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Kultur und Wissen
Deutsch-Amerikaner Manfred Mohr in Köln ausgezeichnet
Verleihung Digitaler Kunstpreis 2006
Von Elmar Klevers
Die Preisverleihung fand in den Rheinhallen des Rheinparks in Köln statt. Der Preis umfasst eine gläserne Stele, einen Geldpreis von 20.000 Euro und einen Katalog für eine große Manfred Mohr-Ausstellung in der Kunsthalle Bremen im Jahr 2007.
Namen, die die Digital-Welt bedeuten
Die Jury 2006 bestand aus:
Prof. Dr. Oliver Grau, Donau-Universität Krems, Österreich,
Sabine Himmelsbach, Leiterin des Edith-Ruß-Hauses, Oldenburg,
Prof. Dr. Wulf Herzogenrath, Direktor der Kunsthalle Bremen,
Wolf Lieser, Direktor des Digital Art Museum (DAM) Berlin,
Prof. Dr. Siegfried Zielinski, Kunsthochschule für Medien, Köln
Die Nominierten, aus denen die Jury die Auswahl zu treffen hatte, waren: Charles Csuri, USA, Paul DeMarinis, USA, William Latham, UK, Manfred Mohr, D-USA und Roman Verostko, USA. Stifterin und gleichzeitig Namensgeberin des Preises ist die d.velop AG in Gescher in Westfalen. d.velop ist führender Anbieter innovativer Lösungen für digitale Geschäftsprozess-Optimierung auf der Basis des integralen Archiv-, Dokumenten- und Workflow-Management-Systems d3. Partner für 2006 sind die Kunsthalle Bremen, die KölnMesse, die Agentur "kommunikation lohnzich", Münster und das DAM, Digital Art Museum in Berlin.
Die diesjährige Preisverleihung war die zweite ihrer Art. Der Preis für 2005 wurde an die so bezeichnete "Grande Dame der Digitalkunst" Vera Molnar, Paris, anlässlich ihrer Ausstellung in der Bremer Kusthalle verliehen.
Manfred Mohr - Leben und Wirken
Manfred Mohr wurde 1938 in Pforzheim geboren und besuchte ab 1957 die Kunst- und Werkschule in seiner Heimatstadt. Er sollte Goldschmied werden und das elterlichen Geschäft übernehmen. Das Ländle war ihm zu eng, und so ging er 1960 zur action paitings nach London. 1962 begann M.M. seine schwarz-weiss Studien und 1965 ein Lithographiestudium an der Ecole Beaux Arts in Paris. Mit geometrischen Experimenten fing er an. 1969 publizierte er das Künstler-Buch `Artificiata I" und führte erste Arbeiten am Computer aus. Von da an ließ ihn der Computer als Arbeitsmittel nicht mehr los. Er studierte neben seiner künstlerischen Arbeit Mathematik und Geometrie. Seine ersten erfolgreichen Arbeiten waren geometrische Computerzeichnungen in schwarz/weiß. Später griff Manfred Mohr aus logischer Notwendigkeit auf Farben zurück.
Die Liste seiner gewonnenen Preise ist lang und führt zu allen bedeutenden Kunststätten. Seine Frau, eine Amerikanerin, ist Mathematikerin. Beide zusammen entwickelten Programme und kleine PCs für die Bildschirmarbeiten der Programme "space.color.motion" und "sbsets". In dreiundsiebzig Einzelausstellungen in Europa und Nordamerika zeigte Manfred Mohr seine Arbeiten. Herauszuheben aus dieser großen Zahl ist seine Retrospective 1965 bis 1999 im "The Rave Webmuseum" im Jahre 2000. In 42 Museen in Europa, Kanada und Israel hängen seine Arbeiten, auch im Museum Ludwig in Köln.

Preisträger Manfred Mohr, seine Frau und Vertreter der Preisstifterin und der Jury
Foto: Rita Grünewald
Warum bekam Manfred Mohr den Preis?
Manfred Mohr ist der hervorstechendste Künstler im Bereich der Digitalkunst und ohne Unterbrechung fast vierzig Jahre tätig, so Jury-Mitglied Wolf Lieser. Er kann auf ein umfassendes Werk zurückschauen, was auch konsequent durchgearbeitet worden ist. In der Kunsthochschule Bremen führte Professor Nake jahrelang ein Manfred Mohr-Seminar mit seinen Studenten durch, in dem diese seine Algorithmen studierten und seine Programme um- und neu schrieben.
