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Kultur und Wissen
„Else Lasker-Schüler hätte heute in Deutschland keine Asyl-Chance“
Ausstellung über ihr Züricher Exil beendet
Von Hildegard Miensopust

Eine Ausstellung über die sechs Exiljahre der Wuppertaler Jüdin Else Lasker-Schüler ging am Samstag in Zürich zu Ende. In der Zürcher Zentralbibliothek waren Erstausgaben, Originalzeichnungen, Widmungsexemplare und Briefe der malenden Dichterin präsentiert worden - zur Verfügung gestellt von privaten Schweizer Sammlern, der Zürcher Zentralbibliothek und der Stadtbibliothek Wuppertal. Die Hommage mit dem Titel „Erbittert nicht, aber traurig war ich“ bildete den Ausklang des XIII. Else-Lasker-Schüler-Forums.
Seit dessen Eröffnung am 26. Oktober durch den amtierenden Schweizer Bundespräsidenten Moritz Leuenberger haben mehrere Tausend Menschen die insgesamt 24 Veranstaltungen mit Künstlern und Referenten aus den USA, Israel, Kuba, Australien, Österreich, der Schweiz und Deutschland besucht - darunter eine Theateruraufführung mit Hanna Schygulla, Uraufführungen von Vertonungen der Lasker-Schüler-Lyrik, Vorträge, Diskussionen und Konzerte.

„Wir sind mit Verlauf und Besuch sehr zufrieden“, bilanzierte Hajo Jahn, Vorsitzender der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft in Wuppertal. Schweizer Besucher, die die Rückschau auf die 1933 aus Berlin vor den Nazis geflohene Künstlerin als „deutsches Thema“ kritisierten, habe es zwar auch gegeben, doch das sei ein kleine Minderheit gewesen. „Aber trotz des regen Interesses, auch von Schülern und Studenten aus der Schweiz und aus Deutschland, trotz Unterstützung durch die Kunststiftung NRW und die „Plattform Schweiz: Kultur mit Nordrhein-Westfalen“ war Zürich nach Polen, Tschechien und Israel das letzte Auslandsforum“.

Denn: ehrenamtlich seien solche Kulturprojekte kaum noch durchführbar, erklärte Jahn. Ehrenamtlich bedeute immer auch „improvisieren, zumal vom Ausland aus.“ Wenn staatliche Institutionen nicht erkennen würden, dass mit vorbildhaften Künstlern und anderen Intellektuellen, die in Deutschland und Österreich Gegner und Opfer der Nazis waren, eine andere Form der Erinnerungskultur betrieben werden könne als mit Denkmälern und Gedenkveranstaltungen, würde eine Chance vertan.

Hajo Jahn
Rücken an Rücken mit Else: Moderation durch Hajo Jahn, den Vorsitzenden der ELSG. | Foto: Manfred Brusten/ELSG

In diesem Zusammenhang lobte Hajo Jahn die „Entscheidung von Köthen“, in der Sprachwissenschaftler am 19. Januar den Begriff von der „Freiwilligen Ausreise“ zum „Unwort des Jahres“ erklärt hatten: „Wenn Else Lasker-Schüler, der der deutsche Pass entzogen worden war, als Staatenlose heute in Deutschland um Asyl nachsuchen würde, hätte sie keine Chance. Die Behörden würden sie zur ‚Freiwilligen Ausreise’ zwingen.“ Bereits die Schweiz habe ihr damals unter Schikanen das befristete Exil nur eingeschränkt erlaubt und schließlich 1939 „aus vorsorglich armenpolizeilichen Gründen – Überfremdung“ keine Einreiseerlaubnis mehr erteilt: „Im Heimatland von ‚Asylbewerbern’ wie Else Lasker-Schüler, Thomas, Erika und Heinrich Mann, Bertold Brecht, Alfred Döblin und tausend weiteren Schriftstellern und anderen Widerständigen gegen das NS-Regime, muss sensibler mit dieser Problematik umgegangen werden, müssen Flüchtlinge geschützt werden.“

Mehr über Plattform Schweiz: Kultur mit Nordrhein-Westfalen in der Spielzeit 2006/2007 unter www.kultur-nrw.ch und www.else-lasker-schueler-gesellschaft.de

Online-Flyer Nr. 80  vom 31.01.2007



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