SUCHE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Kultur und Wissen
Der literarische Underdog Jörg Fauser ist 2009 so präsent wie nie
Am Rand der Wörter
Von Amir Shaheen
In Bad Schwalbach/Taunus geboren, erlebte Fauser in Frankfurt Straßenkampf und Hausbesetzungen und formulierte schon damals seine ganz eigene, durchaus nicht immer konforme Meinung zu diesen Ereignissen. Jahre später hat er sie aufgeschrieben in seinem vielleicht wichtigsten, weil eindrucksvollsten und zugleich humorvollen autobiographischen Roman „Rohstoff“. Der Weg vom Junkie zum Schriftsteller, der er unbedingt werden wollte, führt durch bundesdeutsche Wirklichkeit, wie sie Fauser einzigartig einfangen und darstellen konnte. Mittenmang dabei und zugleich doch immer kritischer Beobachter all dessen, was um ihn herum passierte.

Jörg Fauser in Berlin
2009 ist Fauser präsent wie selten zuvor und endlich angekommen, wo er zu Lebzeiten keinen Platz fand. Inmitten seiner literarischen Vorbilder wie Eric Ambler oder Raymond Chandler hat er nun beim Diogenes Verlag eine neue Heimat gefunden. Zu danken ist dies dem Berliner Verleger Alexander Wewerka, der sich zur Aufgabe gemacht hat, Fausers Werk komplett, und das heißt so vollständig wie nur irgend möglich – neu herauszugeben. Die neunbändige Gesamtausgabe, die erstmals viele bisher unveröffentlichte oder verstreut erschienene Arbeiten Fausers beinhaltet, wurde im Frühjahr mit einem dicken Band abgeschlossen. Darin finden sich Fausers gesammelte journalistische Arbeiten, und zwar restlos alles, was er als Journalist publiziert hat. Darunter etliche Hörfunkmanuskripte. Für die Taschenbuchausgabe, die am 16. Juli, Fausers 65. Geburtstag, erschien, konnte Wewerka den Zürcher Diogenes Verlag gewinnen.
Die neun Bände im Schuber (die auch einzeln erhältlich sind) entsprechen der Hardcover-Ausgabe. Sämtliche Interviews mit Zeitgenossen und Weggefährten, Vor- und Nachworte sind enthalten, lediglich die journalistischen Arbeiten wurden auf etwa ein Viertel der Originalausgabe abgespeckt. Im obligatorischen Diogenes-Weiß lehnt sich die Gestaltung an die Rogner & Bernhard-Werkausgabe der Neunzigerjahre an: Jeden Titel ziert ein Schwarzweißfoto aus Fausers Privatarchiv oder, im Falle des „Schneemann“, ein Szenenfoto von Marius Müller-Westernhagen aus dem gleichnamigen Film von Peter F. Bringmann.
Nachdem ich die druckfrische Taschenbuchausgabe erhalten hatte, nahm ich eine alte RORORO-Ausgabe des „Schneemann“ aus dem Regal. Heraus fiel der Flyer einer Veranstaltung anlässlich des zehnten Todestages von Jörg Fauser, die ich 1997 organisiert und mit einigen Kölner Kollegen in einem Ehrenfelder Theater durchgeführt hatte. Einer von ihnen war Jens Hagen. Jens hatte Fauser zu Zeiten der WDR-„Radiothek“ kennengelernt und sich das Buch von mir zur Vorbereitung erbeten. Auf der Rückseite des Flyers hatte er einen Haiku notiert. Ob der durch die Auseinandersetzung mit Fauser inspiriert wurde oder schon vorher existierte und Jens ihn am Abend vorgetragen hat, vermag ich nicht zu sagen. Jens, der vor fünf Jahren starb und dieses Jahr ebenfalls 65 geworden wäre, fasst darin zusammen, was für beide gleichermaßen Gültigkeit hatte. Und noch immer hat:
Was für ein Leben:
Jeden Tag Abenteuer
Am Rand der Wörter.
Das Foto von Jörg Fauser wurde freundlicherweise vom Alexander Verlag Berlin zur Verfügung gestellt.
