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Literatur
Der Fortsetzungsroman in der NRhZ - Folge XIX
"Niemandsland"
Von Wolfgang Bittner

Der Roman führt zurück in die achtziger Jahre der Bundesrepublik Deutschland. Der Ich-Erzähler, ein Universitätsdozent, gerät in eine Sinnkrise und Depression, aus der er sich durch das Erfassen seiner eigenen Geschichte zu befreien versucht. Er hat sich einen Standort geschaffen, doch die scheinbare Geborgenheit wird nach und nach in Frage gestellt. Das Gefühl der Sinnlosigkeit lähmt und läßt zugleich ahnen, daß die Ursache der Depression ein tiefes unterbewußtes Entsetzen ist. Fast zwanghaft spürt der Erzähler diesem unbestimmten Gefühl nach, nähert sich dem Ursprung seiner Angst. Ein Mosaik entsteht. Lesen Sie Kapitel XIX "Nächtliches Gespräch".

Der Gedanke an Flucht, an eine grundlegende Neuord­nung sämtlicher Verhältnisse, Beziehungen und Umstän­de, wird in immer kürzeren Zeitabständen immer drän­gender. Je mehr zusammenkommt an Möbeln, Hausrat, Büchern, Schallplatten, Geräten, Plunder und Kram, in Schubladen, Schränken, Wohnräumen und Keller, desto weniger meine ich alles zu brauchen. Ein Hemd, eine Hose, Socken und Unterwäsche zum Wechseln, Zahn­bürste und Rasierzeug, Schreibpapier. Vielleicht noch die beiden Fotos aus dem Notizbuch, Gryphius´ Gedichte, Travens »Land des Frühlings«, worin ich gerade lese. Nicht einmal das brauchte es. Ich denke an Kanada oder Mexiko.

Wenn wir uns unterhalten, geht es nur noch um die Kinder. Sogar wenn ich verreist bin und zu Hause anrufe, spricht Ruth als erstes von ihnen, als lasse unser Zusam­mensein keinen anderen Gedanken mehr zu. Das Baby haben wir ins Schlafzimmer genommen, es ist jetzt zehn Wochen alt. Neben der Tür steht die Wiege, in der auch die beiden anderen gelegen haben. Alle vier Stunden eine Mahlzeit, Wickeln, Flaschen und Schnuller abkochen, Wäsche waschen, den Dreck wegräumen. Felix hat mit seinen vier Jahren wieder angefangen, aus der Flasche zu trinken. Er fühlt sich augenblicklich nicht wohl, klagt über Schmerzen und hat einen heißen Kopf. Wenn ich ihn frage, wo es wehtut, zeigt er auf Bauch, Brust, Kopf und sämtliche Gliedmaßen.

Ruth ist mit Julia, die operiert werden mußte, im Krankenhaus, einer Spezialklinik in Kassel. Mehrere Wochen lang sind wir von einem Arzt zum anderen gelaufen, bis sich herausstellte, daß die von den Nieren zur Blase füh­renden Harnleiter nicht einwandfrei arbeiten. Dauernd neue Infekte und die Gefahr einer Nierenschädigung. Wie so etwas zustande kommt, kann keiner erklären - die Ärzte geben sowieso kaum Erklärungen. Man fühlt sich wie ein Versuchskaninchen, hilflos einem Verfahren unterworfen, bei dem der Ausgang ungewiß ist. »Sie müs­sen Vertrauen haben«, sagte die Kinderchirurgin, eine resolute und von ihrer Arbeit überzeugte Frau Anfang Fünfzig. Wenn Ruth mich anruft, erzählt sie von offenen Rücken, Wasserköpfen, Verunstaltungen und verwachse­nen Körperausgängen. Sie leidet unsäglich, das merkt man an ihrer Stimme. Julia hängt nach dem ersten chirur­gischen Eingriff am Tropf und ist katheterisiert, die zwei­te Seite soll in den nächsten Tagen operiert werden. Zwei Tage lang habe sie, wenn sie nicht schlief, fast ununterbro­chen geschrien. Dazu das Schreien, Heulen und Schluch­zen der anderen Kinder. Ruth sagt: »Manche schreien den ganzen Tag nach ihrer Mutter.«

