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Kultur und Wissen
Geräteschuppen Plus und EleganCi am 8. Dezember im Blue Shell in Köln
Geräteschuppen Plus EleganCi...
Von Christian Heinrici
EleganCis Stil ist nicht leicht einzuordnen. „Gypsis on speed!“, sagte mein Nachbar im Publikum. Und tatsächlich konnte man bei dem Konzert am 8. Dezember relativ viele Rhythmen vom Balkan, Polkas und traditionelle Musik der Sinti und Roma hören, dazwischen dann aber auch immer wieder Gitarre und Gesang, die auf spanischen Flamenco gestimmt waren. „Und jetzt klingen sie wie Calexico...!“, bemerkte ein anderer Publikumsnachbar treffend über einige melancholischere Passagen. Ist EeleganCi etwa ein Vertreter einer neuen mitteleuropäischen Variante der Mestizo-Musik, durch die Mano Negra, Manu Chao und andere international berühmt wurden? Auch das ist möglich – aber sicher sind sie eine gelungene Melange aus allem, dazu versehen mit einem Sahnehäubchen aus Entertainerqualitäten, ironischem Humor und gekonnter Selbstinszenierung.

EleganCi: Drago Ritter, Matthes Traschuetz und Rudi Rumstajn
„Zigeunerpunk trifft Tango Furiosa“
„Wir sind dabei, einen eigenen Stil zu kreieren...!“, erklärte mir Drago Ritter, Sänger der Band, in ihrem „EleganCi-Tourcaravan“ nach dem Auftritt. „Zigeunerpunk trifft Tango Furiosa“, so beschreibt sich die unbeschreibliche Band selbst. Ritter und Rumstajn sind Sinti, und so erklärt sich natürlich auch der Hang zu balkanischer Musik – sowie der Name der Band: Cigan, aus dem sich auch das deutsche Wort „Zigeuner“ ableitet, steht in vielen Sprachen des Balkans für Sinti und Roma – die Musik der Band für ihre moderne Musik.
Die geringe Besetzung gibt dem EleganCi-Sound einen leicht schrabbeligen, aber trotzdem warmen und natürlichen Touch. Dabei ist es schon beachtlich, wie es der dreiköpfige Combo gelingt, nur mit einem Schlagzeug und zwei Gitarren – einer akustischen und einer elektrischen, aber ohne Bass oder Bläser – das Publikum vortrefflich zu unterhalten. „Das muss man dann schon können...!“, sagte Ritter. Und wenn er seine Gitarre mal flamencös und dann wieder wie eine asiatische Baglama oder griechische Bouzouki bearbeitet, möchte man es ihm auch glauben.

Auch Rudi Rumstajn, Frontmann Nummer zwei (oder Nummer eins, je nachdem, wo man zu zählen beginnt), trägt seinen Künstlernamen nicht ganz zu unrecht: Nachdem er, laut eigener Aussage, seine „künstliche Hüfte“ endlich warm geschwungen hatte, brachte er einige E-Gitarren-Einlagen, die sich gewaschen hatten – „stone washed“ versteht sich. Nach einer trotzdem ziemlich überraschenden Zugabe des AC/DC Hits TNT, war dann leider schon Schluss. Also bleibt uns nur, EleganCis nächsten Auftritt nicht zu verpassen und bis die erste CD erscheint, die ich brennend erwarte, im Internet reinzuhören.
Geräteschuppen Plus, Plus, Plus
Die zweite Band des Abends hat sich schon über die Jahre eine wachsende Fangemeinde erspielt: Geräteschuppen Plus – nicht, dass sie nicht ohnehin schon eine in jeder Hinsicht gut besetzte Band wären, doch am 8. Dezember standen sie PLUS Orchester auf der Bühne – laut einer Ankündigung als „Getränkeschuppen(!) plus Orchester“. Das machte zusätzlich zu den üblichen sieben Bandmitgliedern noch drei weitere, neun Mann plus eine Frau. Das gewohnte Keyboard, Schlagzeug, Perkussion, Saxophon, E-Gitarre und Bass, die Fore- and Background Sängerin bekamen noch orchestrale Verstärkung durch Trompete und E-Geige. Also, von geringer Besetzung konnte hier wahrlich keine Rede sein.

