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Lokales
Kulturhauptstadt 2065
Von Jan Pablo Neruda
Das Barmer Viertel
soll gevierteilt werden:
Zentrum für Kongresse
eherner Betonverwalter,
ein Hotel für Messebosse,
zur Zerstreuung Kulturelles:
Das musical 'Der letzte Schrei, die letzte Fresse!'
und dazu Bürogebäudeeinerlei,
ABM für abgeschmierte Lohnbuchhalter...
Es rühmen sich mondäne spiessig-kölsche Kreise
ob der Zeiten, die nun angebrochen sind...
Dass einst im wunderschönen Garten
zwischen grünen Häuserwänden ringsumher
mittenzwischendrin hier Kinder spielten,
frei-kölsch und bunt palavert wurde -
bevor den Knicks und Buckel übende
VertreterInnen städtischen Bestattungsunternehmens
der lebendigen Entwicklung stolz den Garaus machten -
wem wohnt noch inne diese Ahnung...
Gibts kein Krieg mehr hierzulande
oder lässt zumindest auf sich warten allzulange -
wird die Abbruchjagd schon selbst eröffnet:
Das Baugewerbe braucht Ruinen,
braucht das ausgemachte Flächenbombard'ment -
so kann regulär und offiziell
gewütet und errichtet werden,
Auftragsbücher sind dann vollgeschrieben,
Menschen und Kulturgeschichte abgeschrieben -
wie auch immer und noch immer...
Das gold'ne Grab wird ausgehoben,
um das die grauen Eminenzen
dumontengleich ekstatisch tanzen,
zwischendurch in Thailand sich was runterholen...
Doch den Glanz
der leuchtend Freude in den Augen
all der Kinder, die schallend lachend,
kletternd, tobend in dem alten Garten weilten,
den kann kein Stahlbeton,
den kann keine goldlackierte Pforte
auch in schönstem Sonnenlichte nicht,
je in Zukunft neu entfachen -
Der ist verloren, ist gefressen
vom gefrässig Kapital,
das frisst und frisst und hört nicht auf zu fressen,
täglich sechs Prozent der Körpermassen -
Dieses Raubtier müsste man betören,
es betäuben mit der Flinteninjektion
und ihm dann die Flügel stutzen,
die Zähne und die Krallen feilen...
Das gevierteilt Barmer Viertel -
wird's an andrer Stelle aufersteh'n?
In fünfzig Jahren wird der Löwenzahn durchbrechen den Beton…
Online-Flyer Nr. 86 vom 14.03.2007
Kulturhauptstadt 2065
Von Jan Pablo Neruda
Das Barmer Viertel
soll gevierteilt werden:
Zentrum für Kongresse
eherner Betonverwalter,
ein Hotel für Messebosse,
zur Zerstreuung Kulturelles:
Das musical 'Der letzte Schrei, die letzte Fresse!'
und dazu Bürogebäudeeinerlei,
ABM für abgeschmierte Lohnbuchhalter...
Es rühmen sich mondäne spiessig-kölsche Kreise
ob der Zeiten, die nun angebrochen sind...
Dass einst im wunderschönen Garten
zwischen grünen Häuserwänden ringsumher
mittenzwischendrin hier Kinder spielten,
frei-kölsch und bunt palavert wurde -
bevor den Knicks und Buckel übende
VertreterInnen städtischen Bestattungsunternehmens
der lebendigen Entwicklung stolz den Garaus machten -
wem wohnt noch inne diese Ahnung...
Gibts kein Krieg mehr hierzulande
oder lässt zumindest auf sich warten allzulange -
wird die Abbruchjagd schon selbst eröffnet:
Das Baugewerbe braucht Ruinen,
braucht das ausgemachte Flächenbombard'ment -
so kann regulär und offiziell
gewütet und errichtet werden,
Auftragsbücher sind dann vollgeschrieben,
Menschen und Kulturgeschichte abgeschrieben -
wie auch immer und noch immer...
Das gold'ne Grab wird ausgehoben,
um das die grauen Eminenzen
dumontengleich ekstatisch tanzen,
zwischendurch in Thailand sich was runterholen...
Doch den Glanz
der leuchtend Freude in den Augen
all der Kinder, die schallend lachend,
kletternd, tobend in dem alten Garten weilten,
den kann kein Stahlbeton,
den kann keine goldlackierte Pforte
auch in schönstem Sonnenlichte nicht,
je in Zukunft neu entfachen -
Der ist verloren, ist gefressen
vom gefrässig Kapital,
das frisst und frisst und hört nicht auf zu fressen,
täglich sechs Prozent der Körpermassen -
Dieses Raubtier müsste man betören,
es betäuben mit der Flinteninjektion
und ihm dann die Flügel stutzen,
die Zähne und die Krallen feilen...
Das gevierteilt Barmer Viertel -
wird's an andrer Stelle aufersteh'n?
In fünfzig Jahren wird der Löwenzahn durchbrechen den Beton…
Online-Flyer Nr. 86 vom 14.03.2007














