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Kultur und Wissen
Dokumentarfilm über „Wahn und Ethik in der Medizin“ jetzt im Kino
„Wenn Ärzte töten“
Von Peter Kleinert

Robert Jay Lifton im Gespräch mit den Filmemachern
Quelle: docfilm Karnick & Richter
An der Atlantikküste in Cape Cod beginnt das Gespräch der Filmemacher mit Robert Jay Lifton. In der rauhen Atlantiklandschaft findet der jetzt 83-jährige Distanz von der brisanten Materie, mit der er sich sein Leben lang beschäftigt hat. Er beschreibt, wie er nach den Forschungen zu Hiroshima und Vietnam seine Treffen mit Tätern und Opfern der Nazizeit begann. Um die Zusammenarbeit überhaupt zu ermöglichen, sicherte Lifton seinen Gesprächspartnern Vertraulichkeit zu, z.B. ihre Namen nie zu veröffentlichen. Ohne die Befürchtung, moralisch abgeurteilt zu werden, fanden sich so auch ehemalige Ärzte der Konzentrationslager gesprächsbereit.

Quelle: docfilm Karnick &
Richter
Bei ersten Zusammentreffen zeigte sich jedoch, wie hoch die Anforderung war, die Lifton damit an sich selbst stelltr, denn er kam nicht umhin, im ersten Moment als Mensch zu reagieren. Schwieriger noch: Lifton musste seine Fragen sensibel und vorsichtig stellen, um den Dialog überhaupt aufrecht zu erhalten und an die für ihn relevanten Fakten und Daten zu kommen. Trotz dieser hohen Anforderung an sich selbst, hat Lifton seine Kernfrage nicht aus den Augen verloren: Wie werden Heiler zu Mördern?
Von Überlebenden ermutigt
In seinem Sommerdomizil reflektiert er vor der Kamera aber nicht nur über die Vergangenheit, er beschreibt konkret, welche Prozesse dahinter standen und wo Verantwortung verwischte. Voller Hochachtung spricht Lifton von den Überlebenden, die ihn immer wieder ermutigt haben, seine belastenden Forschungen weiter zu führen. Dank seiner persönlichen Stärke, wissenschaftlich neutral weiter zu arbeiten, gelten die Schlüsse, die er für die Medizinethik und die Moral von damals und heute zieht.
In seinen hintersinnigen und selbstkritischen „Bird-Cartoons“ zeigt sich eine ganz andere Seite von Robert Jay Lifton. Damit wirft er Bilder voller Galgenhumor auf seine Umwelt, seine Zunft und auf sich selbst zurück. Ohne jede modische Bilderflut oder Eye-catcher werden die Einblicke in die dunkelsten Seiten der Ärzteschaft lebendig.