Dahlia und Tobi Zimmer – Lyrik und Leidenschaft
Der Sound von Geräteschuppen Plus ist ebenfalls eine Mischung, in diesem Fall aus Reggae, Ska, zuweilen mit Anklängen an neue deutsche New Wave Musik. Bei einigen Stücken fühlte ich mich, vielleicht durch das starke Keyboard, an „Wir sind Helden“ erinnert. Natürlich steckt auch hier eine Menge Mestizo-Musik mit drin, was neben dem experimentellen Charakter und dem Humor auch wieder ein Anknüpfungspunkt an die „Vorband“ ist. Dazu passen auch die teils sensiblen, poetischen, nachdenklichen und dann wieder absolut frechen und auch politisch tiefgängigen Texte. So beweist der Song „Amerika“ nicht nur in musikalischer Hinsicht Hitqualitäten:
„Wer seinen Staat auf Millionen von Leichen der Ureinwohner baut
und sich jedes Jahr am 4. Juli darauf ein’ kaut
brauch sich nicht zu wundern
dass aus Undank ihn nicht alle bewundern
Nicht alle sind Untertan
des Stars and Stripes – Größenwahn
Millionen von Sklaven mussten arbeiten und schweigen
Nichtmal heut seid ihr bereit etwas Demut zu zeigen
Ihr verkauft eure Umweltschäden anderen Ländern
Warum solltet ihr was ändern? Was interessieren euch die anderen?
(...)
Stoppt Amerika
Stoppt die USA“
Fire on Stage and on the Dancefloor
Das ist politisch-plakativ, aber davon einmal abgesehen auch schlichtweg wahr! Leider kamen an dem Abend im Blue Shell wegen mäßiger Aussteuerung und wegen des sehr dichten Sounds der zehnköpfigen Geräteschuppen Plus Orchester nicht alle Nuancen der sehr hörenswerten Texte rüber. Dafür rockte die Musik um so mehr und so das Publikum, was nicht verwundert, denn die Kölner Band spielt absolut tanzbare Musik. Die Ska-, Reggae- und Punk-Rhythmen reißen einfach mit. Auch die Leidenschaft, mit der einige Bandmitglieder ihre Instrumente und das Publikum bearbeiteten, trug das ihrige dazu bei:

Geräteschuppen Plus:
Uwe Neugebauer am Saxophon
Alle Fotos: Christian Heinrici
Uwe Neugebauer brachte sich und sein Saxophon bis zum Äußersten – äußerst Guten – und spielte dann einfach im Publikum weiter. Sänger und Texter Tobi Zimmer flippte auf der eigentlich zu engen Bühne regelrecht aus, haute in und auf die Tasten seines Keyboards, schrie, schwitzte und interagierte nebenher noch mit dem Publikum. Der Violinist hätte seine E-Geige, die sich sehr gut in den Sound einfügte, beinahe zerpflückt.
Also, alles in allem ein sehr gelungener Abend – wer EleganCi und Geräteschuppen Plus (Orchester) noch nicht live erlebt hat, sollte die nächste Gelegenheit auf jeden Fall nutzen. (CH)
Aber, bis dahin kann nur noch „Myspace“ helfen:
Geräteschuppen Plus
EleganCi
Online-Flyer Nr. 125 vom 12.12.2007
Geräteschuppen Plus und EleganCi am 8. Dezember im Blue Shell in Köln
Geräteschuppen Plus EleganCi...
Von Christian Heinrici
EleganCis Stil ist nicht leicht einzuordnen. „Gypsis on speed!“, sagte mein Nachbar im Publikum. Und tatsächlich konnte man bei dem Konzert am 8. Dezember relativ viele Rhythmen vom Balkan, Polkas und traditionelle Musik der Sinti und Roma hören, dazwischen dann aber auch immer wieder Gitarre und Gesang, die auf spanischen Flamenco gestimmt waren. „Und jetzt klingen sie wie Calexico...!“, bemerkte ein anderer Publikumsnachbar treffend über einige melancholischere Passagen. Ist EeleganCi etwa ein Vertreter einer neuen mitteleuropäischen Variante der Mestizo-Musik, durch die Mano Negra, Manu Chao und andere international berühmt wurden? Auch das ist möglich – aber sicher sind sie eine gelungene Melange aus allem, dazu versehen mit einem Sahnehäubchen aus Entertainerqualitäten, ironischem Humor und gekonnter Selbstinszenierung.

EleganCi: Drago Ritter, Matthes Traschuetz und Rudi Rumstajn
„Zigeunerpunk trifft Tango Furiosa“
„Wir sind dabei, einen eigenen Stil zu kreieren...!“, erklärte mir Drago Ritter, Sänger der Band, in ihrem „EleganCi-Tourcaravan“ nach dem Auftritt. „Zigeunerpunk trifft Tango Furiosa“, so beschreibt sich die unbeschreibliche Band selbst. Ritter und Rumstajn sind Sinti, und so erklärt sich natürlich auch der Hang zu balkanischer Musik – sowie der Name der Band: Cigan, aus dem sich auch das deutsche Wort „Zigeuner“ ableitet, steht in vielen Sprachen des Balkans für Sinti und Roma – die Musik der Band für ihre moderne Musik.
Die geringe Besetzung gibt dem EleganCi-Sound einen leicht schrabbeligen, aber trotzdem warmen und natürlichen Touch. Dabei ist es schon beachtlich, wie es der dreiköpfige Combo gelingt, nur mit einem Schlagzeug und zwei Gitarren – einer akustischen und einer elektrischen, aber ohne Bass oder Bläser – das Publikum vortrefflich zu unterhalten. „Das muss man dann schon können...!“, sagte Ritter. Und wenn er seine Gitarre mal flamencös und dann wieder wie eine asiatische Baglama oder griechische Bouzouki bearbeitet, möchte man es ihm auch glauben.

