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Völkisch homogenes Kurdistan als Mittel westlicher Hegemonialpolitik?
Destabilisierungshebel
Von Hille Krüger
Die deutsche Zuarbeit für kurdische Aufständische im Iran ergänzt bisherige deutsche Kontakte zur kurdischen Autonomieregierung im Irak und stärkt die Berliner Rolle im Rahmen einer möglichen völkischen Neuordnung des gesamten Mittleren Ostens. Entsprechende Pläne hatten US-Militärkreise vor geraumer Zeit lanciert. Offensivster Vertreter der kurdischen Sezession ist gegenwärtig der Präsident der irakischen „Autonomen Region Kurdistan", Masud Barzani – ein langjähriger Kontaktmann deutscher Außenpolitiker, der bereits mehrfach mit Angela Merkel zusammengetroffen ist.
Barzani hat eine Abspaltung der von ihm kontrollierten Gebiete im Norden des Irak („Irakisch-Kurdistan") bereits angekündigt und will das Sezessionsgebiet um die drei erdölreichen Provinzen Kirkuk, Niniveh und Diyala erweitern. Dort sollen noch in diesem Jahr Referenden über den Anschluss an die „Autonome Region Kurdistan" abgehalten werden. In Kirkuk rufen die Sezessionspläne schwere Spannungen hervor, die inzwischen zu völkischen Gewaltausbrüchen und Terroranschlägen führen. Masud Barzani kündigt einen Bürgerkrieg an, sollte das Referendum Kirkuk nicht unter seine Kontrolle bringen.
Erbil
Barzani ist Präsident der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP), sein Clan kontrolliert die nördlichen Teile des Sezessions- gebiets. Bereits seit Jahrzehnten unterhält er enge Kontakte in die Bundesrepublik. In den 1980er Jahren stand er in regem Austausch mit dem CSU-Vorsit- zenden Franz-Josef Strauß, in den 1990ern stellte er Verbindungen zur Regierung des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen her, die eine Reihe sogenannter Entwicklungsprojekte im Nordirak finanzierte. Im Gespräch waren damals auch militärstrategisch bedeutsame Infrastrukturvorhaben.
Bis heute wirksam sind die damals geknüpften Kontakte in Person des früheren nordrhein-westfälischen Landtagsabgeordneten Siegfried Martsch (Bündnis 90/Die Grünen), der in den Barzani-Clan aufgenommen worden ist und sich heute "Siggi Barzani" nennen darf. Martsch leitet den deutschen Ableger der offiziellen Investitionsagentur im Norden des Irak („Kurdistan Development Corporation") und hat deutschen Unternehmen bereits millionenschwere Infrastrukturaufträge vermittelt. Martsch vertrat die deutsche Seite, als im Januar 2006 ein „Deutsches Kulturzentrum" in Erbil, der Hauptstadt „Irakisch-Kurdistans", eröffnet wurde. Um die Gründung des Zentrums hatte sich bis zu ihrer Entführung wenige Wochen zuvor eine Frau Susanne Osthoff bemüht, Mitarbeiterin des Auswärtigen Amtes und mutmaßliche Zuträgerin der deutschen Auslandsspionage BND.

Verteilung der religiösen und ethnischen Gruppen im Irak – Quelle: wikipedia
Die Kandilberge
In Barzanis Einflussbereich liegen die Kandilberge im irakisch-iranisch- türkischen Dreiländereck. Von dort startet die PKK regelmäßig Angriffe auf türkisches Territorium. Ebenfalls in den Kandilbergen befindet sich die Hauptbasis der PKK-nahen „Partei für ein freies Leben in Kurdistan" (PEJAK), die im Westen des Iran gegen die iranische Armee kämpft. Die vom Einflussgebiet des deutschen Kontaktmanns Barzani aus operierende Organisation führt Krieg für ein ethnisch homogenes „Kurdistan". Schätzungen zufolge sind ihren militärischen Operationen bislang mehr als dreihundert iranische Soldaten zum Opfer gefallen.
Wie das TV-Magazin „Monitor" berichtet, hat PEJAK-Chef Abdul Rahman Haji Ahmadi seinen Sitz in Köln (Nordrhein-Westfalen) und rekrutiert dort Aufständische für den Sezessionskrieg gegen den Iran. Dem Bericht zufolge gelingt es Haji Ahmadi mit großer Regelmäßigkeit, aus Deutschland zu seiner Miliz in den Irak zu reisen, ohne von den deutschen Behörden daran gehindert zu werden – trotz mehrfacher Beschwerden der iranischen Regierung. Die deutsche Auslandsspionage (BND) soll „Monitor“ zufolge mit der PEJAK in zwielichtigen Beziehungen stehen.
