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Kultur und Wissen
Ein Geschichts-Fotobuch von Paul Wietzorek
„Das historische Köln“
Von Cornelia Gürtler

„Freue Dich und frohlocke, Du glückselige Stadt, du heiliges Köln, dem weder Paris noch Brügge noch London gleich ist.“ - An diesem Anfangs-Zitat aus dem Jahre 1400 darf sich der oder die Betrachter/in  erfreuen. „Das historische Köln“ heißt ein neues Geschichts-Fotobuch von  Paul Wietzorek. Es enthält 300 kontrastreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen.

Nach einem geschichtlichen Abriss bis zum 2. Weltkrieg werden anhand alter Ansichten, Drucke und Postkarten die baugeschichtlichen Schönheiten des alten Kölner Stadtkerns dargestellt. Die Aufnahmen sind kommentiert und zeigen ihn aus vielen Winkeln und Perspektiven: vom Rhein aus, von oben und von mittendrin. Fotos inzwischen versunkener Brücken, belebter autofreier Straßen, intakter Markt-Plätze, von Droschken belagerter Denkmäler und von bedeutenden Einzelbauwerken machen Lust auf den Text. Der heute weitgehend zerstörte alte Stadtkern ist zu entdecken, während das Besondere an Kölns Geschichte sich erschließt.

Wer nachlesen will, warum Köln so anders als Hamburg oder Berlin ist, stößt zum Beispiel auf Agrippina, die im Jahr 48 vom römischen Kaiser Claudius geheiratet wurde. Sie war die in Köln geborene Tochter eines römischen Kriegers. Damit wurde die Colonia Agrippina als einzige römische Siedlung nach einer Frau benannt und erhielt mit den römischen Stadtrechten bereits 50 n. Christus den Grundstein ihrer heutigen Bedeutung. So ist das alte Kölner Wappen mit frommen Histörchen gespickt: mit 11 Flammen oder Bluttropfen zur Erinnerung an den Märtyrertod von 11.000 Begleiterinnen der hl. Ursula. Und mit drei Kronen: woher die Knochen der 3 Herren aus dem Morgenland nun wirklich stammten, aus denen später Könige gemacht wurden, wird man nie erfahren.

Das Buch geht diplomatisch um mit dem hillije Köln, es hält sich höflich an die Geschichte der Bauten. Jedenfalls war er 1164 genial für Köln, der Erzbischof Rainald. Denn die Menschen-Knochen, die er den Mailändern abkaufen konnte, als Gebeine der heiligen drei Könige, machten die Dombaustelle zum Renner für Pilger des Mittelalters und brachten Geld in die Stadt. Wie die Baustelle viel später zur deutschen Aufgabe wurde, weil man die Gotik als urdeutschen Stil ausgrub und voll nationalem Eifer in nur 38 Jahren die 600 Jahre alte Kirche vollendete, belegt das Buch anschaulich.

Fazit: Ein handliches, informatives Bilder-Buch ist „Das historische Köln“. Es ist nicht bei Dumont erschienen, sondern im jungen Verlag Michael Imhof und kostet nur 9,95 Euro.


Online-Flyer Nr. 83  vom 21.02.2007



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