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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Wirtschaft und Umwelt
Kritiker reichen Gegenanträge zur BAYER-Hauptversammlung in Köln ein
Unabhängige Kontrolle des Vorstands gefordert
Von Peter Kleinert

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) hat zur Hauptversammlung der BAYER AG am 27. April eine Reihe von Gegenanträgen eingereicht. Zur HV werden Kritiker aus dem In- und Ausland erwartet. Schwerpunkte der Protestaktionen vor den Kölner Messehallen werden Störfälle, Vergiftungen durch BAYER-Pestizide sowie die Verbrennung von Giftmüll in Anlagen des Konzerns sein. Siehe NRhZ 79 und 88.

Fortgesetzte Ehrung eines Kriegsverbrechers

Entgegen dem Vorschlag zu Tagesordnungspunkt 2 darf nach Auffassung der CBG der Vorstand nicht entlastet werden, weil der BAYER-Konzern im vergangenen Geschäftsjahr „massiv gegen die Regeln einer angemessenen Unternehmensführung“ verstoßen habe. Dafür sei der Vorstand verantwortlich. So habe BAYER an Allerheiligen am Grab des ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Fritz ter Meer einen Kranz aufstellen lassen. (siehe NRhZ Nr. 70) Fritz ter Meer war während des 2. Weltkriegs verantwortlich für den Bau des IG Farben-Werks Auschwitz, in dem rund 30.000 Zwangsarbeiter den Tod fanden. Im Nürnberger Prozess wurde Fritz ter Meer wegen Ausbeutung von Sklavenarbeitern und Plünderung zu sieben Jahren Haft verurteilt. In den Vernehmungen äußerte er, den Zwangsarbeitern sei kein besonderes Leid zugefügt worden, „da man sie ohnedies getötet hätte“. „Die fortgesetzte Ehrung eines verurteilten Kriegsverbrechers durch die BAYER AG ist unerträglich“, erklärt dazu die CBG.


BAYER-Ehrung für Kriegsverbrecher
Am Allerheiligentag…
Foto: Herbert Steeg


Statt ehrlicher Klimabilanz neues Kohlekraftwerk

BAYER weigere sich immer noch, eine aussagekräftige Klimabilanz vorzulegen. Im Gegensatz zur BASF mache BAYER keine Angaben zu den CO2-Emissionen seiner Zulieferer von Strom und Dampf. Die von BAYER behauptete Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen basiere zum Teil schlicht auf der Ausgliederung der Energieversorgung - „ein Bilanztrick, der dem Klima nicht hilft“, so die CBG. In Uerdingen will BAYER zudem ein von der Firma Trianel geplantes Steinkohle-Kraftwerk betreiben, das allein für über 4 Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr sorgen würde. Hierdurch würde eine klimaschädliche Stromproduktion für Jahrzehnte festgeschrieben (mehr: www.cbgnetwork.de/1485.html).

Häufig komme es bei BAYER zu schweren Unfällen. Dazu die CBG: „Die Störfall-Risiken sind zum großen Teil hausgemacht.  Die Belegschaft wird seit Jahren ausgedünnt, für viele Unfälle sind die ständig steigende Arbeitsbelastung sowie Sparmaßnahmen in sicherheitsrelevanten Abteilungen verantwortlich.“


Fritz ter Meer bei seiner Vernehmung in Nürnberg
Fritz ter Meer bei seiner Vernehmung in Nürnberg
Foto: CBG-Archiv


Unfälle gefährden Mitarbeiter und Anwohner

So kam es in der TDI-Produktion des BAYER-Werks Baytown im September zu einer schweren Explosion. Neben krebserregenden Chemikalien traten mehrere Tonnen des giftigen Gases Ammoniak aus. 22 Arbeiter mussten in einem Krankenhaus behandelt werden, die Anlage wurde für drei Monate geschlossen (weitere Infos: www.cbgnetwork.de/1632.html). Schon 2004 war es in Baytown zu einer großen Explosion mit darauf folgendem Brand gekommen. Die TDI-Produktion von BAYER steht seit langem in der Kritik, da hierbei große Mengen des Giftgases Phosgen eingesetzt werden. TDI kann, laut CBG, auch ohne Phosgen hergestellt werden, BAYER habe entsprechende Verfahren jedoch nicht zur Produktionsreife entwickelt. Hierdurch würden Mitarbeiter und Anwohner einem erhöhten Risiko ausgesetzt.

