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Literatur
Spaniens Himmel breitet seine Sterne... oder
Ein Lied kehrt zurück – Folge 26
Von Christina Seidel und Kurt Wünsch
3.
Unter dem Fenster im Arbeitszimmer stand ein schmaler, aufgeräumter Schreibtisch, daneben waren vier hohe Stühle um einen Marmortisch gruppiert, gegen über ragten drei gewaltige Ledersessel in den Raum. Bücherregale und Bodenvasen mit antiken Motiven ergänzten die Einrichtung.
Felix blieb in der Tür stehen und fragte mit kritischem Unterton: „Sie kennen die Sportgruppe Mölders, die in unserer Gegend Chaos macht?“ Dr. Gärtner nickte, rückte sich einen Stuhl zurecht und schloss das Fenster. „Über die stand ja mehrfach was in der Zeitung. Ich sollte Ihnen aber jetzt erst einmal etwas Prinzipielles sagen, Felix. Ich habe nichts gegen Juden, bin kein Antisemit. Aber wie die zum Beispiel die Palästinenser behandeln, das ist doch nicht in Ordnung. Und unsere Regierung täte gut daran, auch jüdische Verbrechen öffentlich zu brandmarken und energische Maßnahmen dagegen einzuleiten.“
„Das hat sie doch oft genug getan.“
„Energische Maßnahmen? Unsere Regierung? Gegen die Juden?“
Dr. Gärtner verzog das Gesicht. „Wirklich? Nehmen wir ein anderes Beispiel, junger Freund. Amerikaner haben den Irak überfallen und das durch Lügen begründet. Sie missachten das Völkerrecht, und Frau Merkel küsst ihnen in München die Füße. Nein, unsere Regierung ist …“ Dr. Gärtner tat, als würde er ausspucken.
„Der amerikanische Präsident ist meines Wissens kein Jude“, entgegnete Felix.
„Was die USA und Israel veranstalten, hat nichts mit Glaubensfragen zu tun.“
„Wie auch immer. Ich kenne einige Mitglieder der Mölders Truppe nicht nur aus der Zeitung. Das sind keine Überzeugungstäter. Dazu fehlt es ihnen unter anderem an Verstand. Nein, es handelt sich vielmehr um arme, irregeleitete Würstchen, die …“
„Und in welcher Wurstfabrik wurden die Würstchen produziert?“
„Der Staat ist schuld, der, wie bereits gesagt, so vielen jungen Menschen keine Zukunftsperspektive bietet. Ich habe den Mölders übrigens ihre Schmierereien verboten.“
Felix stutzte. „Sind Sie ihr Boss?“
„Ich kümmere mich ein bisschen um sie. Ja, wer zum Teufel denn sonst? Vielleicht kommen wir endlich zu unserem eigentlichen Thema, dem Bürgerkrieg in Spanien?“
Felix winkte ab. „Zeigen Sie mir lieber Ihre angeblichen Beweise.“
„Gern, junger Freund. Beginnen wir mit den Ereignissen im Mai 1937 in Barcelona. Darüber haben die Genossen sicher kein Wort verlauten lassen.“
„Reden Sie zufällig von der POUM, der Arbeiterpartei der marxistischen Vereinigung?“
Dr. Gärtner pfiff durch die Zähne. „Respekt! Ist Ihnen auch voll bewusst, was damals geschah?“
„Sie werden es mir schon erzählen.“
„Gern.“ Der Hausherr hob die Stimme und unterstützte seine Worte durch lebhafte Gesten. „Das erbarmungslose Niedermetzeln von Tausenden ehrlichen Menschen beweist die wahren Ziele Stalins und damit der Sowjetunion, die angeblich der Republik ach so selbstlos half.“
Felix wusste darauf zunächst nichts zu entgegnen. „Die Ereignisse in Barcelona sind ein dunkles Kapitel, ja“, gab er ein bisschen kleinlaut zu. „Wir werden uns noch gründlich damit beschäftigen.“
Gärtner blickte ihn scharf an. „So einfach kann man das Kapitel nicht zuklappen. Weil es so dunkel nun auch wieder nicht ist. Sagt Ihnen der Name Walter Ulbricht etwas?“
