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Buchkritik: "Unsichtbar lächelnd träumt er Befreiung"
Erasmus Schöfer unterwegs mit Sisyfos
Von Ariane Detloff
Zu Beginn des Bandes zeichnet Volker Dittrich selbst ein sehr privates Bild von Erasmus Schöfer. Erzählt von der Kindheit des Autors, seiner Vatersuche und von dem Familienmenschen Schöfer.
Ein Kapitel aus dem vierten, noch unvollendeten Band der Romantetralogie "Die Kinder des Sisyfos", "Arbeitsfreiheit" betitelt, macht Appetit auf diesen letzten Teil der "Geschichte der 68er". Es sind nicht die als Machtmacker und Scheinheilige in Verruf geratenen Vertreter der Generation wie Gerhard Schröder und Joschka Fischer, die Schöfer in den Mittelpunkt seines Zeitromans gerückt hat, sondern eher nachdenkliche Zweifler und an den gesellschaftlichen Verhältnissen Leidende.
Bezüge zur Nach-Wende-Zeit, die nicht mehr explizit thematisiert wird, sind immer wieder augenfällig - gerade auch in diesem vorabgedruckten Kapitel des vierten Bandes "Winterdämmerung", der 2007 fertig werden soll. Da trifft die LeserIn auf einen Rechtsanwalt, der naßforsch verkündet, "dass man in diesem Land nicht mehr nach Gutsherrenart Menschen heuern und feuern" könne. Und schmeckt die Empörung eines engagierten Betriebsrats und lesenden Arbeiters angesichts seines "von Arbeit unfreiwillig entblößten Lebens". Dessen Beschreibung der "Ästhetik des Widerstands" von Peter Weiss hat viel mit den Absichten des Schöferschen Romanwerks zu tun: Auch ihm geht es darum, "Verschüttetes, Bomben mit Zeitzündern" zu heben und zu entschärfen "durch verschärfte Kenntnisnahme", die er seinen LeserInnen ermöglicht.
Beihilfe, den "Tritt der Mächtigen" wahrzunehmen und ein "Kopfbeben" auszulösen, will Erasmus Schöfer leisten. Und uns lesend miterleben lassen, wie sein Protagonist Anno 1980 "Leben in der verhängten Freizeit als ohne Maloche lebbar" entdeckt. Das liest sich vergnüglich und instruktiv gerade auch für RomanfreundInnen, die die erzählte Zeit nicht aus eigenem Erleben kennen. Und es macht Spaß, eigene Früchte der Schöfer-Lektüre mit den in diesem Nachlese-Band versammelten zu vergleichen. "Indem er von nichts als Schwierigkeiten erzählt," vermerkt der WDR-Redakteur Walter van Rossum, "hat er den inzwischen zerschlissenen Weltverbesserungsträumen ihre Größe zurückgegeben."

"Unsichtbar lächelnd träumt er Befreiung" - Erasmus Schöfer unterwegs mit Sisyfos, Volker Dittrich (Hrsg.), ISBN 3-937717-20-X - 224 Seiten, gebunden, mit 14 sw Fotos, Köln 2006 - Euro 17.80
Online-Flyer Nr. 63 vom 26.09.2006
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Buchkritik: "Unsichtbar lächelnd träumt er Befreiung"
Erasmus Schöfer unterwegs mit Sisyfos
Von Ariane Detloff
Zu Beginn des Bandes zeichnet Volker Dittrich selbst ein sehr privates Bild von Erasmus Schöfer. Erzählt von der Kindheit des Autors, seiner Vatersuche und von dem Familienmenschen Schöfer.
Ein Kapitel aus dem vierten, noch unvollendeten Band der Romantetralogie "Die Kinder des Sisyfos", "Arbeitsfreiheit" betitelt, macht Appetit auf diesen letzten Teil der "Geschichte der 68er". Es sind nicht die als Machtmacker und Scheinheilige in Verruf geratenen Vertreter der Generation wie Gerhard Schröder und Joschka Fischer, die Schöfer in den Mittelpunkt seines Zeitromans gerückt hat, sondern eher nachdenkliche Zweifler und an den gesellschaftlichen Verhältnissen Leidende.
Bezüge zur Nach-Wende-Zeit, die nicht mehr explizit thematisiert wird, sind immer wieder augenfällig - gerade auch in diesem vorabgedruckten Kapitel des vierten Bandes "Winterdämmerung", der 2007 fertig werden soll. Da trifft die LeserIn auf einen Rechtsanwalt, der naßforsch verkündet, "dass man in diesem Land nicht mehr nach Gutsherrenart Menschen heuern und feuern" könne. Und schmeckt die Empörung eines engagierten Betriebsrats und lesenden Arbeiters angesichts seines "von Arbeit unfreiwillig entblößten Lebens". Dessen Beschreibung der "Ästhetik des Widerstands" von Peter Weiss hat viel mit den Absichten des Schöferschen Romanwerks zu tun: Auch ihm geht es darum, "Verschüttetes, Bomben mit Zeitzündern" zu heben und zu entschärfen "durch verschärfte Kenntnisnahme", die er seinen LeserInnen ermöglicht.Beihilfe, den "Tritt der Mächtigen" wahrzunehmen und ein "Kopfbeben" auszulösen, will Erasmus Schöfer leisten. Und uns lesend miterleben lassen, wie sein Protagonist Anno 1980 "Leben in der verhängten Freizeit als ohne Maloche lebbar" entdeckt. Das liest sich vergnüglich und instruktiv gerade auch für RomanfreundInnen, die die erzählte Zeit nicht aus eigenem Erleben kennen. Und es macht Spaß, eigene Früchte der Schöfer-Lektüre mit den in diesem Nachlese-Band versammelten zu vergleichen. "Indem er von nichts als Schwierigkeiten erzählt," vermerkt der WDR-Redakteur Walter van Rossum, "hat er den inzwischen zerschlissenen Weltverbesserungsträumen ihre Größe zurückgegeben."

"Unsichtbar lächelnd träumt er Befreiung" - Erasmus Schöfer unterwegs mit Sisyfos, Volker Dittrich (Hrsg.), ISBN 3-937717-20-X - 224 Seiten, gebunden, mit 14 sw Fotos, Köln 2006 - Euro 17.80
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