SUCHE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Kultur und Wissen
Hunderte Millionen Menschen können nicht lesen und schreiben
Lesefest am Bodensee
Von Gisela Segieth

Quelle: Papierfresserchen MTM-Verlag
Das Programm zum Lesefest am Bodensee liest sich richtig gut, doch ist „Leseförderung“ heute überhaupt noch nötig? Ist es denn nicht längst selbstverständlich geworden lesen und schreiben zu können, wo es doch schon vor drei Jahrhunderten in Preußen die allgemeine Schulpflicht für Kinder eingeführt wurde? Diese Fragen kann man nur mit „Ja“ und „Nein“ beantworten, denn allein in Köln, wo der an der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ beteiligte DuMont Reiseverlag sitzt, leben heute rund 47.000 „funktionale Analphabeten“(3).

Quelle: Bundesverband
Alphabetisierung und
Grundbildung e.V.(4)
Auch funktionale Analphabeten sind zwar in der Regel ihrer Schulpflicht nachgekommen, dennoch sind sie nicht in der Lage, viel mehr als ihren Namen zu schreiben und zu lesen. Sie führen ein Schattendasein, die täglichen Auswirkungen des Lese- und Schreibdefizits sind gravierend. So gut wie niemand kommt heute mehr ohne diese Fähigkeiten aus - schließlich werden sie fast überall benötigt, im privaten Bereich ebenso wie bei der Arbeit oder dem Gang zu Behörden. Dennoch verschweigen die Betroffenen - soweit es irgend geht - ihre Schwächen und verlassen sich darauf, die für sie nötigen Informationen von anderen Menschen zu erhalten, sofern sie nicht ganz darauf verzichten. Allerdings kann eine einzige Anweisung am Arbeitsplatz, die nicht richtig verstanden und umgesetzt wird, manchmal zum Desaster führen.

Quelle: vonrabenberg.ch
Die Betroffenen fürchten sich vor Diskriminierung und Ausgrenzung und trauen sich deshalb meist nicht sie zu-zugeben. Deshalb erkennt man sie auch nur selten, und wenn, dann irrten sie bereits viele Jahre durch ein Leben ohne Texte. Aber nicht nur in Köln gibt es „funktionale Analphabeten“. In Deutschland leben schätzungsweise vier Millionen Menschen, die kaum lesen und schreiben können, und weltweit gehören heute ca. 776 Millionen Menschen zu den Analphabeten.
Nicht alle diese Menschen haben sich durch die Schulzeit gemogelt, denn: "Viele Kinder müssten schon in der ersten Klasse einzeln und gezielter gefördert werden, um zu verhindern, dass sie später funktionale Analphabeten werden", teilte Marion Döbert vom UNESCO-Institut für lebenslanges Lernen in Hamburg der ARD, anlässlich des „Weltalphabetisierungstages“, am 8. September 2009 mit.(5)
Leider arbeitet allerdings die Musikszene manchmal in voller Absicht mit einer falschen Grammatik. Zum Beispiel singt DJ Ötzi in seinem Lied ganz bewusst statt „Einen Stern, der deinen Namen trägt, den schenk ich dir…“ „Ein Stern, der deinen Namen trägt …“(6), was er noch am vergangenen Freitagabend in der „Ultimativen Chart Show“ bei RTL selbst bestätigte. So etwas trägt garantiert nicht zur richtigen Grammatik der Analphabeten bei. Zu hoffen bleibt, dass solche „grammatikalischen Ausreißer“ die Ausnahme bleiben mögen.
„Sekundäre Analphabeten“.
Doch nicht alle Betroffenen haben eine Schreib- und Leseschwäche weil sie nie richtig lesen und schreiben lernten. Viele von ihnen haben das durchaus einmal gelernt, taten es aber nach ihrer Schulzeit nicht mehr. Deshalb verlernten sie es mit der Zeit, so wie man auch eine Fremdsprache verlernen kann, wenn man sie nicht regelmäßig trainiert. Man nennt sie deshalb „sekundäre Analphabeten“. Diese Menschen können zwar lesen, haben aber eine ganz massive Schreibschwäche, was seine Gründe vor allem in der zunehmenden Ablösung der Schrift- und Printmedien durch Bildschirmmedien und Telefon beziehungsweise Handy hat.
Allen jedoch ist gemeinsam, dass sie nicht im Abseits bleiben müssen, sondern in jedem Alter durch entsprechende Angebote der Weiterbildungsträger ihre Defizite ausgleichen können. Nur sind diese Angebote für viele Betroffene finanziell kaum zu schultern, da gerade die von „Analphabetismus“ Betroffenen meist auch zu den finanziell sehr schlecht gestellten Menschen innerhalb unserer Gesellschaft zählen.

