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Medien
WDR-Autor Wilfried Huismann stellte sein Buch zum Kennedy-Mord vor
Vertrag erfüllt?
Von Harald Neuber

Im Februar brachte die NRhZ 30 eine Würdigung von Wilfried Huismanns ARD-Film 'Rendezvous mit dem Tod - Kennedy und Castro'. Da der langjährige MONITOR-Autor nun auch ein Buch gleichen Namens auf den Medienmarkt gebracht hat, besuchte unser Lateinamerika-Kollege eine Veranstaltung, in der er es der Presse präsentierte. Die Redaktion.
Wilfried Huismann ist sichtlich nervös. Unstet läßt der WDR-Autor seinen Blick durch den Raum schweifen. Gut zwei Dutzend Pressevertretern will er an diesem Dienstag sein neues Buch »Rendezvous mit dem Tod« zur gleichnamigen ARD-Dokumentation präsentieren. Was ihn beunruhigt, ist nicht die überraschende Resonanz oder der kurzfristige Lieferengpaß. Immer wieder bleibt sein Blick im hinteren Teil des Konferenzraumes in der Berliner Friedrichstraße hängen. Dort sitzt Ekkehard Sieker, langjähriger Redaktionskollege Huismanns beim TV-Magazin Monitor und derzeit einer seiner schärfsten Widersacher in der Kontroverse um Huismanns Anfang Januar ausgestrahlten Film. Der kubanische Staatschef Fidel Castro, heißt es darin, habe die Ermordung des 35. Präsidenten der USA, John F. Kennedy, 1963 in Dallas befohlen.

Karikatur: Kostas Koufogiorgos
Karikatur: Kostas Koufogiorgos
www.koufogiorgos.de


Zusammen mit dem Autoren Lothar Buchholz hatte Sieker auf einer von der jungen Welt  mitveranstalteten Medienkonferenz »Verschweigen. Lügen. Fälschen« das Ergebnis seiner monatelangen Gegenrecherche präsentiert. 160 Seiten umfaßt das Buch »Rendezvous mit der Quote«, ganze 160 Seiten mehr Argumente als Huismann für seine wagemutige Theorie präsentieren konnte. »Zu den zentralen Argumenten des Films habe ich im Buch nichts hinzuzufügen«, sagte Huismann. Im Buch habe er lediglich die »psychologische Entwicklung« des mutmaßlichen Kennedy-Attentäters Lee Harvey Oswald besser darlegen können. Zu den fragwürdigen »Beweisen« wie einem Memorandum, das Martin Underwood, ein Mitarbeiter von US-Präsident Johnson, in den sechziger Jahren verfaßt haben und das die Spur nach Kuba bestätigen soll, gebe es »nichts Neues«.

Das immerhin war ein erstaunlich offenes Eingeständnis. Bei der Präsentation des Buches erlebte man einen Autor, der seine Formulierungen lauernd-bedächtig wählte, der seine Aussagen vorsichtig abwog, um, des kritischen Auditoriums bewußt, keine weiteren Widersprüche zu produzieren. Huismann zeigte sogar »Verständnis« für die Kritiker des Films. Er versuchte zurückzurudern. Daß ihm das nur bedingt möglich ist, liegt am Buchvertrag, den es zu erfüllen gilt. Nicht mehr und nicht weniger hatte Huismann zum Auftritt bewogen. Ein überzeugter Rechercheur, der seine These auch gegen Kritiker verteidigt, sieht anders aus.

Die Verträge zu erfüllen, heißt aber auch, das schmutzige Spiel weiterzuspielen. Ungeachtet der Kritik und immer neuer Fragen zu den mutmaßlich bewußt manipulierten »Beweisen« zog der Schweizer Pendo-Verlag, in dem das Buch nun erschien, vom Leder: »Oswald war kein einsamer Spinner«, hieß es in der Einladung zur Buchpräsentation. Oswald sei ein »Werkzeug Fidel Castros« gewesen. Verlag und Autor scheinen sich an die verzweifelte Hoffnung zu klammern, daß die Aussage einer schlechten Recherche glaubhafter wird, wenn man sie nur oft genug wiederholt.

Begeisterung löste das nur noch bei denjenigen aus, die unbedingt an die Spur nach Kuba glauben wollen. Der Vertreter des antikubanischen Propagandasenders »Radio Martí«, dessen Programme, von der US-Regierung großzügig finanziert, vom US-Bundesstaat Florida aus nach Kuba ausstrahlt werden, brachte angebliche Einreisesperren für deutsche Journalisten während des Gipfels der Blockfreien Staaten sogleich mit dem Huismann-Film in Verbindung.

Weil solche angeblichen Folgen Film und Buch interessanter machen, stieg Huismann auf den frei erfundenen Zusammenhang des US-Kubaners ein: Auch die japanische Koproduktionsfirma NHK sei vom kubanischen Botschafter vorgeladen worden. Für den Fall, daß die Dokumentation in Japan ausgestrahlt werde, habe der Diplomat mit bilateralen Konsequenzen gedroht. Auf meine Nachfrage konnte Herminio López, Geschäftsführer der kubanischen Botschaft in Japan, dies nicht bestätigen. Doch durch erfundene Skandale soll der Eindruck des totalitären Kubas gefestigt und das Merchandising von Buch und Film gefördert werden. Wie sich der Autor und der Exilkubaner bei der Präsentation die Bälle zuspielten, zeigte einmal mehr, wo der ehemalige DKP-Mann Huismann inzwischen angekommen ist.

Stellungnahme der kubanischen Botschaft in Tokio

Der Botschafter der Republik Kuba in Japan, Herr Orlando Hernández Guillén, hat zu keinem Zeitpunkt mit einem Vertreter des japanischen Fernsehsenders NHK gesprochen. Es wurde nie jemand bedroht. NHK gegenüber wurde niemals geäußert, dass Kuba Schritte gegen diesen Sender unternehme.

Ebenso ist es unwahr, dass eine Verschlechterung der bilateralen Beziehungen zwischen Kuba und Japan in Aussicht gestellt wurde. Die Pressebeauftragte der Botschaft und ich standen wegen des deutsch-japanischen Dokumentarfilms "Rendezvous mit dem Tod" mit einigen Angestellten und Journalisten von NHK in Verbindung, aber niemals haben wir ihnen wegen ihrer Beteiligung an diesem Projekt eventuelle negative Konsequenzen angekündigt. Auch wenn wir unsere Position zu diesem Film klar und mit Nachdruck vorgebracht haben, fanden die Gespräche durchweg in einem Klima beiseitigen Respekts statt.
Sie (NHK, d. Red.) haben den Film trotzdem mehrfach ausgestrahlt. Nach Bestätigung des Leiters des Internationalen Pressezentrums in Havanna, José Luís Ponce, sind die Beziehungen zu dem Sender NHK völlig normal: Sie haben vom Gipfel der Blockfreien Staaten in Havanna berichtet, mit unserer Unterstützung kam zudem eine TV-Dokumentation über die kubanische Tabakindustrie zustande.

Herminio López Díaz
1. Sekretär der Botschaft der Republik Kuba in Japan


Online-Flyer Nr. 66  vom 17.10.2006

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