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Globales
ELN-Guerilla verhandelt in Havanna mit dem Uribe-Regime
Verdeckte Hürden
Von Harald Neuber

Nach einer mehrtägigen Verzögerung haben in der kubanischen Hauptstadt Havanna am Sonntag Gespräche zwischen Vertretern der rechtsgerichteten Regierung Kolumbiens und der marxistischen Guerillaorganisation »Nationales Befreiungsheer« (ELN) begonnen. Ursprünglich sollten die Friedensverhandlungen am vergangenen Donnerstag beginnen. Ein namentlich nicht genannter Vertreter der ELN begründete die Verzögerung gegenüber spanischsprachigen Nachrichtenagenturen mit »technischen Problemen«. Nicht allen Mitgliedern der Delegation sei es daher möglich gewesen, rechtzeitig einzutreffen.
Es ist die fünfte Verhandlungsrunde zwischen der 1964 gegründeten ELN (Ejército de Liberación Nacional) und Vertretern der Regierung von Präsident Alvaro Uribe Vélez. Die letzten Kontakte hatte es im vergangenen Dezember in Havanna gegeben. Die ELN versucht auf dem Weg des Dialogs, eine friedliche Lösung des Konfliktes zu erreichen. Die Organisation, die den Ideen des argentinisch-kubanischen Revolutionärs Ernesto »Che« Guevara, folgt, strebt im Friedensprozeß vor allem eine breite Beteiligung der Bevölkerung an.

Che Guevara
Ernesto "Che" Guevara - 1967 in Bolivien ermordet

Die ELN ist die zweitgrößte Guerillaorganisation Kolumbiens mit schätzungsweise 5.000 bewaffneten Mitgliedern. Sie steht damit der größten Gruppe, den »Revolutionären Streitkräften Kolumbiens« (FARC) nach, die über bis zu 20.000 Kämpfer verfügen. Beide Gruppen kämpfen seit Jahrzehnten für politische und soziale Reformen in dem südamerikanischen Staat. Motor für den bewaffneten und sozialen Konflikt ist vor allem die ungerechte Verteilung des Landes – ein Überbleibsel der kolonialen Ordnung. Von den USA und den meisten Staaten der Europäischen Union werden beide Befreiungsbewegungen dessen ungeachtet als »terroristische Organisationen« bezeichnet.

Alvaro Uribe Velez
Alvaro Uribe Vélez - seit 2002 Präsident Kolumbiens
Fotos: NRhZ-Archiv


Die laufenden Friedensgespräche zwischen ELN und dem Uribe-Regime in Kuba wurden allerdings von gewalttätigen Konflikten zwischen ELN und FARC in den vergangenen Wochen überschattet. Beide Organisationen werfen einander militärische Angriffe vor. Mitte Februar hatte die Kommandoeinheit »Bloque Caribe« der FARC der ELN zudem vorgehalten, mit dem Militärgeheimdienst zu kooperieren. Ohne auf die laufenden Friedensverhandlungen einzugehen, wird dieser Vorwurf mit dem Willen der ELN begründet, »sich in das politische System einzufügen«. Man könne die Organisation daher nicht länger als »strategische Verbündete« betrachten, hieß es in dem Kommuniqué, in dem auch auf gescheiterte Schlichtungsversuche vor Ort hingewiesen wird.

Das Zentralkommando der ELN appellierte seinerseits am vergangenen Montag an die FARC-Führung, alle Angriffe einzustellen. »Sowohl die FARC wie auch ELN sind Teil des historischen Erbes eines kontinentalen, antiimperialistischen Widerstandes; Wir sind Kämpfer für den Sozialismus und dienen der revolutionären Sache des lateinamerikanischen Volkes«, heißt es in der Erklärung. FARC und ELN seien »Schwesterorganisationen und keine entgegengesetzten Kräfte«. Die ELN-Führung verweist auch auf eine Stellungnahme des FARC-Gründers Manuel Marulanda, der bereits Anfang Dezember ein Ende der bewaffneten Auseinandersetzungen angemahnt hatte.

Trotz der betonten Gemeinsamkeiten stehen hinter den Auseinandersetzungen handfeste Interessen beider Organisationen, die von FARC-Chef Marulanda zum Teil benannt wurden. FARC und ELN konkurrierten in einzelnen Gebieten um Ressourcen, versuchten in den gleichen Gegenden, Kämpfer zu rekrutieren und Steuern einzutreiben. Die Konflikte beruhen daher offenbar nicht vorrangig auf ideologischen Differenzen, sondern auf dem Sachzwang beider Organisationen, Unterkunft und Verpflegung für Tausende Soldaten zu gewährleisten.

Und schließlich dürften auch die Friedensverhandlungen in Havanna eine Rolle spielen. Denn sollten die Gespräche in der kubanischen Hauptstadt zu einem Abkommen zwischen ELN und dem Uribe-Regime führen, bestünde die Frage, von wem die bislang von ELN kontrollierten Gebiete übernommen werden: von den FARC oder der Armee Uribes. Auf diese Situation scheinen sich alle Seiten vorzubereiten.

Online-Flyer Nr. 84  vom 28.02.2007



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