Kurdistan
Laut einem Artikel in der Washington Times vom 04.08.2007 erhält die PEJAK Unterstützung nicht nur aus Deutschland, sondern auch von den Vereinigten Staaten. Das von ihr angestrebte ethnisch homogene „Kurdistan" entspricht ebenso der deutschen Volkstumspolitik wie strategischen Erwägungen Washingtons. US-Militärs ziehen eine Neuordnung des Mittleren Ostens nach völkischem Modell in Betracht. Im Juni 2006 veröffentlichte der pensionierte Soldat Ralph Peters im „Armed Forces Journal", einer Zeitschrift der US-Armee, eine Landkarte, die fast sämtliche Grenzen in der arabisch-islamischen Welt nach ethnischen Kriterien neu zieht. Betroffen ist unter anderem der Iran, der sich der westlichen Hegemonialpolitik am Persischen Golf nicht bedingungslos unterordnen will. Teheran, von Wirtschaftssanktionen geschwächt und von US-Militärschlägen bedroht, sieht sich im Nordwesten des Landes einer erstarkenden Sezessionsmiliz gegenüber.
Geheimdienstlich verdeckt
Die machtpolitische Logik der deutsch-amerikanischen Unterstützung für die PEJAK hat bereits im Frühjahr Michael Wolfssohn, Professor der Bundeswehr-Universität in München, erläutert. Wolfssohn zufolge ist der Iran „ein Vielvölkerstaat", dessen Bevölkerung zu 49 Prozent aus Teheran nicht geneigten „Volksgruppen" bestehe. „Der Iran ist von innen gefährdet", behauptete Wolfssohn in der Tageszeitung die Welt vom 07.03.2007 und nannte den kurdischen Separatismus als Beispiel: „Der kurdische Teil des Iran würde sich lieber gestern als morgen mit dem irakisch Kurdistan sowie am liebsten auch den Kurden der Türkei und Syriens vereinigen." Völkische Sezessionsbewegungen seien der geeignete „Destabilisierungshebel" gegenüber der missliebigen Regierung in Teheran: „Diese innenpolitische Labilität könnte – und sollte (geheimdienstlich verdeckt, versteht sich) – der Hebel westlicher Iran-Politik unterhalb des eigenen militärischen Eingreifens sein."
Weitere Informationen und Hintergründe bei german foreign policy,
auf deren Website auch die Erstveröffentlichung dieses Artikels zu finden ist.
Online-Flyer Nr. 114 vom 26.09.2007
Völkisch homogenes Kurdistan als Mittel westlicher Hegemonialpolitik?
Destabilisierungshebel
Von Hille Krüger
Die deutsche Zuarbeit für kurdische Aufständische im Iran ergänzt bisherige deutsche Kontakte zur kurdischen Autonomieregierung im Irak und stärkt die Berliner Rolle im Rahmen einer möglichen völkischen Neuordnung des gesamten Mittleren Ostens. Entsprechende Pläne hatten US-Militärkreise vor geraumer Zeit lanciert. Offensivster Vertreter der kurdischen Sezession ist gegenwärtig der Präsident der irakischen „Autonomen Region Kurdistan", Masud Barzani – ein langjähriger Kontaktmann deutscher Außenpolitiker, der bereits mehrfach mit Angela Merkel zusammengetroffen ist.
Barzani hat eine Abspaltung der von ihm kontrollierten Gebiete im Norden des Irak („Irakisch-Kurdistan") bereits angekündigt und will das Sezessionsgebiet um die drei erdölreichen Provinzen Kirkuk, Niniveh und Diyala erweitern. Dort sollen noch in diesem Jahr Referenden über den Anschluss an die „Autonome Region Kurdistan" abgehalten werden. In Kirkuk rufen die Sezessionspläne schwere Spannungen hervor, die inzwischen zu völkischen Gewaltausbrüchen und Terroranschlägen führen. Masud Barzani kündigt einen Bürgerkrieg an, sollte das Referendum Kirkuk nicht unter seine Kontrolle bringen.
Erbil
Barzani ist Präsident der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP), sein Clan kontrolliert die nördlichen Teile des Sezessions- gebiets. Bereits seit Jahrzehnten unterhält er enge Kontakte in die Bundesrepublik. In den 1980er Jahren stand er in regem Austausch mit dem CSU-Vorsit- zenden Franz-Josef Strauß, in den 1990ern stellte er Verbindungen zur Regierung des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen her, die eine Reihe sogenannter Entwicklungsprojekte im Nordirak finanzierte. Im Gespräch waren damals auch militärstrategisch bedeutsame Infrastrukturvorhaben.
Bis heute wirksam sind die damals geknüpften Kontakte in Person des früheren nordrhein-westfälischen Landtagsabgeordneten Siegfried Martsch (Bündnis 90/Die Grünen), der in den Barzani-Clan aufgenommen worden ist und sich heute "Siggi Barzani" nennen darf. Martsch leitet den deutschen Ableger der offiziellen Investitionsagentur im Norden des Irak („Kurdistan Development Corporation") und hat deutschen Unternehmen bereits millionenschwere Infrastrukturaufträge vermittelt. Martsch vertrat die deutsche Seite, als im Januar 2006 ein „Deutsches Kulturzentrum" in Erbil, der Hauptstadt „Irakisch-Kurdistans", eröffnet wurde. Um die Gründung des Zentrums hatte sich bis zu ihrer Entführung wenige Wochen zuvor eine Frau Susanne Osthoff bemüht, Mitarbeiterin des Auswärtigen Amtes und mutmaßliche Zuträgerin der deutschen Auslandsspionage BND.