Vor der Auslöschung – KZ-Opfer in Birkenau
Quelle: Birkenau-Museum
Mit mehr als 15 Stunden Filmmaterial kehrten die Dokumentarfilmer Hannes Karnick und Wolfgang Richter von ihren Aufnahmen aus den USA zurück. Beeindruckend war für sie, wie sich der jüdische Wissenschaftler auch nach vielen Jahren noch an die Begegnungen mit Tätern und Opfern erinnert, als sei es gestern gewesen.
Es hat etwas gedauert, bis der Film seine endgültige Form fand. Das ursprüngliche Konzept des Films sah eine klassische Kompilation mit Reflektionen aus der Gegenwart vor, die das Leid der Opfer und die Motive der Täter erfahrbar machen sollte. Nach langer Arbeit am Schneidetisch wurde immer deutlicher, dass die Bilder, die Robert Jay Lifton in den Köpfen der Zuschauer erzeugt, stärker sind, als alles, was darüber hinaus gedreht und an schon bekannterem Material weltweit in Archiven erschlossen worden war. Hinzu kommt, dass Filme und Dokumente meist die Perspektive der Täter zeigen und eher die Diskriminierung der Opfer fortsetzen.
„Zuschauer wird reich belohnt“
So entstand jetzt ein Film, der in seinen filmischen Mitteln zwar reduziert ist, dessen bedrückende Wahrheit und Aktualität sich dem Zuschauer aber umso differenzierter und vielfältiger erschließt, unterstützt und kommentiert durch die Filmmusik von Jan Tilman Schade, wobei sich Schade der interpretatorischen Wirkung einer Musik in dem vom Film umrissenen formalen und thematischen Kontext sehr wohl bewusst war. Auf große Effekte wurde verzichtet. Dafür übernimmt der Klang des Wasserglases solistisch den quasi entmenschlichten Raum der Wellenlandschaft von Cape Cod. - Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber, Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts äußerte nach dem Besuch einer Vorführung: „Der stark zurückgenommene Film fordert dem Zuschauer ein geduldiges Zuhören und -sehen ab, das reich belohnt wird."
Stimmen zum Film
Wilhelm Roth in epd Film 12/2009: Dieser Film ist anders als viele Dokumentationen über den Holocaust und das “System KZ“. Meist wurden Opfer und Täter befragt, unvergessen HOTEL TERMINUS von Marcel Ophüls oder SHOAH von Claude Lanzmann. Hannes Karnick und Wolfgang Richter aber sprechen mit einem Historiker, der auch Arzt und Psychiater ist, über seine Begegnungen mit Ärzten, die in Vernichtungslagern Häftlinge getötet haben. Der jetzt 83-jährige Robert Jay Lifton hat sich immer wieder mit Menschen in Grenzsituationen beschäftigt, mit Überlebenden von Hiroshima oder Vietnamveteranen…. Da Lifton schwierige Sachverhalte in einer einfachen, verständlichen Sprache darstellen kann, hört man gebannt zu. Aber man hört nicht nur zu. ...
Verein demokratischer Ärzte und Ärztinnen: „Die Ärzte, von denen dieser Dokumentarfilm erzählt, haben ihren Eid nicht auf Hippokrates, sondern auf Hitler geschworen. KZ-Insassen waren für sie Versuchskaninchen."
Deutsche Filmakademie: „Nachdenkliche und eindringliche Doku über Menschenexperimente in Konzentrationslagern. Dem schrecklichen, kaum erklärbaren Thema nähern sich die Filmemacher über ein Gespräch mit dem Psychohistoriker Robert Jay Lifton."
Tip Berlin: „Dieser Film ist ein Beitrag zur Aufklärung dieses dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte. Die Filmführung ist interessant, denn sie ermöglicht einen Raum zum Nachdenken und Phantasien, auch durch den Verzicht auf direkte Darstellungen der Greueltaten. Mir hat der Film den Schlaf geraubt..." (PK)
„WENN ÄRZTE TÖTEN“ - Dokumentarfilm 2009, Regie: Hannes Karnick, Wolfgang Richter Länge: 86 Minuten. Produktion: docfilm Karnick & Richter oHG, Heidelberger Landstr. 89 D-64297 Darmstadt, Phone +49 (0) 6151 51771, Fax +49 (0) 30 484987194, www.docfilm.de
Förderung: Hessische Filmförderung, BKM. Das Projekt wird vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert.
Verleih: W-film - W-film Filmproduktion & Filmverleih, Gotenring 16, 50679 Köln, Tel.: 0221/2221980, Fax: 0221/2221981, mail@wfilm.com, www.wfilm.com
Einen Ausschnitt aus dem Film, der vor einigen Tagen in den Kinos angelaufen ist, finden Sie in dieser NRhZ-Ausgabe.
Mehr über den Film: www.wenn-aerzte-toeten.de/
Online-Flyer Nr. 227 vom 09.12.2009
Dokumentarfilm über „Wahn und Ethik in der Medizin“ jetzt im Kino
„Wenn Ärzte töten“
Von Peter Kleinert

Robert Jay Lifton im Gespräch mit den Filmemachern
Quelle: docfilm Karnick & Richter
An der Atlantikküste in Cape Cod beginnt das Gespräch der Filmemacher mit Robert Jay Lifton. In der rauhen Atlantiklandschaft findet der jetzt 83-jährige Distanz von der brisanten Materie, mit der er sich sein Leben lang beschäftigt hat. Er beschreibt, wie er nach den Forschungen zu Hiroshima und Vietnam seine Treffen mit Tätern und Opfern der Nazizeit begann. Um die Zusammenarbeit überhaupt zu ermöglichen, sicherte Lifton seinen Gesprächspartnern Vertraulichkeit zu, z.B. ihre Namen nie zu veröffentlichen. Ohne die Befürchtung, moralisch abgeurteilt zu werden, fanden sich so auch ehemalige Ärzte der Konzentrationslager gesprächsbereit.

Quelle: docfilm Karnick &
Richter
Von Überlebenden ermutigt
In seinem Sommerdomizil reflektiert er vor der Kamera aber nicht nur über die Vergangenheit, er beschreibt konkret, welche Prozesse dahinter standen und wo Verantwortung verwischte. Voller Hochachtung spricht Lifton von den Überlebenden, die ihn immer wieder ermutigt haben, seine belastenden Forschungen weiter zu führen. Dank seiner persönlichen Stärke, wissenschaftlich neutral weiter zu arbeiten, gelten die Schlüsse, die er für die Medizinethik und die Moral von damals und heute zieht.
In seinen hintersinnigen und selbstkritischen „Bird-Cartoons“ zeigt sich eine ganz andere Seite von Robert Jay Lifton. Damit wirft er Bilder voller Galgenhumor auf seine Umwelt, seine Zunft und auf sich selbst zurück. Ohne jede modische Bilderflut oder Eye-catcher werden die Einblicke in die dunkelsten Seiten der Ärzteschaft lebendig.

