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Monatskolumne aus dem hinteren Kandertal
Das elfte Gebot: Israel darf alles
Von Evelyn Hecht-Galinski
Offensichtlich hatte der israelische Geheimdienst die Ladung der Free Gaza-Schiffe schon vor ihrem Auslaufen inspiziert. Und selbst nach ihrem Übergriff habe die israelische Armee (IDF) gewöhnliche Gebrauchsgegenstände als Waffen präsentiert, erklärte Prof. Norman Paech (72), Augenzeuge und Teilnehmer der Free Gaza-Aktion, nach seiner Freilassung öffentlich. Ebenso hält der emeritierte Professor für Öffentliches Recht, Politikwissenschaftler, Mitglied der Fraktion der LINKEN im Deutschen Bundestag von 2005 bis 2009, die Videobilder der Israelischen Streitkräfte für gefälscht.

Quelle: www.arendt-art.de/deutsch/palestina

Professor Norman Paech
Ich sage, Israel hat in dem Wissen, dass ihm nicht viel passieren wird, egal wie weit es geht, einen brutalen völkerrechtswidrigen Angriff gegen unbewaffnete, zum Teil ältere, wehrlose Friedensaktivisten angezettelt. Israel als hochgerüstete Militärmacht wusste sich keinen andern Rat, als bei Nacht und Nebel, nach Abhören des Funkverkehrs und Kappen der Leitungen die Schiffe in Rambo-Manier zu entern und danach wahllos und z.T. gezielt durch Kopfschüsse Friedensaktivisten zu ermorden bzw. hinzurichten. So viel zur Aktion „Himmelswind“. Gedenken wir der bekannt gewordenen türkischen Opfer (Helden) und trauern wir mit ihren Familien:

Quelle: www.arendt-art.de/deutsch/palestina
Auf diese Frontpage hätten echte intellektuelle Kritiker gehört, wie z.B. Prof. Reisin, U. Avnery, Prof. Finkelstein, Prof. Ilan Pappe, Prof. A. Grosser, Prof. N. Chomsky, Prof. J. Halper, Prof. N. Birnbaum, Prof. M. Zuckermann, Prof. M Zimmermann, Prof. T. Judt, Prof. R. Falk, F. Langer, Dr. H. Meyer – nur als kleine Auswahl. Für ebenso fragwürdig halte ich es, wenn das gleiche Magazin als Werbe-Zugabe israelische Weine - zwar aus dem „Kernland“ Israel - anbietet, diese aber von einer Firma vertrieben werden, die israelische Spezialitäten aller Art und auch Weine von der eroberten und besetzten Golan-Höhe anbietet. Ist das nicht unter den weltweiten Versuchen des Israel-Boykotts - solange es diese Unrechtspolitik gegenüber den Palästinensern vertritt - mehr als fragwürdig und kontraproduktiv?
Lassen wir nicht die israelische Propaganda-Deutungshoheit siegen. Die wurde auch schon in der feindseligen Stimmung gegen Henning Mankell auf der Pressekonferenz in Berlin offenbar. In gleicher Weise wird jetzt die türkische Regierung unter Ministerpräsident Erdogan brüskiert, der selbstverständlich den israelischen Angriff verurteilte. Es wäre wünschenswert, würde Erdogan, wie angekündigt in Zukunft ein türkisches Beobachtungsschiff zum Schutz einer weiteren Gaza-Flotte begleiten. Soll man die internationalen Gewässer allein Israel, seiner Flotte und seiner Lufthoheit überlassen?
