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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Wirtschaft und Umwelt
Neue UN-Umweltorganisation soll Kampf gegen Klimawandel vorantreiben
Merkel stolz auf „das bisher Erreichte“
Von Peter Kleinert

Einen Tag nach dem dramatischen UN-Klimabericht und dem in den deutschen Medien weitgehend verschwiegenen Stromabschalten für fünf Minuten, zu dem aus diesem Anlass europäische Umweltorganisationen aufgerufen hatten, haben mehr als 40 Staaten einen Vorstoß zur Gründung einer schlagkräftigen neuen Umweltorganisation der Vereinten Nationen unternommen. Während UN-Generalsekretär Ban Ki Moon einen „entschlosseneren Kampf“ gegen den Klimawandel forderte und EU-Umweltkommissar Stavros Dimas Deutschland eine dabei zu „zögerliche Haltung“ vorwarf, verwies Kanzlerin Angela Merkel stolz auf „das bisher Erreichte“.

Karikatur: Kostas Koufogiorgos
Karikatur: Kostas Koufogiorgos
www.koufogiorgos.de


Wie seit den 80er Jahren immer wieder vorhergesagt, werden, wenn man wie Merkel beim „bisher Erreichten“ bleibt, die Thermometer auf diesem Planeten nach den Prognosen von mehr als 600 Wissenschaftlern im 4. Uno-Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Chance (IPCC) in den kommenden 90 Jahren um bis zu 6,4 Grad ansteigen. Eine der Folgen laut IPCC: Der Meeresspiegel könnte um bis zu 59 Zentimeter höher werden. Dazu kommen Stürme und Überschwemmungen. Dies würde nicht nur für Millionen Menschen, die an niedrigen, ungeschützten Küstenabschnitten und in Inselstaaten am Indischen Ozean und am Pazifik schon heute unter deren Folgen leiden, bedeuten, dass sie sich eine neue Heimat suchen müssen. Aber auch europäische Hafenstädte wie Hamburg bekämen die Folgen zu spüren, und die für Fischerei, Küstenbewohner und Landwirtschaft auch auf der „Nordhalbkugel“ wären unabsehbar. Auch auf Deutschland würden zumindest immense Kosten für die Flutvorsorge zukommen.

Greenpeace-Aktion am Eiffelturm zur UN-Klimakonferenz
Greenpeace-Aktion am Eiffelturm zur UN-Klimakonferenz
Foto: Greenpeace


Hauptursache der steigenden Temperaturen und damit des Schmelzens der Gletscher an den Polen und in den Bergen ist das Treibhausgas Kohlendioxid, das nicht nur durch Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas in Kraftwerken, Industriebetrieben und Haushalten entsteht. Derweltweite CO2-Ausstoß ist nämlich - trotz des ersten Kyoto-Protokolls - seither um 20 Prozent angestiegen. Davon profitieren vor allem Konzerne wie ExxonMobil, der 2006 fast 40 Milliarden Dollar Gewinn machte. Anfang Januar wurde bekannt, dass dieser US-Gigant eine Kampagne gegen Klimaschutz mit 16 Millionen US-Dollar finanziert hatte. Und nun hat ein von diesem Ölmulti unterstütztes Institut erneut 10.000 Dollar für den Wissenschaftler ausgelobt, der die Klimastudie widerlegt. Kein Wunder, dass US-Präsident Bush inzwischen zwar zum „Schutz der Eisbären“ aufruft, die amerikanischen Automobilkonzerne aber weiter unbehindert ihre Spritschleudern bauen lässt.

Wer hat bei ihr größere Chancen? Das Klima oder die Konzerne.
Größere Chancen - für Klima oder Automobilkonzerne?
Foto: NRhZ-Archiv

Für Umweltorganisationen wie den BUND sind die nun bekannt gewordenen Fakten aus dem 4. Uno-Bericht „ein unüberhörbarer Weckruf an die Welt“. Die Europäische Union müsse dabei „eine Führungsrolle übernehmen und sich das verbindliche Ziel setzen, ihre Klimagasemissionen bis 2020 um 30 Prozent zu senken“. Für Deutschland bedeute dies eine Reduzierung um 40 Prozent im Vergleich zu 1990. Außerdem müssten „die USA und Schwellenländer wie China und Indien ins Boot geholt werden“. Notwendig sei künftig der Verzicht auf den Bau neuer klimaschädlicher Kohlekraftwerke und die Öffnung der Stromnetze für alternative Anbieter. Die Elektroindustrie müsse sparsamere Geräte herstellen und die Automobilkonzerne müssten zu viel Sprit fressende Fahrzeuge vom Markt nehmen.
Dieser Ansicht ist - wie ihr Partner G.W. Bush - Angela Merkel allerdings nicht. Nachdem die Kanzlerin im Vorfeld des "Pariser Aufrufs“, der zum Abschluss der Internationalen Umweltkonferenz am Samstag veröffentlicht wurde, Post von den Vorstandsvorsitzenden der deutschen Automobilkonzerne erhalten hatte, ist auch Günter Verheugen, Vizepräsident der europäischen Kommission, eingeknickt. Er wehrt sich mit Händen und Füßen gegen EU-Umweltkommissar Stavros Dimas und dagegen, dass verbindliche Grenzen für den Kohlendioxidausstoß von Kraftfahrzeugen festgelegt werden, obwohl der Autoverkehr allein in Deutschland mehr als 20 Prozent zur Klimazerstörung beiträgt.
Bleibt zu hoffen, dass der „Pariser Aufruf“ befolgt wird und die 46 Staaten, die sich ihm bisher angeschlossen haben, bei dem darin angekündigten nächsten Treffen in Marokko den „entschlosseneren Kampf gegen den Klimawandel“ wirklich vorantreiben und es nicht bei Worten lassen. Sonst müssen die Umweltorganisationen sich noch wirksamere Aktionen einfallen lassen als die „5 Minuten für den Planeten“ vom 1. Februar. Dem Rezept für den Klimaschutz, das Wirtschaftsminister Glos am Sonntagabend im ZDF-Interview anbot, werden sie kaum zustimmen. Der CSU-Mann: „Damit die Emissionen von CO2 weniger werden, gbit es auf kurz- und mittelfristige Sicht keine Alternative zur weiteren Nutzung der Kernenergie.“


Online-Flyer Nr. 81  vom 07.02.2007



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