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Globales
Präsident Obama löst sein Versprechen vom August 2007 ein:
Morden in Talibanistan
Von Volker Bräutigam

Quelle: NRhZ
Lange hatte sich die Regierung in Islamabad entsprechenden US-Forderungen widersetzt. Mit der Kriegsbeteiligung der pakistanischen Armee hat US-Präsident Obama gerade sein schon im Wahlkampf markiertes Etappenziel erreicht.
Er erweist sich als gleich widerwärtiger Warlord wie sein Amtsvorgänger Bush. Das war allerdings leicht vorherzusehen: Obama teilte schon am 1. August 2007 (!) im Washingtoner Woodrow-Wilson Center sein rechtsstaatsfernes Verständnis vom wünschenswerten Umgang mit “Terroristen“ mit: „Wenn wir brauchbare Erkenntnisse haben, dass es dort (gemeint: Pakistan) hochrangige Terrorismusziele gibt und (der damalige) Präsident Musharraf will nichts unternehmen, dann handeln wir selbst“ („If we have actionable intelligence about high-valued terrorist targets and President Musharraf will not act, we will.“ Washington Post, 02.08. 2007, S. 1)
Zugleich machte Obama damals bereits deutlich, wie weit die Erkenntnisbreite der USA reicht:
„In und um Pakistan gibt es möglicherweise zehntausende von Terroristen, die Amerika angreifen wollen. Deshalb ist der zweite Schritt in meiner Strategie, uns und unsere Partner instand zu setzen, die Terroristen der ganzen Welt zu fangen oder zu töten...“ („Beyond Pakistan, there's a core of terrorists -- probably in the tens of thousands -- who have made their choice to attack America. So the second step in my strategy will be to build our capacity and our partnership to track down, capture or kill terrorists around the world, ....“)
Einst angekündigt und nun exekutiert
Die USA würden unter seiner Präsidentschaft „... getarnt, beweglich und lebensgefährlich in ihrer Fähigkeit sein, Terroristen zu fangen oder zu töten („...stealth, agile, and lethal in its ability to capture or kill terrorists.“). Er werde nicht zögern, zu militärischer Gewalt zu greifen.
Viele fernöstliche Medien sprechen diese einst angekündigte und nun exekutierte Aggression unmissverständlich als kriminell an. Beispiel dafür sind die vom international renommierten Autor und Publizisten Pepe Escobar verfassten Berichte. Er verwendet zur Beschreibung des US-Terrors aussagestarke Begriffe wie „Pipelinistan“ und spricht ironisch von „Talibanistan“. (Buchveröffentlichungen u.a.: How the Globalized World is Dissolving into Liquid War, Nimble Books, 2007, und Obama does Globalistan, Nimble Books, 2009). Escobar, ein Brasilianer, arbeitet in Paris und berichtete zuvor jahrelang aus Asien für namhafte internationale Blätter wie die Asia Times. Seine Artikel werden in Peking ebenso gelesen wie in Singapur, in Delhi, Djakarta, Taipei oder Bangkok. Selbst die Berliner Bundeszentrale für Politische Bildung zitiert ihn. Die deutschen Leit-Medien allerdings kaum. Die geben sich so, als seien sie selbst im Vollbesitz aller erforderlichen Kenntnisse und Informationen.

Pepe Escobar – unabhängiger Autor und Publizist
Quelle: indymedia
Auch Escobar nannte die kriegsvorbereitende US-Kampagne gegen Pakistan („... kein zuverlässiger Partner im Kampf gegen den Taliban-Terror“), an der sich Obama mit seiner Schelte für den inzwischen gestürzten Präsidenten Musharraf beteiligt hatte, eine wohlbedachte, Hysterie schürende Lügenaffäre, vergleichbar mit der “Emser Depesche“, dem “Überfall auf den Sender Gleiwitz“, dem “Zwischenfall im Golf von Tongking“, dem “Serbischen Genozid an den Albanern“ oder den “Massenvernichtungswaffen Iraks“.
