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Globales
Ehemaliger UNESCO-Direktor kritisiert den Westen anläßlich der Tragödie in Haiti
Solidarität statt US-Militär!
Von Eduardo Rodriguez-Baz und Kerstin Sack

Der ehemalige Generaldirektor der UNESCO, Federico Mayor Zaragoza, macht die reichen Länder für das Unglück verantwortlich, von dem Haiti seit Jahrzehnten heimgesucht wird und das sich durch das verheerende Erdbeben um ein vielfaches verschärft hat. Mit einem kritischen Blick auf die Situation, die der karibische Inselstaat derzeit durchlebt, beklagt der renommierte Hochschullehrer, diese sei ein Ergebnis der Ausbeutung und Verarmung durch ein weltweites autoritäres und ungleiches politisch-ökonomisches System. Darin ist er sich mit den Präsidenten Boliviens und Venezuelas, Evo Morales einig.

Mehr als ein Jahrzehnt lang (1987-1999) leitete Federico Mayor Zaragoza die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur

Federico Mayor Zaragoza -
ehemaliger Generaldirektor
der UNESCO
Quelle: Prensa Latina
(UNESCO). Im Zusammenhang mit einem Vortrag in der spanischen Stadt Ávila zum Thema "Die Kultur des Friedens: über die Kraft des Wortes", betonte der Spanier seine Hoffnung, dass die aktuelle Tragödie des haitianischen Volkes die Aufmerksamkeit der Welt auf sich ziehen und dass nun endlich die Bürger der verwüsteten Insel auch ohne Erdbeben wahrgenommen würden.

Die Art und Weise wie auf die Tsunamis reagiert wurde, müsse nun ein Ende haben, warnte der Präsident der Stiftung für eine Friedenskultur (Fundación para una Cultura de Paz) im Hinblick auf die Naturkatastrophe, die 2005 die Region um Indonesien erschütterte - ein Land, von dem später nie wieder die Rede war. „Nun haben wir also Haiti entdeckt", bemerkte Mayor Zaragoza ironisch, als er daran erinnerte, wie sehr die ernste Lage des kleinen Inselstaates schon vor Jahren der internationalen Gemeinschaft bekannt gewesen sei und trotzdem nichts oder nur sehr wenig getan wurde, um die Menschen dort aus ihrer misslichen Lage heraus zu holen.

Kampfflugzeuge anstatt uneigennützige Hilfe

Er hob die Millionensummen hervor, die der Rüstung im Lande zugewiesen wurden und das Vorhandensein von "allen Arten von F-16 und F-18“(-Kampfflugzeugen), während es an Maschinen und Fachkräften mangele, um die Auswirkungen von Katastrophen zu verringern.
Die Asymmetrien und Ungleichgewichte, die in der herrschenden Wirtschaftsordnung begründet sind, machte er dafür verantwortlich, dass nur 20 Prozent der Weltbevölkerung ein würdiges Leben führen könnten, während die übrigen 80 Prozent unter unmenschlichen Bedingungen leben müssten. Mayor Zaragoza bedauerte, dass - anstatt uneigennützige Hilfen zu leisten - die entwickelten Nationen weiterhin nur Darlehen an die Ärmsten vergäben, ohne auch nur 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für die armen Länder aufzuwenden.

Geld zur rechtzeitigen Bekämpfung der Armut sei nicht vorhanden gewesen, nun aber würden in der aktuellen Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten und in Europa hunderte von Milliarden US-Dollar aufgewandt, um gerade die Finanzinstitutionen zu retten, die das Debakel hervorgebracht haben. Es sei beschämend, dass man sich gleichzeitig als unfähig erwiesen habe, die Menschen zu retten, die an Hunger sterben. Jede Krise könne aber auch eine Chance bringen. So sei seiner Meinung nach die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts durchaus dazu in der Lage, den Kurs der Menschheit zur verändern und in Richtung auf eine nachhaltige Wirtschaft voranzuschreiten.
ALBA-Länder protestieren gegen US-Strategie

In seiner Sendung “Aló Presidente“ ergänzte der venezolanische Präsident Hugo Chávez die Kritik von Federico Mayor Zaragoza: „Man hat den Eindruck

US-Truppen landen vor dem
zerstörten Präsidentenpalast
in Port-au-Prince
Quelle: Prensa Latina
es herrscht Krieg in Haiti. Die Menschen brauchen Hilfe und kein Militär!" Und Boliviens Präsident Evo Morales forderte wegen der anlaufenden militärischen Besetzung Haitis durch die USA eine Sondersitzung der Organisation der Vereinten Nationen (UNO). Auch bei den übrigen Staaten der Bolivarischen Allianz für Amerika (ALBA) stößt das Vorgehen der USA klar auf Ablehnung.

Präsident Préval dankt Hugo Chávez

Während die USA auf das Militär setzt - inzwischen sind bereits 15.000 US-Soldaten dort -, haben Kuba, Venezuela und andere Länder Lateinamerikas ihre Priorität auf Akuthilfe und die Unterstützung des Wiederaufbaus legen. Deshalb bedankte sich Haitis Präsident René Préval in einer Rede für die Hilfe aus Venezuela und insbesondere bei Hugo Chávez: „Er versteht, dass die Süd-Süd-Kooperation sehr wichtig ist. Sie halfen uns schon vor dem Erdbeben beim Häuserbau, in der Landwirtschaft und beim Bau des neuen Flughafens."

Haiti ist auch Mitglied in dem 2005 auf Initiative Venezuelas gegründeten Staatenbund PetroCaribe, der die Zusammenarbeit im Energiebereich zum Ziel hat. Neben der Möglichkeit zum Bezug von Erdöl zu günstigen Konditionen werden durch den ALBA-Fonds aber auch soziale Projekte gefördert. Port-au-Prince profitierte von dem Vertrag bisher durch den Bau eines Stromkraftwerks, Hilfe beim Bau von Häusern, bei der Entwicklung der Landwirtschaft und im medizinischen Bereich. Allein aus Kuba arbeiteten schon vor dem Erdbeben etwa 400 Ärzte in Haiti. Weitere Ärzte und Spezialisten sowie Hilfsmittel aus Kuba trafen bereits in den ersten Tagen nach der Katastrophe ein, und schon seit Jahren werden auf Kuba junge Haitianer zu Medizinern ausgebildet. Siehe unserern Artikel hier.

Venezuela hatte bis zur vergangenen Woche große Mengen an Hilfsgütern nach Haiti geschickt, darunter neben Medizin und Kleidung auch 700 Tonnen Lebensmittel. Hinzu kam eine Lieferung von 225.000 Fass mit je 159 Litern Treibstoff und Benzin, um die Knappheit an den Tankstellen zu mindern. Wiederaufbau-Spezialisten arbeiten in einer Brigade mit Spezialisten aus Haiti zusammen. (PK)

Übersetzung des Textes zu Federico Mayor Zaragoza: Klaus Lehmann, Mitarbeiter des Portals www.amerika21.de

Online-Flyer Nr. 234  vom 27.01.2010



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