Am 5. November kam es in der Uerdinger Kohlenmonoxid-Anlage zu einer Verpuffung mit folgendem Brand. Auch diese Produktionsanlage musste wochenlang geschlossen werden. Auf dem Gelände des BAYER-Chemieparks in Dormagen kam es am 3. Juli in einem Reaktor zur Herstellung von Polyethylen zu mehreren Explosionen. Acht MitarbeiterInnen wurden dabei verletzt. Am 27. Juni trat im Leverkusener BAYER-Werk Fluorwasserstoff aus. Elf Mitarbeiter mussten in eine Klinik eingeliefert werden. Eine Störfall-Chronik, in der 70 Unfälle in BAYER-Werken seit 1994 dokumentiert sind, findet sich unter: www.CBGnetwork.de/476.html

BIS-Zerschlagung nicht hinnehmbar

Der BAYER-Konzern will, wie die NRhZ mehrfach berichtete, die Bayer Industry Services (BIS) zerschlagen, sich dabei von wesentlichen Geschäftsteilen trennen und auf diese Weise 3.000 Arbeitsplätze ausgliedern oder vernichten. Weder eine mangelnde Auslastung noch rote Zahlen zwingen nach Kenntnis der CBG das Unternehmen zu diesen Einschnitten - im Gegenteil: „Die von BIS angebotenen Leistungen werden in den BAYER-Werken benötigt, der Gesamt-Konzern ist hochprofitabel. Im Zuge der Umstrukturierung zu einer Holding hatte BAYER in der Service-Gesellschaft BIS alles geparkt, was keinen Gewinn abwirft, um die anderen Unternehmensteile zu entlasten und um spätere Ausgliederungen zu erleichtern. Es ist nicht hinzunehmen, dass sich der Konzern derart seiner Verantwortung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entzieht.“ (Eine Solidaritätserklärung für die BIS-Mitarbeiter findet man unter www.cbgnetwork.de/1715.html).

Im vergangenen Jahr kam eine Studie des Mediziners Dennis Mangano zu dem Ergebnis, dass die Verwendung des BAYER-Medikaments Trasylol das Risiko von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Nierenversagen stark erhöht. Dann sei herausgekommen, „dass BAYER der US-Medikamentenaufsicht FDA negative Studienergebnisse zu Trasylol bewusst vorenthielt. Am 21. September 2007 hatte die FDA ein Komitee einberufen, in dem die Ergebnisse von Dr. Mangano diskutiert werden sollten.“  Dr. Michael Lincoff vom FDA erklärte danach: „Ich bin verblüfft, dass uns die Vertreter von BAYER nicht mitgeteilt haben, dass eine solche Studie durchgeführt wurde.“ Kommentar der CBG: „Es ist ein schlechter Witz, wenn Sprecher von BAYER der Öffentlichkeit weiß machen wollen, sie hätten die Ergebnisse versehentlich verheimlicht. Bei Fragen von Leben und Tod verbieten sich solche Ausflüchte (mehr dazu unter www.cbgnetwork.de/1641.html).

Ungenügende Kontrolle durch Aufsichtsrat

Laut einem Gegenantrag zu Tagesordnungspunkt 3 soll die HV auch den Aufsichtsrat nicht entlasten. Begründung: „Der Aufsichtsrat kommt seiner Kontrollfunktion nur ungenügend nach.“ Es folgen Beispiele einer umweltfeindlichen Konzernpolitik, die vom Aufsichtsrat mitgetragen wird:

„Nach einem Gutachten schwedischer Behörden, das von der European Food Safety Authority abgenommen wurde, drohen von dem Herbizid Glufosinat Gefahren für Verbraucher, Anwender und Natur. Schweden empfiehlt, Glufosinat zu verbieten. Fast alle gentechnisch veränderten Pflanzen im Sortiment von BAYER sind gegen Glufosinat resistent. Die Genmanipulation von Pflanzen dient nicht - wie von BAYER häufig behauptet - der Bekämpfung des Hungers, sondern der Sicherung des Absatzes von Herbiziden. Der anhaltende Verkauf von Glufosinat ist aus ökologischen Gründen jedoch nicht länger zu verantworten.

BAYER hat mehrere Reis-Sorten im Angebot, die gegen Glufosinat resistent sind. Die Sorte LL 601 befand sich jahrelang in der Nahrungskette, ohne irgendwo auf der Welt für den Verzehr zugelassen zu sein. Die Europäische Union und Japan erließen Einfuhrsperren, zahlreiche amerikanische Reisbauern verklagten den Konzern. Wenn es noch eines Beweises für die Unbeherrschbarkeit der Gentechnologie bedurfte, dann hat ihn BAYER damit erbracht.“ (weitere Infos. www.cbgnetwork.de/1606.html).


proteste in brasilien
Protestaktion gegen Gen-Mais in Brasilien
Foto: Greenpeace


Auch für gentechnisch veränderten Mais versuche BAYER eine Marktzulassung bekommen, und zwar in Brasilien. Kein einziges EU-Land baut Glufosinat-resistenten Mais an. In vielen Teilen der Welt verkaufe BAYER weiterhin Pestizide der WHO-Gefahrenklasse Ia (extrem gefährlich) und Ib (hoch gefährlich), darunter Thiodicarb, Parathion Methyl, Fenamiphos, Ethroprop, Azinphos-Methyl und Methamidophos. Besonders unter Armutsbedingungen sei eine gefahrlose Anwendung solcher Agrogifte nicht möglich. CBG: „Bereits vor mehr als zehn Jahren hatte BAYER angekündigt, alle Pestizide der Gefahrenklasse I vom Markt zu nehmen. Dieses Versprechen wird fortwährend gebrochen. Das Unternehmen trägt daher die Verantwortung für die Vergiftung Tausender Landarbeiter Jahr für Jahr.“ (Offener Brief an BAYER: www.cbgnetwork.de/852.html).