Ich bereite das Mittagessen vor, schäle Kartoffeln und putze Gemüse. Im Radio gratuliert die Oma dem Opa zum siebzigsten Geburtstag. Ich stelle mir vor, wie sie sich beim Frühstück, stumm wie jeden Tag, am Tisch gegenübergeses­sen haben, auf die erbetenen Glückwünsche wartend, die jetzt aus dem Äther kommen. Anschließend wird die Ou­vertüre aus »Gräfin Mariza« gespielt, »Auch ich war einst ein feiner Csárdáskavalier...« Wie originell, wie bezau­bernd. >Jetzt<, denke ich mir, >freuen sie sich.< Das hübsche Programm, man denkt aneinander, die nette Musik.

Der Säugling schreit. Während ich ihm die Flasche gebe, singen die Equals, ganz leise gestellt, »O Baby come back«. Ansprechende Sendungen mit viel Musik, später noch Werbung, den ganzen Tag, zwischendurch Ver­kehrsberichte und Wettervorhersagen, hin und wieder fünf Minuten Nachrichten über verunglückte Busse, Erd­beben in Südamerika, Banküberfälle, Kindesentführun­gen und Mißstände woanders, natürlich im Osten. Ab und zu kommt immer mal wieder ein Anrufer zu Wort, der sich einen Schlagertitel wünschen darf. So stellen sich Politiker die Regionalisierung und die Reform des Rund­funks vor. Abends im Fernsehen dann Schlagerderby, Sportstudio, Talkshows und Krimiserien. Eine fort­schreitende Entwicklung. So hätte ich mir das, noch vor wenigen Jahren, nicht im Traum ausmalen können.

Das Baby scheint merkwürdigerweise die Mutter über­haupt nicht zu vermissen. Dagegen lauert Felix den gan­zen Tag auf Ruths Telefonanruf. Hinterher weint er und ist kaum ansprechbar. Es dauert mehrere Stunden, bis er sich wieder beruhigt. Täglich das gleiche: den Säugling versorgen, Frühstück, zum Kindergarten, Einkaufenge­hen, Aufräumen, Saubermachen, Abwaschen, Essen zu­bereiten, wieder zum Kindergarten, ein Telefonanruf oder ein eiliger Brief. Gehe ich mit dem Kinderwagen durch die Stadt, an der Hand den Vierjährigen, komme ich mir fremd vor. Fängt das Baby im Supermarkt an zu schreien, versammeln sich bald einige Mütter um mich, um mir gutgemeinte Ratschläge zu geben, als habe ich etwas falsch gemacht. Im Bus dasselbe, die Fahrten zur Stadt sind mir unangenehm. Auf den Spielplätzen begeg­ne ich nur Kindern und Frauen.

Die andere Seite ist ein anwachsendes Gefühl der Ver­bundenheit mit den Kindern, das sich, ebenso wie meine Zuneigung zu ihnen, nur schwer beschreiben läßt. Da­durch wird alles leichter und unbeschwerter, Arbeit, Bela­stungen und Sorgen sind schnell wieder vergessen. Felix sagt: »Mama habe ich am liebsten, und dich habe ich auch am liebsten.« Er läßt sich widerspruchslos den Kopf waschen, Fingernägel und Haare schneiden. Sage ich, das Baby sei ein kleines Dummerchen, widerspricht er mit ernstem Gesicht: »Ein kleines Lieberchen.« Das Baby fängt an, sein Gesicht zu einem Lachen zu verziehen.

