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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Lokales
Fotogalerie „fiftyfifty“ und Dankesreden zum Düsseldorfer Friedenspreis
Kein Frieden ohne Visionen
Von Semra Idic, Bruder Matthäus und Hubert Ostendorf

Wie in NRhZ 111 berichtet wurde am Antikriegstag der Düsseldorfer Friedenspreis 2007 an den Ordensbruder Matthäus Werner und an Hubert Ostendorf von der „fiftyfifty-Galerie“ verliehen. Beide haben unter anderem wesentlich dazu beigetragen, dass 3.000 Wohnungslose in der Stadt wieder eine Wohnung haben. Hier ihre Dankesreden und die von Semra Idic, deren Roma-Familie sie vor der Ausweisung retten konnten. – Die Redaktion.


Hubert Ostendorf: Wir beide fühlen uns sehr geehrt, dass wir den Düsseldorfer Friedenspreis erhalten. Wir nehmen die Auszeichnung stellvertretend für das ganze Team von fiftyfifty an, stellvertretend auch für alle Ehrenamtlichen und stellvertretend besonders für unsere Verkäufer. Denn sie alle haben einen Beitrag zum sozialen Frieden in unserer Stadt geleistet. Dafür herzlichen Dank…


Vesna (12. links) und Merima (15) Idic, deren Familie fiftyfifty vor der Abschiebung bewahrt hat
Foto: Verni Mayer
 
Kampagne gegen den OB
 
An dem Tag, als ich am Telefon erfahren habe, dass Bruder Matthäus und ich für den Friedenpreis nominiert sind, habe ich ein Fax vom Ausländeramt der Stadt Düsseldorf erhalten. Darauf stand, dass unsere Freunde, Familie Idic, nach einer ganzen Reihe von kurzfristigen Duldungen nun endlich ein Bleiberecht erhalten. Ein Jahr voller Angst und Bangen sollte zu Ende gehen. Vorausgegangen war allerdings eine Kampagne unseres Oberbürgermeisters, der öffentlich wider besseren Wissens behauptet hatte, Familie Idic sei kriminell. Der Unterstützerkreis konnte das Gegenteil beweisen und nicht zuletzt damit den Weg zum Bleiberecht ebnen. Es gibt keinen Frieden ohne Wahrhaftigkeit. Wer die Gebote der Fairness und des kultivierten Streites missachtet, gefährdet den Frieden.


fiftyfifty-Verkäuferin Rosi mit dem neuen Fotokalender "Menschen auf der Straße 2008" (Bestellung www.fiftyfifty-galerie.de)
Quelle: fiftyfifty

Bruder Matthäus: Das hebräische Wort „Shalom“ oder das arabische „Salam“ bedeutet ursprünglich Unversehrtheit. Der Prophet Amos hat schon vor etwa 3.000 Jahren das soziale Elend seiner Zeit angeprangert. Das Geplärr der frommen Lieder hat ihm gestunken, weil „kein Recht und keine Gerechtigkeit“ war. Amos fordert, die Unversehrtheit der Armen. Shalom, also Frieden, gibt es nicht ohne gerechte Teilhabe der Armen.
 
Menschen in ihrer Würde herabgesetzt
 
Kaum eine Stadt ist derart von sozialen Widersprüchen geprägt, wie Düsseldorf. „Es ist ein Skandal, dass Obdachlose sich über Lüftungsschächten wärmen müssen“, hat unser großer Förderer Jörg Immendorff einmal gesagt. Es ist aber mindestens ein ebenso großer Skandal, Menschen am Rande der Gesellschaft, wenn sie niemandem etwas tun, durch rigorose Vertreibung und soziale Ausgrenzung in ihrer Würde elementar herabzusetzen. Zum Glück konnten wir mit fiftyfifty deutlich gegensteuern – durch politisches Engagement aber auch allein schon durch die Tatsache, dass Monat für Monat über 20.000 oft herzliche Kontakte zwischen Menschen aus der bürgerlichen Mitte und Wohnungslosen hergestellt werden. Diesem Ziel, das Anliegen der Wohnungslosen bei sozial besser Gestellten zu thematisieren, dient auch unsere Benefiz-Galerie. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an die vielen Künstlerinnen und Künstler für ihr großherziges Engagement.


Katja (groß) und Dascha vom Straßenzirkus Upsala aus St. Petersburg, für den fiftyfifty seit 5 Jahren das Marketing macht.
Foto: Hubert Ostendorf
 
Hubert Ostendorf: fiftyfifty und Ordensgemeinschaft haben über 3.000 Obdachlose in Wohnungen gebracht. Viele Projekte tragen in unserer Stadt dazu bei, Menschen am Rande wieder zu integrieren. Doch die gesellschaftliche Entwicklung ist gegenläufig. Heuschrecken-Investoren aus den USA kaufen im großen Stil Wohnungen auf, während der Staat sich gleichzeitig immer mehr aus dem sozialen Wohnungsbau zurückzieht. Gerade in wirtschaftlich boomenden Städten wie Düsseldorf bleibt preiswerter Wohnraum Mangelware. Und: Solange Wohnraum ein Wirtschaftsfaktor bleibt und solange der Mensch und seine Arbeitskraft den Verwertungsmechanismen des – mittlerweile – globalen entfesselten Marktes unterworfen werden, kann es keinen dauerhaften Frieden geben. Papst Johannes Paul II. hat bei seinem Besuch auf Kuba und auch sonst immer wieder gesagt : „Die Arbeit muss über dem Kapital stehen.“ Der große Befreiungstheologe Leonardo Boff, der fiftyfifty einmal ein Interview gegeben hat, fordert in seinem programmatischen Buch „Schrei der Erde, Schrei der Armen“ ganz im Sinne des Propheten Amos eine unbedingte Option für die Unversehrtheit des Planeten und der Ausgebeuteten – eine Botschaft, die auch ZERO-Legende Otto Piene mit einer an uns gespendeten Editin vertritt. „The blue planet – keep it green“, sagt der große Künstler.


