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Kultur und Wissen
Veranstaltung über den von den Nazis verfolgten Maler Otto Pankok
„Entartete Kunst“
Von Manfred Demmer
Die politische Verfolgung unter den Nationalsozialisten veranlasste Otto Pankok 1935, sich von Düsseldorf nach Haus Langen im Münsterland zurückzuziehen. Ein Jahr später erfolgte das Arbeitsverbot für den Künstler, und 1937 beschlagnahmte man 56 seiner Werke aus deutschen Museen. In München prangerte die Ausstellung “Entartete Kunst“ u.a. seine Zigeuner-Lithos an.
Auf der Suche nach einem sicheren Wohnort
Der Maler lebte in dieser Zeit in Gildehaus in der Grafschaft Bentheim, einem idyllischen Ausläufer des Teutoburger Waldes, danach bis 1941 in Bokeloh bei Meppen im Emsland. Der Schriftsteller Jakob Kneip riet seinem Künstlerfreund, sich wie er auch in die Eifel "sicher" zurückzuziehen. Pankok bezog 1941 zunächst ein kleines, versteckt gelegenes Fachwerkhaus am Mühlenbach in Iversheim, ein halbes Jahr das verfallene Ferienhaus eines Kölners am Waldrand in der Nähe eines Steinbruchs in Pesch. Nach dessen Renovierung blieb Pankok mit Frau Hulda und Tochter Eva dort bis 1946. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte die Familie nach dem Wiederaufbau ihres Düsseldorfer Wohnhauses wieder dorthin zurück. Hier wurde Pankok als Professor an die Kunstakademie berufen und unterrichtete bis 1958. In dieser Zeit unternahm er immer wieder Reisen nach Jugoslawien und Frankreich, zog am Ende seiner Lehrtätigkeit nach Haus Esselt in Drevenack am Niederrhein und starb am 20. Oktober 1966 in Wesel.
Gewerkschafter und Künstler gemeinsam
Walter Malzkorn arbeitete seit 1952 bei den Klöckner Werken in Düsseldorf, deren Belegschaft an einigen Streikbewegungen beteiligt war, wurde als Mitglied der IG Metall dort am 1.Mai 1955 Vertrauensmann, 1956 Leiter des Vertrauenskörpers und 1957 Betriebsrat. Gemeinsam mit anderen Gewerkschaftern arbeitete er auch in der Friedensbewegung gegen die Folgen der von Adenauer forcierten Aufrüstung, und engagierte sich in dem Düsseldorfer Komitee “Kampf dem Atomtod“, dessen Vorsitzender Otto Pankok war. Als Geschäftsführer des Komitees war er anlässlich der NRW-Landtagswahl 1958 für mit der Verteilung von 45 000 Flugblättern verantwortlich. Wegen eines darauf wiedergegebenen Satzes von Konrad Adenauer „Sorgen wir dafür, dass wir die Mehrheit bekommen, damit wir machen können, was wir wollen!“ erschien bei ihm die K 14 – die politische Polizei – und machte eine Hausdurchsuchung, bei der sie auch eine Spendenliste fand. Im folgenden Prozess wurde er dann wegen „Staatsgefährdung, Beleidigung des Bundeskanzlers und Verstoß gegen das Sammlungsgesetz“ verurteilt, zu 450 DM Geldstrafe – was einem damaligen Monatslohn entsprach. Pankoks konsequent humanistische Haltung beeindruckte Gewerkschafter wie Malzkorn, so dass es auch zu gemeinsamen Friedensaktivitäten mit Künstlern und Kunststudenten der Akademie kam.
Chronist der Verfolgung von Sinti und Roma
Pankoks politisches Engagement wurde nach Malzkorns Vortrag auch in einem Film des Kölner Filmemachers Dietrich Schubert deutlich – Titel: „Der Maler Otto Pankok in der Eifel 1942 – 1946“. Danach war der Expressionist auch einer der wichtigsten künstlerischen Chronisten der Verfolgung von Sinti und Roma im Nationalsozialismus. Beeindruckt von dem Lebens- und Freiheitsgefühl dieser Gruppen hatte er bereits 1931 in Düsseldorf damit begonnen, viele von ihnen zu porträtieren. Nach der Machtergreifung Hitlers nutzte er die Kunst darüber hinaus, seiner Ablehnung des Nationalsozialismus Ausdruck zu verleihen. Als Stellungnahme im Kampf gegen alles, was das Leben gemein, sinnlos und eng macht, beschrieb Pankok seine Arbeit selbst und geriet so nach 1933 zunehmend ins Visier der Gestapo.