Manfred Mohr selbst erklärt seine Arbeit wie folgt: "Algorithmus ist ganz einfach eine Regel, die einen Anfang und ein Ende hat. Damit kann man Ideen aufschreiben, die dann nacheinander ablaufen und zum Schluss, wenn die Regeln aufhören, ist ein Resultat da. Dieses Resultat kann vieles sein, aber auch Gedanken über ästhetische Reflektionen". Mohrs künstlerischen Recherchen gehen dahin, dass er versucht, seine mehr oder weniger mathematischen Gefühle aufzuschreiben, damit etwas entsteht, das auch ihm und seinem Denken entspricht und nicht nur eine wahllose Anordnung von Regeln ist. Es muß auch sein Denken reflektieren. "Das ist die größte Arbeit, etwas zu finden, das auch in sich stimmt. Nicht alle Regeln, die man aufstellt, bringen etwas Interessantes. 90 Prozent der Ideen, die man hat, fallen ins Wasser, weil zum Schluss doch nichts rauskommt. Nur wenige bleiben, und an denen arbeitet man weiter".
Manfred Mohr kommt aus der Tradition des Tachismus. Die action paintings in den 50er und 60er Jahren seiner Schulzeit beeinflußten ihn. Danach entwickelte er seine Emotionen zurück, weil er mehr Kontrolle über sich erreichen wollte und das Denken in den Vordergrund rückte. Die Geometrie schlich sich unbemerkt in seine Arbeiten ein. Mitte der sechziger Jahre waren seine Bilder völlig geometrisch. Sie waren ohne Regeln, einfach eine surrealistische Geometrie. Mit den Algorithmen und unter dem Einfluss des atheistischen Philosophen Max Bense sowie des französischen Komponisten Barlow, der als erster Mensch seine musikalischen Werke mit dem Computer komponierte, kam ihm die Idee, eine lineare Geschichte aufzuschreiben.
Das könnte auch in der Grafik so sein. Diese entscheidenden Impulse und Einsichten bewegten ihn, programmieren zu lernen und seine mathematisch begründeten Programme in künstlerische Formen umzusetzen. Genau das war der Durchbruch zum Erfolg, wenn er auch in Malerkreisen lange Zeit belächelt wurde. Die letzten zehn Jahre haben den Aufstieg der Digitalkunst gebracht und damit auch die Anerkennung der Künstler dieser Sparte.

Digitaler Kunstpreis 2006 - eine Glasstele
Foto: Rita Grünewald
Digitalkunst erhält höheren Stellenwert
Es hängt sicher auch mit der zunehmenden Akzeptanz des Computers in breiten Schichten der Bevölkerung zusammen, dass die Digitalkunst allmählich einen höheren Stellenwert bekommt. In den siebziger Jahren, so erzählt Manfred Mohr, ist er bei Vorträgen in Paris über digitale bzw. Computerkunst mit Eiern und Tomaten beworfen worden, weil ihm die jungen Zuhörer vorwarfen, kapitalistische oder militärische Instrumente zu benutzen, um Kunst zu machen. Die Verlage von Kunstzeitschriften warfen grundsätzlich alles aus ihren Programmen heraus, was sich mit Computerkunst befasste.
Mohr betont aber bei aller Freude über den Durchbruch der Digitalkunst, dass die Technik - Hardware und Software - immer nur das Werkzeug ist, womit der Künstler seine Ideen verwirklicht. Auf die zukünftige Entwicklung angesprochen, ist er der Meinung, dass der Computer in seiner vielfältigen Anwendung im Leben der Menschen eines Tages etwas ganz Normales werden wird.
Mohrs Einschätzung der heutigen und der künftigen Gesellschaft ist, dass sie eine denkende ist, die immer logischere und klarere Ding machen möchte. Dazu braucht sie eine Ausdehnung und die Erkenntnis, dass die Technik nicht gegen sie, sondern für sie ist. Er meint, die Maschine PC sei für die Menschen ein Intelligenzverstärker, der die Ausdehnung schaffe, die der Mensch benötigt.
Ich wünschte mir, dass Manfred Mohr Recht behalten würde.
