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Globales
Ein Dialogprojekt mit israelischen und palästinensischen Jugendlichen
Ferien vom Krieg
Von Hans-Dieter Hey (Fotos / Text) und Hans-Detlev v. Kirchbach (Text)
Ferien für "Feinde" - ehe sie welche werden
Die Bürgerrechts-und Friedensaktivisten Hanne und Klaus Vack riefen 1994 dieses geniale Projekt ins Leben, als sie in kroatischen Flüchtlingslagern Kinder in Eisenbahnwaggons hungern und frieren sahen. Die Grundidee: Jugendliche vermeintlich "verfeindeter" Seiten aus Konfliktgebieten wenigstens für ein paar Wochen im Jahr aus der Abnormität eines Kriegs-und Gewaltalltages herauszuholen, sie vergleichsweise Sicherheit erleben zu lassen, ihnen Gelegenheit zu geben, sich untereinander über ihre Erfahrungen auszutauschen. Dieses, wie auch letztes Jahr, führt die Dialogbrücke auf "neutralem Boden" Jugendliche aus Israel und Palästina zusammen - aktuell über den Kriegsabgrund zuhause hinweg. Unterm Dach der katholischen Jugendbegegnungsstätte Walberberg können sie nun für ein paar Wochen "Ferien vom Krieg" erleben. Die pensionierte Lehrerin Helga Dieter und der Freiburger Soziologieprofessor Albert Scherr vom Komitee für Grundrechte und Demokratie fungieren dabei als ehrenamtliche Brückenbauer, als Mediatoren und Seelentröster.

Palästinensische Jugendliche in Walberberg
Foto: Hans-Dieter Hey
Friedensarbeit als Privatinitiative
Das alles wird ohne die geringste staatliche Unterstützung ausschließlich aus Privatinitiative und Spendengeldern möglich gemacht. Allein schon die - gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Sicherheitshysterie - bemerkenswert großzügige Visapraxis seitens der zuständigen deutschen Stellen aber empfinden die Initatoren schon als eine Art "staatlicher Unterstützung". So können die jungen Leute zwischen 14 und 27 Jahren in der Walberberger Idylle wenigstens kurzzeitig einen Alltag erfahren, in dem kein Krieg herrscht. In intensiven Seminaren und Gesprächen tauschen die "verfeindeten" Jugendlichen ihre Ansichten aus. Das aber ist Schwerstarbeit und hat mit Relaxen im Urlaub nicht mehr allzuviel zu tun.
Verständnis wecken - Verständigung möglich machen
Denn die Jugendlichen beider Seiten versuchen den jeweils "anderen" zu vermitteln, wie sie die alltägliche Situation zuhause empfinden und erfahren - die Angst, im Schulbus oder im Supermarkt Opfer eines Selbstmordattentats zu werden, auf der einen, die Erfahrung mit dem, was sie "Besatzungsterror" nennen, und natürlich der jüngsten kriegerischen Eskalation, auf der anderen Seite. Das führt immer wieder zu kontroversen Diskussionen - aber immerhin: Es wird geredet und nicht geschossen. Ferien vom Krieg - das bedeutet hier auch: Vierzehn Tage, drei Wochen Überlebensgarantie. Allein das aber kann die Jugendlichen, die an diesem Projekt teilnehmen, bei Teilen der eigenen Klientel zuhause als "Verräter" der jeweiligen "nationalen" oder religiösen "Sache" verdächtig machen. Und so wissen die Betreuer Albert Scherr und Helga Dieter auch davon zu berichten, daß vereinzelt Jugendliche, vor allem von der palästinensischen Seite, ihren Leuten zuhause den eigentlichen Kern des Ferienprojekts, nämlich den Dialogkontakt mit gleichaltrigen Israelis, nicht offenbart hätten, sondern nur, daß sie Ferien in Deutschland machen und dort mit Deutschen reden würden.