“Die Passion“
In Schuberts Film berichtet Tochter Eva Pankok, wie ihr Vater unter dem Eindruck der Torturen, die sein Malerfreund Karl Schwesig im berüchtigten Schlegelkeller in Düsseldorf erleiden musste - weil er sich an der Herstellung und Verbreitung von Flugblättern beteiligt und Verfolgten Unterschlupf gewährt hatte - seinen kämpferischen Humanismus verstärkte. Die Serie “Die Passion“ von 1933/34, in der er in sechzig Kohlezeichnungen unmissverständlich Stellung gegen die Machtergreifung und den Terror der Nationalsozialisten bezog, waren für diese reine Provokation. In einem Text des Museums Kunstpalast Düsseldorf wird dazu festgestellt: „Im traditionsreichen Gewand der Vergangenheit wird Gegenwärtiges schmerzhaft sichtbar gemacht. Der Leidensweg Christi bezieht Personen aus dem Umfeld des Künstlers ein, allen voran die mit ihm befreundeten Sinti und Roma. Pankoks Passionszyklus reicht somit weit über eine beschreibende Wiedergabe der Christusgeschichte hinaus in menschliche, politische und moralische Seinsfragen hinein. In seinen Bildern von den Opfern und Tätern einer menschenverachtenden Schreckensherrschaft hält er die Frage nach der Schuld wach.“
Als “Die Passion“ 1936 in einer Buchausgabe erschien, reagierten die Nazis, wie der Film belegt, mit Drohungen: „Wir werden ihm die Flötentöne beibringen“, und der Maler zog sich in die Abgeschiedenheit der ländlichen Regionen zurück, um dort weiter unbeobachtet arbeiten zu können. Bereits bei Kriegsbeginn 1939, so Eva Pankok im Film, habe ihr Vater erklärt: „... den gewinnt er nicht“.
“Jüdisches Schicksal“
In Pesch, wo rund 500 Kohlezeichnungen Pankoks entstanden, darunter viele Bilder des Zyklus “Jüdisches Schicksal“, versteckte die Familie in ihrer Dachkammer monatelang den befreundeten Maler Mathias Barz und dessen jüdische Frau, eine Düsseldorfer Schauspielerin, die so vor dem KZ bewahrt wurde. Im selben Haus waren zur gleichen Zeit deutsche Wehrmachtssoldaten einquartiert, die das Ehepaar trotz eines Verdachts bei einer Hausdurchsuchung nicht entdeckten.

Pankoks bekanntestes Werk - Holzschnitt
„Christus zerbricht das Gewehr“
Quelle: www.pankok.de/seiten/ausstellg.html
Schuberts Film zeichnet ein differenziertes Bild der Menschen jener Tage. Da gab es den Bauern Esch, NSDAP-Mitglied und Bürgermeister des Ortes, der aber die Pankoks mit Lebensmitteln versorgte, oder den Bauern Kloster, bei dem die Familie sich die erste Zeit versteckt war. Dass Otto Pankok seiner Haltung nach 1945 treu blieb, wird im Film in seinem Appell an seine Malerkollegen sichtbar, in dem er für eine neue humanistische Kultur warb. Folgerichtig gehört er auch zu den Unterzeichnern eines Aufrufes zur Gründung des “Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“. 1950 entstand sein wohl bekanntester Holzschnitt “Christus zerbricht das Gewehr“, mit dem er den Kampf der Friedensbewegung gegen die Remiltarisierung unterstützte.
