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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Aktuelles
Menschenrechtler berichten über US-amerikanische Vernehmungsmethoden
Dutzende Häftlinge umgebracht
Von John Byrne

US-Vernehmer sollen nach dem Bericht eines Menschenrechtlers, der sich auf einen Report der US-Menschenrechtsgruppe HUMAN RIGHTS FIRST und weitere Recherchen beruft, während und nach Verhören fast vier Dutzend Häftlinge umgebracht haben. Insgesamt sind danach 98 Häftlinge in US-Haft gestorben. Vierunddreißig der Todesopfer wurden ermordet, mindestens acht – wahrscheinlich sogar zwölf – zu Tode gefoltert. Die Ursachen 48 weiterer Todesfälle sind noch ungeklärt. – Die Redaktion

Vor allem in Afghanistan und im Irak
 
John Sifton, der die Nachforschungen anstellte, arbeitete fünf Jahre lang für HUMAN RIGHTS WATCH (eine andere US-Menschenrechtsgruppe). In einem am Dienstag veröffentlichten Bericht dokumentiert er viele Fälle von Häftlingen, die unter den Händen ihrer US-Vernehmer starben. Die meisten Gefangenen wurden in Afghanistan und im Irak getötet. Unter ihnen befindet
sich mindestens ein afghanischer Soldat – Jamal Naseer – der 2004 irrtümlich verhaftet wurde. „Gefangene, die mit Naseer eingesperrt waren, sagten später aus, sie seien während der Verhöre von US-Wärtern geschlagen und getreten, kopfüber aufgehängt und mit mit Stöcken oder Kabelenden ausgepeitscht worden", schreibt Sifton. „Einige berichteten, man habe sie mit kaltem Wasser übergossen und gezwungen, im Schnee liegen zu bleiben.
 
Beweise wegredigiert
 
Naseer kollabierte etwa zwei Wochen nach der Verhaftung; er hatte über Magenschmerzen geklagt, die wahrscheinlich durch innere Blutungen verursacht wurden. Ein weiterer Mord in Afghanistan geschah im Jahr 2002. Mohammad Sayari wurde von vier US-Soldaten getötet, weil er angeblich „ihre Bewegungen überwacht" hatte. In einem Pentagon-Dokument, das die AMERICAN CIVIL LIBERTIES UNION (die Amerikanische Union für Bürger-Freiheiten) bereits 2005 erhielt, bestätigt das Verteidigungsministerium, dass ein Captain (Hauptmann) und drei Sergeants (Unteroffiziere) Sayari "ermordet" haben, aber die Passage über das Untersuchungsergebnis wurde inzwischen redigiert. Der vielleicht makaberste Fall ereignete sich im Irak; er wurde im Report von HUMAN RIGHTS FIRST dokumentiert.
 
Strangulierung nicht nachprüfbar gemacht
 
„Nagem Sadoon Hatab…ein 52-jähriger Iraker, wurde in US-Gewahrsam in einem Gefangenenlager in der Nähe von Nassirija getötet", heißt es im Report der Gruppe. „Obwohl ein medizinischer Sachverständiger der US-Army herausfand, dass Hatab durch Strangulierung gestorben war, wurde Hatabs Körper – der Beweis, mit dem man die für seinen Tod Verantwortlichen hätte anklagen können – dem Gericht in unbrauchbarem Zustand ausgehändigt. Hatabs innere Organe hatte man stundenlang auf dem Beton des Flughafens liegen lassen, damit die glühenden Hitze Bagdads sie zerstörte; die Halswirbel, mit denen die von dem medizinischen Prüfer festgestellte Strangulierung hätte belegt werden können, wurden niemals gefunden."
 
"Strafe“ für Tod eines Generals
 
In einem anderen Fall wurde ein ehemaliger irakischer General von US-Soldaten geschlagen und erstickt. Der US-Offizier, dem der Mord angelastet wurde, erhielt nur eine Art "Hausarrest" von 60 Tagen. Hierzu HUMAN RIGHTS FIRST: „Abed Hamed Mowhoush, ein ehemaliger irakischer General, wurde tagelang von Soldaten der US-Army, von CIA-Agenten und anderen nichtmilitärischen Personen geschlagen in einen Schlafsack gezwängt, mit einem Elektrokabel umwickelt und zu Tode erstickt… In der kürzlich abgeschlossenen Gerichtsverhandlung erhielt ein Offizier der unteren Ränge, der für den Tod des Generals Mowhoush verantwortlich gemacht wurde, einen schriftlichen Verweis und eine Geldstrafe. Außerdem wurde er 60 Tage in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt: Er durfte nur zur Arbeit, nach Hause und in die Kirche gehen.
 
Keine Autopsie
 
Ein anderer irakischer Mann wurde laut HUMAN RIGHTS FIRST 2003 in einem US-Gefängnis in Mosul ermordet: „In der Haft wurden gegen Kenami, um ihn zum Sprechen zu bringen, sofort disziplinarische Maßnahmen ergriffen; er wurde zu extrem anstrengenden körperlichen Übungen gezwungen – eine Praxis die in Afghanistan und im Irak üblich war. Dann band man ihm die Hände mit Plastikfesseln auf den Rücken, stülpte ihm eine Kapuze über den Kopf und zwang ihn, sich in einer überfüllten Zelle auf den Boden zu legen. Kenami wurde am Morgen nach seiner Einlieferung – immer noch gefesselt und mit der Kapuze über dem Kopf – tot aufgefunden. Es fand keine Autopsie und keine offizielle Feststellung der Todesursache statt. Nach dem Abu Ghraib-Skandal wurde angeordnet, Kenamis Tod zu untersuchen; die Prüfer der Army kritisierten, dass keine Autopsie durchgeführt worden war; Vernehmer, Sanitäter und Häftlinge, die Kenamis Tod miterlebt hatten, sollten befragt und eventuell noch vorhandene Beweisstücke gesichert werden. Bis heute hat die Army aber nichts unternommen, um den Fall aufzuklären." (PK)

 
Mehr erfahren Sie unter http://rawstory.com/08/news/2009/05/06/us-interrogators-killed-dozens-human-rights-re-searcher-and-rights-group-say/ 
Die Website von HUMAN RIGHTS FIRST finden Sie unter http://www.humanrights-first.org/us_law/etn/dic/index.asp
Der komplette Report steht als pdf-Datei unter http://www.humanrightsfirst.info/pdf/06221-etn-hrf-dic-rep-web.pdf zur Verfügung.

Informationen zu John Byrne, dem Gründer und Herausgeber der US-Website THE RAW STORY sind zu finden unter http://www.rawstory.com/, darunter ein lesenswertes Interview, das er bereits 2007 gegeben hat. Siehe http://www.motherjones.com/politics/2007/06/interview-john-byrne-editor-and-founder-rawstorycom

Übersetzt wurde der Text von den Friedenspolitischen Mitteilungen aus der   US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein.

 
 
 

Online-Flyer Nr. 198  vom 20.05.2009



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