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Kultur und Wissen
Die kulinarische Ecke - alle 14 Tage - Folge 2
Beste Inselzutaten aus dem "Mavrikos" auf Rhodos
Von Erika Casparek-Türkkan

Ob Gemüse aus heimischen Gärten, Brassen, Langusten und andere feine Fänge, die der Fischer am Vormittag vorbei bringt, Käse aus dem Nachbardorf - in der Mavrikos-Küche gibt es keinen Mangel an besten frischen Zutaten. Und je nach Jahreszeit bereiten sie die Brüder Dimitris und Michalis in immer neuen köstlichen Variationen zu. Davon profitieren nicht nur ihre Gäste, sondern auch wir, wie wir schon in NRhZ 56 gesehen haben.
Kräuter und Gewürze spielen in der Mavrikos-Küche eine dominierende Rolle, wie die Rezepte dieser Folge zeigen: eine Käsekreation auf Rucola, die im Orangen-Gewürzsud marinierten Auberginen, Fisch aus dem Ofen mit Gemüse, Knoblauch und reichlich Rosmarin. Und zum Dessert lassen wir uns Feigen in süßem Wein mit Zimt und Ricotta schmecken.

Früh macht sich Dimitris auf den Weg zum Markt in der etwa 50 km entfernten Inselhauptstadt Rhodos. Hier besucht er die Bauernstände. Sein kritischer Blick schweift über dicke Zwiebeln, so mild und saftig, dass man so hinein beißen möchte. Die Auberginen und Tomaten mit ihren individuellen, prallen Rundungen spotten jeder festgelegten EU-Norm, und im Geschmack sind sie unvergleichlich aromatisch. Das dunkle Bauernbrot mit der herzhaften Kruste, nach alter Tradition im Steinofen gebacken, holt sich Dimitris auf der Rückfahrt im Nachbardorf. In Scheiben geröstet und mit Olivenöl beträufelt kommt es bei jedem Gast auf den Tisch.

Auch bei den Weinen kann sich das "Mavrikos" auf die Insel verlassen. Zu den rustikalen Gerichten wird ein einfacher guter weißer oder roter Hauswein ausgeschenkt. Zu Fisch und Sommergerichten mit Gemüse empfiehlt Michalis gerne den fruchtig-frischen Grand Rosé aus der Eneoteca Emery, einem berühmten Weingut aus dem Ort Embonas. Hin und wieder bringt der bärtige Pope Papas Georgious seinen selbst gebrannten, das heißt, von geweihter Hand gebrannten Ouzo vorbei, na, wenn der nicht Leib und Seele zusammen hält!

Gewürzter Käse auf Rucola, super lecker
Gewürzter Käse auf Rucola, super lecker

Vorspeisen

Gewürzter Käse auf Rucola

Die zubereitete, zur Rolle geformte Käsemischung muss einige Stunden vor dem Servieren im Kühlschrank fest werden, damit er sich in Scheiben schneiden lässt. Wer keinen festen Ricotta-Käse findet, nimmt statt dessen nicht zu weichen Frischkäse.

Für 4 Personen

1 rote Paprikaschote
1 Knoblauchzehe
1/2 Bündel Rucola
250 g Feta
250 g fester Ricotta-Käse (Ricotta salata)
2 EL Olivenöl
1 TL-Spitze Cayennepfeffer
1/4 TL mildes Paprikapulver
20 g Pinienkerne
Salz
Rucola und Pinienkerne zum Garnieren, Olivenöl zum Beträufeln

Tipp: Die Pinienkerne schmecken besonders nussig, wenn man sie in der heißen Pfanne ohne Fett leicht anröstet (Vorsicht, nicht zu dunkel werden lassen).

Zubereitung: etwa 30 Minuten zuzüglich Röst- und Kühlzeit

1  Den Backofen auf 250 °C vorheizen. Die Paprikaschote längs halbieren, Stiel, Kerne und Rippen entfernen. Die Schote abspülen. Ein Stück Alufolie auf ein Blech legen. Die Schotenhälften mit den Öffnungen nach unten darauf legen und in Ofenmitte ca. 30 Minuten rösten, bis sie braun sind. Ein nasses Küchentuch 2 bis 3 Minuten auf die Schote legen, dann lässt sich die Haut leicht abziehen.

2  Den Knoblauch schälen und hacken. Rucola waschen, die Stiele abschneiden. Die Paprikaschote hacken. Alles mit Feta und Ricotta durch den Fleischwolf drehen oder in Portionen im Blitzhacker zerkleinern. In eine Schüssel geben.

3  Olivenöl, Gewürze und Pinienkerne unter den Käse mischen. Die Paste mit Salz abschmecken. Als eine Art dicken Strang auf ein großes Stück Alufolie geben, wie eine Salami formen und einwickeln. Mindestens 5 Stunden in den Kühlschrank legen.