Angesichts seiner angeschlagenen Gesundheit zog er 1958 nach Haus Esselt bei Hünxe, wo er bis zu seinem Tod 1966 lebte. Dort ist heute das Otto Pankok-Museum, das von seiner Frau Hulda 1968 gegründet wurde, und das heute seine Tochter Eva leitet. Der interessante Nachmittag regte die Teilnehmer an, demächst eine Fahrt zu diesem Museum durchzuführen, um die gewonnenen Erkenntnisse über den Künstler und sein Werk zu vertiefen. (PK)
Online-Flyer Nr. 196 vom 06.05.2009
Veranstaltung über den von den Nazis verfolgten Maler Otto Pankok
„Entartete Kunst“
Von Manfred Demmer
Die politische Verfolgung unter den Nationalsozialisten veranlasste Otto Pankok 1935, sich von Düsseldorf nach Haus Langen im Münsterland zurückzuziehen. Ein Jahr später erfolgte das Arbeitsverbot für den Künstler, und 1937 beschlagnahmte man 56 seiner Werke aus deutschen Museen. In München prangerte die Ausstellung “Entartete Kunst“ u.a. seine Zigeuner-Lithos an.
Auf der Suche nach einem sicheren Wohnort
Der Maler lebte in dieser Zeit in Gildehaus in der Grafschaft Bentheim, einem idyllischen Ausläufer des Teutoburger Waldes, danach bis 1941 in Bokeloh bei Meppen im Emsland. Der Schriftsteller Jakob Kneip riet seinem Künstlerfreund, sich wie er auch in die Eifel "sicher" zurückzuziehen. Pankok bezog 1941 zunächst ein kleines, versteckt gelegenes Fachwerkhaus am Mühlenbach in Iversheim, ein halbes Jahr das verfallene Ferienhaus eines Kölners am Waldrand in der Nähe eines Steinbruchs in Pesch. Nach dessen Renovierung blieb Pankok mit Frau Hulda und Tochter Eva dort bis 1946. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte die Familie nach dem Wiederaufbau ihres Düsseldorfer Wohnhauses wieder dorthin zurück. Hier wurde Pankok als Professor an die Kunstakademie berufen und unterrichtete bis 1958. In dieser Zeit unternahm er immer wieder Reisen nach Jugoslawien und Frankreich, zog am Ende seiner Lehrtätigkeit nach Haus Esselt in Drevenack am Niederrhein und starb am 20. Oktober 1966 in Wesel.
Gewerkschafter und Künstler gemeinsam
Walter Malzkorn arbeitete seit 1952 bei den Klöckner Werken in Düsseldorf, deren Belegschaft an einigen Streikbewegungen beteiligt war, wurde als Mitglied der IG Metall dort am 1.Mai 1955 Vertrauensmann, 1956 Leiter des Vertrauenskörpers und 1957 Betriebsrat. Gemeinsam mit anderen Gewerkschaftern arbeitete er auch in der Friedensbewegung gegen die Folgen der von Adenauer forcierten Aufrüstung, und engagierte sich in dem Düsseldorfer Komitee “Kampf dem Atomtod“, dessen Vorsitzender Otto Pankok war. Als Geschäftsführer des Komitees war er anlässlich der NRW-Landtagswahl 1958 für mit der Verteilung von 45 000 Flugblättern verantwortlich. Wegen eines darauf wiedergegebenen Satzes von Konrad Adenauer „Sorgen wir dafür, dass wir die Mehrheit bekommen, damit wir machen können, was wir wollen!“ erschien bei ihm die K 14 – die politische Polizei – und machte eine Hausdurchsuchung, bei der sie auch eine Spendenliste fand. Im folgenden Prozess wurde er dann wegen „Staatsgefährdung, Beleidigung des Bundeskanzlers und Verstoß gegen das Sammlungsgesetz“ verurteilt, zu 450 DM Geldstrafe – was einem damaligen Monatslohn entsprach. Pankoks konsequent humanistische Haltung beeindruckte Gewerkschafter wie Malzkorn, so dass es auch zu gemeinsamen Friedensaktivitäten mit Künstlern und Kunststudenten der Akademie kam.
