SUCHE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Kultur und Wissen
Tykwers „The International“ – Profit außerhalb des Gesetzes
Auf verlorenem Posten
Von Philip Schwarz
Die Bank sitzt wie eine Spinne in einem weltumspannenden Netz und heizt im Namen des Profits Konflikte an, wie im Film den im Nahen Osten oder organisiert einen Staatstreich in Afrika. Und sie geht dabei über Leichen. Nachdem sein Partner bei einem Treffen mit einem Informanten in Berlin ermordet wurde, versucht Salinger, zunächst mit legalen Mitteln, der Bank das Handwerk zu legen. Nach dem vermeintlichen Unfalltod des Informanten will er durch Aufdecken eines Widerspruchs in dem Unfallprotokoll und den Fluglisten des Berliner Flughafens die Bank entlarven, doch als er nach Luxemburg kommt, erkennt Salinger, dass die Zeugenaussagen mittlerweile „korrigiert“ wurden. Also macht er sich auf die Suche nach dem Attentäter.

Filmplakat „The International“: Clive Owen , Naomi Watts
Quelle: „The International“
Zusammen mit der New Yorker Staatsanwältin Eleanor Whitman ( Naomi Watts ) reist er erst nach Lyon und dann nach Mailand. Nachdem es auch dort so aussieht, als seien sie wieder zu spät gekommen, findet sich doch noch eine heiße Spur, die zu dem Mörder führen könnte. Salinger und Whitman reisen nach New York. Nur durch einen Zufall finden sie auch tatsächlich den Attentäter und folgen ihm zum Guggenheim Museum, wo er von Wilhelm Wexler, einem Berater der Bank, ( Armin Mueller-Stahl ) mit der Ermordung Salingers betraut wird.
Der Mörder muss aber erkennen, dass man in seinem Gewerbe niemandem trauen kann: Die Bank hat auch seinen eigenen Tod beauftragt, und es kommt zu einer furiosen Schießerei im Museum zwischen mehreren Leuten der Bank auf der einen Seite und Salinger, dem Mörder und drei New Yorker Polizisten auf der anderen Seite, die damit endet, dass der Interpol-Agent das halbe Museum in Schutt und Asche legt. Zusammen mit dem Attentäter kann er entkommen, doch der stirbt an seinen Verletzungen. Jedoch ist es gelungen, Wexler festzunehmen, und es kommt zum folgenreichen Gespräch zwischen Salinger und ihm. Er macht dem Ermittler klar, dass Salinger mit seiner Jagd auf verlorenem Posten steht und genauso mit harten Bandagen kämpfen muss, wenn er etwas erreichen will. Denn wie der Vorgesetzte des Agenten an anderer Stelle erklärt, hinken in puncto Internationalisierung die Behörden den Großkonzernen hinterher. Die Behörden müssten sich genauso internationalisieren wie ihre Gegner, um effektiv arbeiten zu können.
Salinger fliegt daraufhin nach Istanbul und setzt alles auf eine Karte: Er will ein Gespräch zwischen dem Chef der IBBC und einem türkischen Waffenhändler, in dem es darum geht, den Nahostkonflikt eskalieren zu lassen, aufzeichnen. Auf den Dächern der Stadt kommt es zum Finale mit überraschendem Ausgang.
Anders als bei vielen Actionfilmen benutzt Tykwer keine stakkatoartigen Schnitte, bei denen man oft nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Stattdessen gibt es klare Bildfolgen. Trotzdem verliert der Film nichts von seinem Tempo und seiner nervenaufreibenden Spannung. Im Gegenteil – sie werden dadurch unterstützt, etwa wenn die Kamera eine Minute lang immer wieder zwischen einem Scharfschützen mit dem Finger am Abzug und seinem Opfer hin- und herwechselt, oder bei einer Verfolgungsjagd zu Fuß (erfrischend altmodisch) durch New York.
Großartig ist in diesem Zusammenhang auch, wie Tykwer mit den Erwartungen des Zuschauers spielt. Immer wieder kommt es zu Actionszenen, wenn man am wenigsten damit rechnet. Umgekehrt lässt er aber auch manchmal die Erwartungen des Zuschauers ins Leere laufen. So will Salinger beispielsweise den Auftragsmörder mit vorgehaltener Waffe zwingen, aus dem Auto zu steigen, muss aber feststellen, dass der Wagen leer ist.
Auch die Schauspieler überzeugen samt und sonders durch hervorragende Leistung, was nicht ganz einfach ist, denn die Handlung wird mehr durch Bilder als durch Dialoge erzählt. Der Film kommt beinahe vollständig ohne Worte aus. Clive Owen stellt Salingers Wandlung und seinen letzten Endes verderblichen Idealismus plausibel dar. Auch gefällt Armin Mueller-Stahl als ehemaliger hundertfünfzigprozentiger NVA-Oberst, der die Seiten gewechselt hat. Allerdings wird Naomi Watts sehr in den Hintergrund gedrängt, spielt mehr eine Neben- als eine Hauptrolle.