4  Vor dem Servieren die Folie öffnen und vom Käse 1 1/2 cm dicke Scheiben abschneiden. Auf Rucolablätter betten, mit Pinienkernen bestreuen und mit etwas Olivenöl beträufeln. Dazu geröstetes Bauernbrot oder Baguette servieren.

Marinierte Auberginen

Für dieses äußerst würzige Gericht braucht man etwas Zeit, doch lassen sich die Auberginen gut vorbereiten und im Kühlschrank aufbewahren.

Vorbereitete Auberginen in der Marinade
Vorbereitete Auberginen in der Marinade

Für 4-8 Personen

2 große, längliche Auberginen
Olivenöl zum Einpinseln
Für den Sud:
5 Lorbeerblätter
1 1/2 EL grobes Meersalz
je 1/2 TL Senf-, Fenchel- und Korianderkörner
1 EL schwarze Pfefferkörner
1/2 Zitrone, unbehandelt
Saft 1 Zitrone
1 1/2 EL Zucker
1 Zweig Sellerieblätter
1 kleine, gehackte Zwiebel
100 ml milder Rotweinessig
4 EL Olivenöl
Für die Marinade:
2-3 Knoblauchzehen
1 kleines Glas gemischter Orangen-, Grapefruit- und Zitronensaft
1 etwa 5 cm langer Streifen Orangenschale, unbehandelt, in schmale Streifchen geschnitten
2 EL gehackte glatte Petersilie
2 EL Balsamico-Essig
je 1 gute Prise gemahlener Pfeffer und Koriander, zerriebener Peperoncino und Meersalz
2-3 EL Olivenöl und Öl zum Beträufeln

Zubereitung: etwa 30 Minuten zuzüglich Ruhezeit

1  Die Auberginen waschen, die Stielansätze abschneiden. Die Auberginen längs vierteln. Alle Seiten mit Öl einpinseIn. Den Grill oder eine Grillpfanne gut erhitzen. Die Auberginenviertel von allen Seiten grillen, bis darauf dunkelbraune Röststreifen zu sehen sind.

2  In einem großen Topf reichlich Wasser mit allen Sud-Zutaten aufkochen und die Auberginenviertel darin in 5 bis 7 Minuten al dente, bissfest, kochen. Die Auberginen abtropfen lassen und mit den Schnittstellen nach oben in eine Form legen. Den Sud durch ein Sieb gießen. Die Würzzutaten auf den Auberginen verteilen.

3  Für die Marinade den Knoblauch schälen, in dünne Scheiben schneiden und in eine Schüssel geben. 5 bis 6 EL Sud, den Saft, die Orangenschale, Petersilie, Balsamico, Gewürze, 1/2 TL Salz und Olivenöl verquirlen. Über den Auberginen verteilen und diese zugedeckt mindestens 6 Stunden, am besten über Nacht auf einem kühlen Platz, durchziehen lassen.

Es ist angerichtet: Marinierte Auberginen
Es ist angerichtet: Marinierte Auberginen

4  Zum Servieren die Auberginenviertel, bedeckt mit den Gewürzen auf eine Platte legen, mit etwas Marinierflüssigkeit und frischem Olivenöl beträufelt servieren, dazu Brot zum Auftunken der Sauce.

Hauptgericht

Fisch aus dem Ofen mit Gemüse
Nicht nur für Fischgerichte wird in der Küche vom "Mavrikos" das grobe, Mineralstoff reiche Meersalz verwendet, das auf der Insel gewonnen wird. Gutes Meersalz, z. B. aus der Bretagne oder von Sizilien sollte man immer im Vorrat haben. Übrigens: Statt der teuren Dorade kann man auch preiswertere festfleischige Fischfilets, z. B. vom Rotbarsch auf diese Art zubereiten.

Dimitri bereitet den Fisch mit Gemüse zu
Dimitri bereitet den Fisch mit Gemüse zu

Für 4 Personen

2 große Brassen von je etwa 1 kg, z. B. Doraden, vom Fischhändler geschuppt und ausgenommen
Meersalz, schwarzer Pfeffer
4 Knoblauchzehen
Olivenöl für das Blech
1 große rote Zwiebel in 8 Scheiben geschnitten
2 Fleischtomaten, in 8 Scheiben geschnitten
etwa 8 kleine Stängel Rosmarin
6 Scheiben Zitrone, unbehandelt
2 EL gehackte glatte Petersilie
4 große, festkochende Kartoffeln
6 schwarze Oliven, mit oder ohne Kerne
etwa 100 ml Weißwein
5-6 EL Olivenöl
gehackte Petersilie zum Bestreuen

Zubereitung: etwa 30 Minuten zuzüglich Garzeit

1  Die Fische von beiden Seiten mit Salz und Pfeffer bestreuen. Beidseitig an den dicksten Stellen je zwei 3-4 cm lange schräge Einschnitte anbringen. Die Knoblauchzehen schälen, 2 davon vierteln und in jeden Einschnitt ein Viertel stecken. Ein großes, tiefes Ofenblech einölen. Den Backofen auf 250 °C vorheizen.

