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Kultur und Wissen
Otzenrath
ANNO 2007
Von Jan Pablo Neruda
Die Schwalben –
sie sind zurückgekehrt nach Otzenrath –
doch die geliebten Scheunen
suchen sie vergeblich...
Werksanlage ist geworden
aus den alten Höfen,
aus dem alten Ort, der alten Erde –
Unbefugten ist verboten das Betreten!
Dürrer Acker letzten Winterkohls
vertrocknet unter klarem Himmel
letzten Frühlings...
Nur der Mond
begrüsst ganz rosa lächelnd,
seine Weggefährten,
die Zurückgekehrten –
und bietet freudig Nistplatz
unter seinem fahlen Licht.
Die heil'ge Messe
und der Gottesdienst,
die wurden abgesagt
für diesen Sonntag!
8.30; 10.30 -
vielleicht am nächsten Wochenende
zur gewohnten Stund' –
Warum nicht
wacht der Kardinal an dieser Stelle?
Da die Sünde wurd' begangen:
Eingerissen wurde seine Kirche
und der treuen Bauern gute Ställe –
Der Mond – so farbenfroh in dieser Nacht,
er hat sein Angesicht orange verfärbt!
und bietet einzig Orientierung
in der Wüste dieser Narretei!
Es scheint ein graus'ger Traum zu sein,
der bald vorübergeht, vorbei –
wenn morgen früh
die Sonne wieder lacht
und unter ihrem Antlitz
wie ganz selbsverständlich –
jede sich verirrend Schwalbe
ihren angestammten Wohlgeruch
hat ausgemacht,
den der Wind hatt' ihnen nachgetragen
bis nach Afrika,
woher sie kommend,
um in Otzenrath
ein neues Leben auszutragen.
Schwalben kommt, so kommet!
Kommet doch in Scharen!
Um die klaffend Wunde zu bedecken,
das Gedächnis zu bewahren
einer Zeit, die wurd gemordet! –
Einer Menschheit, die kein Ehrgefühl mehr kennt,
die kichert nur am Rand der Grossen Grube,
in die sie doch selber fällt hinein!
unwiderstehlich
und konsumberauscht!
unendlich stumm
doch – Ach! so elegant und fein –
Der Mond verblasst!
Ganz gelb ist er geworden –
Die 'RTL-World (Mehr als Fernsehen)'
ist geblieben nach dem mörderischen Rasen,
weist den Weg nach Erkelenz,
auf einer Insel
zwischen all den leeren Strassen –
Und – Hallo! Ein Jeep rollt an!:
'Wat suchen 'se, JUNGE FRAU! ?
Dat se da nachgucken, in Ihrem Buch –
'Ich suche Otzenrath' –
'Ha, dat weeren se nimmieh finge!'
'Wo hat den die Kirche gestanden?'
'Irjendswo do hinge!
Äwe die weeren se nimmieh finge!
Sach ich Ihnen doch! –
Sach ich Ihnen –
Sach ich –
Sa…
Im nutzlos geword'nen Spiegel
an vormals gefährlicher Biege
wandert der fast bleiche Mond
weiterhin zum Gipfel
seiner nächtlich Reise –
Und die Schwalben?
Haben, so behende – und so weise –
in dem letzten Gehöft,
ANNO 1778,
Unterschlupf gefunden,
EINmal noch Hoffnung geschöpft –
Online-Flyer Nr. 91 vom 18.04.2007
Otzenrath
ANNO 2007
Von Jan Pablo Neruda
Die Schwalben –
sie sind zurückgekehrt nach Otzenrath –
doch die geliebten Scheunen
suchen sie vergeblich...
Werksanlage ist geworden
aus den alten Höfen,
aus dem alten Ort, der alten Erde –
Unbefugten ist verboten das Betreten!
Dürrer Acker letzten Winterkohls
vertrocknet unter klarem Himmel
letzten Frühlings...
Nur der Mond
begrüsst ganz rosa lächelnd,
seine Weggefährten,
die Zurückgekehrten –
und bietet freudig Nistplatz
unter seinem fahlen Licht.
Die heil'ge Messe
und der Gottesdienst,
die wurden abgesagt
für diesen Sonntag!
8.30; 10.30 -
vielleicht am nächsten Wochenende
zur gewohnten Stund' –
Warum nicht
wacht der Kardinal an dieser Stelle?
Da die Sünde wurd' begangen:
Eingerissen wurde seine Kirche
und der treuen Bauern gute Ställe –
Der Mond – so farbenfroh in dieser Nacht,
er hat sein Angesicht orange verfärbt!
und bietet einzig Orientierung
in der Wüste dieser Narretei!
Es scheint ein graus'ger Traum zu sein,
der bald vorübergeht, vorbei –
wenn morgen früh
die Sonne wieder lacht
und unter ihrem Antlitz
wie ganz selbsverständlich –
jede sich verirrend Schwalbe
ihren angestammten Wohlgeruch
hat ausgemacht,
den der Wind hatt' ihnen nachgetragen
bis nach Afrika,
woher sie kommend,
um in Otzenrath
ein neues Leben auszutragen.
Schwalben kommt, so kommet!
Kommet doch in Scharen!
Um die klaffend Wunde zu bedecken,
das Gedächnis zu bewahren
einer Zeit, die wurd gemordet! –
Einer Menschheit, die kein Ehrgefühl mehr kennt,
die kichert nur am Rand der Grossen Grube,
in die sie doch selber fällt hinein!
unwiderstehlich
und konsumberauscht!
unendlich stumm
doch – Ach! so elegant und fein –
Der Mond verblasst!
Ganz gelb ist er geworden –
Die 'RTL-World (Mehr als Fernsehen)'
ist geblieben nach dem mörderischen Rasen,
weist den Weg nach Erkelenz,
auf einer Insel
zwischen all den leeren Strassen –
Und – Hallo! Ein Jeep rollt an!:
'Wat suchen 'se, JUNGE FRAU! ?
Dat se da nachgucken, in Ihrem Buch –
'Ich suche Otzenrath' –
'Ha, dat weeren se nimmieh finge!'
'Wo hat den die Kirche gestanden?'
'Irjendswo do hinge!
Äwe die weeren se nimmieh finge!
Sach ich Ihnen doch! –
Sach ich Ihnen –
Sach ich –
Sa…
Im nutzlos geword'nen Spiegel
an vormals gefährlicher Biege
wandert der fast bleiche Mond
weiterhin zum Gipfel
seiner nächtlich Reise –
Und die Schwalben?
Haben, so behende – und so weise –
in dem letzten Gehöft,
ANNO 1778,
Unterschlupf gefunden,
EINmal noch Hoffnung geschöpft –
Online-Flyer Nr. 91 vom 18.04.2007














