, auf Grönland und in der Antarktis schmilzt in besorgniserregendem Tempo. Mittlerweile gibt es Berechnungen, nach denen der Nordpol bis zum Jahr 2080 im Sommer komplett eisfrei sein könnte. Die Folgen sind fatal, und zwar in mehrerer Hinsicht.
Zum einen entsteht ein Rückkopplungseffekt dadurch, daß das dunklere Meerwasser im Unterschied zum weißen Eis die Sonnenstrahlen nicht mehr reflektieren kann - die Temperaturen steigen also noch schneller an.
Zweitens wird der Meeresspiegel ansteigen. Vorsichtige Schätzungen gehen von etwa einem halben Meter bis zum Ende des 21. Jahrhunderts aus. Für viele pazifische Inselstaaten, Bangladesch, Teile von Indien, aber auch für die Niederlande heißt das: Land unter.
Drittens besteht Eis aus Süßwasser. Das ist leichter als Salzwasser, es wird also weniger kaltes Wasser im Nordatlantik und vor der Antarktis nach unten sinken. Das wird die Meeresströmungen komplett durcheinander bringen. Skurrilerweise könnte es dadurch in Nordwesteuropa kälter werden, denn nur durch den Golfstrom haben Länder wie Großbritannien, Irland und die in Skandinavien ein halbwegs ausgeglichenes Klima.
Natürlich ist das weltweite Klima noch nie eine stabile Größe gewesen. Eiszeiten und Warmzeiten haben sich in den letzten Jahrmillionen abgewechselt. Diese Wechsel gingen aber stets sehr langsam, über Jahrtausende vor sich. Heutzutage aber stehen wir am Beginn eines vergleichsweise rapiden, von Menschen gemachten Klimawandels, der innerhalb von wenigen Jahrhunderten fatale Folgen haben kann.
Aufhalten läßt sich der Klimawandel wohl nicht mehr. Selbst wenn - was sehr unwahrscheinlich ist - der Ausstoß von Treibhausgasen sofort gestoppt würde, käme es zu einer weltweiten Temperaturerhöhung. Deren Ausmaß läßt sich allerdings sehr wohl noch beeinflussen. Auch wenn das Bad schon unter Wasser steht, lohnt es sich noch, den Hahn zuzudrehen. In unserem eigenen Interesse.
Treffen sich zwei Planeten im Weltall.
Sagt der eine: Du siehst aber schlecht aus. Was ist los?
Sagt der andere: Ach, ich hab Homo sapiens.
Sagt der eine: Ist halb so schlimm, das geht von alleine weg.
Online-Flyer Nr. 75 vom 19.12.2006