Früher, wenn Mütter von solchen Dingen berichteten, habe ich das albern gefunden. In letzter Zeit bemerke ich ähnlich überschwengliche Reaktionen bei mir. Das Glucksen und Lallen beim Wickeln, die sich festhal­tenden kleinen Hände, dieser ungeheure, unfaßbare Le­benswille, die behagliche Zufriedenheit nach dem Füt­tern. Der Vierjährige singt manchmal beim Spielen ganz in sich versunken vor sich hin. Das Herz geht einem auf dabei. Fotos von hungernden oder mißhandelten Kindern in den Illustrierten vermag ich kaum noch zu verkraften. Manche Bilder gehen mir mehrere Tage lang nicht mehr aus dem Kopf.
Mittags gibt es Kartoffelsuppe, zum Nachtisch Rote Grütze mit frischen Johannisbeeren aus dem Garten. Wir setzen uns gemütlich auf die Terrasse, und mein Sohn plau­dert mit mir. Im Kindergarten gefalle es ihm ganz gut, sagt er, »andere Leute müssen ja auch zur Arbeit, das ist sonst viel zu langweilig.« Aber dann beginnt das Baby zu schrei­en. Vielleicht hat es Blähungen. Ich schlinge schnell mein Essen hinunter und koche Fencheltee. Das Baby schreit weiter. Es ist nur ruhig, wenn ich es auf den Arm nehme und schaukele, bis es endlich einschläft.

Die alte Frau Nerlich von nebenan kommt vorbei. Wir nennen sie - wie es die Kinder begonnen haben - Oma Nerlich. Sie kommt jetzt fast jeden Nachmittag und hilft mir ein wenig im Haushalt, anschließend trinken wir zusammen Kaffee. Manchmal spielt sie mit den Kindern oder schiebt den Kinderwagen spazieren. »Als ich jung war«, erzählt sie, »kurz nach dem ersten Weltkrieg, gab es kaum satt zu essen. Ich habe neben der Hausarbeit noch auf dem Feld helfen müssen. Die Säuglinge wurden morgens fertiggemacht und dann ins Bett gelegt, wo sie bis mittags liegenblieben, dann wieder bis zum Abend, ohne daß jemand Zeit gehabt hätte, sich um sie zu küm­mern.« Sie berichtet viel von früher, und ich höre ihr gern zu. Wie ich sie kennengelernt habe, ist eine Ge­schichte für sich, ein seltsamer, unerklärlicher Zufall.
Das war im vergangenen Jahr.

Eines Nachts hatte ich noch Post zum Briefkasten an der Ecke zu bringen. In einem der Nachbargärten sah ich auf dem Hinweg eine Bewegung, achtete aber nicht weiter darauf. Als ich zu­rückkam, war der Mond gerade aufgegangen, und ich bemerkte unter einem Kirschbaum die alte Frau, in der Hand einen Strick, den sie über einen Ast geworfen hatte. Die Situation war eindeutig. Aber wie sich verhalten? Ich grüßte sie und begann, mühsam nach Worten suchend, ein Gespräch über das Wetter, dann über die Nachbar­schaft, schließlich über das Leben im allgemeinen. Nach einer Weile kam sie an den Zaun. Ich erzählte ihr, daß ich nicht schlafen könne und gerade in dieser Nacht unter furchtbaren Depressionen litte. Das ginge ihr ebenso, sagte sie, schon seit mehreren Nächten könne sie nicht mehr schlafen. Das Wetter, der Mond, das Leben, die Kinder. Drei Unfälle in der Familie im letzten Jahr, zwei mit tödlichem Ausgang, und auch der Mann vor Jahren schon mit dem Auto tödlich verunglückt. Ich lud sie zu einem Glas Wein ein, und wir setzten uns, da es warm war, auf die Terrasse. Da begann sie zu erzählen.

Vor einigen Jahren hat sie ihr Reihenhaus auf den Sohn überschrieben und die gut verheiratete Tochter abgefun­den. Sie wollte klare Verhältnisse, sagte sie. »Was braucht man in meinem Alter noch viel zum Leben.« Das Dach­geschoß wurde ausgebaut, die Familie des Sohnes zog in die ersten beiden Etagen. Er war Beamter im mittleren Dienst bei der Post, sie hatte ein gutes Verhältnis zu ihm. Da fiel er vor einem Jahr beim Reinigen der Dachrinne von der Leiter und war tot. Seit dieser Zeit wurde die Schwiegertochter schwierig.
Vor einem Vierteljahr nun verunglückte die zwanzig­jährige Enkeltochter auf tragische Weise. Ein geradezu unglaubliches Geschehen. Mit ihrem Freund fuhr sie auf dem Motorrad zu einem Schützenfest in der näheren Umgebung. Das Wetter war gut und der Freund ein um­sichtiger, verläßlicher Fahrer. Auf der Landstraße be­merkte er plötzlich einen Schatten, das Motorrad geriet leicht ins Schlingern. Er fragte die hinter ihm sitzende Freundin, ob sie etwas gesehen habe, bekam jedoch keine Antwort. Der junge Mann hielt an und drehte sich um. Das Mädchen kauerte zusammengesunken auf dem So­ziussitz, es war bewußtlos, unter dem eingedrückten Mo­torradhelm lief Blut hervor. Sofort benachrichtigte der Freund aus einem nahegelegenen Bauernhaus die Klinik. Aber obwohl das Mädchen schon kurz darauf mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen wurde, starb es noch am selben Abend. Auf der Landstraße fand man - und diesen Vorgang konnte nicht einmal die zu Rate gezogene Forstbehörde klären - den herabgestürz­ten dicken Ast einer Buche.