Fazit: Spannend, hochaktuell und filmisch grandios – unbedingt sehenswert! (CH)
Zur Webseite des Films
Online-Flyer Nr. 185 vom 18.02.2009
Tykwers „The International“ – Profit außerhalb des Gesetzes
Auf verlorenem Posten
Von Philip Schwarz
Die Bank sitzt wie eine Spinne in einem weltumspannenden Netz und heizt im Namen des Profits Konflikte an, wie im Film den im Nahen Osten oder organisiert einen Staatstreich in Afrika. Und sie geht dabei über Leichen. Nachdem sein Partner bei einem Treffen mit einem Informanten in Berlin ermordet wurde, versucht Salinger, zunächst mit legalen Mitteln, der Bank das Handwerk zu legen. Nach dem vermeintlichen Unfalltod des Informanten will er durch Aufdecken eines Widerspruchs in dem Unfallprotokoll und den Fluglisten des Berliner Flughafens die Bank entlarven, doch als er nach Luxemburg kommt, erkennt Salinger, dass die Zeugenaussagen mittlerweile „korrigiert“ wurden. Also macht er sich auf die Suche nach dem Attentäter.

Filmplakat „The International“: Clive Owen , Naomi Watts
Quelle: „The International“
Zusammen mit der New Yorker Staatsanwältin Eleanor Whitman ( Naomi Watts ) reist er erst nach Lyon und dann nach Mailand. Nachdem es auch dort so aussieht, als seien sie wieder zu spät gekommen, findet sich doch noch eine heiße Spur, die zu dem Mörder führen könnte. Salinger und Whitman reisen nach New York. Nur durch einen Zufall finden sie auch tatsächlich den Attentäter und folgen ihm zum Guggenheim Museum, wo er von Wilhelm Wexler, einem Berater der Bank, ( Armin Mueller-Stahl ) mit der Ermordung Salingers betraut wird.
Der Mörder muss aber erkennen, dass man in seinem Gewerbe niemandem trauen kann: Die Bank hat auch seinen eigenen Tod beauftragt, und es kommt zu einer furiosen Schießerei im Museum zwischen mehreren Leuten der Bank auf der einen Seite und Salinger, dem Mörder und drei New Yorker Polizisten auf der anderen Seite, die damit endet, dass der Interpol-Agent das halbe Museum in Schutt und Asche legt. Zusammen mit dem Attentäter kann er entkommen, doch der stirbt an seinen Verletzungen. Jedoch ist es gelungen, Wexler festzunehmen, und es kommt zum folgenreichen Gespräch zwischen Salinger und ihm. Er macht dem Ermittler klar, dass Salinger mit seiner Jagd auf verlorenem Posten steht und genauso mit harten Bandagen kämpfen muss, wenn er etwas erreichen will. Denn wie der Vorgesetzte des Agenten an anderer Stelle erklärt, hinken in puncto Internationalisierung die Behörden den Großkonzernen hinterher. Die Behörden müssten sich genauso internationalisieren wie ihre Gegner, um effektiv arbeiten zu können.
Salinger fliegt daraufhin nach Istanbul und setzt alles auf eine Karte: Er will ein Gespräch zwischen dem Chef der IBBC und einem türkischen Waffenhändler, in dem es darum geht, den Nahostkonflikt eskalieren zu lassen, aufzeichnen. Auf den Dächern der Stadt kommt es zum Finale mit überraschendem Ausgang.
Anders als bei vielen Actionfilmen benutzt Tykwer keine stakkatoartigen Schnitte, bei denen man oft nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Stattdessen gibt es klare Bildfolgen. Trotzdem verliert der Film nichts von seinem Tempo und seiner nervenaufreibenden Spannung. Im Gegenteil – sie werden dadurch unterstützt, etwa wenn die Kamera eine Minute lang immer wieder zwischen einem Scharfschützen mit dem Finger am Abzug und seinem Opfer hin- und herwechselt, oder bei einer Verfolgungsjagd zu Fuß (erfrischend altmodisch) durch New York.
Großartig ist in diesem Zusammenhang auch, wie Tykwer mit den Erwartungen des Zuschauers spielt. Immer wieder kommt es zu Actionszenen, wenn man am wenigsten damit rechnet. Umgekehrt lässt er aber auch manchmal die Erwartungen des Zuschauers ins Leere laufen. So will Salinger beispielsweise den Auftragsmörder mit vorgehaltener Waffe zwingen, aus dem Auto zu steigen, muss aber feststellen, dass der Wagen leer ist.
Auch die Schauspieler überzeugen samt und sonders durch hervorragende Leistung, was nicht ganz einfach ist, denn die Handlung wird mehr durch Bilder als durch Dialoge erzählt. Der Film kommt beinahe vollständig ohne Worte aus. Clive Owen stellt Salingers Wandlung und seinen letzten Endes verderblichen Idealismus plausibel dar. Auch gefällt Armin Mueller-Stahl als ehemaliger hundertfünfzigprozentiger NVA-Oberst, der die Seiten gewechselt hat. Allerdings wird Naomi Watts sehr in den Hintergrund gedrängt, spielt mehr eine Neben- als eine Hauptrolle.
Fazit: Spannend, hochaktuell und filmisch grandios – unbedingt sehenswert! (CH)
Zur Webseite des Films
Online-Flyer Nr. 185 vom 18.02.2009