„Präsident der ehemaligen DDR?“
„Partei- und Staatsratsvorsitzender war er. Und in Barcelona dabei. Als Säuberungsmaschinist für die Russen. Und später hat er in Deutschland das getan, was ihn Franco in Spanien nicht erlaubt hat, die Errichtung einer kommunistischen Diktatur. Ich habe mir das Buch ‚Walter Ulbricht – ein Leben für Deutschland’ besorgt. Darin steht auch was über seinen Einsatz in Spanien. Warten Sie…“ Dr. Gärtner zog das Buch aus einem Regal, schlug es auf und hielt es Felix vor die Nase. „Hier!“
Felix las laut: „Über den Sender Barcelonas richtete Walter Ulbricht im Dezember 1936 an das deutsche Volk den flammenden Appell, dem Todfeind der Nation, dem Hitlerfaschismus, entschlossen Widerstand zu leisten.“
Er reichte das Buch zurück. „Der Text spricht für seinen Verfasser!“
„In dem Buch findet sich kein Wort über Ulbrichts wahre Tätigkeit in Barcelona! Und das ist typisch! Ulbricht hat in Barcelona …“
„Gegen die POUM gekämpft?“ Felix schüttelte grinsend den Kopf. „Kann er leider gar nicht – im Dezember. Die Auseinandersetzungen fanden im Mai statt!“
Dr. Gärtner brauchte einige Sekunden, bevor er antworteten konnte. Er tippte auf das Buch. „Wer sagt Ihnen denn, dass hier die Wahrheit steht? Wahrscheinlich hat der Verfasser die Monate einfach vertauscht, Dezember statt Mai geschrieben. Ja …“
Felix holte tief Luft. Gärtner wischte das Thema mit einer Handbewegung vom Tisch. „Wenn ich richtig informiert bin, sollen oder besser wollen Sie unter anderem aufschreiben, was nach dem 2. Weltkrieg aus den spanischen Helden geworden ist. Ich biete Ihnen dazu eine Nummer Zwei: Kurt Hager.“
Der Hausherr holte ein neues Buch. „Kennen Sie ihn?“
Felix verneinte. „Der bestimmte in der DDR unter anderem was gedruckt werden durfte und was nicht. War sozusagen ihr Oberzensor. Das hier sind seine Erinnerungen. Ja, auch in Spanien. Lesen Sie ab Seite 55. Nehmen Sie sich Zeit! Ich gehe inzwischen mal …“ Er verließ das Arbeitszimmer.
Felix griff nach dem Buch und begann zu lesen. Er war gerade mit dem einen Abschnitt fertig, als sein Gastgeber wieder in der Tür stand.
„Na“, fragte er gespannt, „was meinen Sie dazu?“
„Was schon? Ich ahne nicht, worauf Sie hinauswollen?“
„Haben Sie gehört oder gelesen, wie es den Interbrigadisten nach Überschreitung der französischen Grenze erging? Denen, die in Spanien nicht vor einem Mikrophon oder in einer Bar saßen, sondern tatsächlich in einem Schützengraben gelegen hatten?“
„Mehr als genug. Viele kamen in Internierungslager und wurden später an die Nazis ausgeliefert.“
„Genau. Und der Herr Hager?“
„Auch, wie ich gerade erfahren habe.“
„Ja, aber dann, dann erschien auf einmal ein Taxi und ab nach Paris und dort ins Hotel ,Lutetia’, eines der vornehmsten, wie Hager selbst schreibt und dann nach England in eine Villa in Liverpool, und später in der DDR … Was sagen Sie dazu?“
Felix wusste es nicht. Er dachte an Silbermanns Leidensweg durch Frankreich nach Auschwitz. „Vielleicht hat dieser Hager einfach … na ja, Glück gehabt.“
„Glück?“ Dr. Gärtner verzog verächtlich sein Gesicht. „Nein. Sie wussten schon, wen sie damals rausholen mussten und wen sie elend verrecken ließen.“
„Wer sie?“
