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Filmkritik: "Deutschland. Ein Sommermärchen"
Deutschland. Der Sommer ist vorbei
Von Hermann
Grade dieser hat sich erst kürzlich beim EM-Qualifikationsspiel in Bratislava von seiner besten Seite gezeigt. Ich meine nicht die "Hooligans im Schwachmatenblock" (Zitat Reinhold Beckmann), sondern den Moment, als sich unsere Mannschaft vor dem "Block mit den echten, guten Fans" (ebenfalls Zitat R.B.) feiern ließ und die Fernsehkameras eine wehende Reichsflagge mit eisernem Kreuz einfing, die wohl als unmissverständliches Zeichen dafür gewertet werden darf, dass der Sommer nun endgültig vorbei ist und der Nationalmannschaftsfußball - zumindest auf den Rängen - wieder da angekommen ist, wo ihn die WM-Euphorie vor einigen Monaten abgeholt hat.
Reichsflaggen sind in `Deutschland. Ein Sommermärchen´ natürlich nicht zu sehen, dafür Deutschlandfahnen. Viele Deutschlandfahnen. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, den erwarten allerdings zwei kurzweilige Stunden im Kino. Denn mein Vorhaben scheiterte, ich fand den Film nicht doof, sondern mich gut unterhalten. Sönke Wortmann begleitet mit seinen Kameras die Nationalmannschaft von der Vorbereitung in Sardinien bis zum großen Abschied am Brandenburger Tor, ist sowohl in der Kabine als auch im Mannschaftsbus und dank Kamerakind Lukas sogar im Wellnessbereich dabei. Der Regisseur führte viele Einzelinterviews mit sehr unterschiedlichem Informationsgehalt, die leider häufig zu gewollt persönlich wirken. Denn wenn der Kameramann auf der Bettkante von Fußballprofis sitzt, ist das zwar im Falle von Philipp Lahm mit seinem wehen Arm noch recht niedlich, bei erwachsenen Männern wie Jens Lehmann aber eher unpassend. Doch durch Sönke Wortmanns permanentes Filmen erfährt man viel über die verschiedenen Facetten aus dem Leben der Nationalspieler, die positiven (die Pizza zu Arne Friedrichs Geburtstag sieht sehr lecker aus) und die negativen (nach einer Halbfinalniederlage sind Angela Merkel und ein blöd grinsender Horst Köhler in der Kabine bestimmt nur schwer zu ertragen).
Überhaupt lassen die Eindrücke aus der Kabine tief blicken, ähnelt Jürgen Klinsmann bei seinen Ansprachen doch beängstigend einem Manager-Motivationstrainer auf einem Scientology-Seminar, lediglich sein niedlicher Akzent entschärft den Eindruck ein wenig. Als ruhiger Gegenpol wirkt Jogi Löw als unaufgeregter Taktiker mit ebenso niedlichem Akzent. Auch die Spieler überraschen nicht durch ihre Persönlichkeiten. Sie erscheinen entweder jugendlich aufgedreht (Poldi, Schweini), angenehm ruhig und sachlich (Lehmann, Metzelder) oder einfach nur wie Streber (Ballack, Ballack).
Besonders hübsch gelungen sind die Stadionszenen, wirkt das Spiel doch von der Seitenlinie mit Handkamera aufgenommen viel schneller und die Spielstätte viel beeindruckender als im Fernsehen. Lediglich die musikalische Untermalung hätte etwas bescheidener sein dürfen. Aber vermutlich musste sich Sönke Wortmann dieses Mittels bedienen, um den nur temporär fußballinteressierten Länderspielguckern und Schönwetterfans das Gefühl des großen Turniers wiederzubeschaffen. Überhaupt ist die Musik im Film, nicht zuletzt dank Gerald Asamoahs Zutun, für Menschen, die Xavier Naidoo nichts abgewinnen können, nur schwer zu ertragen.
Obwohl mich der hohe Unterhaltungsgrad des Films Sönke Wortmanns Vergehen wie `Das Wunder von Bern´ nicht verzeihen lässt, kann ich niemandem, der sich zumindest ein wenig - und sei es nur die WM - für Fußball begeistern kann, von einem Kinobesuch vollen Herzens abraten, sondern lediglich einen Tip mit auf den Weg geben: Lasst eure Kinder zu Hause. Guckt euch lieber `Die wilden Kerle 1-3´ an, bei `Deutschland. Ein Sommermärchen´ handelt es sich nämlich um keinen Kinderfilm.
Ich habe den Fehler gemacht und mir den Film nachmittags während der Herbstferien angesehen und so feststellen dürfen, dass Kinder zwar herzlich beim Anblick von Lehmanns nacktem Popo oder Poldis Schlüpfer lachen, sich aber ansonsten nicht für Dokumentationen und Interviews interessieren, schon recht nicht, wenn diese über mehrere Stunden gehen, sonder lieber selber reden. Vielleicht hätte Sönke Wortmann aus seinem Material zwei Filme machen sollen, einen für die Kinder, der nur aus Spielszenen besteht, denn diese kamen sehr gut beim jungen Publikum an, und einen, so wie er ist, für die größeren Kinder, dann hätte ich beim Gucken vermutlich meine Ruhe gehabt. Doch so haben die niemals schweigenden Kinderstimmen Aggressionen und den Wunsch in mir hervorgerufen, den Kinosaal in einen "Schwachmaten-Block" (wieder Zitat R.B.) zu verwandeln.
