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Globales
Gefahr für den Hoffnungsträger?
Survival-Check für Obama – Teil 2
Von Hans-Detlev v. Kirchbach
Obama-Survival-Checkpoint 3: Antiimperialismus im Weißen Haus?
Schließlich Punkt 3 unserer Checkliste- nennen wir ihn unter uns alten Europäern ganz vertraulich „US-Imperialismus“.
Wird Obama jetzt der Anwalt der Milliarden Menschen auf diesem Planeten, die ihr tägliches Elend zentral der sogenannten freiheitlichen Weltwirtschaftsordnung verdanken, die von westlichen Konzern- und Kapitalinteressen dominiert und vorrangig von den USA global notfalls militärisch garantiert wird? Ein paar Care-Pakete, bildlich gesprochen, mögen ja gepackt und medienwirksam vor Kameras verteilt werden. Ansonsten aber lebt in einer Traumwelt, wer glaubt, Obamas USA würden Versuche von Ländern des Trikont, sich vom Diktat des Welt- und Westkapitals zu emanzipieren, in Zukunft unterstützen. Also, zum Beispiel sie würden davon ablassen, den eigenen Weg Venezuelas zur ökonomischen und politischen Selbstbestimmung, einen notwendigerweise sozialistischen Weg, weiterhin zu verteufeln, zu sabotieren, mit interventionistischer Gewalt zu bedrohen. Vielleicht werden nettere Töne zu hören sein, aber das ist lediglich dem jeweils zu bedienenden Medienmilieu geschuldet.
Auf die Option, wieder „ungehinderten Zugang zu Rohstoffen und Ressourcen in aller Welt“ zu erhalten, wie die NATO-kompatiblen „Verteidigungspolitischen Richtlinien“ der Bundesrepublik so schön offen formulieren, werden die USA unter keinem Präsidentendarsteller verzichten, der vom großen Kapital und vom Militärisch-Industriellen Komplex im Amt geduldet werden will. Das gilt ganz besonders natürlich für solche Regionen, die unverrückbar zum „Hinterhof“ der USA gehören, und zwar schon aus einer Art „traditionellen Naturrechts“ heraus. Dieses hatte einst der 5. Präsident der USA, James Monroe, in seiner gleichnamigen Doktrin entdeckt, und der 26. Präsident der USA, Theodore „Teddy“ Roosevelt, spitzte es 1903 darwinistisch zu: „Sprich leise und trage stets einen großen Knüppel mit dir.“

In dem Fall war es wohl aber kein Knüppel: Teddy Roosevelt auf Safari
Foto: Edward Van Altena
Auch der Inbegriff des „Hoffnungsträgers“ unter den US-Präsidenten, John F. Kennedy, ließ vom Interventionismus auf der Grundlage des imperialistisch umgesetzten Dogmas vom „Recht des Störkeren“ nicht ab, versuchte vergeblich, mit der „Schweinebuchtinvasion“ die revolutionäre Regierung Kubas zu stürzen, begann den Dschungelkrieg gegen das Volk von Vietnam.
Von unserem aktuellen Nachfolge-Hoffnungsträger ist ebenfalls nichts anderes zu erwarten als eine vielleicht etwas flexiblere Variante des imperialistischen Normalbetriebes. Irak und Afghanistan bleiben – in welcher Form militärischer Präsenz auch immer – Zugangsbrücken und Drehscheiben für den Griff des US-Kapitals auf die ergiebigsten mineralischen Rohstoffquellen des Planeten, von zentraler geostrategischer und zugleich ökonomischer Bedeutung.

