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Lokales
Kultur im Veedel: Interview mit Christoph Gottwald im „Blücher“ in Köln-Nippes
Als die Bilder trinken lernten
Von Christine Schmidt

Im „Herzen von Köln-Nippes“, rund um den Leipziger Platz, unmittelbar am bekannten Blüchergymnasium befindet sich eine Gaststätte mit dem schlichten Namen „Blücher“. Auf den ersten Blick ist es eine ganz normalen Eckkneipe, aber nur auf den ersten Blick – denn irgendwas ist anders. Aber was denn genau an dieser Kneipe anders ist, klärte Christine Schmidt im Interview mit dem Gastwirt und „Mitbegründer der Köln-Krimis“ Christoph Gottwald. – Die Redaktion


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Blücher: Kneipe mit Kultur in Köln-Nippes | Foto: Christine Schmidt

Was ist denn in Ihrer Kneipe anders, Herr Gottwald?

 
Ich habe versucht, dieser Kneipe ein gewisses Gesicht zu geben, und zwar durch verschiedene Programme – ich will nicht sagen Kultur-, aber auf jeden Fall Event-Programme. Ich bin ja der Erfinder der Köln-Krimis, hab viele Drehbücher fürs Fernsehen geschrieben – in der Gastronomie bin ich wiederum ein Quereinsteiger – kenne aber aus meiner früheren Zeit noch viele Kulturschaffende. Und da hat mir der mit mir befreundete Kabarettist Heinrich Pachl vorgeschlagen: „Mach doch mal eine Reihe mit kleineren Filmen, die du von den Regisseurinnen und Regisseuren vorstellen lässt!“

Ich hab mal geguckt, draußen hängt ja auch das Programm am Fenster, auf einer großen schwarzen Tafel steht... Was lief zum Beispiel am 19. Mai...? 

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Filmszene aus „Voll normal"                             
Quelle: tom-gerhardt.de
Da lief tatsächlich Tom Gerhardts „Voll Normal“. Mit Tom bin ich seit ewigen Zeiten befreundet, wir haben zusammen Germanistik studiert, in irgendwelchen WG-Küchen gemeinsam unsere künstlerische Laufbahn geplant und haben dann schließlich parallel zueinander unsere Wege gefunden. Und so hatte ich ihn gebeten, dass er diesen Film vorstellt, an dessen Drehbuch ich auch mitgearbeitet habe.
 
Das ist eben der Witz an meinem Programm, dass die Macherinnen und Macher ihre Filme hier selbst präsentieren. Ich habe sehr gute Leute hier, Axel Engstfeld, der mehrere Bundesfilmpreise gewonnen hat, war schon zweimal hier, Pachl war dreimal hier, Klaus der Geiger hat hier Filmprojekte vorgestellt... Arno Steffen, unter anderem bekannt durch LSE und das Lied „Sein lassen“ (Ralf), war diese Woche hier. Der hat auch einmal einen berühmten Film gemacht, über den Affen Petermann – „Petermann, geh du voran!“
 
Was steht denn in der nächsten Zeit auf dem Programm?
 
Nach dem Petermann-Film setze ich schon auf die EM. Dann kann man auf meinem schönen lichtstarken Beamer die EM-Spiele gucken, und dagegen kann ich mit meinem Kinoprogramm nicht konkurrieren. In der Sommerpause ist sowieso reines Biergartenwetter angesagt. Das ist also mehr was für die lauschigen Frühlings- und Wintermonate.
 
Damit ist aber das Programm ja nicht zuende...
 
Das spricht sich ja unter den Filmmachern herum; die finden es toll, dass sie die Filme, die sie irgendwann mal auf „Arte“ gezeigt haben, und dann auf WDR3, noch einmal herausholen können. Die haben derzeit sehr viel Arbeit investiert, und dann hat es auch meistens ewig gedauert, bis die Finanzierung gestimmt hat, und dann verschwinden die Filme einfach...?! Hier können sie die dann einem sehr wohlwollenden Publikum noch einmal vorführen, anschließend noch einmal diskutieren, ohne den Druck einer Pressekonferenz zu haben. Das ist eine sehr angenehme familiäre Geschichte, und das ist auch der Sinn der Sache.
 
Die Kneipe ist ja nicht so riesig. Wie viele Zuschauer passen denn ins Blücher, und welche Leute kommen zu Ihnen?  

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Das Kneipenkino-Programm im April/Mai              
Foto: Christine Schmidt
Wenn alles vollgestopft ist, passen knapp 50 Leute rein. Der Normalbestand liegt bei 15 bis 25. Manchmal sind wir auch absolut voll: Wir haben auch ein Programm, das „Kurztrip in Shorts“ heißt und in Zusammenarbeit mit der KHM, Kunsthochschule für Medien, gemacht wird. Wenn wir dann sieben Filme der Absolventen zeigen, und jeder noch seine Freundin mitbringt, ist die Bude schon fast voll.
 
Es liegt natürlich auch an den Projekten: Von Dieter Oeckl haben wir schon drei Filme gezeigt, einen über Graf Berghe von Trips, einen über Müllers Aap, einen über den Südstadtklub Fortuna, sehr liebevoll gemachte Filme über Kölner Sportlegenden – die waren auch alle sehr gut besucht. Das ist dann quer gemischt: Bei „Müllers Aap“ war hier ein Nachbar, der sagte: „Dat is d’r Cousin vun minger Tant...“, der brachte dann noch Fotos mit – das war richtig nett!
 
Kann man sich auch was wünschen, wenn man selbst Filme macht?
 
Wenn man selbst einen guten Film hat und acht bis zehn Leute mitbringt, die den gucken... Das kostet ja auch bei uns nichts – die Leute sollen ihre zwei drei Bier trinken, das machen sie ja meistens auch, und damit hat es sich. Das ist ja auch nicht kommerziell, sondern im Prinzip eine private Kneipenvorführung. Also gerne, wenn das ein interessanter Film ist... jetzt kommen die Leuten schon von sich aus, ich muss sie jetzt nicht mehr darauf ansprechen.
 
Danke schön für das Interview und weiterhin viel Erfolg! (PK)

Online-Flyer Nr. 148  vom 28.05.2008



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