(GW)
Online-Flyer Nr. 209 vom 05.08.2009
Der literarische Underdog Jörg Fauser ist 2009 so präsent wie nie
Am Rand der Wörter
Von Amir Shaheen
In Bad Schwalbach/Taunus geboren, erlebte Fauser in Frankfurt Straßenkampf und Hausbesetzungen und formulierte schon damals seine ganz eigene, durchaus nicht immer konforme Meinung zu diesen Ereignissen. Jahre später hat er sie aufgeschrieben in seinem vielleicht wichtigsten, weil eindrucksvollsten und zugleich humorvollen autobiographischen Roman „Rohstoff“. Der Weg vom Junkie zum Schriftsteller, der er unbedingt werden wollte, führt durch bundesdeutsche Wirklichkeit, wie sie Fauser einzigartig einfangen und darstellen konnte. Mittenmang dabei und zugleich doch immer kritischer Beobachter all dessen, was um ihn herum passierte.

Jörg Fauser in Berlin
2009 ist Fauser präsent wie selten zuvor und endlich angekommen, wo er zu Lebzeiten keinen Platz fand. Inmitten seiner literarischen Vorbilder wie Eric Ambler oder Raymond Chandler hat er nun beim Diogenes Verlag eine neue Heimat gefunden. Zu danken ist dies dem Berliner Verleger Alexander Wewerka, der sich zur Aufgabe gemacht hat, Fausers Werk komplett, und das heißt so vollständig wie nur irgend möglich – neu herauszugeben. Die neunbändige Gesamtausgabe, die erstmals viele bisher unveröffentlichte oder verstreut erschienene Arbeiten Fausers beinhaltet, wurde im Frühjahr mit einem dicken Band abgeschlossen. Darin finden sich Fausers gesammelte journalistische Arbeiten, und zwar restlos alles, was er als Journalist publiziert hat. Darunter etliche Hörfunkmanuskripte. Für die Taschenbuchausgabe, die am 16. Juli, Fausers 65. Geburtstag, erschien, konnte Wewerka den Zürcher Diogenes Verlag gewinnen.
Die neun Bände im Schuber (die auch einzeln erhältlich sind) entsprechen der Hardcover-Ausgabe. Sämtliche Interviews mit Zeitgenossen und Weggefährten, Vor- und Nachworte sind enthalten, lediglich die journalistischen Arbeiten wurden auf etwa ein Viertel der Originalausgabe abgespeckt. Im obligatorischen Diogenes-Weiß lehnt sich die Gestaltung an die Rogner & Bernhard-Werkausgabe der Neunzigerjahre an: Jeden Titel ziert ein Schwarzweißfoto aus Fausers Privatarchiv oder, im Falle des „Schneemann“, ein Szenenfoto von Marius Müller-Westernhagen aus dem gleichnamigen Film von Peter F. Bringmann.
Nachdem ich die druckfrische Taschenbuchausgabe erhalten hatte, nahm ich eine alte RORORO-Ausgabe des „Schneemann“ aus dem Regal. Heraus fiel der Flyer einer Veranstaltung anlässlich des zehnten Todestages von Jörg Fauser, die ich 1997 organisiert und mit einigen Kölner Kollegen in einem Ehrenfelder Theater durchgeführt hatte. Einer von ihnen war Jens Hagen. Jens hatte Fauser zu Zeiten der WDR-„Radiothek“ kennengelernt und sich das Buch von mir zur Vorbereitung erbeten. Auf der Rückseite des Flyers hatte er einen Haiku notiert. Ob der durch die Auseinandersetzung mit Fauser inspiriert wurde oder schon vorher existierte und Jens ihn am Abend vorgetragen hat, vermag ich nicht zu sagen. Jens, der vor fünf Jahren starb und dieses Jahr ebenfalls 65 geworden wäre, fasst darin zusammen, was für beide gleichermaßen Gültigkeit hatte. Und noch immer hat:
Was für ein Leben:
Jeden Tag Abenteuer
Am Rand der Wörter.
Das Foto von Jörg Fauser wurde freundlicherweise vom Alexander Verlag Berlin zur Verfügung gestellt.
(GW)
Online-Flyer Nr. 209 vom 05.08.2009