Obama schließt „keine Option aus“...
Foto: E. Cromwell und demokrat.
Kampagnen-Logo, Montage: Heinrici
Für Afghanistan prognostiziert Luten Leinhos eher noch eine Ausweitung der US-Kriegsführung, „wenn der Krieg nicht verloren gehen soll“. Dem Iran hat Obama ja auch schon gedroht – zwar nicht expressis verbis mit Krieg. Er ging auch nicht so weit wie seine innerparteiliche Konkurrentin Hillary Clinton. Die drohte, basierend auf der unverrückbar weiterverbreiteten Medienlegende, Irans Präsident Ahmadinedschad habe eine atomare Attacke auf Israel angekündigt, wörtlich damit, den Iran in solchem Falle „komplett auszulöschen“. Das kritisierte Obama zwar als „Säbelrasseln“. Gleichwohl betonte er im April in einer Diskussion auf ABC, auch er werde als Präsident „keine Option – also auch nicht die militärische“ ausschließen, um eine iranische Atombewaffnung zu verhindern. Ob er wirklich an die behaupteten iranischen Pläne glaubt, bleibt bis zu seinem Amtsantritt Ende Januar noch offen, nach Friedensschalmei klingen solche Aussagen auf fragwürdiger Grundlage aber nicht unbedingt.
Eines steht allerdings fest: Das reale nukleare Vernichtungspotential des Iran liegt aktuell bei null. Das der USA hingegen würde die atomare Veraschung alles Lebenden auf diesem Planeten x-hundertfach ermöglichen, von jahrtausendelanger Verstrahlung ganz zu schweigen. Obama wird allerdings den Teufel tun, dieses „Teufelszeugs“ (Willy Brandt) abzuschaffen. Eher würden Generalität, Geheimdienste, Atomlobby und Rüstungsmafia das Kapitel Obama ganz schnell beenden. Aus der Sicht der von ihnen repräsentierten objektiven Interessen auch zu Recht.

Obama, ein „Präsident für die Welt“?!
Grafik: Heinrici
Welche das sind, lassen wir uns das abschließend von Dieter Kronzucker erklären, einem herausragenden und verständnisvollen Interpreten US-amerikanischer Politik seit fast einem halben Jahrhundert. Im Sat 1-Morgenmagazin erklärte der Fernsehveteran, Obama wolle und werde gewissermaßen ein „Präsident für die Welt“ sein, müsse und werde aber vor allem die Stellung der USA als einzig verbliebener Weltmacht verteidigen. Mal abgesehen davon, daß von wegen „einzige Weltmacht“ Rußland und China dem Barack was husten werden, enthält Kronzuckers Definition in wohlgesetzteren Worten nichts anderes als das, was wir eher defätistisch als imperialistisches Machtprinzip beschrieben haben. Man könnte auch sagen: Der Imperialismus mag sein Gesicht, oder auch die Maske, wechseln – sein Wesen bleibt dasselbe.
Punkt 3 unserer Obama-Survival-Checkliste scheint also noch am brisantesten für unseren Träger von Hoffnungen, die mehr als solche keinesfalls werden dürfen. Gelingt es ihm aber, im Kronzuckerschen Sinne die Weltmarkt- und Weltmachtstellung der USA effizient aufrechtzuerhalten und dabei mindestens für die naivere liberale Öffentlichkeit im Westen die Rolle des charismatischen Menschheitsbeglückers überzeugend weiterzuspielen, dann könnte er womöglich zwei volle Amtsperioden unbeschadet überstehen. Bilanz von Kollateralschäden und „body-count“ erfolgt nach Ende der Vorstellung. (CH)
Startbild unter Verwendung eines Fotos von Elizabeth Cromwell und des demokratischen Kampagnen-Logos.
Online-Flyer Nr. 172 vom 12.11.2008
Gefahr für den Hoffnungsträger?
Survival-Check für Obama – Teil 2
Von Hans-Detlev v. Kirchbach
Obama-Survival-Checkpoint 3: Antiimperialismus im Weißen Haus?
Schließlich Punkt 3 unserer Checkliste- nennen wir ihn unter uns alten Europäern ganz vertraulich „US-Imperialismus“.
Wird Obama jetzt der Anwalt der Milliarden Menschen auf diesem Planeten, die ihr tägliches Elend zentral der sogenannten freiheitlichen Weltwirtschaftsordnung verdanken, die von westlichen Konzern- und Kapitalinteressen dominiert und vorrangig von den USA global notfalls militärisch garantiert wird? Ein paar Care-Pakete, bildlich gesprochen, mögen ja gepackt und medienwirksam vor Kameras verteilt werden. Ansonsten aber lebt in einer Traumwelt, wer glaubt, Obamas USA würden Versuche von Ländern des Trikont, sich vom Diktat des Welt- und Westkapitals zu emanzipieren, in Zukunft unterstützen. Also, zum Beispiel sie würden davon ablassen, den eigenen Weg Venezuelas zur ökonomischen und politischen Selbstbestimmung, einen notwendigerweise sozialistischen Weg, weiterhin zu verteufeln, zu sabotieren, mit interventionistischer Gewalt zu bedrohen. Vielleicht werden nettere Töne zu hören sein, aber das ist lediglich dem jeweils zu bedienenden Medienmilieu geschuldet.
Auf die Option, wieder „ungehinderten Zugang zu Rohstoffen und Ressourcen in aller Welt“ zu erhalten, wie die NATO-kompatiblen „Verteidigungspolitischen Richtlinien“ der Bundesrepublik so schön offen formulieren, werden die USA unter keinem Präsidentendarsteller verzichten, der vom großen Kapital und vom Militärisch-Industriellen Komplex im Amt geduldet werden will. Das gilt ganz besonders natürlich für solche Regionen, die unverrückbar zum „Hinterhof“ der USA gehören, und zwar schon aus einer Art „traditionellen Naturrechts“ heraus. Dieses hatte einst der 5. Präsident der USA, James Monroe, in seiner gleichnamigen Doktrin entdeckt, und der 26. Präsident der USA, Theodore „Teddy“ Roosevelt, spitzte es 1903 darwinistisch zu: „Sprich leise und trage stets einen großen Knüppel mit dir.“