„Die Roten. Übrigens wurden nicht alle ehemaligen roten Spanienkämpfer in der DDR gelobt und geehrt. Das ist auch so ein dunkles Kapitel mit zahlreichen Abschnitten. Ich nenne ihnen als Beispiel Walter Janka. Dem nutzte sein Einsatz in Spanien nicht die Bohne. Hier, lesen Sie! Der Artikel stammt von Ihren Vereinsfreunden. No pasarán!“
Felix las: „Walter Janka, der nach harten aber erfolgreichen Fronteinsätzen Offizier der spanischen Volksarmee wurde … 1947 war er Verlagschef in Ostberlin… 1957 in einem Schauprozess zu fünf Jahren Haft verurteilt. Erst 1990 wurde er rehabilitiert.“
Auf Gärtners Gesicht war der Triumph nicht zu übersehen. „Das alles sind Fakten, die Sie nicht vergessen sollten! Nun lesen Sie auch das noch!“ Er reichte Felix einen Computerausdruck. „Bericht eines ehemaligen Spanienkämpfers. Nach der Schlacht tauchten wieder diese Lederjackenmänner auf, die vorher im sicheren Abstand von der Front gesessen hatten. Sie standen da und suchten mit den Augen das zerrissene Gelände ab. Plötzlich entdeckte der eine von ihnen, was sie gesucht hatten. Die beiden rannten los wie Jagdhunde. Ich hörte das nervöse Bellen der Mauserpistolen. Sie hatten den französischen Interbrigadisten getroffen. Er hatte sich vorher kritisch über Stalin geäußert. Wir hatten mehr Angst vor den Lederjacken als vor Francos Soldaten … H.B.“
Felix hob den Kopf. „Was bedeutet dieses H.B.?“
„Die Abkürzung für den Namen eines ehemaligen Spanienkämpfers. Da bleibt Ihnen die Spucke weg, wie?“ Das entsprach nur einige Sekunden der Wahrheit. Dann raffte sich Felix auf. Er dachte an seine Erlebnisse in Madrid, an der Arganda Brücke, sah vor seinem geistigen Auge das zerstörte Corbera…
„Ach, Sie können mich mal…“, knurrte er den Hausherrn an. Den Bericht ließ er, ohne zu fragen, in seiner Tasche verschwinden.
Online-Flyer Nr. 102 vom 04.07.2007
Spaniens Himmel breitet seine Sterne... oder
Ein Lied kehrt zurück – Folge 26
Von Christina Seidel und Kurt Wünsch
3.
Unter dem Fenster im Arbeitszimmer stand ein schmaler, aufgeräumter Schreibtisch, daneben waren vier hohe Stühle um einen Marmortisch gruppiert, gegen über ragten drei gewaltige Ledersessel in den Raum. Bücherregale und Bodenvasen mit antiken Motiven ergänzten die Einrichtung.
Felix blieb in der Tür stehen und fragte mit kritischem Unterton: „Sie kennen die Sportgruppe Mölders, die in unserer Gegend Chaos macht?“ Dr. Gärtner nickte, rückte sich einen Stuhl zurecht und schloss das Fenster. „Über die stand ja mehrfach was in der Zeitung. Ich sollte Ihnen aber jetzt erst einmal etwas Prinzipielles sagen, Felix. Ich habe nichts gegen Juden, bin kein Antisemit. Aber wie die zum Beispiel die Palästinenser behandeln, das ist doch nicht in Ordnung. Und unsere Regierung täte gut daran, auch jüdische Verbrechen öffentlich zu brandmarken und energische Maßnahmen dagegen einzuleiten.“
„Das hat sie doch oft genug getan.“
„Energische Maßnahmen? Unsere Regierung? Gegen die Juden?“
Dr. Gärtner verzog das Gesicht. „Wirklich? Nehmen wir ein anderes Beispiel, junger Freund. Amerikaner haben den Irak überfallen und das durch Lügen begründet. Sie missachten das Völkerrecht, und Frau Merkel küsst ihnen in München die Füße. Nein, unsere Regierung ist …“ Dr. Gärtner tat, als würde er ausspucken.
„Der amerikanische Präsident ist meines Wissens kein Jude“, entgegnete Felix.