Chronist der Verfolgung von Sinti und Roma
Pankoks politisches Engagement wurde nach Malzkorns Vortrag auch in einem Film des Kölner Filmemachers Dietrich Schubert deutlich – Titel: „Der Maler Otto Pankok in der Eifel 1942 – 1946“. Danach war der Expressionist auch einer der wichtigsten künstlerischen Chronisten der Verfolgung von Sinti und Roma im Nationalsozialismus. Beeindruckt von dem Lebens- und Freiheitsgefühl dieser Gruppen hatte er bereits 1931 in Düsseldorf damit begonnen, viele von ihnen zu porträtieren. Nach der Machtergreifung Hitlers nutzte er die Kunst darüber hinaus, seiner Ablehnung des Nationalsozialismus Ausdruck zu verleihen. Als Stellungnahme im Kampf gegen alles, was das Leben gemein, sinnlos und eng macht, beschrieb Pankok seine Arbeit selbst und geriet so nach 1933 zunehmend ins Visier der Gestapo.
“Die Passion“
In Schuberts Film berichtet Tochter Eva Pankok, wie ihr Vater unter dem Eindruck der Torturen, die sein Malerfreund Karl Schwesig im berüchtigten Schlegelkeller in Düsseldorf erleiden musste - weil er sich an der Herstellung und Verbreitung von Flugblättern beteiligt und Verfolgten Unterschlupf gewährt hatte - seinen kämpferischen Humanismus verstärkte. Die Serie “Die Passion“ von 1933/34, in der er in sechzig Kohlezeichnungen unmissverständlich Stellung gegen die Machtergreifung und den Terror der Nationalsozialisten bezog, waren für diese reine Provokation. In einem Text des Museums Kunstpalast Düsseldorf wird dazu festgestellt: „Im traditionsreichen Gewand der Vergangenheit wird Gegenwärtiges schmerzhaft sichtbar gemacht. Der Leidensweg Christi bezieht Personen aus dem Umfeld des Künstlers ein, allen voran die mit ihm befreundeten Sinti und Roma. Pankoks Passionszyklus reicht somit weit über eine beschreibende Wiedergabe der Christusgeschichte hinaus in menschliche, politische und moralische Seinsfragen hinein. In seinen Bildern von den Opfern und Tätern einer menschenverachtenden Schreckensherrschaft hält er die Frage nach der Schuld wach.“
Als “Die Passion“ 1936 in einer Buchausgabe erschien, reagierten die Nazis, wie der Film belegt, mit Drohungen: „Wir werden ihm die Flötentöne beibringen“, und der Maler zog sich in die Abgeschiedenheit der ländlichen Regionen zurück, um dort weiter unbeobachtet arbeiten zu können. Bereits bei Kriegsbeginn 1939, so Eva Pankok im Film, habe ihr Vater erklärt: „... den gewinnt er nicht“.
“Jüdisches Schicksal“
In Pesch, wo rund 500 Kohlezeichnungen Pankoks entstanden, darunter viele Bilder des Zyklus “Jüdisches Schicksal“, versteckte die Familie in ihrer Dachkammer monatelang den befreundeten Maler Mathias Barz und dessen jüdische Frau, eine Düsseldorfer Schauspielerin, die so vor dem KZ bewahrt wurde. Im selben Haus waren zur gleichen Zeit deutsche Wehrmachtssoldaten einquartiert, die das Ehepaar trotz eines Verdachts bei einer Hausdurchsuchung nicht entdeckten.

Pankoks bekanntestes Werk - Holzschnitt
„Christus zerbricht das Gewehr“
Quelle: www.pankok.de/seiten/ausstellg.html
Angesichts seiner angeschlagenen Gesundheit zog er 1958 nach Haus Esselt bei Hünxe, wo er bis zu seinem Tod 1966 lebte. Dort ist heute das Otto Pankok-Museum, das von seiner Frau Hulda 1968 gegründet wurde, und das heute seine Tochter Eva leitet. Der interessante Nachmittag regte die Teilnehmer an, demächst eine Fahrt zu diesem Museum durchzuführen, um die gewonnenen Erkenntnisse über den Künstler und sein Werk zu vertiefen. (PK)
Online-Flyer Nr. 196 vom 06.05.2009