Ich vermisse auch eine klare Stellungnahme von Kanzlerin Merkel, die nach anfänglicher Kritik keine konstruktiven Sätze mehr gegen Israels Vorgehen hervorbrachte, genau wie Außenminister Westerwelle keine weitere Kritik mehr äußerte, auch nicht an seinem Kollegen Avigdor Lieberman, den Prof. Moshe Zimmermann treffend als eine Figur bezeichnete, die den Österreicher Haider “verblassen“ lässt. Letztendlich sollten wir als aufgeklärte deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger endlich die israelische Unrechtspolitik offen anprangern und kritisieren - und nicht wie 94,4% der Israelis eine Zustimmung gegenüber dem gewaltsamen Vorgehen der IDF zeigen. Das israelische Kabinett will nun sogar der palästinensischen Knesset- Abgeordneten Hanin Soabi wegen ihrer Teilnahme an der Solidaritätsflotte bestimmte Sonderrechte, wie Immunität, Diplomatenpass und vom Staat finanzierte Rechtshilfe entziehen. Sie hatte anschließend offenbar zu ehrlich über ihre Erfahrungen berichtet.
Online-Flyer Nr. 253 vom 09.06.2010
Monatskolumne aus dem hinteren Kandertal
Das elfte Gebot: Israel darf alles
Von Evelyn Hecht-Galinski
Offensichtlich hatte der israelische Geheimdienst die Ladung der Free Gaza-Schiffe schon vor ihrem Auslaufen inspiziert. Und selbst nach ihrem Übergriff habe die israelische Armee (IDF) gewöhnliche Gebrauchsgegenstände als Waffen präsentiert, erklärte Prof. Norman Paech (72), Augenzeuge und Teilnehmer der Free Gaza-Aktion, nach seiner Freilassung öffentlich. Ebenso hält der emeritierte Professor für Öffentliches Recht, Politikwissenschaftler, Mitglied der Fraktion der LINKEN im Deutschen Bundestag von 2005 bis 2009, die Videobilder der Israelischen Streitkräfte für gefälscht.

Quelle: www.arendt-art.de/deutsch/palestina
Die dort gezeigten Aufbauten gebe es gar nicht auf dem türkischen Schiff. Außerdem sei kein Seegang zu erkennen. Doch selbst wenn die israelischen Angaben zuträfen, sei die Gegenwehr legitim gewesen. Nach dem Völkerrecht hätte die Marine der Türkei sogar das Recht gehabt, die zivilen Schiffe unter türkischer Flagge mit Waffengewalt zu verteidigen, so der Experte für Internationales Recht. Ebenso äußert sich der Rechtsprofessor Richard Falk, Sonderberichterstatter für die besetzten palästinensischen Gebiete beim UN-Menschenrechtsrat, der den israelischen Angriff auf die humanitäre Gaza-Flottille als schockierende Missachtung des Völkerrechts bezeichnete. Die nackte Aggression widerspreche den elementaren humanitären Standards. Sie sei in internationalen Gewässern gegen unbewaffnete Schiffe verübt worden. Die Begründung Israels, es habe in Selbstverteidigung gehandelt, sei absurd. Wenn überhaupt jemand in diesem Zusammenhang das Recht auf Selbstverteidigung in Anspruch nehmen könne, seien das die Leute an Bord der Schiffe gewesen, so Richard Falk.

Professor Norman Paech
Quelle: wikipedia
Cengiz Akyüz, 42
Ibrahim Bilgen, 61
(wurde verwechselt mit Raeel Salal, der gezielt ermordet werden sollte)
(wurde verwechselt mit Raeel Salal, der gezielt ermordet werden sollte)
Cevdet Kiliclar, 38
Furkan Dogan, 19
Fahri Yaldiz, 42
Ali Haydar Bengi, 39
Cetin Topcuoglu, 54
Cengiz Songür, 47
Necdet Yildirim, 32
Sie haben es verdient, nicht vergessen zu werden.
