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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Krieg und Frieden
Deutsche Friedensdemo blockiert schottischen U-Boot-Hafen Faslane
Gegen britische Atomrüstung
Von Hanna Jaskolski

Eine Gruppe von 27 Deutschen blockierte am Morgen des 28. März die Landstraße A 814 zwischen Helensburgh und dem im schottischen Faslane. Ziel der FriedensaktivistInnen war, wie in NRhZ 88 angekündigt, so viele Menschen wie möglich auf ihrem Weg in die Militärmarinebasis der mit Atomraketen ausgerüsteten britischen U-Boote ihrer Majestät aufzuhalten.
Nach gut drei Stunden wurden die DemonstrantInnen vorläufig festgenommen. Am selben Morgen fand vor der britischen Botschaft in Berlin eine Mahnwache von Unterstützern statt. Hanna Jaskolski, Lehrerin aus Erftstadt, berichtet.

Es ist schon bemerkenswert, wenn 31 in vieler Hinsicht unterschiedliche Menschen zwischen 18 und 74 Jahren von überall her aus Deutschland zusammen kommen, um an einer gewaltfreien Aktion des Widerstandes gegen atomaren Wahnsinn in Schottland teilzunehmen. Vom 1. Oktober 2006 bis zum 30. September 2007 findet nämlich im schottischen Faslane - am Firth of Clyde, ca. 45 km nordwestlich von Glasgow - für ein ganzes Jahr eine internationale Dauerblockade statt. Wir waren die erste größere Gruppe aus Deutschland, uns schlossen sich noch vier Personen aus Belgien, Finnland und Portugal an.

In der Basis der Royal Navy sind vier britische U-Boote stationiert, bestückt mit 12 bis 16 atomaren Langstreckenraketen vom Typ Trident mit bis zu 200 Sprengköpfen. Jeder dieser Sprengköpfe hat die achtfache Zerstörungskraft der Hiroshimabombe. Jedes dieser U-Boote besitzt einen eigenen Nuklearreaktor. Eines von ihnen patrouilliert ständig irgendwo im Atlantischen Ozean.

blockade mit rohren
Blockade mit Rohren – neu für schottische Polizisten

Am 14. März hat das britische Parlament tatsächlich beschlossen, das Atomwaffenprogramm in den nächsten Jahren zu erneuern, so dass es bis ins Jahr 2055 reicht. Viele Abgeordnete haben dagegen gestimmt. Warum denn nicht mehr für eine andere Entscheidung? fragte ich mich. Milliarden kostet das, und die fehlen den Armen im Lande. Und das ist nur ein Aspekt der schrecklichen Angelegenheit. Also bestand für mich Anlass genug, einen dicken Rucksack zu packen und mich am Montag, dem 26. März, auf den Weg zu machen.

In Düsseldorf stieg ich in den von Hannover kommenden Sonderbus ein. Schon auf der Hinfahrt arbeiteten wir intensiv an der Zielsetzung und Vorbereitung unserer Blockadeaktion. Wir diskutierten zum Beispiel über Gewaltfreiheit und die einzelnen Abläufe immer bis zu einer Übereinstimmung. In Glasgow - in einer Kirche mit Gemeinderäumen - wurden wir gastfreundlich untergebracht und konnten uns auf den Aktionstag weiter vorbereiten.

Am Mittwoch früh um halb 6 Uhr ging es mit dem Bus los nach Faslane, ausgerüstet mit allen notwendigen Utensilien. Ziel ist es immer, vor eines der Tore zu kommen, um Menschen daran zu hindern, zu ihrer Arbeit - nämlich der Kriegsvorbereitung mit Massenvernichtungsmitteln - zu gelangen. Wir schafften es nicht bis dorthin - die Polizei war fast allgegenwärtig -, sondern blockierten für 3 ½ Stunden die zur Basis führende Straße.
Ich machte mit einigen eine Sitzblockade.