Verbrecherische Angriffskriege werden meistens damit begründet, es gelte, ein höheres Gut zu “verteidigen“.
Propaganda durch Fakten widerlegt
Escobar widerlegte die US-Propaganda gegen Pakistan allerdings mit Fakten: Mindestens 90 der 170 Millionen Pakistaner seien Punjabis, 50 Millionen Sindhi. Beide Bevölkerungsgruppen, Rückgrat der Mittelklasse in den urbanen Zentren, stellten gut 85 Prozent der Gesamtbevölkerung. Zumeist seien sie Anhänger der säkularen Pakistanischen Volkspartei (Pakistan Peoples Party, PPP) des Präsidenten Asif Ali Zardari. Absolut nichts hätten sie mit den Taliban zu tun.
Die pakistanischen Taliban, ethnisch meist Paschtunen, sind eine politisch und militärisch einflusslose Minderheit in einem kleinen nordwestlichen Grenzgebiet zu Afghanistan. Die Gegend ist Teil des Siedlungsraums der zumeist im benachbarten Afghanistan lebenden Paschtunen, die Grenze dort ist offen, ihr Verlauf nie zwischen beiden Staaten fest vereinbart worden, sondern wurde von der einstigen Kolonialmacht Großbritannien festgelegt.
Alle „Af-Paks“ (US- und NATO-Jargon) zählten kaum 10 000 Bewaffnete, und die wenigsten davon sind bei den Taliban organisiert. Sie verfügten weder über Flugzeuge, Panzer, Artillerie, motorisierte Transportmittel noch anderes schweres Militärgerät. Zu behaupten, etliche dieser unorganisierten Leichtgewichte hätten Pakistan destabilisieren und der hochgerüsteten, gegen Indien kriegserprobten pakistanischen 550 000-Mann-Armee entgegentreten können oder wollen - der sechstgrößten Militärmacht weltweit - ist lächerlich. Und wenn es eine Steigerungsform von “lächerlich“ gäbe, dann wäre damit Obamas Behauptung zu qualifizieren, die pakistanischen Taliban wollten die USA angreifen.
Es deutet nichts darauf hin, dass die pakistanischen Taliban Mittel, Fähigkeiten und Absichten hätten, irgendein Ziel außerhalb Afghanistans oder Pakistans anzugreifen bzw. Beiträge zum “internationalen Terrorismus“ zu leisten. Escobar: „Ein Mythos.“ Die Unterstellung, die Taliban könnten die Geheimcodes zu Pakistans Atomwaffenarsenal knacken (am 6.5. wieder von Klaus Kleber im heute journal des ZDF angedeutet) ist absoluter Quatsch. Die meisten Taliban sind Analphabeten. Obama bestätigte sogar einmal selbst, die Atomwaffen Pakistans seien vorm Taliban-Zugriff sicher.
“Rebellen“ oder zivile Opfer?
In dem Gebiet, das nun auch Pakistans Armee auf US-Druck hin bombardiert, in Malakand an der Grenze zur afghanischen Provinz Kunar, stehen laut Asia Times weniger als 500 kampfwillige Mitglieder der Tehrik-e Taliban-e Pakistan (TTP). Ihr Aktionsraum liegt in Reichweite der NATO, speziell der Bundeswehr. Berichte, Pakistans Armee habe inzwischen schon mehr als 700 “Rebellen“ getötet, kaschieren allenfalls die hohe Zahl ziviler Opfer dieses Krieges. In den Bombardements sterben meist paschtunische Zivilisten, viel seltener paschtunische Taliban. Eine Massenflucht hat deshalb begonnen, Hunderttausende müssen Schutz außerhalb ihrer Heimatorte suchen.