In dem Fall war es wohl aber kein Knüppel: Teddy Roosevelt auf Safari
Foto: Edward Van Altena
Auch der Inbegriff des „Hoffnungsträgers“ unter den US-Präsidenten, John F. Kennedy, ließ vom Interventionismus auf der Grundlage des imperialistisch umgesetzten Dogmas vom „Recht des Störkeren“ nicht ab, versuchte vergeblich, mit der „Schweinebuchtinvasion“ die revolutionäre Regierung Kubas zu stürzen, begann den Dschungelkrieg gegen das Volk von Vietnam.
Von unserem aktuellen Nachfolge-Hoffnungsträger ist ebenfalls nichts anderes zu erwarten als eine vielleicht etwas flexiblere Variante des imperialistischen Normalbetriebes. Irak und Afghanistan bleiben – in welcher Form militärischer Präsenz auch immer – Zugangsbrücken und Drehscheiben für den Griff des US-Kapitals auf die ergiebigsten mineralischen Rohstoffquellen des Planeten, von zentraler geostrategischer und zugleich ökonomischer Bedeutung.

Obama schließt „keine Option aus“...
Foto: E. Cromwell und demokrat.
Kampagnen-Logo, Montage: Heinrici
Eines steht allerdings fest: Das reale nukleare Vernichtungspotential des Iran liegt aktuell bei null. Das der USA hingegen würde die atomare Veraschung alles Lebenden auf diesem Planeten x-hundertfach ermöglichen, von jahrtausendelanger Verstrahlung ganz zu schweigen. Obama wird allerdings den Teufel tun, dieses „Teufelszeugs“ (Willy Brandt) abzuschaffen. Eher würden Generalität, Geheimdienste, Atomlobby und Rüstungsmafia das Kapitel Obama ganz schnell beenden. Aus der Sicht der von ihnen repräsentierten objektiven Interessen auch zu Recht.

Obama, ein „Präsident für die Welt“?!
Grafik: Heinrici
Punkt 3 unserer Obama-Survival-Checkliste scheint also noch am brisantesten für unseren Träger von Hoffnungen, die mehr als solche keinesfalls werden dürfen. Gelingt es ihm aber, im Kronzuckerschen Sinne die Weltmarkt- und Weltmachtstellung der USA effizient aufrechtzuerhalten und dabei mindestens für die naivere liberale Öffentlichkeit im Westen die Rolle des charismatischen Menschheitsbeglückers überzeugend weiterzuspielen, dann könnte er womöglich zwei volle Amtsperioden unbeschadet überstehen. Bilanz von Kollateralschäden und „body-count“ erfolgt nach Ende der Vorstellung. (CH)
Startbild unter Verwendung eines Fotos von Elizabeth Cromwell und des demokratischen Kampagnen-Logos.
Online-Flyer Nr. 172 vom 12.11.2008