2  Zwiebeln und Tomaten in 2 Reihen auf das Blech legen, darauf je 1 Rosmarinstängel. Die Fische darauf betten. Auf jeden Fisch 3 Zitronenscheiben legen. Den restlichen Rosmarin unter die Fische schieben, die Petersilie aufstreuen. Den übrigen Knoblauch halbieren und daneben legen.

3  Die Kartoffeln schälen und achteln. Mit den Oliven um die Fische legen. Wein und Öl verquirlen und über Fische und Kartoffeln träufeln. Das Blech mit Alufolie zudecken und an den Seiten fest andrücken. Das Blech in die Ofenmitte schieben und die Fische etwa 45 Minuten garen. Vor dem Servieren mit frischer, gehackter Petersilie bestreuen.

Ein zufriedener Koch serviert den Fisch
Ein zufriedener Koch serviert den Fisch

Dessert

Feigen in süßem Wein auf Ricotta
Der berühmte, goldfarbene Muskateller-Wein von Rhodos mit seinen Aromen von Zitrone, Bitterorange und einem Hauch Rose wird gekühlt auch dazu getrunken.

Dessert: Feigen
Feigen in Wein auf Ricotta, himmlisch!
Fotos: Erika Casparek-Türkkan


Zutaten für 4 Personen

8 große getrocknete, weiche Feigen
300 ml süßer Muskateller-Wein, ersatzweise Samos, Vin Santo oder Malaga
4 Gewürznelken
2 Zimtstangen
2 schmale Streifen dünn abgeschälte Orangenschale, unbehandelt
1 Prise Chilipulver
2 EL Honig
2,5 cl (1 Gläschen) Orangenlikör wie Cointreau oder Grand Marnier
150 g fester Ricotta- oder Manouri-Käse (ungesalzen)

Zubereitung: etwa 20 Minuten zuzüglich Einweichzeit

1  Die Feigen in dem Wein 30 Minuten einweichen, aus dem Wein nehmen und am Stielende über Kreuz einschneiden. Den Wein mit Nelken, Zimtstangen, Orangenschale, Chili, Honig und Likör aufkochen.

2  Die Feigen hinein setzen und 5 Minuten kochen, aus dem Sud heben. Den Sud zu einem dicklichen Sirup einkochen lassen. Zur Probe einen Tropfen Sirup auf einen Teller tropfen. Zeigt er sich gewölbt, ist der Sirup dickflüssig genug.

3  Den Ricotta oder Manouri in 4 Rauten oder Streifen schneiden, auf Portionsteller legen. Auf die Rauten oder Streifen je 2 Feigen setzen. Mit etwas Sirup beträufeln, je mit einer halbierten Zimtstange und einer Gewürznelke garnieren.

Erika Casparek-Türkkan Erika Casparek-Türkkan ist Verfasserin zahlreicher Kochbücher vor allem über die Küchen rund ums Mittelmeer. STERN-Leser kennen sie außerdem als Mitautorin der STERN-Küche. Die gebürtige Kölnerin arbeitete als Journalistin in der Lokalredaktion der NRZ, Neue Rhein-Zeitung, bis zu deren Schließung 1974. Nach einem mehrjährigen Zwischenspiel als Reise- und Food-Redakteurin beim Burda-Verlag in München schreibt sie seit vielen Jahren als freiberufliche Autorin für Buch- und Zeitschriftenverlage. Sie ist verheiratet mit einem Fremdenführer türkisch-finnischer Abstammung und verfasste mit ihm mehrere Reisebücher über die Türkei. Beide leben - wenn nicht in der Türkei unterwegs - im bayerischen Voralpenland. Künftig finden hier kulinarisch Interessierte alle zwei Wochen die besten Rezepte, die Erika Casparek-Türkkan von ihren Reisen mitbrachte. Eins ihrer jüngeren Bücher "Küchen der Welt, Griechenland" erschien unter dem Alias Kristina Likidis-Königsfeld, Originalrezepte und Interessantes über Land und Leute, Verlag Gräfe und Unzer, 9,95 Euro im Buchhandel oder bestellen über www.amazon.de
Kontakt: casparek-tuerkkan@ect-web.de


Online-Flyer Nr. 58  vom 22.08.2006

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