Die Folge der Katastrophe: Islamabad verliert nicht nur den Rückhalt in der Paschtunen-Minderheit, nicht nur seinen wertvollen Einfluss auf Afghanistan. Die Regierung bringt so nach und nach die Mehrheit aller Pakistaner gegen sich auf. Von den USA bestellte Bombenwürfe auf die eigenen Landsleute als notwendigen “Kampf gegen den Terrorismus“ auszugeben, das überzeugt auch pakistanische Wähler nicht. Die pakistanische Regierung hat vormals jene nordwestlichste Provinz, dieses “Talibanistan“, als einen aufs pakistanische Staatsgebiet herüberreichenden kleinen Zipfel des vielfach größeren afghanischen Paschtunen-Stammlands sehr bedachtsam zurückhaltend verwaltet und sich damit Respekt und Einfluss im Nachbarstaat erworben. Doch das war einmal.
Die gegenwärtig vorangetriebene systematische Destabilisierung ist Teil des geostrategischen Konzepts der USA: Das islamische Pakistan mit seiner atomar abgesicherten Rest-Souveränität ist nicht mehr als Verbündeter genehm. Die US-Regierung will in Pakistan nach Belieben schalten und walten.
Wegbereiter
Obamas Wegbereiter ist schon in Islamabad: Richard Holbrooke. Ein alter Bekannter. Er gehört zur ersten Garnitur von unter Clinton und Bush herangezüchteten diplomatischen Ganoven. War für die Zerschlagung Jugoslawiens zuständig, zog die Strippen für den Georgien-Krieg, organisierte vor Jahren die Vertreibung des demokratisch gewählten Präsidenten Aristide aus Haiti und trainierte erst jüngst einen seiner Kumpane, Botschafter Goldberg, für dessen Subversion in Bolivien (s. Wolf Gauer, „Nach der Schonzeit“, NRhZ, 1.10. 2008, http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12964).
Der Schluss ist erlaubt, dass Holbrooke die ethnischen Unterschiede in Pakistan genauso nutzt, wie er das schon in Jugoslawien machte: Menschen gegeneinander aufstacheln bis zum Bürgerkrieg. Teile und herrsche. Von Pakistan aus kann man die Nachbarn im Norden, die VR China und Russland, noch enger einkreisen und zugleich ganz Südostasien kontrollieren. Die USA hätten damit Zugriff auf die reichsten Öl-, Erz- und Wasservorkommen der Erde. Und hier leben die meisten Menschen dieser Welt. Hier entwickeln sich die “Märkte“ der Zukunft.
Dauergewäsch der Medien
Es wäre die Pflicht der deutschen Staats- und Leitmedien, entsprechend sachgerecht über die Kriegspolitik der USA, Deutschlands und ihrer Verbündeten zu berichten, statt uns mit Dauergewäsch über Wiederaufbauhilfe der Bundeswehr in Afghanistan zu belästigen. Unermüdlich einzufordern hätten die Medien die längst unterlassene öffentliche Rechtfertigung der Berliner Regierung: Weil die Merkel-Steinmeier-Jung-Schäuble-Clique völkerrechtswidrig eine Besatzungstruppe in Afghanistan stationiert und im Bündnis mit NATO und US-Militär im Mittleren Osten ein Terrorregime ausübt.
Doch statt sich ein Beispiel an den Medien vieler weit weniger „freier“ asiatischer Länder zu nehmen, lassen unsere deutschen Mainstreamer lieber buchstäblich die Sau raus - und „informieren“ über allenfalls hypothetische Pandemiegefahren einer “Schweinegrippe“. Das nützt der Pharmaindustrie. Und lenkt ab vom realen Morden und Sterben:
“Schweinegrippe“: Weltweit 51 Todesfälle (WHO-nachgewiesen).
Hunger und seine Folgen: Täglich 600 000 Tote (FAO-Schätzung).
Krieg in Pakistan: In den vergangene zwölf Monaten mindestens 1.500 Tote.
Bedauerlich nur, dass man diesen Faktenkatalog nicht unseren moralischen Versagern in Regierung, Parlament, Fernseh-, Funk- und Pressehäusern um die Ohren schlagen kann. (PK)
Eine Kurzfassung dieses Artikels erschien in der Politikzeitschrift Ossietzky.