Jetzt folgte der nächste Unglücksfall, von dem der En­kelsohn betroffen war, aber nicht allein, wie sich bald herausstellte. Er war bis vor kurzem kaufmännischer An­gestellter in einem Großhandelsbetrieb und wohnte mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern zur Miete in einem anderen Vorort. Eines Abends begannen die beiden Kleinkinder, es sind Zwillinge, gegen zehn Uhr zu schrei­en und gaben bis in die Nacht hinein keine Ruhe; die Mutter meinte, sie bekämen Zähne. Der von dem Schrei­en zermürbte Vater, offenbar war er zusätzlich durch berufliche Ereignisse nervlich belastet, trank einige Schnäpse und legte sich im Wohnzimmer auf das Sofa. Aber auch dort konnte er keinen Schlaf finden, weil die Kinder in der kleinen Wohnung überall zu hören waren. Daraufhin ergriff er wütend einen Hausschuh und ver­prügelte damit die Säuglinge, schließlich auch seine Frau, die dazwischensprang. Danach verließ er das Haus und stieg in den ihm lediglich für Fahrten zwischen Arbeits­platz und Wohnung zur Verfügung gestellten firmeneige­nen Lieferwagen. Er beabsichtigte, zu Mutter und Groß­mutter zu fahren, um dort den Rest der Nacht zu verbringen. Unterwegs geriet er aber bei überhöhter Ge­schwindigkeit in einer scharfen Kurve ins Schleudern und prallte gegen ein abgestelltes Fahrzeug. Der Lieferwagen wurde dadurch zwar schwer beschädigt, war jedoch noch fahrbereit. Und dieser Umstand wurde dem Enkelsohn endgültig zum Verhängnis. Das viele verbeulte Blech, der Alkohol, die Kosten. Woher das Geld nehmen, was würde der Chef sagen, was die Polizei. Anstatt den Unfall zu melden, ergriff er die Flucht und versuchte am anderen Tag einen Unfall auf dem Weg zur Arbeit vorzutäuschen, um wenigstens von einem Teil der Kosten herunterzu­kommen. Es stellte sich aber - wie sollte es anders sein - bald die Wahrheit heraus. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen Trunkenheit im Straßenverkehr und Fah­rerflucht, die Firma kündigte fristlos.

Damit hätte es sein Bewenden haben können. Doch leider geht die Geschichte noch weiter. Denn die Arbeits­losenunterstützung reichte nicht einmal aus, die Lebens­haltungskosten einschließlich der Miete aufzubringen, geschweige denn den Schadensersatz. Deswegen beab­sichtigt der Enkelsohn jetzt, in das Haus seiner Großmut­ter umzuziehen, das er von seinem verstorbenen Vater zu einem Teil geerbt hat. Er stellt sich das so vor: Die Mutter zieht in das Dachgeschoß, wo bisher noch die Großmutter wohnt; er zieht mit seiner Familie in die ersten beiden Etagen, und die Großmutter kommt ins Altersheim.

