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Kultur und Wissen
Konzert von Joe Bonamassa in der Kantine in Köln
„Woke Up Dreaming“
Von Gerrit Wustmann
Joe Bonamassa sieht eher unscheinbar aus. Kräftiges, jungenhaftes Gesicht, die Augen hinter einer Sonnenbrille verborgen, schmaler Körper, ein graues Jackett über einem einfachen weißen T-Shirt. Würde man ihm auf der Straße begegnen, man würde ihn vermutlich kaum wahrnehmen. Umso stärker ist der Eindruck seiner gewaltigen Präsenz, wenn er die Bühne betritt. Ohne große Worte zu verlieren schnallt er sich seine goldene Gibson Les Paul Custom um und legt los – während der zweistündigen Show wechselt er zwischen dieser Gitarre, einer Les Paul Sunburst, einer Flying V und einer C. F. Martin Dreadnought.

Bonamassa: Blues der rockt
Foto: Scortiaus
Bonamassa war lange Zeit ein Geheimtipp. Noch vor zwei Jahren spielte er, wenn er überhaupt einmal nach Deutschland kam, noch in kleinen Kneipen und Clubs. Diesmal war er sichtlich ergriffen – trotz seines großen Egos und seiner Neigung, sich frenetisch bejubeln zu lassen. Genau ein Jahr nach seinem letzten Auftritt in der „Kantine“ waren nun schon 300 Zuschauer mehr dabei als beim letzten Mal. Die ausverkaufte Halle im Kölner Norden war vollgepfropft von allen Alters- und Bevölkerungs- schichten. Von Teenies über Altrocker bis hin zum eher bürgerlich wirkenden Pärchen war alles vertreten und lies sich von der Vorband, die mit Genuss John Lee Hooker coverte, auf den Abend einstimmen.
Bonamassa spielt einen sehr rockigen Blues. Damit vereint er diejenigen, die eher dem ruhigen Bar-Blues und den Klassikern zugeneigt sind, mit den Freunden des dreckigen, gitarrenlastigen Rock N’ Roll, denen er mit dem ZZ-Top-Cover „Just Got Paid“ Tribut zollte. Und mal ganz nebenbei – die langbärtigen Herren dürften vor Ehrfurcht erstarren, wenn sie Bonamassas Version hören. Wenn er sich in langgezogenen Soli mit seiner „Les Paul“ in schwitzenden Verrenkungen übt, erinnert er in der Körperhaltung nicht selten an den Ex-Guns N' Roses Gitarristen Slash, dessen Wurzeln ebenfalls im Blues liegen.
Saitenzauber in Hochgeschwindigkeit
Der Unterschied? Bonamassa ist besser. Slash macht die größere Show, spielt in den größeren Bands. Aber im Gegensatz zu ihm trifft Bonamassa jeden Ton. Nicht eine Note, nicht ein Akkord klingt schief, ob nun beim Sliding, Tapping oder dem akkuraten Hochgeschwindigkeitsspiel auf seiner halbakustischen Martin bei „Woke Up Dreaming“ – dem Song, an den Bonamassa selbst den Anspruch stellt, ihn bei jedem Konzert schneller zu spielen, was ihm faszinierenderweise wohl auch augenscheinlich gelingt.
Der Mann und seine Gitarre sind eine Einheit, wirken wie miteinander verwachsen. Darüber gleicht er seine eigentliche Schwäche spielerisch aus: die Tatsache, dass er kein Songwriter ist. Bonamassa – mit seinem Saitenzauber von hochemotional bis wild – zuzusehen und zuzuhören ist ein Erlebnis für sich. Von melancholisch (Sloe Gin) bis rockig (One Of These Days) über akustisch-bombastisch (High Water Everywhere) gelingt ihm alles. Seine rauchig-bluesige Stimme ist dazu mehr als eine Dreingabe.

Auf seinen Alben kann man das riesige Talent zumindest erahnen, für einen wirklichen Eindruck muss man Joe Bonamassa aber in persona erleben. Einen faszinierenden Einblick in sein musikalisches Werk bietet sein aktuelles Doppelalbum „LIVE from nowhere in particular“ (Provogue/Mascot Records 2008), das zugleich als eine Art „Greatest Hits“ oder „Best Of“ gelten darf und nach „A New Day Yesterday Live“ sein zweites Live-Album ist. (CH)
Zur Webseite von Joe Bonamassa
Online-Flyer Nr. 176 vom 10.12.2008
Konzert von Joe Bonamassa in der Kantine in Köln
„Woke Up Dreaming“
Von Gerrit Wustmann
Joe Bonamassa sieht eher unscheinbar aus. Kräftiges, jungenhaftes Gesicht, die Augen hinter einer Sonnenbrille verborgen, schmaler Körper, ein graues Jackett über einem einfachen weißen T-Shirt. Würde man ihm auf der Straße begegnen, man würde ihn vermutlich kaum wahrnehmen. Umso stärker ist der Eindruck seiner gewaltigen Präsenz, wenn er die Bühne betritt. Ohne große Worte zu verlieren schnallt er sich seine goldene Gibson Les Paul Custom um und legt los – während der zweistündigen Show wechselt er zwischen dieser Gitarre, einer Les Paul Sunburst, einer Flying V und einer C. F. Martin Dreadnought.

Bonamassa: Blues der rockt
Foto: Scortiaus
Bonamassa spielt einen sehr rockigen Blues. Damit vereint er diejenigen, die eher dem ruhigen Bar-Blues und den Klassikern zugeneigt sind, mit den Freunden des dreckigen, gitarrenlastigen Rock N’ Roll, denen er mit dem ZZ-Top-Cover „Just Got Paid“ Tribut zollte. Und mal ganz nebenbei – die langbärtigen Herren dürften vor Ehrfurcht erstarren, wenn sie Bonamassas Version hören. Wenn er sich in langgezogenen Soli mit seiner „Les Paul“ in schwitzenden Verrenkungen übt, erinnert er in der Körperhaltung nicht selten an den Ex-Guns N' Roses Gitarristen Slash, dessen Wurzeln ebenfalls im Blues liegen.
Saitenzauber in Hochgeschwindigkeit
Der Unterschied? Bonamassa ist besser. Slash macht die größere Show, spielt in den größeren Bands. Aber im Gegensatz zu ihm trifft Bonamassa jeden Ton. Nicht eine Note, nicht ein Akkord klingt schief, ob nun beim Sliding, Tapping oder dem akkuraten Hochgeschwindigkeitsspiel auf seiner halbakustischen Martin bei „Woke Up Dreaming“ – dem Song, an den Bonamassa selbst den Anspruch stellt, ihn bei jedem Konzert schneller zu spielen, was ihm faszinierenderweise wohl auch augenscheinlich gelingt.
Der Mann und seine Gitarre sind eine Einheit, wirken wie miteinander verwachsen. Darüber gleicht er seine eigentliche Schwäche spielerisch aus: die Tatsache, dass er kein Songwriter ist. Bonamassa – mit seinem Saitenzauber von hochemotional bis wild – zuzusehen und zuzuhören ist ein Erlebnis für sich. Von melancholisch (Sloe Gin) bis rockig (One Of These Days) über akustisch-bombastisch (High Water Everywhere) gelingt ihm alles. Seine rauchig-bluesige Stimme ist dazu mehr als eine Dreingabe.

Zur Webseite von Joe Bonamassa
Online-Flyer Nr. 176 vom 10.12.2008