Israelische Jugendliche
Foto: Hans-Dieter Hey
Veränderung durch Dialog statt starrer Feindbilder
Andererseits findet die Mehrheit der jungen Menschen, ob Israelis oder Palästinenser, von ihren Familien gerade für dieses ungewöhnliche Friedensprojekt Unterstützung. Gleichwohl scheint es aus Sicherheitsgründen angezeigt, die Namen der Jugendlichen, die sich uns und einigen anderen Pressekolleginnen zum Gespräch stellten, nicht zu nennen. Auch wir bekamen nur summarische Vornamen zu hören und wollen selbst diese hier beiseite lassen. Damit den jungen Leuten nicht manches offene Wort nach ihrer Rückkehr zum Nachteil gereicht. "Ich muß mich vorsehen, daß ich hier nicht zu propalästinensisch werde", meinte etwa ein Mädchen aus der israelischen Gruppe; vieles, was sie erfahren habe, habe sie in ihrem Bild vom eigenen Staat unsicher gemacht. Und ein 15jähriger Junge aus Israel betonte, er wolle künftig alles tun, um das Verständnis für die Palästinenser und überhaupt den Frieden zu fördern.
Die Palästinenser sind da eher zurückhaltend, denn ihre tägliche Erfahrung, so meinten sie, lasse zunächst wenig Hoffnung auf Frieden entstehen. Dennoch: Auf einer noch sehr latenten Ebene mögen sich hier soziale Kerne einer künftigen Friedensordnung bilden. Wortführerin der kleinen palästinensischen Delegation ist eine selbstbewußte, redegewandte junge Frau von der "Westbank", die mit ihrem Kopftuch absolut nicht das Westklischee vom unterdrückten Opfer fundamentalislamischer Geschlechtsdiskriminierung erfüllt. Im Gegenteil wirkt sie weitaus emanzipierter als gleichaltrige Mädchen bei uns, die fragwürdigen Mode-Werbe-und "Star"-Leitbildern nachlaufen. Sie hat bereits in den USA an Friedenscamps teilgenommen, sie hat bei den palästinensischen Wahlen als Übersetzerin für internationale Beobachter gearbeitet. Der wichtigste Lerneffekt dieses Begegnungsprojekts, meint sie, sei zunächst, Gleichaltrige aus Israel überhaupt einmal nicht in Uniform als Soldaten wahrzunehmen, sondern als Menschen kennenzulernen. Das, findet sie, ist ein erster Schritt jenseits der Gewalt, wenngleich auch niemand bei diesen informellen Friedensgesprächen der Jugend irgendwelche Lösungen für die politischen Probleme anbieten kann. Die Hoffnung der meisten Teilnehmer auf ein friedliches Zusammenleben von Israelis und Palästinensern, in welchem staatlichen Gefüge auch immer, ist eben vorerst nur eine Zukunftsvision, der es noch an Realitätsgehalt mangelt.

Yahya (Palästina) und Netha (Israel) diskutieren den Frieden
Foto: Hans-Dieter Hey
Nach den Ferien: Zurück in den Kriegsalltag
Viele Probleme überschatten eben den Alltag - man muß sagen, vor allem der palästinensischen Seite - so massiv, daß es mit ein paar Friedensbekundungen in Walberberg auch nicht getan sein kann. "Es gibt Themen", sagt einer der palästinensischen Teilnehmer, "bei denen wir nicht übereinkommen, und die wir hier auch nicht lösen können, wie etwa die Abschottung, das Grenzregime, die Checkpoints, das Problem der palästinensischen Gefangenen, die willkürlichen Verhaftungen." Wo mit Panzern und Apache-Hubschraubern in Wohngebieten Jagd auf Menschen gemacht werde, dabei auch Kinder zu Tode kämen, da sei es schwer, allgemein von Frieden und Gewaltfreiheit zu reden. Nein, der Frieden wird auch nach der Ferienfreizeit von Walberberg zuhause im Konfliktgebiet nicht einfach ausbrechen - in der Wirklichkeit vor Ort schon gar nicht und noch nicht einmal unbedingt in den Köpfen der dialogbereiten Jugendlichen von beiden Seiten der "Mauer".
Dialog als Hoffnungszeichen
Das hätten freilich gerade die Initiatoren dieser bemerkenswerten Aktion zu allerletzt erwartet. Natürlich geht zuhause das Ungemach von Besatzung, Gewalt und Krieg weiter, und der Dialogfaden, für dessen Anknüpfung eine lange und beschwerliche Reise nach Deutschland erforderlich war, wird zuhause, über die paar Kilometer "Checkpoints" und "Mauer" hinweg, im einzelnen auch nicht halten. Doch daß dieser Dialog überhaupt stattfindet, ist ein Hoffnungszeichen. Vor allem, wenn man sich bewußt macht, daß unter den Teilnehmern, ähnlich wie letztes Jahr, so mancher über familiäre Opfer zu berichten weiß, etwa über den von israelischen Soldaten erschossenen Bruder. Dennoch sieht Prof. Scherr vor allem eine Hoffnung, nämlich aufgrund langfristiger Lernprozesse:
"Die jetzt hier sitzen, sind ja in Zukunft Ärzte, Rechtsanwälte; was immer sie werden mögen; und machen hier die Erfahrung: Es gibt eine Möglichkeit der friedlichen Verständigung mit der anderen Seite. Und dann ist die Frage: Wie übersetzen die das, sei es in ihrem beruflichen Alltag, sei es im politischen Engagement in weiterführende Aktivitäten." Da mögen die gegenseitigen Beteuerungen, sich auch zuhause für Frieden einzusetzen, ein gutes Zeichen für die Zukunft sein.
