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Lokales
„Erster Kölner G8-Protest Gipfel“ plant weitere Aktivitäten
„Wir machen eine bessere Welt möglich“
Von Heinrich Piotrowski

Waren es 200 oder 250 BesucherInnen? Auf jeden Fall waren es viele, die sich am vergangenen Samstag zum „Ersten Kölner G8-Protestgipfel“ in der Feuerwache versammelten. Näheren Einblick gibt Heinrich Piotrowski. Die Redaktion.

Acht Pappnasen machen die Welt jeck
Acht Pappnasen machen die Welt jeck

Zwanzig Kölner Organisationen aus verschiedenen politischen Zusammenhängen hatten zu der Veranstaltung am 17. März in der Alten Feuerwache aufgerufen. Das politische Spektrum reichte von linksradikalen Gruppen bis hin zu etablierten Nichtregierungsorganisationen wie BUND oder Greenpeace. Die VertreterInnen der großen acht Industrienationen treffen sich vom 6. bis zum 8. Juni diesen Jahres an der deutschen Ostseeküste, in Heiligendamm. Energie- und Handelsfragen stehen auf der Tagesordnung, sicher allerdings werden die „Großen Acht“ dabei nicht ihre Wirtschaftsinteressen und Gewinne aus den Augen verlieren.

Diese Politik und ihre Folgen waren auf dem Kölner Protestgipfel übergreifendes Thema: Von Ökonomie über Ökologie, von Armutsbekämpfung über die bundesdeutsche Militärpolitik bis hin zu Mexiko und der unsozialen Politik der EU. Eindeutig war auch die Absage aller beteiligten Gruppen an das rechtsradikale Gedankengut von NPD und Konsorten, die auch zu Protesten im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel aufrufen.

Anti-G8-Plakat
Hillijedamm: En dorp met widderbööstschje Staatsschäffs


Gemeinsame Kritik am „globalen Kapitalismus“

Ziel der eintägigen Tagung war es, über die bedenklichen Folgen der Politik der G8 zu informieren. Dazu fanden in fast allen Räumen der Feuerwache siebzehn Workshops statt: Ob es das Klimaproblem war oder der Kampf der Bevölkerung für mehr Demokratie im mexikanischen Oaxaca, ob es um den weltweit propagierten Coca-Cola-Boykott ging oder um die Debatte über die „Verteidigung Deutschlands am Hindukusch“ – all dies wird in Heiligendamm Thema sein – und so auch auf dem Gegengipfel.

Programmausschnitt des Kölner G8-Protestgipfels
Programmausschnitt des Kölner G8-Protestgipfels
Fotos: www.g8-pappnasen.de

Die Unterschiede der zahlreichen auf dem Treffen vertretenen Gruppen wurden an zwei Bruchlinien deutlich: Zum einen bei der Frage, ob beispielsweise individuelles ökologisches Handeln in relevanter Weise weiterhilft, die globalen Probleme im Energiebereich zu lösen und zum anderen natürlich bei der Gewaltfrage: Waren sich auch alle einig, dass Gewalt gegen Menschen abzulehnen sei und dass auf der anderen Seite „ziviler Ungehorsam“ eine durchaus akzeptable Protestform sei, blieb doch eine Grauzone, über die gestritten wurde und zu der es weiterhin unterschiedliche Einschätzungen gibt.

Bei aller Verschiedenartigkeit allerdings waren sich die Globalisierungskritiker in ihrer Kritik am „globalen Kapitalismus“ einig. Und so war auch ein Funke eines neuen „Zusammendenkens“ von internationalen und lokalen Problemen spürbar: Die Frage, welche Verbindung zwischen der Abholzung des Regenwaldes in Brasilien zu den Hartz-IV-Gesetzen besteht, wurde zwar nicht gestellt, doch die Antwort könnte sich aus der logischen Weiterentwicklung des Protestgipfels ergeben. Auch wenn diese Vielfalt unterschiedlicher Gruppierungen nicht gemeinsam und mit jeweils unterschiedlicher Argumentation zum Gegengipfel in Heiligendamm aufruft, muss es zwangsläufig Zusammenhänge geben. Und so stellt sicher der „Erste Kölner G8-Protestgipfel“ auch einen Schritt in die Richtung, „gemeinsam zu handeln“ dar.

Zukünftige Aktivitäten

Auf dem "Zukunftsplenum" der Veranstaltung wurden weitere Aktionen vorgestellt, an denen sich Globalisierungskritiker beteiligen können: Eine Kampagne wird sich mit der sogenannten FUNDUS-Gruppe beschäftigen. Die Gesellschaft ist "Eigentümer" des Hotels Kempinski in Heiligendamm, in dem sich die G8-Vertreter treffen. Dem "Betreiber" des Hotels, der Kempinski AG wird wie der Kölner Verlegerfamilie NevenDuMont vorgehalten, einen Teil ihres Kapitals im Zuge der Arisierungen zu Zeiten des Hitlerfaschismus angehäuft zu haben - worüber im Fall Neven DuMont nun das Bundesverfassungsgericht entscheiden soll (siehe NRhZ 77/ 78). Aktionen gegen die Kriege, die von den "Großen Acht" ausgehen und die offensichtlich weniger um "Demokratie" als um die Sicherung der Rohstoffvorkommen gehen, sind ebenfalls geplant.

Am 17. April werden in Köln Aktivitäten zum „Aktionstag globale Landwirtschaft“ stattfinden; am Ersten Mai soll auch auf der DGB-Kundgebung der G8-Gipfel thematisiert werden. Am 26. Mai werden TeilnehmerInnen der Euromärsche aus Frankreich und Belgien erwartet, die auf ihrem Weg zum Gipfel in Heiligendamm in Köln Station machen wollen. Aber auch während des gleichzeitig in Köln stattfindenden Evangelischen Kirchentags werden Gruppen wie Fian, attac und kein mensch ist illegal über G8-Politik informieren.

Und nicht zuletzt wird zur Protestveranstaltung in der ersten Juniwoche in Heiligendamm aufgerufen. In den kommenden Tagen beginnt der gemeinsam organisierte Verkauf von Bus- und Zugfahrkarten. Die Kosten betragen voraussichtlich 35 Euro für die Hin- und Rückfahrt mit dem Bus.

Fazit: „Die G8 einen uns“

Boris Loheide von attac Köln zog ein Resümee dieser Veranstaltung: „Egal, ob wir uns als Antifaschist, Antikapitalist, Globalisierungskritiker, Gewerkschafter oder Christ begreifen – was uns eint, sind die G8. Uns eint die Erkenntnis, dass der Fisch vom Kopf her stinkt. (...) In Heiligendamm werden wir mit Menschen aus der ganzen Welt gegen die falsche, von Grund auf schlechte Politik der G8 demonstrieren: eine Woche voller Politik, Kultur, Diskussionen und Blockaden, die wir nie vergessen werden. Und wenn wir danach wieder zu Hause sind, machen wir gemeinsam die richtige, die gute Politik und verändern diese Welt. Eine bessere Welt ist möglich – wir machen sie möglich.“

Weitere Informationen zu den Kölner G8-Protestaktivitäten unter www.g8-pappnasen.de.


Online-Flyer Nr. 87  vom 21.03.2007



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