Soweit diese Familiengeschichte, die ich in einer warmen Sommernacht bei einem Glas Wein auf der Terrasse erfuhr. Die Angelegenheit ließ sich schon am folgenden Tag da­durch regeln, daß ein Anwalt im Auftrag der alten Frau einen Brief an den Enkelsohn schrieb. Darin wurde in dürren juristischen Worten lediglich mitgeteilt, daß die Großmutter in ihrer Wohnung bleiben werde. Aber welch eine Tragödie, wenn man sich das alles einmal überlegt.
Wir sitzen in der Küche und trinken Kaffee. Oma Nerlich hat Obstkuchen mitgebracht und sogar Schlag­sahne. Felix spielt mit seinem Kran, das Baby schläft, und die Oma erzählt wieder. Von ihrer Jugend in einem Dorf in der Nähe, von ihrer ersten Stellung beim Bauern, wie sie ihren späteren Mann kennengelernt hat, von Schützenfesten, Hochzeiten und Beerdigungen. »Sechs Kinder«, sagt sie, »und zwei Fehlgeburten, die kommen noch hinzu.« Drei Jungen im Krieg geblieben, eine Toch­ter starb an Tuberkulose. Nach dem Krieg, den der Mann von Anfang bis Ende mitgemacht und trotz einiger Ver­wundungen leidlich überstanden hatte, wurde gearbeitet, von morgens bis abends, dann gebaut, das Haus abbe­zahlt. »Das ganze Leben nur Arbeit«, sagt sie, noch mit Achtundsechzig ging sie putzen. »Dann wollten die Knie und Rücken nicht mehr.« Sie schlürft behaglich ihren Kaffee und verzieht ihr runzliges Gesicht zu einem Lä­cheln. »Eigentlich geht es mir jetzt sehr gut«, meint sie, »sogar ein neues Gebiß habe ich mir noch machen lassen.« Sie zeigt stolz ihre Zähne. Dann holt sie ihre Tasche und stellt ein Glas Senfgurken auf den Tisch, eigene Ernte.

Abends, nachdem die Kinder im Bett sind, sitze ich hinter dem Schreibtisch und versuche zu arbeiten. Vier Stunden bleiben mir, bis das Baby wieder schreit. Manch­mal wacht auch Felix auf und will ebenfalls etwas zu trinken haben. Ich versuche, ein Seminar für das nächste Semester vorzubereiten, vor Tagen war mir das Thema noch gegenwärtig.

Die Literaturliste muß abgeschlossen werden. Es geht nicht, obwohl die Zeit drängt. Die Gedanken sind schwammig und flatterhaft, der Körper ist wie ausgebrannt. Seit Monaten jetzt schon ein Gefühl der Erschöp­fung, des Überdrusses, andauernd der Gedanke an Flucht. Man geht zum Zigarettenautomaten an der Ecke und kehrt nicht zurück. So ähnlich. Vielleicht eine Reise, denke ich, nach Kanada oder nach Mexiko. Man könnte sich ein Semester beurlauben lassen. Nur rauskommen, Abstand gewinnen, wieder einen klaren Kopf bekom­men. Ehe es zu spät ist. Ich nehme mir vor, mit Ruth darüber zu sprechen, sobald sie wieder zu Hause ist und sich die erste Unruhe gelegt hat. In Gedanken bin ich manchmal schon unterwegs.


Wolfgang Bittner-Niemandsland

Dieses Buch erschien erstmals 1992 im Forum Verlag Leipzig, im September 2000 neu aufgelegt im Allitera Verlag, München









Der Autor

Wolfgang BittnerWolfgang Bittner, geboren 1941 in Gleiwitz, lebt als Schriftsteller in Köln. Er studierte Jura, Soziologie und Philosophie und promovierte 1972 zum Dr. jur. Bis 1974 ging er verschiedenen Tätigkeiten nach, u. a. als Fürsorgeangestellter, Verwaltungsbeamter und Rechtsanwalt. Ausgedehnte Reisen führten ihn nach Vorderasien, Mexiko und Kanada. Er hat mehr als 50 Bücher für Erwachsene, Jugendliche und Kinder geschrieben, darunter die Romane »Marmelsteins Verwandlung«, »Die Fährte des Grauen Bären«, »Die Lachsfischer vom Yukon« und »Narrengold« sowie das Sachbuch »Beruf: Schriftsteller«. 
www.wolfgangbittner.de

Online-Flyer Nr. 67  vom 24.10.2006

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