Online-Flyer Nr. 198 vom 20.05.2009
Präsident Obama löst sein Versprechen vom August 2007 ein:
Morden in Talibanistan
Von Volker Bräutigam

Quelle: NRhZ
Er erweist sich als gleich widerwärtiger Warlord wie sein Amtsvorgänger Bush. Das war allerdings leicht vorherzusehen: Obama teilte schon am 1. August 2007 (!) im Washingtoner Woodrow-Wilson Center sein rechtsstaatsfernes Verständnis vom wünschenswerten Umgang mit “Terroristen“ mit: „Wenn wir brauchbare Erkenntnisse haben, dass es dort (gemeint: Pakistan) hochrangige Terrorismusziele gibt und (der damalige) Präsident Musharraf will nichts unternehmen, dann handeln wir selbst“ („If we have actionable intelligence about high-valued terrorist targets and President Musharraf will not act, we will.“ Washington Post, 02.08. 2007, S. 1)
Zugleich machte Obama damals bereits deutlich, wie weit die Erkenntnisbreite der USA reicht:
„In und um Pakistan gibt es möglicherweise zehntausende von Terroristen, die Amerika angreifen wollen. Deshalb ist der zweite Schritt in meiner Strategie, uns und unsere Partner instand zu setzen, die Terroristen der ganzen Welt zu fangen oder zu töten...“ („Beyond Pakistan, there's a core of terrorists -- probably in the tens of thousands -- who have made their choice to attack America. So the second step in my strategy will be to build our capacity and our partnership to track down, capture or kill terrorists around the world, ....“)
Einst angekündigt und nun exekutiert
Die USA würden unter seiner Präsidentschaft „... getarnt, beweglich und lebensgefährlich in ihrer Fähigkeit sein, Terroristen zu fangen oder zu töten („...stealth, agile, and lethal in its ability to capture or kill terrorists.“). Er werde nicht zögern, zu militärischer Gewalt zu greifen.
Viele fernöstliche Medien sprechen diese einst angekündigte und nun exekutierte Aggression unmissverständlich als kriminell an. Beispiel dafür sind die vom international renommierten Autor und Publizisten Pepe Escobar verfassten Berichte. Er verwendet zur Beschreibung des US-Terrors aussagestarke Begriffe wie „Pipelinistan“ und spricht ironisch von „Talibanistan“. (Buchveröffentlichungen u.a.: How the Globalized World is Dissolving into Liquid War, Nimble Books, 2007, und Obama does Globalistan, Nimble Books, 2009). Escobar, ein Brasilianer, arbeitet in Paris und berichtete zuvor jahrelang aus Asien für namhafte internationale Blätter wie die Asia Times. Seine Artikel werden in Peking ebenso gelesen wie in Singapur, in Delhi, Djakarta, Taipei oder Bangkok. Selbst die Berliner Bundeszentrale für Politische Bildung zitiert ihn. Die deutschen Leit-Medien allerdings kaum. Die geben sich so, als seien sie selbst im Vollbesitz aller erforderlichen Kenntnisse und Informationen.

Pepe Escobar – unabhängiger Autor und Publizist
Quelle: indymedia
Auch Escobar nannte die kriegsvorbereitende US-Kampagne gegen Pakistan („... kein zuverlässiger Partner im Kampf gegen den Taliban-Terror“), an der sich Obama mit seiner Schelte für den inzwischen gestürzten Präsidenten Musharraf beteiligt hatte, eine wohlbedachte, Hysterie schürende Lügenaffäre, vergleichbar mit der “Emser Depesche“, dem “Überfall auf den Sender Gleiwitz“, dem “Zwischenfall im Golf von Tongking“, dem “Serbischen Genozid an den Albanern“ oder den “Massenvernichtungswaffen Iraks“.
Verbrecherische Angriffskriege werden meistens damit begründet, es gelte, ein höheres Gut zu “verteidigen“.