Vor der Auslöschung – KZ-Opfer in Birkenau
Quelle: Birkenau-Museum
Mit mehr als 15 Stunden Filmmaterial kehrten die Dokumentarfilmer Hannes Karnick und Wolfgang Richter von ihren Aufnahmen aus den USA zurück. Beeindruckend war für sie, wie sich der jüdische Wissenschaftler auch nach vielen Jahren noch an die Begegnungen mit Tätern und Opfern erinnert, als sei es gestern gewesen.
Es hat etwas gedauert, bis der Film seine endgültige Form fand. Das ursprüngliche Konzept des Films sah eine klassische Kompilation mit Reflektionen aus der Gegenwart vor, die das Leid der Opfer und die Motive der Täter erfahrbar machen sollte. Nach langer Arbeit am Schneidetisch wurde immer deutlicher, dass die Bilder, die Robert Jay Lifton in den Köpfen der Zuschauer erzeugt, stärker sind, als alles, was darüber hinaus gedreht und an schon bekannterem Material weltweit in Archiven erschlossen worden war. Hinzu kommt, dass Filme und Dokumente meist die Perspektive der Täter zeigen und eher die Diskriminierung der Opfer fortsetzen.
„Zuschauer wird reich belohnt“
So entstand jetzt ein Film, der in seinen filmischen Mitteln zwar reduziert ist, dessen bedrückende Wahrheit und Aktualität sich dem Zuschauer aber umso differenzierter und vielfältiger erschließt, unterstützt und kommentiert durch die Filmmusik von Jan Tilman Schade, wobei sich Schade der interpretatorischen Wirkung einer Musik in dem vom Film umrissenen formalen und thematischen Kontext sehr wohl bewusst war. Auf große Effekte wurde verzichtet. Dafür übernimmt der Klang des Wasserglases solistisch den quasi entmenschlichten Raum der Wellenlandschaft von Cape Cod. - Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber, Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts äußerte nach dem Besuch einer Vorführung: „Der stark zurückgenommene Film fordert dem Zuschauer ein geduldiges Zuhören und -sehen ab, das reich belohnt wird."
Stimmen zum Film
Wilhelm Roth in epd Film 12/2009: Dieser Film ist anders als viele Dokumentationen über den Holocaust und das “System KZ“. Meist wurden Opfer und Täter befragt, unvergessen HOTEL TERMINUS von Marcel Ophüls oder SHOAH von Claude Lanzmann. Hannes Karnick und Wolfgang Richter aber sprechen mit einem Historiker, der auch Arzt und Psychiater ist, über seine Begegnungen mit Ärzten, die in Vernichtungslagern Häftlinge getötet haben. Der jetzt 83-jährige Robert Jay Lifton hat sich immer wieder mit Menschen in Grenzsituationen beschäftigt, mit Überlebenden von Hiroshima oder Vietnamveteranen…. Da Lifton schwierige Sachverhalte in einer einfachen, verständlichen Sprache darstellen kann, hört man gebannt zu. Aber man hört nicht nur zu. ...
Verein demokratischer Ärzte und Ärztinnen: „Die Ärzte, von denen dieser Dokumentarfilm erzählt, haben ihren Eid nicht auf Hippokrates, sondern auf Hitler geschworen. KZ-Insassen waren für sie Versuchskaninchen."
Deutsche Filmakademie: „Nachdenkliche und eindringliche Doku über Menschenexperimente in Konzentrationslagern. Dem schrecklichen, kaum erklärbaren Thema nähern sich die Filmemacher über ein Gespräch mit dem Psychohistoriker Robert Jay Lifton."
Tip Berlin: „Dieser Film ist ein Beitrag zur Aufklärung dieses dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte. Die Filmführung ist interessant, denn sie ermöglicht einen Raum zum Nachdenken und Phantasien, auch durch den Verzicht auf direkte Darstellungen der Greueltaten. Mir hat der Film den Schlaf geraubt..." (PK)
„WENN ÄRZTE TÖTEN“ - Dokumentarfilm 2009, Regie: Hannes Karnick, Wolfgang Richter Länge: 86 Minuten. Produktion: docfilm Karnick & Richter oHG, Heidelberger Landstr. 89 D-64297 Darmstadt, Phone +49 (0) 6151 51771, Fax +49 (0) 30 484987194, www.docfilm.de
Förderung: Hessische Filmförderung, BKM. Das Projekt wird vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert.
Verleih: W-film - W-film Filmproduktion & Filmverleih, Gotenring 16, 50679 Köln, Tel.: 0221/2221980, Fax: 0221/2221981, mail@wfilm.com, www.wfilm.com
Einen Ausschnitt aus dem Film, der vor einigen Tagen in den Kinos angelaufen ist, finden Sie in dieser NRhZ-Ausgabe.
Mehr über den Film: www.wenn-aerzte-toeten.de/
Online-Flyer Nr. 227 vom 09.12.2009














