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Globales
Veranstaltung in Köln gegen die Privatisierung des Dakar-Niger-Express
„Caravane Citoyenne“
Von Peter Bach

„Es fährt ein Zug": nirdendwo – verwaister Bahnhof in Mali
Malis Lebensnerv verkauft
Zu Anfang seines multimedialen Vortrags gab Dr. Traoré einen Überblick über die Ereignisse: Die Bahn war der Lebensnerv des malischen Südostens. 582 km von Bamako bis Kayes an der Grenze zum Senegal sorgte sie für die Anbindung an den Hafen von Dakar, für die Verbindung der kommunalen Märkte untereinander und mit der Hauptstadt Bamako. Schon lange vor der Privatisierung im Jahre 2003 führten personelle und materielle Entscheidungen, die mehr der politischen Opportunität denn der sachlichen Notwendigkeit geschuldet waren, zu Fehlinvestitionen und zu einer Vernachlässigung notwendiger Reparaturen.
Erst nach und nach wurde dahinter die Strategie sichtbar, die Privatisierung der Bahn als die einzige Lösung aus der Krise vorzubereiten. Die Verarmung des malischen Staates und der Druck der Weltbank, die öffentlichen Ressourcen zu veräußern, um die Schuldenrückzahlung abzusichern – all dies bewegte die malische Regierung die seit 104 Jahren lebenswichtige Bahn – verfassungswidrig – an ein französischkanadisches Konsortium zu verkaufen.

Malis Lebensnerv: von Bamako über Kayes nach Dakar
Als gleich nach der Privatisierung 24 der 36 Bahnhöfe geschlossen und über 600 Bahnbeschäftigte entlassen wurden, bildete sich das „Collectif Citoyen pour la restitution et le development intégre du rail“ (Bürgerzusammenschluss für die Rückgabe und nachhaltige Entwicklung der Bahn) – Cocidirail. Hier wurden die Interessen zusammengeführt: der um ihren Job gebrachten Bahnbeschäftigten mit den „noch Beschäftigten“, deren Arbeitsbedingungen und Rechte teilweise noch schlimmer als vor der Kolonialzeit gestaltet wurden. Auch die Interessen der Rentner und Witwen von Bahnbeschäftigten, die nicht mehr an ihre Rente kamen, die vorher an den Stationen ausbezahlt wurden, sowie die der Anrainer, die notwendige Güter nicht mehr kaufen und ihre eigenen Produkte nicht mehr verkaufen konnten und die von medizinischer Versorgung praktisch abgeschnitten wurden, fanden sich in der Initiative wieder.
Eine neue Qualität des Widerstands
Cocidirail hat eine neue Qualität: Die Bewegung ist mehr als eine Gewerkschaft und mehr als ein Bürgerkomitee – die offiziellen „Arbeitnehmervertreter“ setzten dagegen noch lange nach der Privatisierung immer noch auf die Investoren als „Garanten einer besseren Zukunft“. In der malischen Initiative vereinigten sich nicht nur die gemeinsamen Erfahrungen, sondern auch die Ressourcen zu einem wichtigen Widerstandspotenzial. Als alle Versprechungen gebrochen und alle Hoffnungen auf die Investoren zerstört waren, entschloss sich Cocidirail zur „Caravane Citoyenne“.

Bürgerversammlung mit Presse in Mahina
Ein Truck, voll besetzt mit 36 Menschen im Alter zwischen 26 bis 84 Jahren, mit Küche und Schlafmatten, machte sich auf den mühsamen Weg entlang der Bahnstrecke. An 23 Tagen und 10 Stationen wurden mit Theater und Tanz, Film und Diskussionen die nächsten gemeinsamen Schritte beraten und abgestimmt. Örtlicher Rundfunk und Presse waren seine ständigen Begleiter.
Nach außen funktionierte die Caravane wie ein Veranstaltungs- und Kommunikationscenter, nach innen wie ein Dorf. An allen Stationen der Caravane gab es ein ständiges Kommen und Gehen von Jungen und Alten, Beschäftigten, Offiziellen und Rentnern. Vor der Unterkunft in Kayes herrschte Dorfplatzatmosphäre: Es wurde Tee gereicht und gekocht, gegessen, gebetet und geschlafen. Am 17. Januar 2008 wurde die Bilanz gezogen, und seitdem beschäftigen sich die Gremien und Ortsgruppen von Cocidirail mit den Konsequenzen.

