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Lokales
Ehrenfelder Kinder für die Kinder in Afrika
„Körnerstraße 77“ – Folge 2
Von Anne, Gilan, Madlin, Martin, Micha und Steffi

„Ende August 2006 fing alles mit einem kleinen Plakat an, mit dem wir für die Zeitungs-AG im Viertel geworben haben. Darin stand, dass wir eine Zeitschrift von und für Kinder und Jugendliche in Ehrenfeld machen wollen - über alles, was Kinder und Jugendliche interessiert“, heißt es im Editorial der „Körnerstrasse 77“. Interviews und Artikel des ersten Hefts sind so ideenreich, interessant und spannend, dass wir ab dieser NRhZ-Ausgabe Teile daraus in einer Serie vorstellen wollen, damit sie auch andere Kölner Kinder und Jugendliche kennen lernen können. - Die Redaktion

Kinder fuer Kinder
Körnerstraße 77 – Gilan und Anne
Foto:  Körnerstraße



Warum gibt es in Afrika so wenig sauberes Wasser?

Gilan: Kannst du dich vorstellen?

Anne: Ich heiße Annegret Walkenbach, bin 27 Jahre alt, habe Sozialarbeit studiert und bin Erzieherin und habe deshalb viel mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet und jetzt arbeite ich hier im Allerweltshaus. Das Allerweltshaus ist ein interkulturelles Zentrum. Hier treffen sich Menschen aus den unterschiedlichen Ländern, zum Beispiel um deutsch zu lernen. Das ist eines der großen Projekte hier im Haus. Wir machen auch Alphabetisierungskurse. Dann haben wir noch ein Gemeinwesenprojekt, wo deutsche und ausländische Menschen hier ins Zentrum kommen können, um über Kunst, zum Beispiel Malen oder Maskenbau miteinander in Kontakt zu kommen. Dann machen wir hier auch entwicklungspolitische Bildungsarbeit, das heißt wir wollen die Menschen hier in Deutschland über die Situation und Entwicklung in der Welt aufklären. Und vor allem eben auch über solche Themen wie Armut oder was passiert in Afrika und Indien, also in ganz anderen Teilen der Welt, damit man auch in Deutschland davon eine Ahnung hat.

Madlin: Wir haben beschlossen, das Interview zu machen, um über Kinder in den armen Ländern zu sprechen. Es wäre sehr schön, wenn wir eine Spende machen, weil ich finde das auch nicht sehr gut, wenn manche eine gute Zukunft haben und die anderen nicht. In den armen Ländern müssen die Kinder schon mit acht oder zwölf Jahren arbeiten und sie können nicht zur Schule gehen. Ich finde auch nicht schön, dass sie kein sauberes Wasser haben. Sie trinken es trotzdem und sterben auch daran. Wie könnte man eine Spende machen?

Anne: Euer Plan, das in die Zeitung zu setzen, ist ja schon mal ganz gut. Dann können andere Leute das lesen und erfahren, dass man durch Spenden helfen kann. An sich ist es immer ganz gut, wenn man konkret sagt, wofür gespendet werden soll, damit die Leute ganz genau wissen, wofür sie ihr Geld geben, also sind es Kinder in Afrika oder in Indien, für welche Organisation soll das sein. Die Leute, die das Geld geben, wollen sicher sein, dass das Geld auch bei den armen Kindern ankommt.

Madlin: Mir ist es egal welches Land, Hauptsache es ist für arme Kinder.

Anne: Dann wäre es gut, sich eine Organisation rauszusuchen, die sich nur um Kinder kümmert.

Madlin: Kinder sind ärmer als Erwachsene. Erwachsene können sich schon selbst verteidigen und die Kinder können das nicht. Es gibt die Krankheiten, manchmal haben die Kinder Glück, aber manchmal sterben auch welche.

Gilan: Warum gibt es in Afrika so wenig sauberes Wasser, wo es doch hier in Deutschland so viel sauberes Wasser gibt?

Anne: Das hat mehrere Gründe. Es sind ja gerade die armen Länder unterhalb der Sahara. Ich weiß nicht, ob ihr euch schon mal die Karte von Afrika angeschaut habt. Die armen Länder sind unterhalb der großen Wüste. Es gibt ganz viele trockene Gebiete, wie sie es hier in Deutschland gar nicht gibt. Dann ist dort ein ganz anderes Klima. Es gibt tropisches Klima, das ist sehr viel heißer. Da gibt es nicht vier Jahreszeiten wie bei uns hier, sondern nur zwei, die Regenzeit und die Sommerzeit. Dann regnet es entweder gar nicht oder nur in der Regenzeit. Gefährlich ist, wenn eine Regenzeit ausfällt. Dann sind die Flüsse und der Boden ausgetrocknet. Das ist die eine Ursache. Eine andere Ursache ist, dass die Natur in diesen Ländern zerstört wird. Aus Gründen, die ganz einfach sind: Es wird zum Beispiel Feuerholz benötigt, um Essen zu kochen und dadurch werden zu viele Bäume abgeholzt. Und dann werden auch noch viele Bäume gefällt, damit wir hier in Deutschland und in Europa Stühle und Tische bauen können.

