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Kultur und Wissen
Buchbesprechung über ein "kölsches" Sittengemälde
„Der Glückversicherer“ aus Köln-Mülheim
Von Manfred Demmer  

Wenn dieser Tage im Rheinland und dabei besonders im „hillige Kölle“  der rheinische  Frohsinn – oder was dafür gehalten und von einer Event-Industrie gemacht wird – in die „fünfte Jahreszeit“ mündet , dann wird sicherlich die Lektüre eines Buches dabei Futter sein können. Das Werk heißt „Der Glückversicherer“ und spielt in Köln-Mülheim. Der Hauptort dieses deftigen Sittengemäldes, jener „Typenkomödie, die in aggressiv karikierten Typen und Situationen bestimmte sittliche Vorstellungen dem Gelächter ausliefert“ wie der Brockhaus  den Begriff umschreibt, ist das „Café Fleur“.
In dieser Veedelskneipe – „der Ballermann für jeder Mann und jede Frau“ - pulsiert das Leben, werden Typen sichtbar, die zwar karikiert dargestellt, so oder ähnlich in jeder anderen „gutbürgerlichen Kneipe“ anzutreffen wären. Die Handlung rankt sich um einen bestimmten Personenkreis, die Stammgäste in diesem Lokal sind, wie der Seniorenverein der Rüstig(auf)ler. Neben zwischenmenschlichen Beziehungen und erotischen Ausschweifungen „schwaddet“ hier mancher „Blötschkopp“ und zerreißt sich die „Schnüss“. Obwohl der Roman kein politischer ist, werden doch durch genaue Typenschilderungen, wie die des Thilo Sprengler, ein Alt- und Neunazi, der Kandidat für eine Talkshow des Fernsehsenders NIVO ist, reaktionäre Denkweisen sichtbar gemacht.

Den Hauptstrang der Handlung bilden die Erzählungen der ungleichen Schwestern Melanie und Maria Gron, die jede auf ihre Art, über die Ereignisse in ihrem Leben berichten, wobei der attraktive „Glückversicherer“ Martin Berger eine Hauptrolle spielt. In einer Leserkritik wird zu dem Roman festgestellt: „Leselust/Spaß: Sehr groß, kurzweilig/Neugier erweckend. Darstellung der Figuren, Charaktere: Gut beobachtete Persönlichkeiten, viele sehe ich noch in ihrer typischen Art als alter Kölner vor mir… Sprache: Man liest sehr viel Liebe zum sprachlichen Detail, viele sehr witzige Wortschöpfungen… Schweinkram: Die Lust macht Lust weiter zu lesen.“ Dieser Kritik wird man zustimmen können. Doch soll hier noch angefügt werden, dass die treffenden Illustrationen von Konstantin Beckel, die Charaktere auch bildlich werden lassen und damit den Roman abrunden.

Die Autorin, Ute Haley, wurde 1959 in Köln-Mülheim geboren und lebte dort, später auch in anderen Kölner Stadtteilen. Jetzt wohnt sie in Leverkusen und hier entstand auch das Werk, welches im frontspitz-verlag-buchhandel GbR.i.R. Postfach 100841 51308 Leverkusen ((Taschenbuch, 562 Seiten, 19.80 Euro) erschienen ist. Angekündigten weiteren Folgen wird man mit Interesse entgegen sehen und hoffen, dass dabei Mängel (unterschiedliche, z. T. schlecht lesbare Schrifttypen und Umbruchfehler) überwunden werden.


Online-Flyer Nr. 78  vom 17.01.2007



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