Am Ende einer Vernissage: Die letzten BesucherInnen vor Obdachlosenporträts der Becher-Schülerin Katharina Mayer
Foto: Verni Mayer
 
„Persönliches Engagement wichtiger denn je“
 
Bruder Matthäus: Wenn wir die Lebensgrundlagen unseres Planeten durch ungezügelten Raubbau einer Minderheit im Norden zerstören, gehen auch soziale Errungenschaften verloren. Wir sind jenseits unserer „barmherzigen Werke“ für den Einzelnen, wie es der Gründer meines Ordens, Johannes Höfer, ausgedrückt hat, stets auch für das Ganze verantwortlich. Dabei haben wir schon Probleme bei der Wahrnehmung. In Indien und Pakistan sind vor wenigen Wochen durch die laut UNO „größte Flut seit Menschengedenken“ 30 Millionen Menschen obdachlos geworden. Und wieder einmal leiden am meisten die Armen. Wenn die internationale Staatengemeinschaft nicht schnell Lösungen entwickelt – und danach sieht es nicht aus – wird es immer mehr Kriege um Rohstoffe und natürliche Ressourcen geben.


Herzkranke Agnes Agasiru aus Nord-Uganda - fiftyfifty organisierte für sie eine Operation in Deutschland 
Quelle: fiftyfifty


Hubert Ostendorf: Angesichts der drohenden Katastrophen schwindet der Gestaltungsspielraum Einzelner. Und doch ist das persönliche Engagement wichtiger denn je. Und das beginnt oft im Kleinen. Viele bescheidene Beiträge – und dafür ist fiftyfifty ein Beispiel – können zu einem großen Werk, getragen von vielen Menschen, werden. Zu einem Netzwerk, das zum Beispiel unbürokratisch eine Operation für ein herzkrankes Mädchen in Uganda organisieren kann. Ein Netzwerk, das die medizinische Versorgung Obdachloser und ihrer Tiere gewährleistet. Ein Netzwerk, das der Ausgrenzung von Menschen am Rande auch politisch – freilich nicht parteipolitisch – begegnet. Ein Netzwerk, das, bei allen Rückschlägen, immer auch die Hoffnung hochhält, das der „Zerstörung des Menschen durch den Menschen“, wie unser großer Förderer, der Nagel-Künstler Günther Uecker es treffend beschreibt, den Unversehrtheitsanspruch der Amos’schen Prophetie entgegenhält.
 
„Immer für mich und meine Familie da“
 
Semra Idic ist Tochter einer Roma-Familie, die lange von Abschiebung bedroht war. Ohne die monatelange Unterstützung von fiftyfifty und anderer Initiativen würde sie heute nicht mehr in Düsseldorf leben (siehe NRhZ 62, 63, 99):
 
Ich weiß noch, wie ich Hubert das erste Mal bei meinem Praktikum bei fiftyfifty getroffen habe: Er hat mich so herzlich aufgenommen und behutsam nachgefragt, wie es uns geht und wie er uns unterstützen kann. Im Laufe der vergangenen Monate war Hubert immer für mich und meine Familie da, in guten wie auch in schlechten Zeiten. Wir haben zusammen geweint, gelacht, gekämpft und GEWONNEN.
 
Ich möchte kurz eine persönliche Geschichte erzählen: Letztes Jahr an Huberts Geburtstag wurde ich akut krank. Hubert fuhr mich ins Krankenhaus. Wir mussten 6 Stunden warten. Und Hubert hat mich die ganze Zeit bei Laune gehalten und mich von meinen Schmerzen abgelenkt. In den nächsten Tagen hat er mich jeden Morgen im Krankenhaus besucht. Er hat mir in dieser Zeit den Vater ersetzt und mir sehr geholfen. Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei seiner Frau Cordula und seinen Kindern Oli und Lena bedanken.
 
So Hubert, ich möchte mich noch mal bedanken für alles, was du für uns getan hast, denn ohne Dich wären wir gar nicht mehr hier. Nicht nur für mich bist du ein ganz besonderer Mensch. Ich bin froh, dass ich dir und Bruder Matthäus begegnet bin. Ihr seid wunderbare Menschen!!!
 
Mehr über das Obdachlosenprojekt erfahren Sie unter www.fiftyfifty-galerie.de (PK)



fiftyfifty-Postkarte: Protest gegen Obdachlosenfeindlichkeit im öffentlichen Raum -Einzelschalensitze statt Parkbänke - Liegen verboten!
Quelle: fiftyfifty


Bruder Matthäus und Hubert Ostendorf bei der Preisverleihung
Quelle:fiftyfifty


Semra Idic – konnte nachweisen, dass man ihrer Familie zu Unrecht kriminelle Handlungen unterstellt hatte
Foto: Hubert Ostendorf



Online-Flyer Nr. 112  vom 12.09.2007



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