„Was die USA und Israel veranstalten, hat nichts mit Glaubensfragen zu tun.“
„Wie auch immer. Ich kenne einige Mitglieder der Mölders Truppe nicht nur aus der Zeitung. Das sind keine Überzeugungstäter. Dazu fehlt es ihnen unter anderem an Verstand. Nein, es handelt sich vielmehr um arme, irregeleitete Würstchen, die …“
„Und in welcher Wurstfabrik wurden die Würstchen produziert?“
„Der Staat ist schuld, der, wie bereits gesagt, so vielen jungen Menschen keine Zukunftsperspektive bietet. Ich habe den Mölders übrigens ihre Schmierereien verboten.“
Felix stutzte. „Sind Sie ihr Boss?“
„Ich kümmere mich ein bisschen um sie. Ja, wer zum Teufel denn sonst? Vielleicht kommen wir endlich zu unserem eigentlichen Thema, dem Bürgerkrieg in Spanien?“
Felix winkte ab. „Zeigen Sie mir lieber Ihre angeblichen Beweise.“
„Gern, junger Freund. Beginnen wir mit den Ereignissen im Mai 1937 in Barcelona. Darüber haben die Genossen sicher kein Wort verlauten lassen.“
„Reden Sie zufällig von der POUM, der Arbeiterpartei der marxistischen Vereinigung?“
Dr. Gärtner pfiff durch die Zähne. „Respekt! Ist Ihnen auch voll bewusst, was damals geschah?“
„Sie werden es mir schon erzählen.“
„Gern.“ Der Hausherr hob die Stimme und unterstützte seine Worte durch lebhafte Gesten. „Das erbarmungslose Niedermetzeln von Tausenden ehrlichen Menschen beweist die wahren Ziele Stalins und damit der Sowjetunion, die angeblich der Republik ach so selbstlos half.“
Felix wusste darauf zunächst nichts zu entgegnen. „Die Ereignisse in Barcelona sind ein dunkles Kapitel, ja“, gab er ein bisschen kleinlaut zu. „Wir werden uns noch gründlich damit beschäftigen.“
Gärtner blickte ihn scharf an. „So einfach kann man das Kapitel nicht zuklappen. Weil es so dunkel nun auch wieder nicht ist. Sagt Ihnen der Name Walter Ulbricht etwas?“
„Präsident der ehemaligen DDR?“
„Partei- und Staatsratsvorsitzender war er. Und in Barcelona dabei. Als Säuberungsmaschinist für die Russen. Und später hat er in Deutschland das getan, was ihn Franco in Spanien nicht erlaubt hat, die Errichtung einer kommunistischen Diktatur. Ich habe mir das Buch ‚Walter Ulbricht – ein Leben für Deutschland’ besorgt. Darin steht auch was über seinen Einsatz in Spanien. Warten Sie…“ Dr. Gärtner zog das Buch aus einem Regal, schlug es auf und hielt es Felix vor die Nase. „Hier!“
Felix las laut: „Über den Sender Barcelonas richtete Walter Ulbricht im Dezember 1936 an das deutsche Volk den flammenden Appell, dem Todfeind der Nation, dem Hitlerfaschismus, entschlossen Widerstand zu leisten.“
Er reichte das Buch zurück. „Der Text spricht für seinen Verfasser!“
„In dem Buch findet sich kein Wort über Ulbrichts wahre Tätigkeit in Barcelona! Und das ist typisch! Ulbricht hat in Barcelona …“
„Gegen die POUM gekämpft?“ Felix schüttelte grinsend den Kopf. „Kann er leider gar nicht – im Dezember. Die Auseinandersetzungen fanden im Mai statt!“
Dr. Gärtner brauchte einige Sekunden, bevor er antworteten konnte. Er tippte auf das Buch. „Wer sagt Ihnen denn, dass hier die Wahrheit steht? Wahrscheinlich hat der Verfasser die Monate einfach vertauscht, Dezember statt Mai geschrieben. Ja …“
Felix holte tief Luft. Gärtner wischte das Thema mit einer Handbewegung vom Tisch. „Wenn ich richtig informiert bin, sollen oder besser wollen Sie unter anderem aufschreiben, was nach dem 2. Weltkrieg aus den spanischen Helden geworden ist. Ich biete Ihnen dazu eine Nummer Zwei: Kurt Hager.“
Der Hausherr holte ein neues Buch. „Kennen Sie ihn?“
Felix verneinte. „Der bestimmte in der DDR unter anderem was gedruckt werden durfte und was nicht. War sozusagen ihr Oberzensor. Das hier sind seine Erinnerungen. Ja, auch in Spanien. Lesen Sie ab Seite 55. Nehmen Sie sich Zeit! Ich gehe inzwischen mal …“ Er verließ das Arbeitszimmer.