Propaganda durch Fakten widerlegt
Escobar widerlegte die US-Propaganda gegen Pakistan allerdings mit Fakten: Mindestens 90 der 170 Millionen Pakistaner seien Punjabis, 50 Millionen Sindhi. Beide Bevölkerungsgruppen, Rückgrat der Mittelklasse in den urbanen Zentren, stellten gut 85 Prozent der Gesamtbevölkerung. Zumeist seien sie Anhänger der säkularen Pakistanischen Volkspartei (Pakistan Peoples Party, PPP) des Präsidenten Asif Ali Zardari. Absolut nichts hätten sie mit den Taliban zu tun.
Die pakistanischen Taliban, ethnisch meist Paschtunen, sind eine politisch und militärisch einflusslose Minderheit in einem kleinen nordwestlichen Grenzgebiet zu Afghanistan. Die Gegend ist Teil des Siedlungsraums der zumeist im benachbarten Afghanistan lebenden Paschtunen, die Grenze dort ist offen, ihr Verlauf nie zwischen beiden Staaten fest vereinbart worden, sondern wurde von der einstigen Kolonialmacht Großbritannien festgelegt.
Alle „Af-Paks“ (US- und NATO-Jargon) zählten kaum 10 000 Bewaffnete, und die wenigsten davon sind bei den Taliban organisiert. Sie verfügten weder über Flugzeuge, Panzer, Artillerie, motorisierte Transportmittel noch anderes schweres Militärgerät. Zu behaupten, etliche dieser unorganisierten Leichtgewichte hätten Pakistan destabilisieren und der hochgerüsteten, gegen Indien kriegserprobten pakistanischen 550 000-Mann-Armee entgegentreten können oder wollen - der sechstgrößten Militärmacht weltweit - ist lächerlich. Und wenn es eine Steigerungsform von “lächerlich“ gäbe, dann wäre damit Obamas Behauptung zu qualifizieren, die pakistanischen Taliban wollten die USA angreifen.
Es deutet nichts darauf hin, dass die pakistanischen Taliban Mittel, Fähigkeiten und Absichten hätten, irgendein Ziel außerhalb Afghanistans oder Pakistans anzugreifen bzw. Beiträge zum “internationalen Terrorismus“ zu leisten. Escobar: „Ein Mythos.“ Die Unterstellung, die Taliban könnten die Geheimcodes zu Pakistans Atomwaffenarsenal knacken (am 6.5. wieder von Klaus Kleber im heute journal des ZDF angedeutet) ist absoluter Quatsch. Die meisten Taliban sind Analphabeten. Obama bestätigte sogar einmal selbst, die Atomwaffen Pakistans seien vorm Taliban-Zugriff sicher.
“Rebellen“ oder zivile Opfer?
In dem Gebiet, das nun auch Pakistans Armee auf US-Druck hin bombardiert, in Malakand an der Grenze zur afghanischen Provinz Kunar, stehen laut Asia Times weniger als 500 kampfwillige Mitglieder der Tehrik-e Taliban-e Pakistan (TTP). Ihr Aktionsraum liegt in Reichweite der NATO, speziell der Bundeswehr. Berichte, Pakistans Armee habe inzwischen schon mehr als 700 “Rebellen“ getötet, kaschieren allenfalls die hohe Zahl ziviler Opfer dieses Krieges. In den Bombardements sterben meist paschtunische Zivilisten, viel seltener paschtunische Taliban. Eine Massenflucht hat deshalb begonnen, Hunderttausende müssen Schutz außerhalb ihrer Heimatorte suchen.