Online-Flyer Nr. 66 vom 17.10.2006
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Filmkritik: "Deutschland. Ein Sommermärchen"
Deutschland. Der Sommer ist vorbei
Von Hermann
Grade dieser hat sich erst kürzlich beim EM-Qualifikationsspiel in Bratislava von seiner besten Seite gezeigt. Ich meine nicht die "Hooligans im Schwachmatenblock" (Zitat Reinhold Beckmann), sondern den Moment, als sich unsere Mannschaft vor dem "Block mit den echten, guten Fans" (ebenfalls Zitat R.B.) feiern ließ und die Fernsehkameras eine wehende Reichsflagge mit eisernem Kreuz einfing, die wohl als unmissverständliches Zeichen dafür gewertet werden darf, dass der Sommer nun endgültig vorbei ist und der Nationalmannschaftsfußball - zumindest auf den Rängen - wieder da angekommen ist, wo ihn die WM-Euphorie vor einigen Monaten abgeholt hat.
Reichsflaggen sind in `Deutschland. Ein Sommermärchen´ natürlich nicht zu sehen, dafür Deutschlandfahnen. Viele Deutschlandfahnen. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, den erwarten allerdings zwei kurzweilige Stunden im Kino. Denn mein Vorhaben scheiterte, ich fand den Film nicht doof, sondern mich gut unterhalten. Sönke Wortmann begleitet mit seinen Kameras die Nationalmannschaft von der Vorbereitung in Sardinien bis zum großen Abschied am Brandenburger Tor, ist sowohl in der Kabine als auch im Mannschaftsbus und dank Kamerakind Lukas sogar im Wellnessbereich dabei. Der Regisseur führte viele Einzelinterviews mit sehr unterschiedlichem Informationsgehalt, die leider häufig zu gewollt persönlich wirken. Denn wenn der Kameramann auf der Bettkante von Fußballprofis sitzt, ist das zwar im Falle von Philipp Lahm mit seinem wehen Arm noch recht niedlich, bei erwachsenen Männern wie Jens Lehmann aber eher unpassend. Doch durch Sönke Wortmanns permanentes Filmen erfährt man viel über die verschiedenen Facetten aus dem Leben der Nationalspieler, die positiven (die Pizza zu Arne Friedrichs Geburtstag sieht sehr lecker aus) und die negativen (nach einer Halbfinalniederlage sind Angela Merkel und ein blöd grinsender Horst Köhler in der Kabine bestimmt nur schwer zu ertragen).
Überhaupt lassen die Eindrücke aus der Kabine tief blicken, ähnelt Jürgen Klinsmann bei seinen Ansprachen doch beängstigend einem Manager-Motivationstrainer auf einem Scientology-Seminar, lediglich sein niedlicher Akzent entschärft den Eindruck ein wenig. Als ruhiger Gegenpol wirkt Jogi Löw als unaufgeregter Taktiker mit ebenso niedlichem Akzent. Auch die Spieler überraschen nicht durch ihre Persönlichkeiten. Sie erscheinen entweder jugendlich aufgedreht (Poldi, Schweini), angenehm ruhig und sachlich (Lehmann, Metzelder) oder einfach nur wie Streber (Ballack, Ballack).
Besonders hübsch gelungen sind die Stadionszenen, wirkt das Spiel doch von der Seitenlinie mit Handkamera aufgenommen viel schneller und die Spielstätte viel beeindruckender als im Fernsehen. Lediglich die musikalische Untermalung hätte etwas bescheidener sein dürfen. Aber vermutlich musste sich Sönke Wortmann dieses Mittels bedienen, um den nur temporär fußballinteressierten Länderspielguckern und Schönwetterfans das Gefühl des großen Turniers wiederzubeschaffen. Überhaupt ist die Musik im Film, nicht zuletzt dank Gerald Asamoahs Zutun, für Menschen, die Xavier Naidoo nichts abgewinnen können, nur schwer zu ertragen.
Obwohl mich der hohe Unterhaltungsgrad des Films Sönke Wortmanns Vergehen wie `Das Wunder von Bern´ nicht verzeihen lässt, kann ich niemandem, der sich zumindest ein wenig - und sei es nur die WM - für Fußball begeistern kann, von einem Kinobesuch vollen Herzens abraten, sondern lediglich einen Tip mit auf den Weg geben: Lasst eure Kinder zu Hause. Guckt euch lieber `Die wilden Kerle 1-3´ an, bei `Deutschland. Ein Sommermärchen´ handelt es sich nämlich um keinen Kinderfilm.
Ich habe den Fehler gemacht und mir den Film nachmittags während der Herbstferien angesehen und so feststellen dürfen, dass Kinder zwar herzlich beim Anblick von Lehmanns nacktem Popo oder Poldis Schlüpfer lachen, sich aber ansonsten nicht für Dokumentationen und Interviews interessieren, schon recht nicht, wenn diese über mehrere Stunden gehen, sonder lieber selber reden. Vielleicht hätte Sönke Wortmann aus seinem Material zwei Filme machen sollen, einen für die Kinder, der nur aus Spielszenen besteht, denn diese kamen sehr gut beim jungen Publikum an, und einen, so wie er ist, für die größeren Kinder, dann hätte ich beim Gucken vermutlich meine Ruhe gehabt. Doch so haben die niemals schweigenden Kinderstimmen Aggressionen und den Wunsch in mir hervorgerufen, den Kinosaal in einen "Schwachmaten-Block" (wieder Zitat R.B.) zu verwandeln.
Online-Flyer Nr. 66 vom 17.10.2006
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