Online-Flyer Nr. 63 vom 26.09.2006
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Kultur und Wissen
Deutsch-Amerikaner Manfred Mohr in Köln ausgezeichnet
Verleihung Digitaler Kunstpreis 2006
Von Elmar Klevers
Die Preisverleihung fand in den Rheinhallen des Rheinparks in Köln statt. Der Preis umfasst eine gläserne Stele, einen Geldpreis von 20.000 Euro und einen Katalog für eine große Manfred Mohr-Ausstellung in der Kunsthalle Bremen im Jahr 2007.
Namen, die die Digital-Welt bedeuten
Die Jury 2006 bestand aus:
Prof. Dr. Oliver Grau, Donau-Universität Krems, Österreich,
Sabine Himmelsbach, Leiterin des Edith-Ruß-Hauses, Oldenburg,
Prof. Dr. Wulf Herzogenrath, Direktor der Kunsthalle Bremen,
Wolf Lieser, Direktor des Digital Art Museum (DAM) Berlin,
Prof. Dr. Siegfried Zielinski, Kunsthochschule für Medien, Köln
Die Nominierten, aus denen die Jury die Auswahl zu treffen hatte, waren: Charles Csuri, USA, Paul DeMarinis, USA, William Latham, UK, Manfred Mohr, D-USA und Roman Verostko, USA. Stifterin und gleichzeitig Namensgeberin des Preises ist die d.velop AG in Gescher in Westfalen. d.velop ist führender Anbieter innovativer Lösungen für digitale Geschäftsprozess-Optimierung auf der Basis des integralen Archiv-, Dokumenten- und Workflow-Management-Systems d3. Partner für 2006 sind die Kunsthalle Bremen, die KölnMesse, die Agentur "kommunikation lohnzich", Münster und das DAM, Digital Art Museum in Berlin.
Die diesjährige Preisverleihung war die zweite ihrer Art. Der Preis für 2005 wurde an die so bezeichnete "Grande Dame der Digitalkunst" Vera Molnar, Paris, anlässlich ihrer Ausstellung in der Bremer Kusthalle verliehen.
Manfred Mohr - Leben und Wirken
Manfred Mohr wurde 1938 in Pforzheim geboren und besuchte ab 1957 die Kunst- und Werkschule in seiner Heimatstadt. Er sollte Goldschmied werden und das elterlichen Geschäft übernehmen. Das Ländle war ihm zu eng, und so ging er 1960 zur action paitings nach London. 1962 begann M.M. seine schwarz-weiss Studien und 1965 ein Lithographiestudium an der Ecole Beaux Arts in Paris. Mit geometrischen Experimenten fing er an. 1969 publizierte er das Künstler-Buch `Artificiata I" und führte erste Arbeiten am Computer aus. Von da an ließ ihn der Computer als Arbeitsmittel nicht mehr los. Er studierte neben seiner künstlerischen Arbeit Mathematik und Geometrie. Seine ersten erfolgreichen Arbeiten waren geometrische Computerzeichnungen in schwarz/weiß. Später griff Manfred Mohr aus logischer Notwendigkeit auf Farben zurück.
Die Liste seiner gewonnenen Preise ist lang und führt zu allen bedeutenden Kunststätten. Seine Frau, eine Amerikanerin, ist Mathematikerin. Beide zusammen entwickelten Programme und kleine PCs für die Bildschirmarbeiten der Programme "space.color.motion" und "sbsets". In dreiundsiebzig Einzelausstellungen in Europa und Nordamerika zeigte Manfred Mohr seine Arbeiten. Herauszuheben aus dieser großen Zahl ist seine Retrospective 1965 bis 1999 im "The Rave Webmuseum" im Jahre 2000. In 42 Museen in Europa, Kanada und Israel hängen seine Arbeiten, auch im Museum Ludwig in Köln.

Preisträger Manfred Mohr, seine Frau und Vertreter der Preisstifterin und der Jury
Foto: Rita Grünewald
Warum bekam Manfred Mohr den Preis?
Manfred Mohr ist der hervorstechendste Künstler im Bereich der Digitalkunst und ohne Unterbrechung fast vierzig Jahre tätig, so Jury-Mitglied Wolf Lieser. Er kann auf ein umfassendes Werk zurückschauen, was auch konsequent durchgearbeitet worden ist. In der Kunsthochschule Bremen führte Professor Nake jahrelang ein Manfred Mohr-Seminar mit seinen Studenten durch, in dem diese seine Algorithmen studierten und seine Programme um- und neu schrieben.
