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Kultur und Wissen
Rezension von „Yoko Ono Talking” – herausgegeben von Nick Johnstone
Das „Kind des Ozeans“ wird 75
Von Jochen Knoblauch

Am 18. 2. 1933 wurde sie geboren, und im Laufe ihres Lebens, welches recht intensiv in vielerlei Hinsicht war, erhielt sie eine große Anzahl von Bezeichnungen: Ikone der Popkultur, die bekannteste Witwe des 20. Jahrhunderts, Pionierin der Fluxusbewegung, Feministin der ersten Stunde usw. Aber hinter diesen gut oder bös gemeinten Kategorisierungen war sie vor allem: Konzept-Künstlerin, Avantgardemusikerin, Experimentalfilmerin, überzeugte Pazifistin, Umweltaktivistin usw. usw. Kurz: das „Kind des Ozeans“ bedeutet im japanischen Yoko, und mit Nachnamen heißt das Geburtstagskind Ono.

Yoko Ono in São Paulo, Brasilien November 2007 Caio do Valle
Yoko Ono in São Paulo,  2007                           
Foto: Caio do Valle
Aus Anlass des 75. Geburtstages von Yoko Ono präsentiert der Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf ein kleines, feines Buch mit Zitaten von ihr, sowie über sie, sortiert nach Themen und Ereignissen, und soll entsprechend wohl authentisch wirken. Diese Art „in eigenen Worten“ präsentiert zu werden, mag für einige Menschen recht zweifelhaft sein, da es keine Quellenangaben gibt, keine Hinweise aus welchem Zusammenhang die Statements stammen, und dieselben mitunter derartig banal sind, dass sie zu jederzeit an jedem Ort und von jedem Menschen stammen könnten. Na gut, soweit zur Form des Buches, die längst eine eigene Gattung, vor allem auf KünstlerInnen und MusikerInnen bezogen, geworden ist. Darüber kann mensch sich streiten.

Sicher aber lässt sich auch so eine Form der Biographie schreiben, bzw. entwickeln, wo eben die Statements nach der Chronologie des Lebens aufgebaut werden, die nach Lebensabschnitten und Ereignissen sortiert, Auskunft geben sollen. Dies mag dann irritieren, wenn Yoko Ono nach über 30 Jahren sich wieder mit ihrer Tochter trifft, welchen dann nur zwei Zitate in dem Buch wert ist, genauso wie das Ereignis, dass John Lennon endlich nach fünf Jahren Wartezeit die Arbeitserlaubnis für den USA bekommt.

Nicht ohne Humor, aber auch mit Widersprüchen hangeln sich so die Zitate von Yokos Kindheit, über die Beziehung zu John Lennon, über Politik, ihre Arbeit an ihren Schallplatten, die Geburt des gemeinsamen Sohnes, Trennung/Wiedervereinigung usw. bis zu ihren eigenen Erfolgen, ob als Club-Diva oder der berechtigten Anerkennung ihrer Person als bildnerische und musikalische Künstlerin.

John Lennon, Yoko Ono und der damalige kanadische Ministerpräsident Pierre Elliott Trudeau
1969: Lennon, Ono und kanadischer Ministerpräsident Trudeau

Yoko Ono hat auch immer polarisiert: eingezwängt zwischen eifersüchtigen Beatles-Fans und Avantgarde-Anspruch, politische Kämpferin und gleichzeitig knallharte Geschäftsfrau, wenn es um die finanzielle Absicherung ihrer Familie ging. Für sie war das wohl nie ein Widerspruch, sondern eher Mittel zum Zweck, wenn sie bis heute immer wieder in bezahlten Anzeigen großer Tageszeitungen ihre politische Meinung – gegen die aktuelle Politik – selbstbewusst zum Ausdruck bringt.

So ist dieses kleine Geburtstagspräsent sicherlich weniger für Menschen, die sich intensiv mit dieser durchaus interessanten Persönlichkeit auseinandersetzen möchten, als vielmehr ein weiteres Buch für die Fangemeinde. Und anscheinend gibt es auch eine Seelenverwandtschaft mit der Anarchistin Emma Goldman, wenn Yoko Ono erklärt:
yoko ono talking cover
                                                                  
„Marschieren oder tanzen? Man sollte definitiv durchs Leben tanzen. Das gibt einem die Möglichkeit, einander zu berühren und zusammenzukommen.“ Der Freiheit ist es sicher egal, wer was sagt – Hauptsache ist, es wird auch getan. Happy Birthday Yoko Ono. (CH)



Yoko Ono Talking.“
Nick Johnstone (Hg.)
Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf
Berlin 2008,
26 Abbildungen, 191 S. geb.  14,90 Euro

Online-Flyer Nr. 134  vom 20.02.2008



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