Deshalb ist es auch besonders abscheulich, wenn Israels Propaganda nicht davor zurückschreckt, diese Friedensaktivisten als Terroristen zu verunglimpfen und die türkische Hilfsorganisation IHH als terroristisch zu diskreditieren. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, dass die Organisatoren von Free Gaza schon die nächste Fahrt zusammen mit IHH planen. Israel will mit seiner Falsch-Propaganda nur erreichen, dass die Hauptursache dieses ganzen Elends, die Blockade des Gazastreifens und die Inhaftierung der 1,5 Millionen Eingeschlossenen, in diesem größten Freiluftgefängnis aus den Augen verloren wird. Durch die Gaza-Flottille ist die Weltöffentlichkeit endlich wieder an die fast Vergessenen erinnert worden. Das darf natürlich nur der Anfang sein. Nach diesem mörderischen Überfall dürfte es keine indirekten Friedensgespräche mehr geben. Schlimm genug, dass sich die “Regierung“ in Ramallah für diese Farce hergibt. Mit der gewählten Hamas-Regierung muss endlich gesprochen werden. Selbstverständlich hat die Hamas schon mehrfach betont, das „Existenzrecht“ Israels anzuerkennen - aber natürlich nur in den Grenzen von 1967.
Auch aus diesem Grund sollte man nicht mehr der israelischen Propaganda aufsitzen. Gleichfalls sollte man nicht auf die Anzeige von Honestly Concerned in der FAZ hereinfallen. Diese plumpe Wiederholung der Falsch-Propaganda der deutschen „zionistischen Israelfreunde“ ist so einfach gestrickt, dass sie schon mehr als peinlich ist. Ebenso blamabel ist es, wenn man der so genannten J-Call Aktivität, insbesondere den französischen, aber auch den israelischen Intellektuellen auf den Leim gegangen ist. Diese Aktion ist eine Kampagne im „Mäntelchen“ der Kritik, basierend nur auf Sympathie und der systematischen Identifizierung mit Israel. Dem Aufruf fehlt jegliche Empathie gegenüber dem palästinensischen Volk. Gemeinsam ist ihnen - u.a. Benard Henry-Levy, Alain Finkelkraut und Daniel Cohn-Bendit -, dass für sie die Existenz Israels erneut gefährdet ist.
Dasselbe gilt für Avi Primor, den ehemaligen israelischen Botschafter in Deutschland. Die Auswahl zeigt schon, was von diesen so genannten „Israel-Kritikern“ zu halten ist, die voll in die „Israel-Lobby“ eingebunden sind. Das zeigen uns auch die Äußerungen von Levy und Primor zur Gaza-Attacke. Umso verwunderlicher ist es, wenn „prominente deutsche (kritische) Juden, wie der Verleger Melzer oder der Vorsitzende der Jüdischen Stimme, Prof. Verleger (dieser allerdings unter Vorbehalt) auch den J-Call Aufruf unterschrieben haben. Ebenfalls für bizarr und fragwürdig halte ich daher auch das neue Titelbild eines jüdischen Magazins mit diesen so genannten „Kritikern“, und das auch noch jeweils dreifach abgebildet.

Quelle: www.arendt-art.de/deutsch/palestina
Auf diese Frontpage hätten echte intellektuelle Kritiker gehört, wie z.B. Prof. Reisin, U. Avnery, Prof. Finkelstein, Prof. Ilan Pappe, Prof. A. Grosser, Prof. N. Chomsky, Prof. J. Halper, Prof. N. Birnbaum, Prof. M. Zuckermann, Prof. M Zimmermann, Prof. T. Judt, Prof. R. Falk, F. Langer, Dr. H. Meyer – nur als kleine Auswahl. Für ebenso fragwürdig halte ich es, wenn das gleiche Magazin als Werbe-Zugabe israelische Weine - zwar aus dem „Kernland“ Israel - anbietet, diese aber von einer Firma vertrieben werden, die israelische Spezialitäten aller Art und auch Weine von der eroberten und besetzten Golan-Höhe anbietet. Ist das nicht unter den weltweiten Versuchen des Israel-Boykotts - solange es diese Unrechtspolitik gegenüber den Palästinensern vertritt - mehr als fragwürdig und kontraproduktiv?
Es ist an der Zeit aufzubegehren gegen diese kriegerische Politik Israels und seine Missachtung der Menschenrechte. Ich verwahre mich dagegen, dass Israel für mich und alle Juden spricht. Ich möchte hier meine uneingeschränkte Solidarität für die unterdrückten und entrechteten Palästinenser ausdrücken und auch meinen Dank an die mutigen deutschen Friedensaktivisten an Bord der Gaza-Flotte. Mich selbst hielt leider eine Rückenoperation von einer Teilnahme ab.
