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Lokales
Zwei deutsche Auswanderer und ihre Schlittenhunde in Lappland
„Sehnsucht Norden“ erfüllt
Von Peter Kleinert

Aus dem hohen Norden des norwegischen Lappland, wo sie Husky-Schlittenhunde züchten, kommen zwei ausgewanderte Deutsche, Björn Klauer und Regina Elpers, am 29. Oktober nach Köln. Nicht mit ihren 70 Huskies, mit denen sie auf einem alten Bergbauernhof nördlich des Polarkreises im Gebirge leben, aber mit einer Diashow „Sehnsucht Norden“ anlässlich des 20. Geburtstags ihres Projektes. Mit ihren Bildern berichten sie von den Herausforderungen ihres Alltags, Huskytouren im Grenzgebirge zwischen Norwegen und Schweden, Begegnungen mit den Ureinwohnern – den Rentiere züchtenden Sami – , über winterliche Stürme, Polarlichter und den intensiven Sommer unter der Mitternachtssonne. 

Björn Klauer mit Husky-Leithund Sarek

Björn Klauer ist am Stadtrand Hamburgs aufgewachsen und entdeckte schon früh das „Outdoor''-Leben. Nach einer elfmonatigen Wanderung, die ihn 1984 über 3.500 Kilometer von Oslo bis an die sowjetische Grenze bei Kirkenes führte, hat es ihn endgültig nach Nordnorwegen verschlagen. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er dort als Buchautor und Fotograf, als Wanderführer und eben als Hundeschlittenfahrer. Mit seiner Frau Regina Elpers und inzwischen 70 Schlittenhunden lebt er nördlich von Narvik am See Altevatn. Auch Regina Elpers ist Deutsche und hat sich bei einer Huskytour in die Schlittenhunde und die Weite des Nordens verliebt. Einige Zeit später heiratete sie Björn Klauer und betreibt heute zusammen mit ihm die Huskyfarm Innset. Da sie immer schon eifrige Skifahrerin war, bereichert sie das Programm der Huskyfarm u.a. mit dem Angebot „Snørekjøring". Da läuft der Teilnehmer mit Hilfe eines Huskies auf Skiern, wobei das Gepäck auf einem kleinen Schlitten, der Pulka, transportiert wird. Außerdem sammelt sie im Herbst Pilze und Beeren stellt warme Filzfäustlinge oder skandinavische Messer mit Holzgriff und Lederscheide her, die Besucher als Andenken an ihren Aufenthalt auf der Huskyfarm erwerben können.


Regina Elpers mit ihrem Huskyteam

In der endlosen Tundralandschaft zwischen Narvik und Tromsö liegt der Schnee ein gutes halbes Jahr – soweit das Auge reicht kein Anzeichen menschlicher Zivilisation. Leichte Hügel auf der Hochebene, schroffe Berge an der Küste, auf denen selbst im Hochsommer der Schnee nicht schmilzt. Hundeschlittentouren und Wanderungen sind hier über Tausende von Kilometern möglich, ohne dass mehr als eine Straße überquert werden muss. Dabei wechselt die Landschaft ständig zwischen fast alpiner Bergwelt und tiefen Wäldern, die von zahlreichen Flüssen, Seen und Sümpfen durchzogen werden.
 
Nach seiner elf Monate dauernden 3.500 Kilometer-Wanderung kratzte Björn Klauer in Deutschland alles nur verfügbare Geld zusammen und brach zusammen mit seiner damaligen Freundin und ganzen 3.000 DM wieder Richtung Norwegen auf: „Per Autostop und weiter mit dem Postschiff der Hurtigroute schipperten wir nach Nyksund, einem verlassenen Dorf an der Küste der Vesterålen-Inseln.“ Den kannte er schon von seiner Überwinterung während der Wanderung, und hier wollten sie versuchen, Fuß zu fassen. Er bekam schnell einen Job und nach ein paar Monaten endlich auch die Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung.


Rentierherde um Mitternacht
 
Björn Klauer erinnert sich: „Schon während meiner Wanderung war ich „auf den Hund gekommen". Ein Grönland-Hund als ständiger Begleiter zog mit einer Pulka einen Teil des Gepäcks. So lag es nahe, sich auch in Nyksund wieder Hunde anzuschaffen. Honi und Toivo sollten je eine Pulka für mich und Jutta ziehen. Sobald die finanzielle Situation ein wenig mehr Raum für weitere Gedankenspiele ließ, träumte ich von einem kleinen Gespann mit vier Hunden. Naja, und sechs Hunde erlauben einer Person, auf dem Schlitten zu stehen und dazu noch Lebensmittel für eine 14tägige Tour aufzuladen. Dabei sollte es dann aber bleiben!“
 
Doch bald forderten Besucher, Freunde und Verwandte in unerwarteter Zahl, die Teilnahme an Wintertouren. Björn Klauer: „Dafür reichte ein Gespann nicht mehr aus. Und da passte es ganz gut, dass eine Hündin zahlreiche Junge in das herbstliche Gras geworfen hatte, die im übernächsten Winter in die Spur gehen konnten. So steuerte die ganze Geschichte, zunächst vielleicht unbemerkt, in immer professionelleres Fahrwasser. Denn die Hunde wollen immer etwas zu fressen. Sie benötigen Geschirre, Leinen und Schlitten, die man wiederum reparieren musste. Arbeit gab es genug, und das eifrig verdiente Geld verschwand in immer mehr Kanälen. Da diese Kanäle nicht zu stopfen waren, musste mehr Geld her! Warum also nur Freunde und Verwandte auf Tour nehmen? Warum nicht auch andere, die sich vom Frost in die Ohren zwacken lassen wollen? Und die dafür bezahlen können?“
 