Die Mehrzahl der Teilnehmer - nämlich 18 - bestritt die Hauptaktion: Sie hatten sich mit ihren Armen in Stahlrohren mittels Karabinerhaken festgemacht  - immer sechs Menschen zusammen - und legten sich damit quer über die Straße. So dauerte die Blockade länger, weil die Polizisten die Rohre mit Schneidbrennern erst einmal zersägen mussten, um unsere Leute da raus zu holen. Sogar in dieser horizontalen Lage wurde kräftig gesungen. Ich begleitete laut mit meiner Piccolo-Blockflöte. Eines der Lieder passte genau: „Wehrt euch, leistet Widerstand gegen die Atomwaffen im Land. Schließt euch fest zusammen, schließt euch fest zusammen.“ Wir hatten alle weiße Kleidung oder Umhänge an, auf denen Slogans standen wie „Trident to ploughshares!“, „Gewaltfreie Aktion Atomwaffen abschaffen“, „Germans against massmurders“, „No Nukes!“ Auch auf vielen bunten Transparenten standen eindeutige Abrüstungsforderungen.

vor der festnahme
Nach dreieinhalb Stunden die Festnahmen – aber freundlich
Fotos: www.faslane365.org


Die Stimmung war gut, und wir sorgten wunderbar füreinander. Über das ruhige, trockene Wetter waren wir sehr glücklich. Die Polizisten waren sehr freundlich, was sicher damit zusammenhängt, dass die Schotten die Atom-U-Boote selber weghaben wollen. Trotzdem wurden wir alle festgenommen und bis 30 Stunden auf verschiedenen Polizeirevieren in Zellen eingesperrt. Es tat mir so leid, dass ausgerechnet einige junge Menschen, die das erste Mal bei einer solchen Aktion dabei waren, in Einzelhaft kamen. Die anderen hatten zu dritt eine Zelle.

Ein Glücksfall war, dass wir farbiges Faltpapier behalten durften. Daraus machten wir Kraniche und Kranichketten. Seit das kleine Mädchen Sadako Sasaki in Hiroshima nach langer Strahlenkrankheit gestorben war, ist der Kranich das Symbol für eine Welt ohne Kriege und Atomwaffen. Wir verschenkten Kraniche an die Polizistinnen und auch an den Taxifahrer, der uns nach der Freilassung zurück zur Kirche brachte. Dort probte ein Kinderchor für Ostern. Auch die Kinder freuten sich über diese kleinen Friedenssymbole, die der Pfarrer genau kannte und ihnen erklärte. Übrigens: Einer der Taxifahrer verzichtete auf sein Geld, immerhin 18 Pfund, weil er unsere Aktion so gut fand. Solche schönen Erlebnisse machten mir große Freude und gaben mir Kraft. Auch die Gemeinschaft unserer Gruppe, alles Menschen, die auch in anderen Bewegungen für Naturschutz, Frieden und Gerechtigkeit arbeiten.

Wir wurden - das sei nicht vergessen - gut beraten und unterstützt von der Widerstandsbewegung vor Ort. Gegenüber der Militäranlage gibt es zudem seit 1990 ein Friedenscamp. Die Organisation Trident Ploughshares protestiert von dort aus permanent für die atomare Abrüstung Großbritanniens. An dieser Stelle haben Überlebende von Hiroshima 1952 ein japanisches Kirschblütenbäumchen gepflanzt. In Deutschland wurden wir an unserem Blockadetag zeitgleich begleitet von einer Mahnwache für eine atomwaffenfreie Zukunft, die von der Religiösen Gesellschaft der Quäker vor der britischen Botschaft in Berlin organisiert worden war.

Die nächste Beteiligung an der ganzjährigen Blockade FASLANE 365 findet statt vom 26. bis 30. Juli für die Jugend aus ganz Europa, zusammen mit der japanischen Studentengruppe Peace Boat. 

Viele arbeiten schon an der Verwirklichung der Vision einer gerechten und friedlichen Welt ohne Atombewaffnung, damit unsere Nachkommen eine Zukunft haben. Wir müssen aber unbedingt noch mehr werden! 

Weitere Informationen: www.faslane365.org

Online-Flyer Nr. 89  vom 04.04.2007



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