Gespräche und Beratungen in Kayes
Der Einfluss internationalen Kapitals
Die Diskussion in Köln-Mülheim ermöglichte tiefere Einblicke in die Vorgeschichte und Hintergründe der Karawane: Wie konnte der Streik von 2006 erfolgreich in Mali und im Senegal gemeinsam geführt werden? Welche Rolle spielte die Weltbank bei der Vorbereitung der Privatisierung? Wie kommt es, dass der französische Großindustrielle Vincent Bolloré, der als Mehrheitsaktionär der Gruppe „Comazar“ auf sieben afrikanische Eisenbahnen erheblichen Einfluss ausübt und durch die Urlaubsreisen, die er Sarkozy finanzierte, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden war, nun auch den Dakar-Niger-Express dominiert? „Die Welt“ beschrieb Bollorés Aktivitäten „der am meisten gefürchtete Investor Frankreichs“, er gälte „als skrupellos, als Meister der Verunsicherung“.

Dr. Tiècura Traoré
Alle Fotos: Peter Bach
Zum Abschluss bedankte sich Dr. Traoré für die wichtige und interessante Diskussion, ihm war es wichtig, den Gesprächsfaden und die Kontakte nicht abreißen zu lassen. Dafür standen auch die Mitveranstalter, die wie „FilmInitiativ Köln“ ebenfalls Mitglieder von Cocidirail sind. Und davon zeugte auch der beachtliche Geldbetrag, der auf der Veranstaltung zur Unterstützung des Bürgerkollektivs gesammelt wurde. FilmInitiativ Köln veranstaltet auch dieses Jahr vom 16. bis zum 26. Oktober sein Festival afrikanischer Filme, auf dem aller Voraussicht nach auch der Film über die „Caravane Citoyenne“ gezeigt wird. In der MüTZe Köln-Mülheim werden weitere Veranstaltungen zum Thema Privatisierung, koloniale und postkoloniale Beziehungen vorbereitet. (CH)

Hier fährt er noch: der Dakar-Niger-Express
Alle Fotos: Peter Bach
Online-Flyer Nr. 133 vom 13.02.2008
Veranstaltung in Köln gegen die Privatisierung des Dakar-Niger-Express
„Caravane Citoyenne“
Von Peter Bach

„Es fährt ein Zug": nirdendwo – verwaister Bahnhof in Mali
Malis Lebensnerv verkauft
Zu Anfang seines multimedialen Vortrags gab Dr. Traoré einen Überblick über die Ereignisse: Die Bahn war der Lebensnerv des malischen Südostens. 582 km von Bamako bis Kayes an der Grenze zum Senegal sorgte sie für die Anbindung an den Hafen von Dakar, für die Verbindung der kommunalen Märkte untereinander und mit der Hauptstadt Bamako. Schon lange vor der Privatisierung im Jahre 2003 führten personelle und materielle Entscheidungen, die mehr der politischen Opportunität denn der sachlichen Notwendigkeit geschuldet waren, zu Fehlinvestitionen und zu einer Vernachlässigung notwendiger Reparaturen.
Erst nach und nach wurde dahinter die Strategie sichtbar, die Privatisierung der Bahn als die einzige Lösung aus der Krise vorzubereiten. Die Verarmung des malischen Staates und der Druck der Weltbank, die öffentlichen Ressourcen zu veräußern, um die Schuldenrückzahlung abzusichern – all dies bewegte die malische Regierung die seit 104 Jahren lebenswichtige Bahn – verfassungswidrig – an ein französischkanadisches Konsortium zu verkaufen.