Quelle: www.Buchmesse.de
Umso wichtiger ist die Arbeit des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung e.V., der seinen Grundstein bereits im Jahr 1984 als „Schreibwerkstatt für neue Leser und Schreiber e.V.“ legte und heute bereits fünfhundert Mitglieder hat, bestehend aus natürlichen Personen und Institutionen. Er ist in Deutschland die größte Initiative zur Bekämpfung der Lese- und Schreibschwäche und wird von der Bundesregierung und vielen anderen gestützt, um dazu beizutragen, dass sich niemand abschreibt, sondern dass jeder, der in Deutschland noch nicht lesen und schreiben kann, dies endlich lernt.
Die meisten Analphabeten gibt es natürlich in den Armutsländern der Dritten Welt, wo auch heute noch Lesen und Schreiben meist ein Privileg wohlhabender Menschen ist. Und da noch längst nicht alle Menschen in allen Ländern dieser Erde den gleichen Stellenwert besitzen, trifft die Lese- und Schreibschwäche dort annähernd zwei Drittel aller Frauen.
776 Millionen Analphabeten weltweit
Eine Erhebung im Jahr 2000 brachte die traurige Bilanz von ca. 862 Millionen Analphabeten weltweit, weshalb sich damals die Vereinten Nationen unter Kofi Annan in New York dazu entschlossen, die Zeit zwischen 2003 und 2012 zur „Weltdekade Alphabetisierung“ zu erklären und sich vornahmen, die Zahl der Analphabeten bis zum Jahr 2015 zu halbieren.
Doch obwohl seither viele Millionen Euro in diesen Bereich flossen, sind wir jetzt, in der Halbzeit dieser „Weltdekade“, mit ca. 776 Millionen Analphabeten immer noch meilenweit von deren Ziel entfernt. Im Gegenteil. Gerade deshalb ist es umso wichtiger, weiter auf dieses Ziel hin zu arbeiten. Denn Analphabetismus und Armut gehen allzu oft Hand in Hand. Umso wichtiger ist es zu zeigen, wie viel Freude es machen kann, gemeinsam mit anderen für eine aktive Lese- und Schreibförderung zu sorgen.
Der „Papierfresserchen MTM-Verlag“ geht da mit gutem Beispiel voran. Deshalb kann man ihm und seinen Gästen für dieses wichtige Event nur ein gutes Gelingen wünschen. Hoffentlich werden viele dieses „Lesefest am Bodensee“ mit ihren Kindern oder Enkeln besuchen und dort ein „Feuerwerk der Phantasie“ erleben.

Patrick Addai - Kulturbotschafter
der Welthungerhilfe
Quelle: Papierfresserchen Verlag
Mögen die Funken dieses Feuerwerks mit Patrick Addai, dem dazu eingeladenen Kulturbotschafter der Welthungerhilfe, bis in den äußersten Winkel der Erde sprühen und mit dazu beitragen, dass wir irgendwann schreiben können: „Die ganze Welt kann lesen und schreiben“! Das „Lesefest am Bodensee“ am 28. November, 10-17 Uhr, in der „Freien Schule“, Uferweg 5 auf der Insel Lindau, könnte seinen Teil dazu beitragen. Programm zum Lesefest: http://www.lesefest-am-bodensee.de/3.html. Für alle die in ihrem Bekanntenkreis Menschen haben, die nicht lesen oder schreiben können, hier das ALFA-Telefon, das sie unter 0251/53 33 44 erreichen. Denn: KEINE/R gehört ins Abseits, lesen und schreiben kann JEDE/R lernen! (PK)
(1) http://papierfresserchen.biz/
(2) http://www.land-der-ideen.de/
(3) http://www.bildung.koeln.de/regionale_projekte/alphabetisierung/buendnis/index.html
(4) http://www.alphabetisierung.de/fileadmin/files/Bilder/Print/186_250_k%F6ln.jpg
(5)http://www.tagesschau.de/inland/weltalphabetisierungstag100.html
(6) http://www.songtexte.com/songtext/dj-otzi/ein-stern-der-deinen-namen-tragt-23db68c7.html
(7) http://www.alphabetisierung.de/
Online-Flyer Nr. 225 vom 25.11.2009
Hunderte Millionen Menschen können nicht lesen und schreiben
Lesefest am Bodensee
Von Gisela Segieth

Quelle: Papierfresserchen MTM-Verlag
Das Programm zum Lesefest am Bodensee liest sich richtig gut, doch ist „Leseförderung“ heute überhaupt noch nötig? Ist es denn nicht längst selbstverständlich geworden lesen und schreiben zu können, wo es doch schon vor drei Jahrhunderten in Preußen die allgemeine Schulpflicht für Kinder eingeführt wurde? Diese Fragen kann man nur mit „Ja“ und „Nein“ beantworten, denn allein in Köln, wo der an der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ beteiligte DuMont Reiseverlag sitzt, leben heute rund 47.000 „funktionale Analphabeten“(3).