Auch in Zukunft: Ferien vom Krieg
Das freilich vor Ort kontinuierlich weiter zu begleiten, damit sind auch die ehrenamtlichen GesprächshelferInnen vom Komitee für Grundrechte und Demokratie natürlich überfordert - einerseits aus zeitlichen, andererseits aber auch aus finanziellen Gründen. Aufwendungen von350.000 Euro soll die diesjährige Aktion, Helga Dieter zufolge, gefordert haben, wie gesagt, finanziert ausschließlich aus privaten Spenden und ohne einen Cent "Staatskohle". Auch deshalb wollen wir, des guten friedenspolitischen Zwecks wegen, hier gerne mit dem Zaunpfahl der Spendenbereitschaft winken. Links zur Aktion "Ferien vom Krieg" finden sich im Anschluß an diesen Artikel. Dort gibt es auch ein Spendenkonto.
Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V.
Aquinostr. 7-11, D-50670 Köln
www.grundrechtekomitee.de
Verantwortlich für das Projekt "Ferien vom Krieg":
Helga Dieter, Flussgasse 8, D 60489 Frankfurt
Tel. #49-69-7892525, Fax #49-69-78803666
ubihedi@t-online.de
www.vacation-from-war.com
www.ferien-vom-krieg.de
Informations-Material kann bestellt werden bei
Helga Dieter, Flußgasse 8, 60489 Frankfurt, Tel 069-7892525:
Online-Flyer Nr. 59 vom 29.08.2006
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Ein Dialogprojekt mit israelischen und palästinensischen Jugendlichen
Ferien vom Krieg
Von Hans-Dieter Hey (Fotos / Text) und Hans-Detlev v. Kirchbach (Text)
Ferien für "Feinde" - ehe sie welche werden
Die Bürgerrechts-und Friedensaktivisten Hanne und Klaus Vack riefen 1994 dieses geniale Projekt ins Leben, als sie in kroatischen Flüchtlingslagern Kinder in Eisenbahnwaggons hungern und frieren sahen. Die Grundidee: Jugendliche vermeintlich "verfeindeter" Seiten aus Konfliktgebieten wenigstens für ein paar Wochen im Jahr aus der Abnormität eines Kriegs-und Gewaltalltages herauszuholen, sie vergleichsweise Sicherheit erleben zu lassen, ihnen Gelegenheit zu geben, sich untereinander über ihre Erfahrungen auszutauschen. Dieses, wie auch letztes Jahr, führt die Dialogbrücke auf "neutralem Boden" Jugendliche aus Israel und Palästina zusammen - aktuell über den Kriegsabgrund zuhause hinweg. Unterm Dach der katholischen Jugendbegegnungsstätte Walberberg können sie nun für ein paar Wochen "Ferien vom Krieg" erleben. Die pensionierte Lehrerin Helga Dieter und der Freiburger Soziologieprofessor Albert Scherr vom Komitee für Grundrechte und Demokratie fungieren dabei als ehrenamtliche Brückenbauer, als Mediatoren und Seelentröster.
Palästinensische Jugendliche in Walberberg
Foto: Hans-Dieter Hey
Friedensarbeit als Privatinitiative
Das alles wird ohne die geringste staatliche Unterstützung ausschließlich aus Privatinitiative und Spendengeldern möglich gemacht. Allein schon die - gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Sicherheitshysterie - bemerkenswert großzügige Visapraxis seitens der zuständigen deutschen Stellen aber empfinden die Initatoren schon als eine Art "staatlicher Unterstützung". So können die jungen Leute zwischen 14 und 27 Jahren in der Walberberger Idylle wenigstens kurzzeitig einen Alltag erfahren, in dem kein Krieg herrscht. In intensiven Seminaren und Gesprächen tauschen die "verfeindeten" Jugendlichen ihre Ansichten aus. Das aber ist Schwerstarbeit und hat mit Relaxen im Urlaub nicht mehr allzuviel zu tun.