Die Folge der Katastrophe: Islamabad verliert nicht nur den Rückhalt in der Paschtunen-Minderheit, nicht nur seinen wertvollen Einfluss auf Afghanistan. Die Regierung bringt so nach und nach die Mehrheit aller Pakistaner gegen sich auf. Von den USA bestellte Bombenwürfe auf die eigenen Landsleute als notwendigen “Kampf gegen den Terrorismus“ auszugeben, das überzeugt auch pakistanische Wähler nicht. Die pakistanische Regierung hat vormals jene nordwestlichste Provinz, dieses “Talibanistan“, als einen aufs pakistanische Staatsgebiet herüberreichenden kleinen Zipfel des vielfach größeren afghanischen Paschtunen-Stammlands sehr bedachtsam zurückhaltend verwaltet und sich damit Respekt und Einfluss im Nachbarstaat erworben. Doch das war einmal.
Die gegenwärtig vorangetriebene systematische Destabilisierung ist Teil des geostrategischen Konzepts der USA: Das islamische Pakistan mit seiner atomar abgesicherten Rest-Souveränität ist nicht mehr als Verbündeter genehm. Die US-Regierung will in Pakistan nach Belieben schalten und walten.
Wegbereiter
Obamas Wegbereiter ist schon in Islamabad: Richard Holbrooke. Ein alter Bekannter. Er gehört zur ersten Garnitur von unter Clinton und Bush herangezüchteten diplomatischen Ganoven. War für die Zerschlagung Jugoslawiens zuständig, zog die Strippen für den Georgien-Krieg, organisierte vor Jahren die Vertreibung des demokratisch gewählten Präsidenten Aristide aus Haiti und trainierte erst jüngst einen seiner Kumpane, Botschafter Goldberg, für dessen Subversion in Bolivien (s. Wolf Gauer, „Nach der Schonzeit“, NRhZ, 1.10. 2008, http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12964).
Der Schluss ist erlaubt, dass Holbrooke die ethnischen Unterschiede in Pakistan genauso nutzt, wie er das schon in Jugoslawien machte: Menschen gegeneinander aufstacheln bis zum Bürgerkrieg. Teile und herrsche. Von Pakistan aus kann man die Nachbarn im Norden, die VR China und Russland, noch enger einkreisen und zugleich ganz Südostasien kontrollieren. Die USA hätten damit Zugriff auf die reichsten Öl-, Erz- und Wasservorkommen der Erde. Und hier leben die meisten Menschen dieser Welt. Hier entwickeln sich die “Märkte“ der Zukunft.
Dauergewäsch der Medien
Es wäre die Pflicht der deutschen Staats- und Leitmedien, entsprechend sachgerecht über die Kriegspolitik der USA, Deutschlands und ihrer Verbündeten zu berichten, statt uns mit Dauergewäsch über Wiederaufbauhilfe der Bundeswehr in Afghanistan zu belästigen. Unermüdlich einzufordern hätten die Medien die längst unterlassene öffentliche Rechtfertigung der Berliner Regierung: Weil die Merkel-Steinmeier-Jung-Schäuble-Clique völkerrechtswidrig eine Besatzungstruppe in Afghanistan stationiert und im Bündnis mit NATO und US-Militär im Mittleren Osten ein Terrorregime ausübt.
Doch statt sich ein Beispiel an den Medien vieler weit weniger „freier“ asiatischer Länder zu nehmen, lassen unsere deutschen Mainstreamer lieber buchstäblich die Sau raus - und „informieren“ über allenfalls hypothetische Pandemiegefahren einer “Schweinegrippe“. Das nützt der Pharmaindustrie. Und lenkt ab vom realen Morden und Sterben:
“Schweinegrippe“: Weltweit 51 Todesfälle (WHO-nachgewiesen).
Hunger und seine Folgen: Täglich 600 000 Tote (FAO-Schätzung).
Krieg in Pakistan: In den vergangene zwölf Monaten mindestens 1.500 Tote.
Bedauerlich nur, dass man diesen Faktenkatalog nicht unseren moralischen Versagern in Regierung, Parlament, Fernseh-, Funk- und Pressehäusern um die Ohren schlagen kann. (PK)
Eine Kurzfassung dieses Artikels erschien in der Politikzeitschrift Ossietzky.
Online-Flyer Nr. 198 vom 20.05.2009