Umzug – Der Beginn für ein ganzes Gespann
 
Diese Gedanken führten bald zum Umzug ins Inland, denn der Platz an der Küste war begrenzt und die Schneeverhältnisse für lange Touren wegen der Nähe zum Golfstrom nicht ideal. In den Bergen, unweit der schwedischen Grenze, liegt der Schnee dagegen acht Monate. In Innset, einem Ort mit zehn Einwohnern, fanden sie auf der Suche nach dem Platz für eine Huskyfarm einen alten verlassenen Bauernhof direkt am See Veslevatn, was übersetzt  „Kleiner See" bedeutet. Björn Klauer: „Nach Innset zogen wir mit 25 Hunden, zwei Lastwagenladungen Hundehütten, einem Trainingsauto, jeder Menge Hausrat und Nachwuchs – unserem ersten Sohn Morten. Seit der grundlegenden Renovierung des Hofes und dem Bau neuer Gästehütten verfügen wir nun endlich über ideale Bedingungen für unseren Traum, der inzwischen Wirklichkeit und Profession geworden ist: ambitionierte Hundeschlittentouren anzubieten für alle, die Spaß haben an dieser traditionellen Art der Fortbewegung.“


Die Huskyfarm am See Veslevatn
 
Inzwischen hat sich in Innset einiges getan: Björn und Jutta haben sich getrennt. Jutta wohnt nach wie vor in der nahegelegenen Stadt Bardu, und Innset hat eine neue Einwohnerin: Björns Lebensgefährtin Regina Elpers. Über sie berichtete der Westfalenspiegel im Januar 2002: „Das neue Jahr fängt in aller Herrgottsfrühe an. Am 1. Januar, kurz nach fünf, verstaut Regina Elpers die restlichen Habseligkeiten auf der Rückbank ihres geländegängigen Bullis. Die Möbel sind bereits seit Tagen unterwegs. Ein letztes Mal geht sie durch das gespenstisch leere Haus, löscht die Lampen und schließt von außen ab. Zweimal, wie gewohnt. Und doch ist heute alles anders. Es ist vielleicht für immer. Denn Regina hat ein ganz besonderes Ziel: ihre neue Liebe! Die heißt Björn und lebt seit fast zwanzig Jahren in Skandinavien, genau genommen in Innset, einem kleinen Flecken in Nordnorwegen. Kennen gelernt haben sich die beiden auf einer Husky-Tour durch Lappland, lieben gelernt bei einem Besuch von Björn in Münster, wo er im vergangenen Herbst mit seiner Multivisions-Schau in der Uni am Domplatz Station machte. Fast 200 Besucher wollten damals seine brillante Diaschau und fesselnden Erzählungen über die unendlichen Weiten nördlich des Polarkreises hören und sehen.“
 
Eigentlich hatte Regina Elpers sich zehn Jahre zuvor in Westbevern-Vadrup mit einem Geschäft, einem Ticket- und Veranstaltungsbüro, auf einem ehemaligen Bauernhof recht idyllisch eingerichtet. Dann las sie im Reisemagazin ihrer Zeitung eine Reportage über Schlittenhund-Expeditionen in Nordnorwegen und lernte dort auf einer neuntägigen Tour in das Schneeparadies der Arktis Björn Klauer kennen, mit dem sie nun seit 16 Jahren zusammenlebt und -arbeitet.  


Regina mit Wildlachs
 
Nach dem Bau eines neuen Gästehauses feierten sie vor zwei Monaten ein Jubiläumsfest zum zwanzigsten Geburtstag ihrer Hundefarm. Für die weit mehr als 200 Gäste aus Innset, den Nachbarorten und Bardu gab es außer dem Gästehaus Zelte und Lavvus, die traditionellen Zelte der Sami, und eine Bühne am Ostende der Wiese, auf der der Männerchor aus Bardu das Fest eröffnete. Es gab Reden und Grußworte vom stellvertretenden Bürgermeister von Bardu und vom Bürgermeister der Saarivuoma Sameby. „Doch die eindrucksvollsten Farbkleckse“, so Björn Klauer, „hinterließen die Samen Simon Isak Marainen und Nils Anders Påve mit ihrem Joik, dem traditionellen Gesang der Samen.“ Einer dieser Gesänge war speziell ihm und Regina Elpers gewidmet.
 
Mehr von und über die beiden Auswanderer erfährt man in Köln am 29. Oktober ab 20.30 Uhr bei „Globetrotter Ausrüstung“ im Kölner Olivandenhof; Richmodstraße 10. NRhZ-LeserInnen aus Berlin, Hamburg, Fulda, Freilassing und Plauen können sich weitere Informationen zu den Veranstaltungen dort, über Björn Klauers Bücher und über die nächsten Huskytouren über klauer@huskyfarm, www.huskytour.de oder www.huskyfarm.de holen. Da gibt’s auch jede Menge wunderschöne Fotos, die wir natürlich nicht alle in diesen Artikel stellen konnten. (PK)

Alle Fotos: Björn Klauer

Online-Flyer Nr. 168  vom 15.10.2008



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