Verständnis wecken - Verständigung möglich machen
Denn die Jugendlichen beider Seiten versuchen den jeweils "anderen" zu vermitteln, wie sie die alltägliche Situation zuhause empfinden und erfahren - die Angst, im Schulbus oder im Supermarkt Opfer eines Selbstmordattentats zu werden, auf der einen, die Erfahrung mit dem, was sie "Besatzungsterror" nennen, und natürlich der jüngsten kriegerischen Eskalation, auf der anderen Seite. Das führt immer wieder zu kontroversen Diskussionen - aber immerhin: Es wird geredet und nicht geschossen. Ferien vom Krieg - das bedeutet hier auch: Vierzehn Tage, drei Wochen Überlebensgarantie. Allein das aber kann die Jugendlichen, die an diesem Projekt teilnehmen, bei Teilen der eigenen Klientel zuhause als "Verräter" der jeweiligen "nationalen" oder religiösen "Sache" verdächtig machen. Und so wissen die Betreuer Albert Scherr und Helga Dieter auch davon zu berichten, daß vereinzelt Jugendliche, vor allem von der palästinensischen Seite, ihren Leuten zuhause den eigentlichen Kern des Ferienprojekts, nämlich den Dialogkontakt mit gleichaltrigen Israelis, nicht offenbart hätten, sondern nur, daß sie Ferien in Deutschland machen und dort mit Deutschen reden würden.
Israelische Jugendliche
Foto: Hans-Dieter Hey
Veränderung durch Dialog statt starrer Feindbilder
Andererseits findet die Mehrheit der jungen Menschen, ob Israelis oder Palästinenser, von ihren Familien gerade für dieses ungewöhnliche Friedensprojekt Unterstützung. Gleichwohl scheint es aus Sicherheitsgründen angezeigt, die Namen der Jugendlichen, die sich uns und einigen anderen Pressekolleginnen zum Gespräch stellten, nicht zu nennen. Auch wir bekamen nur summarische Vornamen zu hören und wollen selbst diese hier beiseite lassen. Damit den jungen Leuten nicht manches offene Wort nach ihrer Rückkehr zum Nachteil gereicht. "Ich muß mich vorsehen, daß ich hier nicht zu propalästinensisch werde", meinte etwa ein Mädchen aus der israelischen Gruppe; vieles, was sie erfahren habe, habe sie in ihrem Bild vom eigenen Staat unsicher gemacht. Und ein 15jähriger Junge aus Israel betonte, er wolle künftig alles tun, um das Verständnis für die Palästinenser und überhaupt den Frieden zu fördern.
Die Palästinenser sind da eher zurückhaltend, denn ihre tägliche Erfahrung, so meinten sie, lasse zunächst wenig Hoffnung auf Frieden entstehen. Dennoch: Auf einer noch sehr latenten Ebene mögen sich hier soziale Kerne einer künftigen Friedensordnung bilden. Wortführerin der kleinen palästinensischen Delegation ist eine selbstbewußte, redegewandte junge Frau von der "Westbank", die mit ihrem Kopftuch absolut nicht das Westklischee vom unterdrückten Opfer fundamentalislamischer Geschlechtsdiskriminierung erfüllt. Im Gegenteil wirkt sie weitaus emanzipierter als gleichaltrige Mädchen bei uns, die fragwürdigen Mode-Werbe-und "Star"-Leitbildern nachlaufen. Sie hat bereits in den USA an Friedenscamps teilgenommen, sie hat bei den palästinensischen Wahlen als Übersetzerin für internationale Beobachter gearbeitet. Der wichtigste Lerneffekt dieses Begegnungsprojekts, meint sie, sei zunächst, Gleichaltrige aus Israel überhaupt einmal nicht in Uniform als Soldaten wahrzunehmen, sondern als Menschen kennenzulernen. Das, findet sie, ist ein erster Schritt jenseits der Gewalt, wenngleich auch niemand bei diesen informellen Friedensgesprächen der Jugend irgendwelche Lösungen für die politischen Probleme anbieten kann. Die Hoffnung der meisten Teilnehmer auf ein friedliches Zusammenleben von Israelis und Palästinensern, in welchem staatlichen Gefüge auch immer, ist eben vorerst nur eine Zukunftsvision, der es noch an Realitätsgehalt mangelt.
