BAYER-Hauptversammlung: Rekorde mit Risiken und Nebenwirkungen
Doch Wenning gelobt Besserung
Von Udo Hörster und Peter Kleinert
Wenning bezeichnete diese „Anpassungen in der Personalstruktur“, so das Konzernchef-Deutsch, als „schmerzlich, aber leider unverzichtbar“. Die Arbeitsplatzvernichtungen im Zuge der Schering-Übernahme verbuchte er kurzerhand unter „Synergieeffekt“. Die kritischen Aktionäre Axel Köhler-Schnura von der Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) und Andrea Will (DKP) geißelten diese Nebenwirkungen der Geschäftspolitik. Aber Aufsichtsratschef Manfred Schneider schaltete auf stur: „Dieses kommunistische Manifest hören wir hier nun schon zum x-ten Mal“.
Proteste von kritischen Aktionären und CBG hatte es schon vor 10 Uhr am Messeeingang Nord gegeben. Diesmal wurden sie von Klaus Klinger, einem Künstler aus der Schule von Gerhard Richter, unterstützt, der weltweit gegen Ausbeutung und Krieg aktiv ist. Klinger hatte den etwa 4.500 zur Hauptversammlung mit Bockwürstchen pilgernden Aktionären ein über vier Meter hohes Gerippe mit einem Giftfass in den Weg gestellt – als künstlerischen Bestandteil des CBG-Protestes gegen die von Bayer geplante profitträchtige Verbrennung hochgiftiger Hexachlorbenzol-Abfälle aus Australien.

Installation des Künstlers Klaus Klinger zur Begrüßung der Aktionäre
Fotos: CBG
Um Ausreden zum geplanten Giftmüll-Import und zu anderen Gegenreden in der Hauptversammlung waren die Profit-Profis am Vorstandstisch nicht verlegen. Den geplanten Transport von Australien zur Verbrennung in Dormagen und Leverkusen (siehe NRhZ 88 und 89) nannten Sie einen „Beitrag zum Umweltschutz“, Studien, die dem BAYER-Medikament Trasylol hohe Todesraten nachwiesen, waren für Vorstand Wenning „nicht verlässlich“ und die zahlreiche Vergiftungen verursachenden BAYER-Pestizide „bei ordnungsgemäßer Anwendung“ ungefährlich. Beim Genreis LL601, der sich unvermittelt in zahlreichen Supermärkten wiederfand, gab der BAYER-Boss ebenfalls Entwarnung: „Die Zusammensetzung des Proteins ist gründlich geprüft“. Und wenn es dann wieder mal ein Kartellverfahren wegen Preismanipulationen zu beanstanden galt, lautete die Standardantwort wie stets: „Wir kooperieren mit den Wettbewerbsbehörden“.

Liest dem Vorstand die Leviten – CBG-Sprecher Axel Köhler
Fotos: CBG
Weil die Tricksereien sich in den letzten Jahren aber zunehmend image-schädigend auszuwirken drohen, gelobte Werner Wenning den Aktionären Besserung. Nur leider trauten selbst konservative Zeitungen den Beteuerungen mit Verweis auf den schlechten Umgang der Bayer-Manager nicht so recht. „Ein paar Meter neben Wennings Redepult saß derweil Dr. Klaus Kleinfeld“, schrieb die Rheinische Post misstrauisch. Der verlorene Siemens-Sohn fand eine warme Aufnahme in der Bayer-Familie. 95,8 Prozent stimmten seiner Wahl in den Aufsichtsrat zu, lediglich ein paar mehr Enthaltungen als üblich gab es. Und in dem Gremium kann ihm sogar ein Produkt aus dem Siemens-Portfolio Gesellschaft leisten: Auf der Arbeitnehmer-Bank sitzt nämlich André Krejcik von der hausgemachten Gewerkschaft AUB.

Spricht zum Klimaschutz – Krefelder Umweltaktivist Ulrich Grubert
Fotos: CBG
Gegenanträge von Axel Köhler und anderen kritischen Aktionären aus der CBG wurden auf dieser Hauptversammlung von bis zu 3000 Aktionären mit bis zu 5,5 Millionen Aktion unterstützt. Die reichten allerdings nicht für seine Kandidatur für den Aufsichtsrat. Köhlers lesenswerten Redebeitrag findet man unter http://www.cbgnetwork.org/1951.html. Hier nur ein kurzer Absatz daraus: „Meine Damen und Herren, auf einer der ersten BAYER-Hauptversammlungen, an denen ich in den frühen 80er Jahren teilnahm, geschah es, dass nach einigen Redebeiträgen von Kritischen AktionärInnen ein Vertreter einer Aktionärsvereinigung ans Mikrofon trat und sprach (ich zitiere): "Wenn das stimmt, was hier vorgetragen wird, dann sitzen da oben lauter Gangster." Ich kann dem nur hinzufügen: Wie wahr! Und ich sage Ihnen ganz ehrlich, ich hoffe aufrichtig, noch den Tag erleben zu dürfen, an dem der erste der Herren das Gefängnis von innen sehen wird. Dass das schneller gehen kann als gedacht, erleben wir zurzeit ja bei SIEMENS.“
Online-Flyer Nr. 93 vom 02.05.2007