Verteilung der religiösen und ethnischen Gruppen im Irak – Quelle: wikipedia
Die Kandilberge
In Barzanis Einflussbereich liegen die Kandilberge im irakisch-iranisch- türkischen Dreiländereck. Von dort startet die PKK regelmäßig Angriffe auf türkisches Territorium. Ebenfalls in den Kandilbergen befindet sich die Hauptbasis der PKK-nahen „Partei für ein freies Leben in Kurdistan" (PEJAK), die im Westen des Iran gegen die iranische Armee kämpft. Die vom Einflussgebiet des deutschen Kontaktmanns Barzani aus operierende Organisation führt Krieg für ein ethnisch homogenes „Kurdistan". Schätzungen zufolge sind ihren militärischen Operationen bislang mehr als dreihundert iranische Soldaten zum Opfer gefallen.
Wie das TV-Magazin „Monitor" berichtet, hat PEJAK-Chef Abdul Rahman Haji Ahmadi seinen Sitz in Köln (Nordrhein-Westfalen) und rekrutiert dort Aufständische für den Sezessionskrieg gegen den Iran. Dem Bericht zufolge gelingt es Haji Ahmadi mit großer Regelmäßigkeit, aus Deutschland zu seiner Miliz in den Irak zu reisen, ohne von den deutschen Behörden daran gehindert zu werden – trotz mehrfacher Beschwerden der iranischen Regierung. Die deutsche Auslandsspionage (BND) soll „Monitor“ zufolge mit der PEJAK in zwielichtigen Beziehungen stehen.
Kurdistan
Laut einem Artikel in der Washington Times vom 04.08.2007 erhält die PEJAK Unterstützung nicht nur aus Deutschland, sondern auch von den Vereinigten Staaten. Das von ihr angestrebte ethnisch homogene „Kurdistan" entspricht ebenso der deutschen Volkstumspolitik wie strategischen Erwägungen Washingtons. US-Militärs ziehen eine Neuordnung des Mittleren Ostens nach völkischem Modell in Betracht. Im Juni 2006 veröffentlichte der pensionierte Soldat Ralph Peters im „Armed Forces Journal", einer Zeitschrift der US-Armee, eine Landkarte, die fast sämtliche Grenzen in der arabisch-islamischen Welt nach ethnischen Kriterien neu zieht. Betroffen ist unter anderem der Iran, der sich der westlichen Hegemonialpolitik am Persischen Golf nicht bedingungslos unterordnen will. Teheran, von Wirtschaftssanktionen geschwächt und von US-Militärschlägen bedroht, sieht sich im Nordwesten des Landes einer erstarkenden Sezessionsmiliz gegenüber.
Geheimdienstlich verdeckt
Die machtpolitische Logik der deutsch-amerikanischen Unterstützung für die PEJAK hat bereits im Frühjahr Michael Wolfssohn, Professor der Bundeswehr-Universität in München, erläutert. Wolfssohn zufolge ist der Iran „ein Vielvölkerstaat", dessen Bevölkerung zu 49 Prozent aus Teheran nicht geneigten „Volksgruppen" bestehe. „Der Iran ist von innen gefährdet", behauptete Wolfssohn in der Tageszeitung die Welt vom 07.03.2007 und nannte den kurdischen Separatismus als Beispiel: „Der kurdische Teil des Iran würde sich lieber gestern als morgen mit dem irakisch Kurdistan sowie am liebsten auch den Kurden der Türkei und Syriens vereinigen." Völkische Sezessionsbewegungen seien der geeignete „Destabilisierungshebel" gegenüber der missliebigen Regierung in Teheran: „Diese innenpolitische Labilität könnte – und sollte (geheimdienstlich verdeckt, versteht sich) – der Hebel westlicher Iran-Politik unterhalb des eigenen militärischen Eingreifens sein."
Weitere Informationen und Hintergründe bei german foreign policy,
auf deren Website auch die Erstveröffentlichung dieses Artikels zu finden ist.
Terrorismus: Wie die kurdische Arbeiterpartei PKK unter den Augen von BND und Verfassungsschutz in Deutschland Rekruten anwirbt; Monitor 21.06.2007. Die PEJAK tötete im Jahre 2005 120 Angehörige der iranischen Streitkräfte; seitdem fielen ihr bereits 200 weitere Soldaten zum Opfer. Ihre Waffen bezieht die PKK-Schwesterorganisation zu großen Teilen aus Europa, Berichten zufolge unter anderem auch aus Deutschland. Als Reaktion auf die Anschläge der Separatisten marschierten iranische Einheiten Mitte August in das irakische Rückzugsgebiet der PEJAK ein. Hierbei hat der Iran die stillschweigende Duldung der irakischen Zentralregierung; auch der mit Barzani rivalisierende Bagdader Staatspräsident Talabani von der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) soll der PEJAK abgeneigt sein.
Online-Flyer Nr. 114 vom 26.09.2007

















