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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Kultur und Wissen
Aktuelle Ausstellung von Luis Cruz und Esteban Vergara Lombana
Hand mit Hand vereint
Von Anneliese Fikentscher

Der chilenische Fotograf Luis Cruz und der Kolumbianer Esteban Vergara treffen mit ihren Fotos in einer Ausstellung der Galerie Arbeiterfotografie im Rahmen der 19. Internationalen Photozene Köln zusammen. Die Heimatländer beider Fotografen waren und sind geprägt von extremen Ausschreitungen gegen die Bevölkerung, die in Chile am 11. September 1973 mit der Ermordung des Präsidenten Salvador Allende eine dramatische Zuspitzung erfuhren.

„Wir haben alles verloren: die Häuser, die Arbeit, alles... meinen Vater Clodomiro“ , sie raubten ihm 17 Rinder, 3 Pferde, 3 Schweine, eine Motorsäge, einen Außenbordmotor... sie haben seine ganze Wäsche verbrannt und die Küche zerstört... In diesem Moment hat ihn die Traurigkeit und Machtlosigkeit überkommen, denn in einer Stunde hat er verloren, wofür er ein Leben lang gearbeitet hat.“ [1] In Kolumbien tobt seit Jahrzehnten bis heute ein blutiger Kampf gegen die Bevölkerung – ausgeführt durch die Todesschwadrone der Paramilitärs, die indirekt der Regierung des Präsidenten Uribe unterstehen.


Foto: Esteban Vergara Lombana

Nach außen gibt sich Kolumbien einen demokratischen Anstrich und freut sich über die ausgewählten Besuche der bundesdeutschen Kanzlerin. Die Medien spielen mit in diesem Spiel, indem sie die Lage der Menschen verschweigen, die sich auf einer ständigen Flucht im eigenen Land befinden. Lediglich spektakuläre Fälle der Guerilla kommen aufbereitet, das heißt unter Auslassung der Information über permanente Menschenrechtsverletzung, auf die Nachrichtenmattscheiben.

Esteban begleitete das Team um die Kölner Theaterpädagogin und Regisseurin Inge Kleutgens im Juni 2007 auf einer Tournee entlang der Kolumbischen Pazifikküste (die NRhZ berichtete in der Ausgabe 121). Dort entstanden die Fotos, die Esteban – 2008 frischgebackener Absolvent (mit Auszeichnung) eines Fotografiestudiums in Bogota – aktuell präsentiert.

In diesem Jahr fällt der 100. Geburtstag des chilenischen Präsidenten Allende mit seinem 35. Todestag, dem 11. September 1973, zusammen. Der von den USA gesteuerte gewaltsame Umsturz führte bekanntlich in Chile in die Diktatur Augusto Pinochets. Luis Cruz begab sich in den kulturellen Widerstand gegen die Diktatur mit ihren Folter- und Mordpraktiken. Die Kamera benutzte er als Instrument, um in Pudahuel, seinem Stadtteil von Santiago de Chile die Aktionen der 48 Volksküchen zu dokumentieren.


Volksküche auf der Straße | Foto: Luis Cruz

Mit den Aufmärschen der Armen unter der Losung „Hier herrscht Hunger“ gerieten die öffentlichen Speisungen zu einem Fanal gegen die menschenverachtende Politik der blutrünstigen, neoliberalen Diktatur, die damals durchaus den Zuspruch deutscher Politiker, wie Franz-Joseph Strauß’ und anderer fand. 1986 ging Luis Cruz – wie rund 300.000 seiner Landsleute – ins politische Asyl. Cruz kam nach Köln und absolvierte ein Fotokunststudium bei Arno Jansen. Er ist freier Mitarbeiter im Künstleratelier von Anna und Bernhard J. Blume.

Von 1996 bis 2002 leitete er Seminare des Bundesverbandes Arbeiterfotografie. Cruz fotografisches Spektrum ist breit gefächert und seine Haltung zum Verständnis künstlerischen Wirkens ist ungewöhnlich definiert: „Es darf nicht sein, dass wir im Privaten sprechen, oder dass wir an einer Demo gegen den Irakkrieg teilnehmen, und dies danach in der künstlerischen Produktion keinen Niederschlag findet.“ [2]

„Wenn ihr nicht Hand mit Hand vereint
Wenn ihr nicht Ellbogen an Ellbogen reiht
Werdet ihr bis den letzten Winkel
Des Hauses und den Bruder verlieren.
Das menschliche wird aussterben
In diesem bewaffneten Gebiet
Weil der bewaffnete Angreifer
Das Leben und das Gedächtnis rauben wird
Er wühlt in der Geschichte
Von unseren Vorfahren hinterlassen,
Er wühlt in der Geschichte
Von unseren Vorfahren hinterlassen.

Sie werden verlieren, sie werden verlieren...
Wenn sie nicht wach werden
Werden sie es bereuen...“
[3]



Fußnoten:
[1] Ibarguen y Durán, „Encaletados resistentes y olvidados de la patria“, la historia de Clodomiro Ibarguen, Quibdó, 2006 – aus dem Theaterstück „TERRUÑO O ARUÑO“
[2] Interview in ILA, Ausgabe 286 „Ein Künstler hat vor allem frei zu sein“
[3] Oscar Zuluaga, El Juglar; “Décimas y versos diversos”, Quibdó, 2007 – aus dem Theaterstück „TERRUÑO O ARUÑO“


Werke von Luis Cruz



Symbol der Agrarreform



Demonstration im Parque O’Higgins (das Transparent zeigt ein Bild von Patricio Mardeda)



Beerdigung des Studenten Mario Martinez



Beerdigung des Journalisten Jose Carrasco



Kind in Pudahuel



Der Gewerkschafter Clotario Blets



Beerdigung von Pedro Venega
Vorangegangene Schwarz-Weißfotos: Luis Cruz


Werke von Esteban Vergara Lombana


Indianische Hände



Foto: Esteban Vergara Lombana



Tanz der Coca, San Juan 2007











Alle Farbfotos: Esteban Vergara Lombana


Die Ausstellung:
arbeiterfotografie logo Galerie Arbeiterfotografie
Merheimer Straße 107, 50733 Köln
Eröffnung: Donnerstag, 11. September 2008, 20 Uhr
mit Film-Bild-Collage von Luis Cruz
11. September bis 4. Oktober 2008
Öffnungszeiten: mittwochs, donnerstags 17-20 Uhr,
samstags 11-14 Uhr, und nach Vereinbarung.

Veranstaltungen in Zusammenhang der Ausstellung:
In der Galerie Arbeiterfotografie:
Samstag, 27.9., 20 Uhr „Die Stadt der Fotografen“:
Film von Sebastián Moreno (Chile), Spanisch mit englischen Untertiteln,
kommentiert und mit Fragmenten aus Bild und Film ergänzt durch Luis Cruz.

Auf der Photokina,
Halle 1 (Eintritt frei) im Rahmen des Bühnenprogramms:
Donnerstag, 25.09. 10.00-10.45 Uhr: „Fotografie gegen Diktatur“
Gespräch mit Filmausschnitten aus „Stadt der Fotografen“
von Sebastián Moreno,
Chile 2006 – mit Luis Cruz.

Online-Flyer Nr. 163  vom 10.09.2008



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