Gilan: Ich habe schon oft gehört, dass viel gespendet wird, aber trotzdem gibt es dann kein sauberes Wasser. Ich weiß nicht, wo das Geld dann hinkommt. Denn die Kinder haben immer noch dreckiges Wasser.

Anne: Zum einen liegt es auch daran, dass die Organisationen, die Spenden sammeln, sehr groß sind und einen großen Verwaltungsapparat haben. Bis das Geld bei den Kindern ankommt, ist es ein langer Weg. Und am Ende können nur kleine Dinge verändert werden. Die Organisationen können zum Beispiel in einem Dorf einen Brunnen bauen. Aber sie können kein ganzes Wassersystem für eine Stadt bauen. Soviel Geld haben diese Organisationen dann auch nicht. Und eigentlich fällt das dann auch in die Verantwortung der Politik. Da unten gibt es auch einen Staat und Politiker, die man wählt, damit sie sich um solche Dinge kümmern, damit ihre Bevölkerungen Wasser haben. Ein weiteres Problem ist, dass diese Politiker oft korrupt sind und das meiste Geld in die eigene Tasche stecken und sich dicke Autos kaufen und sich große Häuser bauen und nicht für die Bevölkerung investieren und denen bessere Lebensbedingungen bescheren.

Martin: Wozu man Spenden brauchen kann, wissen wir, aber wir wissen noch nicht, wie man das macht. Zu wem das zuerst kommt und wie das geschickt wird, das wäre schon gut, wenn wir das wüssten.

Anne: Es wäre gut, wenn ihr euch eine Organisation heraussucht, von der ihr wisst, die tun wirklich etwas für Kinder.

Steffi: Da vorn ist ein Laden, das ist ein Friseur, der Herr Krahl. Der verkauft Sachen und das Geld geht dann an krebskranke Kinder. Da habe ich mir diese Puppe geholt.

Anne: Ich denke, der macht das genauso, dass er das Geld an eine Organisation spendet. Es gibt zum Beispiel Organisationen, da kann man Patenschaften übernehmen. Da kann man Kontakt zu einem Kind aufnehmen, und das Kind kann dann in die Schule gehen, es bekommt Anziehsachen – da weiß man dann ziemlich konkret, weil man dieses Patenkind hat, wohin das Geld geht.

Micha: Manche Leute tun aber auch nur so, als ob sie für Kinder spenden, aber dann nehmen die das Geld für sich.

Anne: Das sind dann die Korrupten hier, die so tun, als seien sie sozial, aber nur in die eigene Tasche wirtschaften.

Micha: Warum machen die das?

Anne: Weil die geldgierig sind, würde ich mal behaupten.

Billige Anziehsachen

Anne: Wir leben alle auf einer Welt und wir hängen alle zusammen. Deswegen will ich noch mal auf dein Beispiel kommen, du sagtest, dass du nicht möchtest, dass Kinder arbeiten. Das hat auch mit uns hier zu tun. Wir kaufen Anziehsachen, die in China oder in Indien oder in Kambodscha oder sonst wo hergestellt werden. Und da ist es meistens so, dass es da keine Gesetze gibt, wie in Deutschland, dass Kinder nicht arbeiten dürfen, sondern dass die Kinder arbeiten dürfen und es auch müssen und so werden billige Klamotten hergestellt und die werden hier auch billig verkauft.

Martin: Es ist nicht gut, dass Kinder schon mit fünf Jahren arbeiten, es ist besser, wenn die erst in die Schule gehen. Die Schule ist auch dazu da, dass man zusammen was lernt. Dafür gibt es ja die Schule.

Anne: Habt ihr schon was von fairem Handel gehört? In dem armen Ländern des Südens gibt es viel Ungerechtigkeit, weil die Leute ihre Produkte so billig verkaufen müssen. Das heißt, dass sie für einen sehr, sehr niedrigen Lohn arbeiten müssen. Für acht oder zehn Stunden bekommen sie nur einen Euro oder höchstens ein Euro fünfzig. Damit kommen die Familien nicht klar und weil die Eltern nicht genug verdienen, müssen auch die Kinder mitarbeiten. Und beim fairen Handel wird versucht, dass man für alle Produkte soviel bezahlt, dass die Eltern soviel verdienen, dass die Kinder nicht mehr arbeiten müssen und sie die Kinder in die Schule schicken können.