Felix griff nach dem Buch und begann zu lesen. Er war gerade mit dem einen Abschnitt fertig, als sein Gastgeber wieder in der Tür stand.
„Na“, fragte er gespannt, „was meinen Sie dazu?“
„Was schon? Ich ahne nicht, worauf Sie hinauswollen?“
„Haben Sie gehört oder gelesen, wie es den Interbrigadisten nach Überschreitung der französischen Grenze erging? Denen, die in Spanien nicht vor einem Mikrophon oder in einer Bar saßen, sondern tatsächlich in einem Schützengraben gelegen hatten?“
„Mehr als genug. Viele kamen in Internierungslager und wurden später an die Nazis ausgeliefert.“
„Genau. Und der Herr Hager?“
„Auch, wie ich gerade erfahren habe.“
„Ja, aber dann, dann erschien auf einmal ein Taxi und ab nach Paris und dort ins Hotel ,Lutetia’, eines der vornehmsten, wie Hager selbst schreibt und dann nach England in eine Villa in Liverpool, und später in der DDR … Was sagen Sie dazu?“
Felix wusste es nicht. Er dachte an Silbermanns Leidensweg durch Frankreich nach Auschwitz. „Vielleicht hat dieser Hager einfach … na ja, Glück gehabt.“
„Glück?“ Dr. Gärtner verzog verächtlich sein Gesicht. „Nein. Sie wussten schon, wen sie damals rausholen mussten und wen sie elend verrecken ließen.“
„Wer sie?“
„Die Roten. Übrigens wurden nicht alle ehemaligen roten Spanienkämpfer in der DDR gelobt und geehrt. Das ist auch so ein dunkles Kapitel mit zahlreichen Abschnitten. Ich nenne ihnen als Beispiel Walter Janka. Dem nutzte sein Einsatz in Spanien nicht die Bohne. Hier, lesen Sie! Der Artikel stammt von Ihren Vereinsfreunden. No pasarán!“
Felix las: „Walter Janka, der nach harten aber erfolgreichen Fronteinsätzen Offizier der spanischen Volksarmee wurde … 1947 war er Verlagschef in Ostberlin… 1957 in einem Schauprozess zu fünf Jahren Haft verurteilt. Erst 1990 wurde er rehabilitiert.“
Auf Gärtners Gesicht war der Triumph nicht zu übersehen. „Das alles sind Fakten, die Sie nicht vergessen sollten! Nun lesen Sie auch das noch!“ Er reichte Felix einen Computerausdruck. „Bericht eines ehemaligen Spanienkämpfers. Nach der Schlacht tauchten wieder diese Lederjackenmänner auf, die vorher im sicheren Abstand von der Front gesessen hatten. Sie standen da und suchten mit den Augen das zerrissene Gelände ab. Plötzlich entdeckte der eine von ihnen, was sie gesucht hatten. Die beiden rannten los wie Jagdhunde. Ich hörte das nervöse Bellen der Mauserpistolen. Sie hatten den französischen Interbrigadisten getroffen. Er hatte sich vorher kritisch über Stalin geäußert. Wir hatten mehr Angst vor den Lederjacken als vor Francos Soldaten … H.B.“
Felix hob den Kopf. „Was bedeutet dieses H.B.?“
„Die Abkürzung für den Namen eines ehemaligen Spanienkämpfers. Da bleibt Ihnen die Spucke weg, wie?“ Das entsprach nur einige Sekunden der Wahrheit. Dann raffte sich Felix auf. Er dachte an seine Erlebnisse in Madrid, an der Arganda Brücke, sah vor seinem geistigen Auge das zerstörte Corbera…
„Ach, Sie können mich mal…“, knurrte er den Hausherrn an. Den Bericht ließ er, ohne zu fragen, in seiner Tasche verschwinden.
Online-Flyer Nr. 102 vom 04.07.2007















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