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Globales
Putschversuch in Venezuela unter Mitwirkung der Oppositionsmedien befürchtet
Chavez will Globovision-Aktien kaufen
Von Jan Kühn und Tobias Lambert

Präsident Hugo Chávez hat Teile der Opposition beschuldigt, durch mediale Angriffe auf die Regierung einen Putsch nach honduranischem Vorbild vorbereiten zu wollen. Wohl deshalb will er ein großes Aktienpaket des oppositionellen Senders Globovision kaufen. Er könne zudem nicht ausschließen, dass vor der versuchten Einreise des Salvadorianers Francisco Chávez Abarca weitere Terroristen unentdeckt nach Venezuela gelangt seien, sagte Chávez in seiner sonntäglichen Fernsehsendung „Aló Presidente“
 

Francisco Chávez Abarca vor seiner
Auslieferung nach Kuba 
Quelle: Portal amerika21.de
Chávez Abarca war am 1. Juli am internationalen Flughafen Maiquetía, nördlich von Caracas, festgenommen worden. Nach Verhören lieferte Venezuela ihn nach Kuba aus, wo ihm die Durchführung mehrerer Bombenattentate in den 1990er Jahren vorgeworfen wird. Vor laufenden Kameras des multistaatlichen Fernsehsenders Telesur hatte Chávez Abarca unter anderem zugegeben, im Auftrag des exlkubanischen Terroristen Luís Posada Carriles zu handeln. Die venezolanischen Parlamentswahlen im September habe er im Vorfeld durch verschiedene Sabotageakte stören sollen.
 
Hugo Chávez zeigte sich überzeugt davon, dass Chávez Abarca angeheuert wurde, "um mich zu töten". Innerhalb der venezolanischen Opposition habe "mehr als einer" von der geplanten Einreise des Salvadorianers gewusst. Damit nahm der venezolanische Präsident Bezug auf Alejandro Peña Esclusa, der am 12. Juli verhaftet wurde und in enger Verbindung zu Chávez Abarca stehen soll. Bei einer Durchsuchung seines Hauses hatte die Polizei unter anderem Plastiksprengstoff und Zündkapseln gefunden.
 
Peña Esclusa gilt als radikaler Gegner von Hugo Chávez und anderer linksgerichteter Regierungen in Lateinamerika. Er ist Präsident der ultrarechten Organisation UnoAmérica, die den Putsch in Honduras offen unterstützt hat. Im vergangenen Jahr hatte er im Vorfeld der Wahlen in El Salvador zudem offensiv vor der Errichtung einer "chavistischen Diktatur" gewarnt, sollte die FMLN mit ihrem gemäßigt linken Kandidaten Mauricio Funes gewinnen.
 
In Venezuela selbst ist Peña Esclusa seit Mitte der 1990er Jahre am rechten Rand aktiv, übt in der Bevölkerung jedoch kaum politischen Einfluss aus. Bei den Präsidentschaftswahlen 1998 erreichte er als unabhängiger Kandidat 0,04 Prozent der Stimmen. Verbindungen mit dem Salvadorianer Chávez Abarca streitet er ab. Seine Ehefrau Indira de Peña bezeichnete die erhobenen Vorwürfe als "inszeniert".


Logo Globovision
Quelle: Portal amerika21.de
In diesem Zusammenhang dürfte der aktuelle Versuch der Regierung in Caracas zu sehen sein, einen erheblichen Anteil der Aktien des oppositionellen Fernsehsenders Globovisión zu übernehmen. Sie könnte beinahe die Hälfte der Aktien übernehmen. Dies erklärte Präsident Hugo Chávez. Die Regierung sehe mit dem Aktienerwerb das Recht verbunden, ein Mitglied des Sendervorstands zu bestimmen. Hintergrund ist der Fall der Banco Federal, die im Juni unter staatliche Kontrolle gestellt wurde. Die Bankenaufsichtsbehörde Sudeban begründete das Vorgehen mit verschiedenen Unregelmäßigkeiten bei Finanzgeschäften des Kreditinstitutes.
 
Im Besitz der Banco Federal, deren Präsident Nelson Mezerhane im Zuge der Beschuldigungen Venezuela verließ, befanden sich auch zwei Unternehmen, die zusammen 25,8 Prozent an Globovisión hielten. Darüber hinaus gebe es 20 Prozent, deren legaler Status noch ungeklärt sei, erklärte Chávez. Sie hatten Luís Nuñez, einem der Gründer des Kanals gehört, der inzwischen verstorben ist. Da diese Art von Besitz nach venezolanischem Recht aber nicht vererbbar sei, fielen die Anteile an den Staat, so Chávez.
 
Der Präsident leitet aus dem Aktienbesitz das Recht ab, ein Mitglied des Vorstands von Globovisión bestimmen zu dürfen. Dem widersprach der Sender in einer Erklärung. Demnach würde der Vorstand nicht von individuellen Anteilseignern bestimmt, sondern durch eine Aktionärsversammlung.Der ehemalige Direktor des Kanals, Alberto Federico Ravell, zog darüber hinaus in Zweifel, dass der venezolanische Staat die 20 Prozent des verstorbenen Gründungsmitglieds des Kanals erwerben könne. Die Aktien gehörten einem Unternehmen, das sich wiederum im Besitz der Tochter des Verstorbenen befinde, erklärte Ravell gegenüber CNN español.
 
Der Streit zwischen Globovisión und der Regierung schwelt bereits seit Beginn der Amtszeit von Hugo Chávez Anfang 1999. Während andere Sender wie RCTV, Venevisión oder Televen zwar ebenfalls der Opposition zuzurechnen sind, bemühen sich diese um einen moderateren Ton. Globovisión hingegen sticht immer wieder durch skandalöse Auftritte hervor. So zum Beispiel im Oktober 2008, als der Sender die Aussagen des Chefredakteurs der rechten Tageszeitung El Nuevo País, Rafael Poleo, sendete. Dieser drohte Chávez mit den Worten "Pass auf, Hugo, sonst endest Du wie [der italienische Faschist] Mussolini: An den Füßen aufgehängt und mit dem Kopf nach unten". (PK)
 
Diesen redaktionell bearbeiteten Text und die Bilder haben wir von www.Portal amerika21.de übernommen.

Online-Flyer Nr. 260  vom 28.07.2010



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