Gilan: In Ländern wie Spanien, Österreich und Deutschland haben die Menschen Häuser und sie können da wohnen und sind nicht auf der Straße. Wieso ist es nur da so und in Afrika leben die auf der Straße?

Anne: Das ist natürlich eine ganz große Frage und sie ist nicht einfach zu beantworten. Wenn man sich die Geschichte anschaut, dann waren früher die Spanier und die Engländer mit ihren Schiffen auf der ganzen Welt unterwegs und haben sich Kolonien gebaut.

Martin: Was ist das?

Anne: Eine Kolonie ist zum Beispiel so entstanden: da ist ein englisches Schiff nach Indien gesegelt und die haben gesehen, dort gibt es viele Reichtümer, Gewürze und schöne Stoffe und dann haben die Soldaten hingeschickt und das Land erobert. Alle Inder waren von da an Untertanen Englands. Die Kolonien wurden ausgebeutet und die Länder wurden so auch unselbstständig gemacht. Das ist dann auch der erste Schritt in die Armut gewesen. Vor über fünfzig Jahren haben dann die Inder gesagt, und das war in vielen anderen Ländern auch so, nein, wir haben keine Lust mehr darauf und sie haben Aufstände gemacht, bis die Engländer, Portugiesen, Spanier und Franzosen gegangen sind.

Gilan: Aber England war doch damals schon reich.

Anne: Ja, aber die wollten noch reicher werden, sie wollten vor allem noch größer sein und überall auf der Welt sollte englisches Land sein.

Steffi: Welches Land ist heute das reichste Land?

Anne: Wenn man das nimmt, was jährlich im Durchschnitt verdient wird, dann sind die reichsten Länder Luxemburg, Schweiz, USA, Norwegen Japan, Dänemark und Island. Und ganz unten sind Sierra Leone, Burundi, Äthiopien, Niger, Guinea-Bissao, Kongo – alles afrikanische Länder.

Martin: Kann man dort nicht helfen und Häuser bauen, wo die Familie keine haben?

Anne: Solche Projekte gibt es, aber wäre es nicht schön, wenn man dahin kommen könnte, dass die Leute ihre Häuser selbst bauen können, so wie hier auch? Wie gut ist es denn, wenn wir dort hingehen und helfen? Denen soll es doch genauso gut gehen wie uns hier und sie sollen genauso viel Geld haben, damit sie sich die Häuser selbst bauen können. Guckt mal im Internet unter dem Stichwort fairer Handel nach. Da findet ihr auch Projekte, die Kinder in Deutschland machen können. Da gibt es viele Ideen.
Ich kann euch auch einen Vorschlag machen, wenn ihr Kontakt zu Kindern in Afrika aufnehmen wollt. Ich bin bei einem Verein beschäftigt, der in Kenia arbeitet. Da fahre ich im Januar hin und da werde ich einige Schulen und auch Straßenkinder-Projekte besuchen. Wenn ihr möchtet, könnt ihr Briefe schreiben, die jemand dann auf englisch übersetzt.

Gilan: Ja, Briefe, da kann man dann schreiben, bin ich die Gilan, ich bin so alt und ich gehe in die Schule.

Anne: Genau. Das könnte ich mitnehmen und einer Schulklasse dort abgeben und die könnten das dann vorlesen und euch zurück schreiben. Deren Briefe könnte ich dann zu euch bringen. Ich fliege am 4. Januar, bis dahin habt ihr Zeit. Ich muss jetzt gehen, vielen Dank für eure schönen Fragen.

Gilan: Danke, dass du da warst.



Die „Körnerstraße 77“-Redaktion wüsste gern, was Euch an den Beiträgen aus dem Heft nicht gefällt und was Euch gefällt und was Ihr Euch für eine Kinder- und Jugendzeitschrift für Ehrenfeld wünscht. Adresse: Körner Str. 77 – 79, 50823 Köln, Tel: 0221-9521198 – 99, Fax: 0221-9521197, e-mail: koelnerappell@t-online.de, Homepage: www.koelnerappell.de
Spenden zur Unterstützung des Projekts an Kölner Appell, KontoNr. 7042000 bei der Bank für Sozialwirtschaft (BLZ 370 205 00)


Online-Flyer Nr. 78  vom 17.01.2007



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