Malis Lebensnerv: von Bamako über Kayes nach Dakar
Als gleich nach der Privatisierung 24 der 36 Bahnhöfe geschlossen und über 600 Bahnbeschäftigte entlassen wurden, bildete sich das „Collectif Citoyen pour la restitution et le development intégre du rail“ (Bürgerzusammenschluss für die Rückgabe und nachhaltige Entwicklung der Bahn) – Cocidirail. Hier wurden die Interessen zusammengeführt: der um ihren Job gebrachten Bahnbeschäftigten mit den „noch Beschäftigten“, deren Arbeitsbedingungen und Rechte teilweise noch schlimmer als vor der Kolonialzeit gestaltet wurden. Auch die Interessen der Rentner und Witwen von Bahnbeschäftigten, die nicht mehr an ihre Rente kamen, die vorher an den Stationen ausbezahlt wurden, sowie die der Anrainer, die notwendige Güter nicht mehr kaufen und ihre eigenen Produkte nicht mehr verkaufen konnten und die von medizinischer Versorgung praktisch abgeschnitten wurden, fanden sich in der Initiative wieder.
Eine neue Qualität des Widerstands
Cocidirail hat eine neue Qualität: Die Bewegung ist mehr als eine Gewerkschaft und mehr als ein Bürgerkomitee – die offiziellen „Arbeitnehmervertreter“ setzten dagegen noch lange nach der Privatisierung immer noch auf die Investoren als „Garanten einer besseren Zukunft“. In der malischen Initiative vereinigten sich nicht nur die gemeinsamen Erfahrungen, sondern auch die Ressourcen zu einem wichtigen Widerstandspotenzial. Als alle Versprechungen gebrochen und alle Hoffnungen auf die Investoren zerstört waren, entschloss sich Cocidirail zur „Caravane Citoyenne“.

Bürgerversammlung mit Presse in Mahina
Ein Truck, voll besetzt mit 36 Menschen im Alter zwischen 26 bis 84 Jahren, mit Küche und Schlafmatten, machte sich auf den mühsamen Weg entlang der Bahnstrecke. An 23 Tagen und 10 Stationen wurden mit Theater und Tanz, Film und Diskussionen die nächsten gemeinsamen Schritte beraten und abgestimmt. Örtlicher Rundfunk und Presse waren seine ständigen Begleiter.
Nach außen funktionierte die Caravane wie ein Veranstaltungs- und Kommunikationscenter, nach innen wie ein Dorf. An allen Stationen der Caravane gab es ein ständiges Kommen und Gehen von Jungen und Alten, Beschäftigten, Offiziellen und Rentnern. Vor der Unterkunft in Kayes herrschte Dorfplatzatmosphäre: Es wurde Tee gereicht und gekocht, gegessen, gebetet und geschlafen. Am 17. Januar 2008 wurde die Bilanz gezogen, und seitdem beschäftigen sich die Gremien und Ortsgruppen von Cocidirail mit den Konsequenzen.

Gespräche und Beratungen in Kayes
Der Einfluss internationalen Kapitals
Die Diskussion in Köln-Mülheim ermöglichte tiefere Einblicke in die Vorgeschichte und Hintergründe der Karawane: Wie konnte der Streik von 2006 erfolgreich in Mali und im Senegal gemeinsam geführt werden? Welche Rolle spielte die Weltbank bei der Vorbereitung der Privatisierung? Wie kommt es, dass der französische Großindustrielle Vincent Bolloré, der als Mehrheitsaktionär der Gruppe „Comazar“ auf sieben afrikanische Eisenbahnen erheblichen Einfluss ausübt und durch die Urlaubsreisen, die er Sarkozy finanzierte, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden war, nun auch den Dakar-Niger-Express dominiert? „Die Welt“ beschrieb Bollorés Aktivitäten „der am meisten gefürchtete Investor Frankreichs“, er gälte „als skrupellos, als Meister der Verunsicherung“.

Dr. Tiècura Traoré
Alle Fotos: Peter Bach

Hier fährt er noch: der Dakar-Niger-Express
Alle Fotos: Peter Bach
Online-Flyer Nr. 133 vom 13.02.2008