Yahya (Palästina) und Netha (Israel) diskutieren den Frieden
Foto: Hans-Dieter Hey
Nach den Ferien: Zurück in den Kriegsalltag
Viele Probleme überschatten eben den Alltag - man muß sagen, vor allem der palästinensischen Seite - so massiv, daß es mit ein paar Friedensbekundungen in Walberberg auch nicht getan sein kann. "Es gibt Themen", sagt einer der palästinensischen Teilnehmer, "bei denen wir nicht übereinkommen, und die wir hier auch nicht lösen können, wie etwa die Abschottung, das Grenzregime, die Checkpoints, das Problem der palästinensischen Gefangenen, die willkürlichen Verhaftungen." Wo mit Panzern und Apache-Hubschraubern in Wohngebieten Jagd auf Menschen gemacht werde, dabei auch Kinder zu Tode kämen, da sei es schwer, allgemein von Frieden und Gewaltfreiheit zu reden. Nein, der Frieden wird auch nach der Ferienfreizeit von Walberberg zuhause im Konfliktgebiet nicht einfach ausbrechen - in der Wirklichkeit vor Ort schon gar nicht und noch nicht einmal unbedingt in den Köpfen der dialogbereiten Jugendlichen von beiden Seiten der "Mauer".
Dialog als Hoffnungszeichen
Das hätten freilich gerade die Initiatoren dieser bemerkenswerten Aktion zu allerletzt erwartet. Natürlich geht zuhause das Ungemach von Besatzung, Gewalt und Krieg weiter, und der Dialogfaden, für dessen Anknüpfung eine lange und beschwerliche Reise nach Deutschland erforderlich war, wird zuhause, über die paar Kilometer "Checkpoints" und "Mauer" hinweg, im einzelnen auch nicht halten. Doch daß dieser Dialog überhaupt stattfindet, ist ein Hoffnungszeichen. Vor allem, wenn man sich bewußt macht, daß unter den Teilnehmern, ähnlich wie letztes Jahr, so mancher über familiäre Opfer zu berichten weiß, etwa über den von israelischen Soldaten erschossenen Bruder. Dennoch sieht Prof. Scherr vor allem eine Hoffnung, nämlich aufgrund langfristiger Lernprozesse:
"Die jetzt hier sitzen, sind ja in Zukunft Ärzte, Rechtsanwälte; was immer sie werden mögen; und machen hier die Erfahrung: Es gibt eine Möglichkeit der friedlichen Verständigung mit der anderen Seite. Und dann ist die Frage: Wie übersetzen die das, sei es in ihrem beruflichen Alltag, sei es im politischen Engagement in weiterführende Aktivitäten." Da mögen die gegenseitigen Beteuerungen, sich auch zuhause für Frieden einzusetzen, ein gutes Zeichen für die Zukunft sein.
Auch in Zukunft: Ferien vom Krieg
Das freilich vor Ort kontinuierlich weiter zu begleiten, damit sind auch die ehrenamtlichen GesprächshelferInnen vom Komitee für Grundrechte und Demokratie natürlich überfordert - einerseits aus zeitlichen, andererseits aber auch aus finanziellen Gründen. Aufwendungen von350.000 Euro soll die diesjährige Aktion, Helga Dieter zufolge, gefordert haben, wie gesagt, finanziert ausschließlich aus privaten Spenden und ohne einen Cent "Staatskohle". Auch deshalb wollen wir, des guten friedenspolitischen Zwecks wegen, hier gerne mit dem Zaunpfahl der Spendenbereitschaft winken. Links zur Aktion "Ferien vom Krieg" finden sich im Anschluß an diesen Artikel. Dort gibt es auch ein Spendenkonto.
Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V.
Aquinostr. 7-11, D-50670 Köln
www.grundrechtekomitee.de
Verantwortlich für das Projekt "Ferien vom Krieg":
Helga Dieter, Flussgasse 8, D 60489 Frankfurt
Tel. #49-69-7892525, Fax #49-69-78803666
ubihedi@t-online.de
www.vacation-from-war.com
www.ferien-vom-krieg.de
Informations-Material kann bestellt werden bei
Helga Dieter, Flußgasse 8, 60489 Frankfurt, Tel 069-7892525:
Online-Flyer Nr. 59 vom 29.08.2006
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