„Scheinheilige Werbeaktion für Potenzmittel“

Zum Valentinstag startete der Levitra-Hersteller BAYER eine laut CBG „scheinheilige Werbeaktion für Potenzmittel“. Unter der Überschrift „Alarm in deutschen Betten“ erfährt man da, dass „90 Prozent aller Männer ein Potenzmittel nehmen würden, wenn ihre Partnerin sie darum bitten würde“. Auf der zugehörigen website tritt neben der Friedensinitiative „Globaler Orgasmus - Sex soll Frieden schaffen“ das Fotomodell Jerry Hall als Botschafterin auf. CBG: „Abgesehen von den unfreiwillig komischen und sexistischen Aspekten der Kampagne ist dies ein Beispiel von unverantwortlicher Werbung für Medikamente mit hohen Nebenwirkungen.“

Millionenumsätze mit Giftmüll aus aller Welt

Inzwischen ist der BAYER-Konzern - entgegen früheren Ankündigungen - auch in den internationalen Handel mit Giftmüll eingestiegen. Aktuell sollen in den Verbrennungsanlagen des Konzerns 4.500 Tonnen hochgiftiges Hexachlorbenzol aus Australien verbrannt werden, wofür BAYER drei Millionen Euro erhalten würde. Hexachlorbenzol gehört zu dem sogenannten „Dirty Dozen“, den gefährlichsten Giftstoffen überhaupt, die durch die Stockholmer Konvention international verboten sind. Der Stoff ist biologisch nicht abbaubar und führt bei Menschen zu Stoffwechselstörungen, Krebserkrankungen und Organschäden.

CBG und Grüne hatten bereits Ende der Achtziger Jahre einen Giftmüll-Tourismus in die Werke von BAYER prognostiziert und sich daher gegen den Bau der Dormagener Sondermüllverbrennungsanlage sowie die Erweiterung des Leverkusener Müllofens ausgesprochen. Tatsächlich liefern heute 300 Firmen aus aller Welt Giftmüll nach Dormagen und Leverkusen. Die Dormagener Anlage war ursprünglich nur für Abfälle des BAYER-Konzerns sowie für Sondermüll aus dem Kreis Neuss genehmigt worden. Im Jahr 2004 wurde sie im Hauruck-Verfahren vergrößert, um Sondermüll aus aller Welt verbrennen zu können.

Strafprozeß wegen krimineller Absprachen in Istanbul

Am 8. Februar meldete die Turkish Daily News unter der Überschrift „Anzeigen wegen organisierter Kriminalität gegen Pharma-Konzerne“, dass Istanbuls oberster Staatsanwalt gegen 30 Firmen, darunter auch die BAYER AG ein Verfahren eröffnet hat. Ihnen wird vorgeworfen staatliche Sozial- und Gesundheitsinstitutionen sowie das Geundheitsministerium beim Verkauf von 209 Medikamenten viel zu hohe Preise berechnet zu haben. Über die rechtswidrigen Absprachen zwischen den Konzernen, zu denen auch die Schweizer Roche AG gehört, die Anfang März ihre Dividende um 36 Prozent erhöhen konnte, soll vor dem 10. Istanbuler Strafgerichtshof unter dem Aktenzeichen 2007/75E gegen Vertreter der angeklagten 30 Firmen wegen Übervorteilung staatlicher Einrichtungen erstmals verhandelt werden. Die Anklageschrift umfasst laut Staatsanwalt nach einem Jahr Ermittlungen 113 Seiten.

Im ihrem dritten Gegenantrag schlägt die CBG aufgrund dieser und zahlreicher weiterer vom Aufsichtsrat nicht verhinderter Verstöße gegen eine saubere Geschäftsführung der BAYER AG vor, „Axel Köhler Schnura, Diplom- Kaufmann, Düsseldorf, als Vertreter der Anteilseigner in den Aufsichtsrat zu wählen. Begründung: Axel Köhler-Schnura baut mit anderen seit 1978 ein internationales Netzwerk der demokratischen Kontrolle des BAYER-Konzerns auf. Er ist Gründer der Coordination gegen BAYER-Gefahren und hat zahlreiche Verstöße des Konzerns gegen Menschenrechte und Umweltschutzauflagen publik gemacht. Somit ist er prädestiniert für eine gründliche, von Profitinteressen unabhängige Kontrolle des Vorstands der BAYER AG.“ Die NRhZ wird über das Ergebnis der Hauptversammlung berichten.

Kontakt: www.CBGnetwork.org.
Hier finden sie auch eine Unterschriftenliste für eine Protestaktion gegen die im Artikel erwähnten Giftmüll-Importe zur profitablen Verbrennung in BAYER-Anlagen. Spenden für diese Aktion sind möglich unter dem Stichwort "Verbrennung von Giftmüll stoppen!"
Konto GLS-Bank
80 16 53 30 00
BLZ 430 609 67
Online-Spende unter www.cbgnetwork.de/885.html



Online-Flyer Nr. 89  vom 04.04.2007



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