Quelle: Bundesverband
Alphabetisierung und
Grundbildung e.V.(4)

Quelle: vonrabenberg.ch
Nicht alle diese Menschen haben sich durch die Schulzeit gemogelt, denn: "Viele Kinder müssten schon in der ersten Klasse einzeln und gezielter gefördert werden, um zu verhindern, dass sie später funktionale Analphabeten werden", teilte Marion Döbert vom UNESCO-Institut für lebenslanges Lernen in Hamburg der ARD, anlässlich des „Weltalphabetisierungstages“, am 8. September 2009 mit.(5)
Leider arbeitet allerdings die Musikszene manchmal in voller Absicht mit einer falschen Grammatik. Zum Beispiel singt DJ Ötzi in seinem Lied ganz bewusst statt „Einen Stern, der deinen Namen trägt, den schenk ich dir…“ „Ein Stern, der deinen Namen trägt …“(6), was er noch am vergangenen Freitagabend in der „Ultimativen Chart Show“ bei RTL selbst bestätigte. So etwas trägt garantiert nicht zur richtigen Grammatik der Analphabeten bei. Zu hoffen bleibt, dass solche „grammatikalischen Ausreißer“ die Ausnahme bleiben mögen.
„Sekundäre Analphabeten“.
Doch nicht alle Betroffenen haben eine Schreib- und Leseschwäche weil sie nie richtig lesen und schreiben lernten. Viele von ihnen haben das durchaus einmal gelernt, taten es aber nach ihrer Schulzeit nicht mehr. Deshalb verlernten sie es mit der Zeit, so wie man auch eine Fremdsprache verlernen kann, wenn man sie nicht regelmäßig trainiert. Man nennt sie deshalb „sekundäre Analphabeten“. Diese Menschen können zwar lesen, haben aber eine ganz massive Schreibschwäche, was seine Gründe vor allem in der zunehmenden Ablösung der Schrift- und Printmedien durch Bildschirmmedien und Telefon beziehungsweise Handy hat.
Allen jedoch ist gemeinsam, dass sie nicht im Abseits bleiben müssen, sondern in jedem Alter durch entsprechende Angebote der Weiterbildungsträger ihre Defizite ausgleichen können. Nur sind diese Angebote für viele Betroffene finanziell kaum zu schultern, da gerade die von „Analphabetismus“ Betroffenen meist auch zu den finanziell sehr schlecht gestellten Menschen innerhalb unserer Gesellschaft zählen.

Quelle: www.Buchmesse.de
Umso wichtiger ist die Arbeit des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung e.V., der seinen Grundstein bereits im Jahr 1984 als „Schreibwerkstatt für neue Leser und Schreiber e.V.“ legte und heute bereits fünfhundert Mitglieder hat, bestehend aus natürlichen Personen und Institutionen. Er ist in Deutschland die größte Initiative zur Bekämpfung der Lese- und Schreibschwäche und wird von der Bundesregierung und vielen anderen gestützt, um dazu beizutragen, dass sich niemand abschreibt, sondern dass jeder, der in Deutschland noch nicht lesen und schreiben kann, dies endlich lernt.
Die meisten Analphabeten gibt es natürlich in den Armutsländern der Dritten Welt, wo auch heute noch Lesen und Schreiben meist ein Privileg wohlhabender Menschen ist. Und da noch längst nicht alle Menschen in allen Ländern dieser Erde den gleichen Stellenwert besitzen, trifft die Lese- und Schreibschwäche dort annähernd zwei Drittel aller Frauen.
776 Millionen Analphabeten weltweit
Eine Erhebung im Jahr 2000 brachte die traurige Bilanz von ca. 862 Millionen Analphabeten weltweit, weshalb sich damals die Vereinten Nationen unter Kofi Annan in New York dazu entschlossen, die Zeit zwischen 2003 und 2012 zur „Weltdekade Alphabetisierung“ zu erklären und sich vornahmen, die Zahl der Analphabeten bis zum Jahr 2015 zu halbieren.
Doch obwohl seither viele Millionen Euro in diesen Bereich flossen, sind wir jetzt, in der Halbzeit dieser „Weltdekade“, mit ca. 776 Millionen Analphabeten immer noch meilenweit von deren Ziel entfernt. Im Gegenteil. Gerade deshalb ist es umso wichtiger, weiter auf dieses Ziel hin zu arbeiten. Denn Analphabetismus und Armut gehen allzu oft Hand in Hand. Umso wichtiger ist es zu zeigen, wie viel Freude es machen kann, gemeinsam mit anderen für eine aktive Lese- und Schreibförderung zu sorgen.
Der „Papierfresserchen MTM-Verlag“ geht da mit gutem Beispiel voran. Deshalb kann man ihm und seinen Gästen für dieses wichtige Event nur ein gutes Gelingen wünschen. Hoffentlich werden viele dieses „Lesefest am Bodensee“ mit ihren Kindern oder Enkeln besuchen und dort ein „Feuerwerk der Phantasie“ erleben.

Patrick Addai - Kulturbotschafter
der Welthungerhilfe
Quelle: Papierfresserchen Verlag
(1) http://papierfresserchen.biz/
(2) http://www.land-der-ideen.de/
(3) http://www.bildung.koeln.de/regionale_projekte/alphabetisierung/buendnis/index.html
(4) http://www.alphabetisierung.de/fileadmin/files/Bilder/Print/186_250_k%F6ln.jpg
(5)http://www.tagesschau.de/inland/weltalphabetisierungstag100.html
(6) http://www.songtexte.com/songtext/dj-otzi/ein-stern-der-deinen-namen-tragt-23db68c7.html
(7) http://www.alphabetisierung.de/
Online-Flyer Nr. 225 vom 25.11.2009