Manfred Mohr selbst erklärt seine Arbeit wie folgt: "Algorithmus ist ganz einfach eine Regel, die einen Anfang und ein Ende hat. Damit kann man Ideen aufschreiben, die dann nacheinander ablaufen und zum Schluss, wenn die Regeln aufhören, ist ein Resultat da. Dieses Resultat kann vieles sein, aber auch Gedanken über ästhetische Reflektionen". Mohrs künstlerischen Recherchen gehen dahin, dass er versucht, seine mehr oder weniger mathematischen Gefühle aufzuschreiben, damit etwas entsteht, das auch ihm und seinem Denken entspricht und nicht nur eine wahllose Anordnung von Regeln ist. Es muß auch sein Denken reflektieren. "Das ist die größte Arbeit, etwas zu finden, das auch in sich stimmt. Nicht alle Regeln, die man aufstellt, bringen etwas Interessantes. 90 Prozent der Ideen, die man hat, fallen ins Wasser, weil zum Schluss doch nichts rauskommt. Nur wenige bleiben, und an denen arbeitet man weiter".
Manfred Mohr kommt aus der Tradition des Tachismus. Die action paintings in den 50er und 60er Jahren seiner Schulzeit beeinflußten ihn. Danach entwickelte er seine Emotionen zurück, weil er mehr Kontrolle über sich erreichen wollte und das Denken in den Vordergrund rückte. Die Geometrie schlich sich unbemerkt in seine Arbeiten ein. Mitte der sechziger Jahre waren seine Bilder völlig geometrisch. Sie waren ohne Regeln, einfach eine surrealistische Geometrie. Mit den Algorithmen und unter dem Einfluss des atheistischen Philosophen Max Bense sowie des französischen Komponisten Barlow, der als erster Mensch seine musikalischen Werke mit dem Computer komponierte, kam ihm die Idee, eine lineare Geschichte aufzuschreiben.
Das könnte auch in der Grafik so sein. Diese entscheidenden Impulse und Einsichten bewegten ihn, programmieren zu lernen und seine mathematisch begründeten Programme in künstlerische Formen umzusetzen. Genau das war der Durchbruch zum Erfolg, wenn er auch in Malerkreisen lange Zeit belächelt wurde. Die letzten zehn Jahre haben den Aufstieg der Digitalkunst gebracht und damit auch die Anerkennung der Künstler dieser Sparte.

Digitaler Kunstpreis 2006 - eine Glasstele
Foto: Rita Grünewald
Digitalkunst erhält höheren Stellenwert
Es hängt sicher auch mit der zunehmenden Akzeptanz des Computers in breiten Schichten der Bevölkerung zusammen, dass die Digitalkunst allmählich einen höheren Stellenwert bekommt. In den siebziger Jahren, so erzählt Manfred Mohr, ist er bei Vorträgen in Paris über digitale bzw. Computerkunst mit Eiern und Tomaten beworfen worden, weil ihm die jungen Zuhörer vorwarfen, kapitalistische oder militärische Instrumente zu benutzen, um Kunst zu machen. Die Verlage von Kunstzeitschriften warfen grundsätzlich alles aus ihren Programmen heraus, was sich mit Computerkunst befasste.
Mohr betont aber bei aller Freude über den Durchbruch der Digitalkunst, dass die Technik - Hardware und Software - immer nur das Werkzeug ist, womit der Künstler seine Ideen verwirklicht. Auf die zukünftige Entwicklung angesprochen, ist er der Meinung, dass der Computer in seiner vielfältigen Anwendung im Leben der Menschen eines Tages etwas ganz Normales werden wird.
Mohrs Einschätzung der heutigen und der künftigen Gesellschaft ist, dass sie eine denkende ist, die immer logischere und klarere Ding machen möchte. Dazu braucht sie eine Ausdehnung und die Erkenntnis, dass die Technik nicht gegen sie, sondern für sie ist. Er meint, die Maschine PC sei für die Menschen ein Intelligenzverstärker, der die Ausdehnung schaffe, die der Mensch benötigt.
Ich wünschte mir, dass Manfred Mohr Recht behalten würde.
Online-Flyer Nr. 63 vom 26.09.2006
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