Auch Rudi Rumstajn, Frontmann Nummer zwei (oder Nummer eins, je nachdem, wo man zu zählen beginnt), trägt seinen Künstlernamen nicht ganz zu unrecht: Nachdem er, laut eigener Aussage, seine „künstliche Hüfte“ endlich warm geschwungen hatte, brachte er einige E-Gitarren-Einlagen, die sich gewaschen hatten – „stone washed“ versteht sich. Nach einer trotzdem ziemlich überraschenden Zugabe des AC/DC Hits TNT, war dann leider schon Schluss. Also bleibt uns nur, EleganCis nächsten Auftritt nicht zu verpassen und bis die erste CD erscheint, die ich brennend erwarte, im Internet reinzuhören.
Geräteschuppen Plus, Plus, Plus
Die zweite Band des Abends hat sich schon über die Jahre eine wachsende Fangemeinde erspielt: Geräteschuppen Plus – nicht, dass sie nicht ohnehin schon eine in jeder Hinsicht gut besetzte Band wären, doch am 8. Dezember standen sie PLUS Orchester auf der Bühne – laut einer Ankündigung als „Getränkeschuppen(!) plus Orchester“. Das machte zusätzlich zu den üblichen sieben Bandmitgliedern noch drei weitere, neun Mann plus eine Frau. Das gewohnte Keyboard, Schlagzeug, Perkussion, Saxophon, E-Gitarre und Bass, die Fore- and Background Sängerin bekamen noch orchestrale Verstärkung durch Trompete und E-Geige. Also, von geringer Besetzung konnte hier wahrlich keine Rede sein.

Dahlia und Tobi Zimmer – Lyrik und Leidenschaft
Der Sound von Geräteschuppen Plus ist ebenfalls eine Mischung, in diesem Fall aus Reggae, Ska, zuweilen mit Anklängen an neue deutsche New Wave Musik. Bei einigen Stücken fühlte ich mich, vielleicht durch das starke Keyboard, an „Wir sind Helden“ erinnert. Natürlich steckt auch hier eine Menge Mestizo-Musik mit drin, was neben dem experimentellen Charakter und dem Humor auch wieder ein Anknüpfungspunkt an die „Vorband“ ist. Dazu passen auch die teils sensiblen, poetischen, nachdenklichen und dann wieder absolut frechen und auch politisch tiefgängigen Texte. So beweist der Song „Amerika“ nicht nur in musikalischer Hinsicht Hitqualitäten:
„Wer seinen Staat auf Millionen von Leichen der Ureinwohner baut
und sich jedes Jahr am 4. Juli darauf ein’ kaut
brauch sich nicht zu wundern
dass aus Undank ihn nicht alle bewundern
Nicht alle sind Untertan
des Stars and Stripes – Größenwahn
Millionen von Sklaven mussten arbeiten und schweigen
Nichtmal heut seid ihr bereit etwas Demut zu zeigen
Ihr verkauft eure Umweltschäden anderen Ländern
Warum solltet ihr was ändern? Was interessieren euch die anderen?
(...)
Stoppt Amerika
Stoppt die USA“
Fire on Stage and on the Dancefloor
Das ist politisch-plakativ, aber davon einmal abgesehen auch schlichtweg wahr! Leider kamen an dem Abend im Blue Shell wegen mäßiger Aussteuerung und wegen des sehr dichten Sounds der zehnköpfigen Geräteschuppen Plus Orchester nicht alle Nuancen der sehr hörenswerten Texte rüber. Dafür rockte die Musik um so mehr und so das Publikum, was nicht verwundert, denn die Kölner Band spielt absolut tanzbare Musik. Die Ska-, Reggae- und Punk-Rhythmen reißen einfach mit. Auch die Leidenschaft, mit der einige Bandmitglieder ihre Instrumente und das Publikum bearbeiteten, trug das ihrige dazu bei:

Geräteschuppen Plus:
Uwe Neugebauer am Saxophon
Alle Fotos: Christian Heinrici
Also, alles in allem ein sehr gelungener Abend – wer EleganCi und Geräteschuppen Plus (Orchester) noch nicht live erlebt hat, sollte die nächste Gelegenheit auf jeden Fall nutzen. (CH)
Aber, bis dahin kann nur noch „Myspace“ helfen:
Geräteschuppen Plus
EleganCi
Online-Flyer Nr. 125 vom 12.12.2007














