Das Wort am Sonntag: „Mit Gott und den Faschisten“ Folge VI
Krieg gegen Abessinien
Von Karlheinz Deschner
Das römische Papsttum – durch Kriege und Betrug groß geworden, durch Kriege und Betrug groß geblieben – hatte durch Pius X. den Ausbruch des Ersten Weltkriegs gefördert sowie durch Pius XI. entscheidend die Heraufkunft des Faschismus in Italien und Deutschland. So gut wie jedes große innenpolitische und erst recht jedes außenpolitische Verbrechen Hitlers und Mussolinis wurde dabei vom Vatikan mitgetragen und intensiv unterstützt. Zum Beispiel der faschistische Raubüberfall auf Abessinien, den man als „Evangelisationsfeldzug“ ausgab.

Kardinal Gaspar
Quelle: Wikipedia
Nach einem Streit im Jahr 1931, der rein theologische Fragen betraf, blieb die Kollaboration zwischen Episkopat und italienischem Faschismus unge-trübt. Ja, mit den weltpolitischen Erfolgen des „Duce“ wuchs die Begeister-ung der Monsignori fortgesetzt. Schon 1932 nannte Kardinal Gasparri die faschistische Regierung Italiens „die einzige Ausnahme in der politischen Anarchie der Regierungen, Parlamente und Schulen der ganzen Welt“ und rühmte dem Faschistenchef nach, sein Kabinett „in Übereinstimmung mit den moralischen Gesetzen Gottes“ – das heißt: des Papsttums – zu bringen. Ergo arbeiteten die Diener Gottes auch im Dienst des „Duce“; einige sogar in dessen Geheimpolizei, wie der von ihm monatlich finanzierte Erzbischof Margotti. Im Gegenzug erklärte Mussolini: „Ich wünsche überall im Land die Religion zu sehen. Man soll die Kinder den Katechismus lehren..., wie jung sie auch sein mögen.“ Die Schüler sprachen das von der Kirche verfaßte Gebet: „Duce, ich danke dir, daß du es mir ermög-licht hast, gesund und kräftig aufzuwachsen. O lieber Gott, behüte den Duce, damit er dem faschistischen Italien lang erhalten bleibt“. Die Bücher der italienischen Elementarschulen bestanden überhaupt zu einem Drittel aus Katechismusstücken und Gebeten und zu zwei Dritteln aus Verherrlichungen des Faschismus und des Krieges, den man dann auch bald in Abessinien begann.
Mussolini hatte den Überfall in Nordafrika seit 1933 heimlich vorbereitet, angeblich, weil in Italien der Raum für die Landwirtschaft knapp war. Doch gab es in Italien noch sehr viel unbebautes Land, das freilich den Großagrariern und dem noch heute größten Grundbesitzer der christlichen Welt, der Kirche, gehörte. Mit beiden durften die Faschisten es nicht verderben, also führten sie Krieg. „Wir pfeifen“, schrie Mussolini am 6. Juli 1935 in Eboli seinen Soldaten zu, „auf alle Neger der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft und deren eventuelle Verteidiger“, und versprach allen zusammen „Kartätschenladungen feurigen Bleis“.
Während 52 Völkerbundstaaten den am 3. Oktober 1935 ohne jede Kriegserklärung mit großer militärischer Überlegenheit begonnenen Überfall auf das wehrlose abessinische Volk als eine widerrechtliche Aggression verdammten, unterstützten nach einer Untersuchung der Universität von Harvard wenigstens 7 italienische Kardinäle, 29 Erzbischöfe und 61 Bischöfe den faschistischen Raubzug sofort, und zwar ungeachtet des 1929 abgeschlossenen Konkordats, das den Bischöfen jede politische Betätigung strikt untersagte.
Ein Appell und Hirtenbrief folgte dem andern. Der Kardinalerzbischof von Genua ließ seine Geistlichen die Bevölkerung zur Metallspende antreiben. Der Fürsterzbischof von Florenz erklärte es für die Pflicht eines jeden guten
„Das Vaterland befindet sich im Belagerungszustand“. Der Erzbischof von Mailand, Kardinal Schuster, der die ausrückenden Räuber vor seiner Kathedrale segnete, verglich Mussolini mit Caesar, Augustus, Konstantin und belehrte die Jugend, durch das Werk des Duce habe „Gott vom Himmel geantwortet“.
Die Prälaten unterstützten von den Kanzeln herab die Parteiredner. Sie riefen zu Spenden auf für den Sieg und opferten sogar ihre goldenen Bischofskreuze, Halsketten, Ringe, Uhren. (Und in Abessinien raubte man dann das Gold des Negus, kaiserliche Throne, Kronen, Kutschen, Säbel, Tafelgeschirre, vieles aus schwerem Gold und übersät mit Edelsteinen.) Noch von Klöstern und Wallfahrtsorten verlangte der hohe Klerus die Herausgabe der kostbarsten Votivgeschenke, er verbot Diskussionen über die Berechtigung des Krieges, kurz, so sogar ein katholischer Publizist: „Die gesamte Welt verdammte Mussolini, ausgenommen der Papst“.
Der Papst nämlich verkündete am 27. August, als die Kriegsvorbereitungen auf Hochtouren liefen, ein Verteidigungskrieg (!) zum Zwecke der Expansion (!) einer wachsenden Bevölkerung könne gerecht und richtig sein. Schon wenige Tage darauf ließ er im vatikanischen „Osservatore Romano“ ein von 19 Erzbischöfen und 57 Bischöfen unterzeichnetes Telegramm an Mussolini veröffentlichen, worin es hieß: „Das katholische Italien betet für die wachsende Größe seines geliebten Vaterlandes, das durch Ihre Regierung einiger denn je ist“. Und zwei Tage später, am 7. September, suchte noch einmal Pius XI. selbst die sehr wenig kriegswilligen Italiener und die Weltöffentlichkeit durch die Erklärung zu beeinflussen, obwohl er für den Frieden bete, wünsche er doch, daß „die Hoffnungen und Rechte... des italienischen Volkes befriedigt und in Gerechtigkeit und Frieden anerkannt... werden“.
Und während des Raubzuges ließ er seine Bischöfe die faschistischen Greuel als Sache „der Wahrheit und Gerechtigkeit“, als „heilige Sache“, „heiligen Krieg“ propagieren und feiern, als „Kreuzzug“, „Evangelisationsfeldzug“ , als „Werk der christlichen Zivilisation zum Wohle der äthiopischen Barbaren“! Und während die italienischen Oberhirten Waffen

Venus-Maria führt italienische
Truppen beim Überfall auf Abessinien.
Quelle: NRhZ-Archiv
Zu den wichtigsten Kriegslieferanten gehörte damals eine vatikanische Munitionsfabrik. (CH)
Online-Flyer Nr. 120 vom 07.11.2007
















Karlheinz Deschner,1924 in Bamberg geboren, im Krieg Soldat, studierte Jura, Theologie, Philosophie, Literaturwissenschaft und Geschichte. Über seine literarischen, literatur- und kirchen-kritischen Werke berichtet der Dokumentarfilm „Im Grunde bin ich ein aus lauter Zweifeln bestehender gläubiger Mensch“ (siehe