Wer diese Qualen aushalten mußte, mit gebundenen Händen, dabei kniend und stundenlang unmenschlich behandelt von der israelischen IDF - ohne Rücksicht auf seine Bedürfnisse und ohne menschlichen Anstand, dem nützen auch nicht die später veröffentlichten Propagandabilder derselben “galanten“ Soldaten bei der Enterung der „Rachel Corrie“. Diese gestellten Bilder einer Show hat die von israelischen Bulldozern getötete amerikanische Friedensaktivistin, deren Namen das Schiff trägt, nicht verdient. Dank also noch einmal an alle, die es sich nicht nehmen ließen, gegen die Gaza-Blockade zu protestieren, um humanitäre Hilfsgüter in den Gaza-Streifen zu bringen.
Israel versucht im Schatten dieses Angriffs seine Tötungen, Siedlungen, Angriffe und Demolierungen an Land auszuweiten. In das gleiche Raster passt die gezielte Provokation, mit drei mit Atomsprengköpfen bestückten U-Booten vor der iranischen Küste aufzutauchen, wie auch die Drohungen gegen Libanon und Syrien. By the way - nach meinem Grußwort am 8. Mai in Berlin auf dem 8. Europäischen Palästinenserkongress habe ich die Gelegenheit wahrgenommen, ohne Berührungsängste und Zensur vor allen Palästinensern sprechen zu dürfen. Daraufhin erhielt ich eine Einladung der iranischen Botschaft, von seiner Exzellenz, dem iranischen Botschafter Al Reza Sheikh Attar, in seiner Residenz zu einem Gesprächs-Essen. Das war ein sehr konstruktives und interessantes Gespräch, in dem ich als deutsche Jüdin und Tochter von Holocaustüberlebenden alle Themen ansprach - von fragwürdigen Holocaust-Äußerungen bis zu iranischen Todesurteilen und Menschenrechtsverletzungen. Es war ein sehr offenes Gespräch, das ich nicht bereue, so dass ich auch gern das Angebot annehmen würde, vor einer Teheraner Universität unzensiert sprechen zu dürfen. Ich bin sicher: hätte der Iran sich so gegen die „Gaza Flottille“ verhalten, wie es Israel getan hat, wäre sicher ein “Gegenschlag“ fällig gewesen.
Was ich vermisse, ist die Kritik der deutschen Intellektuellen an Israel und den schrecklichen Vorkommnissen vor Gaza, sowie der fortwährenden Blockade. Gestern, anlässlich der Verleihung der neu geschaffenen Börne-Medaille an Marcel Reich-Ranicki, als es ein Pornoverfasser nicht unterlassen konnte, seine Laudatio auf Reich-Ranicki für seine schreckliche Propaganda zu missbrauchen. Nicht Marcel Reich-Ranicki gehört in ein Kibbuz, sondern die selbsternannten “Salon-Zionisten“, die hier die Unrechtspolitik rechtfertigen. Diese Rede hat sogar so ein scharfer deutscher Kritiker nicht verdient! Eine Schändung der Börne-Medaille und der Preisverleihung.
Soviel für heute zur “einzigen Demokratie im Nahen Osten“. Lieberman fordert ja auch einen Loyalitätseid auf den jüdischen Staat von „Arabern mit israelischer Staatsbürgerschaft“. Israel: ein Apartheidstaat, eine Demokratie = Ethnokratie – nur für jüdische Staatsbürger. Die Gaza-Flottille wird so lange weiter auslaufen bis die israelische Blockade Gazas beendet sein wird. (PK)
Evelyn Hecht-Galinski (61), Tochter des verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, hat diesen Beitrag als ihren Kommentar des Monats Juni im Palästinaportal veröffentlicht - www.arendt-art.de/deutsch/palestina
Online-Flyer Nr. 253 vom 09.06.2010
















